Verrassende verhalen, gedichten en andere teksten vanuit een gay perspectief


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Verrassende verhalen, gedichten en andere teksten vanuit een gay perspectief

Duits | Eigentlich ...

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Bericht Re: Duits | Eigentlich ... door Redactie » woensdag 19 augustus 2015 14:52

29.


Es war Thomas, den ich zwölf Tage später zu mir ins Büro bestellte. Es war auch Thomas, mit dem ich zwei Vorort-Termine im Black Stage hatte, um diverse Verträge der Reinigungsfirma und der zuständigen Wäscherei durchzusehen. Diverse Räume mit eben diesen Leuten zu sichten und die Vorkehrungen im Bereich Safer Sex von Thomas noch mal erläutert zu bekommen. Einfach, um mich da auch noch mal schlau zu machen, was eigentlich Standard sein sollte. Wie die offensichtlichen Risiken – gerade im Bereich des ungeschützten Oralverkehrs – der Mitarbeiter vertraglich festgehalten sind. Mache also gerade das, was ich vor wenigen Wochen noch bei Uli und Thomas verurteilt hab. Ich übergehe Chris!

Und zwar so geschickt, dass er zu besagten Zeiten nicht im Club anwesend ist. Die Angestellten sind höflich zu mir. Zuvorkommend trifft’s wohl eher. Während die Häschen mich freundlich begrüßen, mich kurz mit ihren Wimpern anblinken, und dafür sorgen, dass ich stets was zum Trinken griffbereit hab, macht die Mehrheit der Callboys einen grandios weiten Bogen um mich.

Ich hab meine Hausaufgaben gemacht und sämtliche Gesundheitschecks der Mitarbeiter von Andreas, aus der Arztpraxis, nach oben bekommen. Die Mitarbeiter des Black Stage erfreuen sich bester Gesundheit. Drei, vier Kleinigkeiten haben die Blutbilder ergeben. Aber nichts, was als übertragbare Krankheit beim Geschlechtsverkehr gilt.

Hab mit dem Gewerbeamt gesprochen. Mir einen dicken Wälzer an Gesetzestexten zukommen lassen, was die Sauberkeit, Reinlichkeit und die Auflagen für ein Gewerbe wie das Black Stage angeht. Fazit ist, was ich wirklich nicht gerne laut ausgesprochen hab: Das Black Stage sollte die Reinigungsfirma wechseln. Vielleicht auch einfach mal darauf achten, dass die Firma sich an die Auflagen hält und diese verinnerlicht. Gegebenenfalls die Gesetze auch erst mal in deren Sprache übersetzen. Uhm … ich werde gerade fies. Werde gerade Arsch und ich glaub, ich höre in dem Bereich Zeitarbeit und Arbeitnehmerüberlassung bei Reinigungsfirmen auch mal wieder ganz schnell auf, in den Krümeln zu suchen.

In den sanitären Anlagen gibt es aber leider zwei Defizite. Nichts, was ich vor Gericht nicht rausschlagen könnte. Also nichts, was irgendwie eine vorübergehende Schließung des Clubs nach sich ziehen dürfte. Aber sicher ist sicher! Es muss ausgebessert werden. Die Toiletten sind in Ordnung, bei den Nassräumen muss entsprechend nachgelegt werden. Ich spreche das mit Thomas durch, der sich noch am gleichen Tag kümmern muss. In drei Tagen ist die Sichtung angekündigt. Keine Zeit zu verlieren.

Ich verfasse ein Gegenschreiben zu dem Vorwurf des Amts, verfasse ein Gegenschreiben zu der privaten Anklage, die durch einen Anwalt ins Haus geflattert kam und erledige den Rest meiner sich immer noch türmenden Arbeit. Mache das alles, ohne mit der Wimper zu zucken. Monoton! Immer so weiter! Und so weiter! Und …

Es hilft nur bedingt. Mein Job füllt mich aus. Aber leer ist es dennoch in mir. Die leistungsstarke Duracell geht langsam zur Neige. Kaffee und Kippen sind immer in Reichweite. Das Handy meist aus. Nachdem ich sechs volle Tage draufgestarrt hab, sogar dreimal bei Chris durchgewählt hab und unsere Unterhaltung mehr als stockend und unnahbar war, bin ich jetzt an dem Punkt angekommen, dass ich eigentlich gar kein Handy mehr brauche. Chris ist sauer. Nach wie vor. Ob sich das jemals ändert, liegt wohl nicht mehr in meiner Hand.

Nicht mal Thomas hat es gewagt, mir von Chris zu erzählen. Weiß nicht, wie es ihm geht. Weiß nicht mal, ob er weiterhin Kunden bedient. Ich zahle jedenfalls meine Buchungen immer schön im Voraus. Zu den unterschiedlichsten Zeiten allerdings. Will gerne vermeiden, dass Chris irgendwann Wind davon bekommt, wann ich immer unten an der Kasse beim Black Stage auftauche. Sicher ist sicher! Ich komme also, wenn er nicht damit rechnet und bezahle meine Nichtfick-Schulden. Will mir ja auch nichts nachsagen lassen.

Irgendwie, so meine Hoffnung, dass er tatsächlich keine Dienstleistungen mehr erbringt, geht es mir besser damit. Auch, wenn’s nur der Gedanke daran ist, dass ich es wenigstens auf meine Art und Weise versucht hab. Ein schlechtes Gewissen müsste ich eigentlich haben. Weil ich seine Meinung und Entscheidung nicht respektiert hab. Aber da kommen wir wohl genau an den Punkt zurück, um den es sich dreht. Es ist seine Entscheidung. Meine Buchungen zu überbuchen oder sich viel, viel Zeit zu nehmen, die er ja dadurch hat, um zu überdenken, was er eigentlich will.

Hab meine Eltern um Geld angepumpt. So flüssig bin ich dann doch nicht. Chris wird mich bis zum Ende des Monats ein kleines Vermögen kosten. Knapp dreißigtausend Euro, wie ich mir letztendlich selbst ausgerechnet hab. Und alles was danach kommt, kann ich sowieso nicht mehr beeinflussen. Da ich aber noch ein bisschen länger in meinen vier Wänden leben will, musste ich beim Oberboss vorsprechen. Pa hat nicht gefragt. Na ja, eigentlich … hat er schon gefragt wofür ich das brauche. Meine Antwort, dass ich nicht drüber reden kann, hat er allerdings schnell akzeptiert. Das Motto Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! gibt’s bei uns nicht. Glaub, für meine Familie muss ich echt dankbar sein. Über den Umstand, dass ich ihnen mitgeteilt hab, Weihnachten alleine zu Hause zu verbringen, haben sie sich allerdings lautstark brüskiert.

Im Black Stage wird an Heiligabend gefeiert, für alle, die keine Familie haben, so teilte mir Thomas das mit. Hab gar nicht danach gefragt, aber er war irgendwie redselig und hat mir ein bisschen zu viel des Guten erzählt. Auch, dass der besagte Samstagabend nicht mehr ganz so glamourös endete. Schlimmer noch! Thomas deutete etwas von einer Katastrophe an, die sich in der Lounge abgespielt haben muss. Hat mir Uli gar nicht erzählt! Vielleicht ist er genauso sauer auf mich, wie Chris das ist. Aber Uli verliert seit diesem krass dämlichen Samstag, wie all die Jahre zuvor, sowieso wieder eher weniger statt mehr seiner Worte. Ist schon verrückt dämlich, diese Welt, in der wir alle Platz finden müssen.

Langsam komme ich mir vor, wie ein Auffanglager für Probleme und Geheimnisse, die sich jeder von der Seele reden will. Warum kommen die damit immer alle zu mir, hm? Interessiert’s mich? Hab ich etwa Mutter Teresa auf der Stirn stehen? Pruhhh … Ehrlich wahr! Möchte mich auch mal auskotzen.

Mittlerweile glaub ich, so übel ist Thomas gar nicht. Glaub aber auch, dass er gerne über Chris gesprochen hätte, der Ansatz war mehrmals vorhanden. Doch irgendwas hat ihn dann blockiert. Vermutlich ein ganz klares Verbot seines Jungen.

Marie war es letztendlich, die mir das schönste, ehrlichste und vor allem das einzige Weihnachtsgeschenk gemacht hat, das ich dieses Jahr wohl bekommen werde. Sie schenkte mir Zeit, ihr Ohr und eine ganze Portion Zuversicht, gemischt mit Humor. Und das zum genau richtigen Zeitpunkt. Zwei Tage vor Weihnachten. Mein Gips kam vorher ab und sie war der Meinung, mein Versprechen gleich mal einlösen zu müssen. Hab mich auf dem Eis ein bisschen dämlich angestellt, aber Spaß hat’s dennoch gemacht. Und danach hab ich mir alles von der Seele geredet. Sie hakte sich bei mir ein und wir hatten einen echt schönen Abend. Micky und Till haben wir danach auf dem Weihnachtsmarkt getroffen. Tjard und sein angetrautes Häschen kamen auch noch dazu.

Glaub, Tjard hat sich ein bisschen gefreut, als er mich in Begleitung von Marie antraf. Hab’s mir allerdings gespart, ihm noch was zu erklären. Als bester Freund muss er es doch eigentlich besser wissen. Vielleicht glaubt der aber auch einfach, dass ich, so plötzlich ich mich als homosexuell geoutet hab, mich auch wieder zurückverwandeln könnte. Hokuspokus!

HA-HAHAHA!

Nein, ich hebe mir das Lachen besser für später auf. Wenn Tjard wüsste, was er alles verpasst … Nein! Schluss jetzt! Spaß beiseite! Mein Sarkasmus ist … na ja … gehört ja auch irgendwie zu mir. Vermutlich hat Tjard es einfach noch nicht verstanden. Wahrscheinlich ist er einer der Sorte Mensch, die es akzeptieren, ja, meinetwegen auch tolerieren, aber nie verstehen werden. Dachte eigentlich, weil Micky seit der Buddelkiste zu uns gehört, dass sein Denken über all die Jahre einen anderen Level erreicht hätte. Bisschen fade ist der Beigeschmack deshalb schon. Aber zwingen kann ich Tjard ja dann auch leider nicht. Ich werde also überdenken müssen, inwiefern er in Zukunft noch als bester Kumpel agieren kann. Werde natürlich ein Gespräch, so von Auge zu Auge, vorneweg schieben. Aber nicht mehr dieses Jahr. Ist mir alles ein bisschen zu viel geworden.

Ich stehe übrigens gerade im Bad, während ich so vor mich hin grübele. Bin echt sauer auf Ma und den Oberboss. Heute ist Weihnachten! Hab mich mit einer echt guten Flasche Rotwein selbst beschenkt und mir richtig Mühe gegeben, um ein halbwegs nettes Essen für mich zu kochen. Alleine sein wollen, heißt ja nicht automatisch, dass ich nicht wenigstens was zum Schlemmen haben möchte. Meine Pläne wurden allerdings durchkreuzt. Die beiden standen um fünf am Nachmittag vor meiner Tür, mit einem Haufen Töpfe und Schüsseln unterm Arm, und haben meine vier Wände dazu auserkoren, den Abend dort zu verbringen. Ohne Weihnachtsbaum! Dafür aber mit einer vertrockneten Palme, die mich einen krass tödlichen Blick von meiner Ma gekostet hat.

Seit dem Überfall steht der Oberboss in der Küche. Pa ist ein verdammt guter Hobbykoch. Ma wirbelt um ihn herum und mich haben sie mal kurzerhand von der Couch verjagt und im Bad abgestellt. Ich lag da mit Jogginghose und Muskelshirt, in einem mollig hochgeheizten Wohnzimmer, hab mir einen Film angeschaut und mein erstes Glas Wein getrunken. Eine Kippe zwischen den Fingern machte das gemütliche Bild, das ich mir herbeisehnte, auch schon komplett. Eigentlich … hatte ich auch nicht das Bedürfnis mich aus den Klamotten zu pellen. Fetter Strich also, den meine Eltern mir da durch die Rechnung gemacht haben. Verdammt fetter Strich!

Meine Ma hat sogar aufgehört nach meinem Gemütszustand zu fragen. Vor ein paar Wochen schon. Sie leidet jetzt einfach still mit mir. Natürlich merkt sie, dass mit mir was nicht stimmt. Andersrum hätte es mich jetzt auch mal schwer gewundert. Vermutlich denkt sie sich einfach, dass meine Welt, in der ich mich seit drei Jahren bewege, härter, abstrakter und ungerechter ist. Ist sie ja auch … irgendwie! Wenn man mal ehrlich ist! Toleranz, Akzeptanz, Unverständnis und Ablehnung halten sich hier die Waage. Und der Drahtseilakt ist enorm. Dabei könnte sie genauso bunt schillern, wie der Rest dieser Welt. Das wäre ein perfekter Weihnachtswunsch.

Ich hab geduscht und bin dabei, mich zu rasieren. Hab festgestellt, dass das bitter nötig ist. Die Blicke von Ma haben mir das bestätigt. Sie waren … na ja … Sie hat ja Recht. Um Himmels Willen! Werde mich nicht mit der Frau anlegen, die mich geborgen und großgezogen hat. Das Erziehen hat sie aber irgendwann aufgegeben, was mir gerade mal ein Schmunzeln entlockt. Lange stehe ich anschließend vorm Kleiderschrank und überlege hin und her, was ich anziehen soll. Wehmütig landet mein Blick auf der Jogginghose, die ich neben das Bett gepfeffert hab.

Vergiss es, mahne ich mich! Ma bringt dich um! Und Pa wird sich fragen, ob du wirklich von ihm abstammst.

Ich bin immer noch unschlüssig, als Mas Stimme den ersten Stock bis zu mir hochschallt. „Cam, Baby! You have a visitor.“

„What? Was?“ Was hat sie gesagt?

„Hurry up, Baby. What’s taking so long? What game are you playing up there? Are you doing anything special?“

„Komme gleich!”, rufe ich runter und hab keine Ahnung, warum Ma so aufgeregt klingt. Vielleicht steht ja der Weihnachtsmann vor der Tür. Haha!

Aber sie drängelt ja nicht grundlos. Ich hab mich mal wieder dazu verleiten lassen, meinem vertrackt denkenden Hirn nachzugeben. Glaub, ich hab jetzt echt lange gebraucht.

In der Küche trifft mich dann allerdings zuerst mal der Schlag. What the hell? „Was machst du denn hier?“, würge ich mit dem letzten Rest Sauerstoff aus mir raus.

Glorreiche Frage! Die Ma mir auch direkt mit einem Klaps auf den Arm quittiert. „Don’t be impolite, Cam. I told you, you have a visitor. Be nice to your guest and say Hello.“

In meiner Luftröhre wird’s aber echt eng. Und in meinem Brustkorb irgendwie auch. Es fühlt sich an, als würde da endlich, Gott sei Dank, dieser bescheuerte Muskel, der mir das Leben schwer macht, mit einer eisernen Faust ohne Gnade zerquetscht.

„Hey, Panther!“ Chris ist leise. Und … sieht verdammt schlecht aus. Scheiße siehst du aus - wäre jetzt mein Satz, aber dafür bekomme ich wohl einen weiteren Rüffel von Ma. Würde so gerne wegschauen, aber es geht nicht.

Es. Geht. Einfach. Nicht.

Meine Güte, Chris! Und ich hab gedacht, ich wäre derjenige, der hoffnungslos in den Fluten ertrunken ist.

„Hey … Wolf.“ Ich schaffe nicht mehr, als seine Worte noch viel leiser zu wiederholen. Ringe immer noch nach Luft und Pa unterbricht seine Tätigkeit am Herd, um sich zu mir zu drehen. Mustert mich! Danach betrachtet er Chris. Ich glaub, er hat das Wort Panther aus Chris’ Mund gehört. Ma wohl auch. Steht da mit vier Tellern in der Hand, ja, es sind tatsächlich vier, und wechselt Blicke mit Pa. Und so ein verräterisches Glitzern erscheint auch in ihren Augen.

„Was … kann ich für dich tun?“, frage ich stockend zu Chris gewandt nach. Irgendwie muss ich raus hier. Ist mir zu viel Familie, in dieser großen, offen gestalteten Küche mit angrenzendem Essbereich. Ich gehe also voran und hoffe einfach mal, dass Chris mir folgt. Sein schleichender Gang ist ja selten zu hören. Aber ich spüre ihn gleich darauf. Seinen Blick auf meinem Rücken. Der Schauer, der sich löst und langsam mein Kreuz hinabrieselt. Ich komme im Wohnzimmer an und brauche ein paar Sekunden, bis ich Chris erneut anschauen kann.

„Was ist los? Warum bist du da?“, frage ich erneut und… hoffentlich ist’s die Antwort, die ich ganz dringend herbeiwünsche. Seit verfluchten fünfundzwanzig Tagen, als ich die Hoffnung eigentlich … doch schon begraben hab.

„Ich … wollte dir was zurückgeben.“ Chris greift in die Innentasche seines Mantels und zieht einen dicken Umschlag heraus. Reicht ihn mir und ich nehme ihn so an, dass unsere Finger sich nicht berühren. Vermutlich wäre es ein Freifahrtschein Richtung Hölle.

„Was ist das?“ Einer Antwort von Chris bedarf es eigentlich nicht mehr, denn ich schaue schon rein. Geld! Jede Menge grüne und rosafarbene Scheine! Ich presse die Lippen so fest zusammen, dass jegliches Blut daraus weichen müsste. Hole die Biester da raus und schmeiße sie mal galant auf den Wohnzimmertisch, wo sie sich fächerförmig verteilen. Ich kann nicht mal in Worte fassen, was der Anblick des Geldes gerade mit mir macht. Es ist erniedrigend. Mehr als das. Chris führt mich vor, Chris …

„Du hast also meine Buchungen überbucht?“ Das ist das Erste, was mir verbal in den Sinn kommt. „Hat’s wenigstens Spaß gemacht? Hast du bei jedem gottverdammten Fick über mich gelacht, ja?“

Wut steigt auf. Kochende Wut, die ich nicht mehr zurückhalten kann. Ich fange an zu beben und meine Fäuste ballen sich grandios unheilvoll, während Chris nur den Mund öffnet und wieder verschließt, ohne einen Ton von sich zu geben. Der Rest seiner Miene, so schlecht er auch aussieht, wird allerdings traurig. Oar … was hab ich bloß erwartet? Was? Dass ich mit dieser bescheuerten, dämlichen Aktion irgendwas in ihm erreichen kann? Meine Stimme klingt mir selbst fremd, als ich ihm einen gewaltigen Stoß gebe, sodass er mehrere Schritte nach hinten stolpert, und ihn dabei anschnauze. „Danke fürs Ehrlichsein. Danke fürs Vorbeibringen. Und jetzt hau ab! Verschwinde aus meinem Leben, Chris. Ausgerechnet heute kommst du damit an, was? Heute ist wohl der beschissenste Zeitpunkt mir irgendwas erklären zu wollen.“

Uhm … ich werde gerade laut. Viel zu laut! Sollte mal nicht vergessen, dass die Eltern im Nebenraum sind. Dennoch versetze ich ihm einen weiteren Stoß, bis er an der Wand zum Esszimmer andockt. Er wehrt sich nicht. Wieso wehrt er sich nicht? Wieso … Aber er hält mich fest. Und zwar grandios fest um meine Handgelenke herum. Und knurrt dabei! Ziemlich laut sogar. Zieht mich so nah an sich ran, dass sein … uhm … tödlich betörender Geruch nach purem Mann in mich eindringt. Ein Duft nach Verheißung, nach Erfüllung und … ein bisschen nach Sex.

Seine Präsenz wirkt auf mich. Langsam! Ganz langsam und … meine Wut schraubt sich nach unten, je länger Chris mich einfach nur hält. Ich bin angefixt! Meine Droge, mein ureigenes Aphrodisiakum ist er! Mein Raubtier! MEINS! Und unsere Blicke verhaken sich. Unsere Atmung wird flacher, schneller.

Und hab ich mich soeben noch gefragt, warum Chris sich nicht gegen mich wehrt, mache ich es in diesem Moment auch nicht. Ich gehe sogar noch einen Schritt auf ihn zu, so weit, bis ich ihn spüren kann. Seinen Herzschlag unter dem Hemd, das er unter dem geöffneten Mantel trägt. Seine feste Bauchpartie, seinen Brustkorb an meinem, seine sehnigen, kraftvollen Schenkel an meinen, seinen Atem, der an mir vorbeigeht und meine Wange streift. Sein leises Keuchen, das ich zwischen den wenig geöffneten Lippen heraushören kann. Und mit einem letzten Ruck, durch unsere, mittlerweile ineinander verflochtenen Hände an meiner Hüfte verursacht, spüre ich ihn auch weiter unten. Seine Männlichkeit, die sich deutlich durch seine schwarze Jeans durchdrückt und bei mir durch den dünnen Stoff von Hugo Boss Gegendruck zu erzeugen vermag.

„Ich habe nichts überbucht“, flüstert Chris an meinen Lippen. „Das ist der volle Betrag, den du bezahlt hast. Den Anteil der Einnahmen für Thomas habe ich von meinem Konto bezahlt. Mir ist wichtig, dass du das weißt, C a m e- r o n. Ich würde niemals Geld von dir nehmen.“

Es entsteht eine Pause. Eine Pause, in der ich unsere Muskel klopfen höre, so still ist es. Aber sagen kann ich auch nichts mehr. Ich bin sprachlos.

„Hast du wirklich gewartet, Panther?“, flüstert er mir danach fragend ins Ohr.

Rrrrrrr … Diese Stimme. Seine unglaublich schokoladige, samtige Stimme, die mich einfach aufzulösen vermag. Mich von innen schmiert und sich wie Balsam auf meine Wunde legt. Alles in mir beginnt zu summen. Erwacht zum Leben.

„Ob ich gewartet hab?“ Ich senke meine Stirn auf seine Schulter und inhaliere seinen Geruch. Er tut’s mir gleich. Versteht mich auch so noch ganz gut, als ich gegen den Aufschlag seines Mantels am Sprechen bin. „Jeden verdammten Tag, ja. Tut es gut, das zu hören? Kannst dir was drauf einbilden, Chris. Bist der Erste und der Einzige, der je in diesen Genuss kommen wird. Denn noch mal werde ich das nicht zulassen!“

„Heb dir deinen Sarkasmus für später auf, Panther! Dann kannst du mich rundmachen, ja? Ich … Cameron, es… Ich bin jetzt durch. Es hat lange gedauert, ich weiß das, und ich bereue das und … Es tut mir leid! Ich weiß, was ich dir die letzten Wochen zugemutet habe. In den ersten Tagen war ich echt angefressen, auch noch bei unseren Telefonaten. Volle achtzehn Tage habe ich gebraucht, Mut zu schöpfen und erneut bei dir aufzukreuzen.“

Er entlässt meine Hände, streichelt meinen Rücken nach oben, den mittlerweile ein anthrazitfarbenes Hemd ziert, und gelangt mit seinen Fingern bis hoch in meinen Nacken. Dort verwöhnt er mich. Und wie! Das elektrisierende Kribbeln breitet sich in Schallgeschwindigkeit in mir aus. Entlockt mir ein wohliges Seufzen. Seine Kuppen gleiten in den gestutzten Ansatz meiner Haare, um dort zu verharren und mich einfach nur festzuhalten. Mir was zu schenken, woran ich längst nicht mehr glaubte. Was hab ich seine schönen Hände, diese Zärtlichkeit, zu denen sie fähig sind, vermisst. Was hab ich mein Raubtier im Ganzen vermisst. Es wird mir erst jetzt richtig bewusst.

„Cam? Baby? Where are you?“, klingt es aus dem Flur herein.

Oh Gott, Ma!

„Ah, here you are!“

Gefunden! Grandios! Geht’s noch ein bisschen peinlicher? Mütter halt! Die sind wohl alle so. Ganz gleich, wie alt das Kind irgendwann ist. Vorausgesetzt – ich denke an den Mann, der dicht bei mir steht – man wird als Kind überhaupt wahrgenommen. Vorausgesetzt, die Mutter interessiert sich dafür, dass sie ein Kind zur Welt gebracht hat.

„Baby?“, haucht Chris ziemlich leise und leicht amüsiert an mein Ohr, verscheucht meine niederschmetternden Gedanken und hält mich fest, als ich schleunigst den Rückzug antreten will.

Mas Wangen werden von einem sanften, wirklich hübschen roséfarbenen Ton überzogen. „I just wanted to tell you, that dinner is ready.“

„Komme gleich!“ Glaub, erklären brauche ich ihr nichts, denn blind ist sie auch nicht. Ich stehe immer noch mit vollem Körperkontakt vor Chris, halb angelehnt, von ihm umarmt und hab’s lediglich geschafft, meinen Kopf anzuheben. Der aber von seiner Hand gestoppt wurde, bevor ich mich zu weit entfernen konnte.

„Bring your friend with you“, fordert sie mich auf und das Wort Freund klingt ein bisschen wie eine Frage heraus.

„Ma … ich glaub, das ist heute nicht der richtige Zeitpunkt!“

„Don’t be absurd, Baby!“

Verdammt! Kannst du mal bitteschön mit dem Baby aufhören! Ich kneife die Augen zusammen, vertusche eine Verwünschung in ihre Richtung und der Oberboss eilt ihr auch gleich zur Hilfe. War ja klar, dass er in der Küche alles mitbekommen hat.

„Es ist seit jeher Brauch bei uns, dass am Heiligen Abend immer für eine Person mehr gekocht und eingedeckt wird. Man weiß ja nie, wer unverhofft vor der Tür steht. Bei uns wird niemand weggeschickt. Nicht heute!“

Krass! Typisch meine Eltern, oder eher Ma und ihre christlichen Traditionen, die Pa über die Ehejahre hinweg verinnerlicht hat. Hab’s mittlerweile geschafft, mich ein bisschen von Chris zu lösen und kapituliere. Gegen Ma hätte ich ja noch eine Chance, aber dem Blick vom Oberboss kann ich nicht lange standhalten. Will ich auch gar nicht. Sie beide wären ernsthaft verletzt, wenn ich ihre Gastfreundschaft ausgerechnet heute torpedieren würde. Vermutlich sind sie aber einfach nur neugierig. Ma wohl ein bisschen mehr, als mein Vater. Das hab ich dann wohl von ihr. Die Neugierde! Hab mir schon öfter die Finger daran verbrannt, als gut für mich ist.

„Kommen gleich!“, verbessere ich mich dann anstandshalber, damit sie sich endlich verkrümeln.

„Schön!“, kommt es chorgleich. Noch einmal mustert Ma Chris ein bisschen peinlich berührt und dreht dann wieder ab, gefolgt von Pa.

„Tut mir leid, Chris. Meine Eltern …“

„Ich möchte nicht stören! Wenn ich gewusst hätte … Ich bin davon ausgegangen, dass du alleine zu Hause bist. Entschuldige dich nicht für deine wunderbaren Eltern, ja? Deine Mutter wollte mich nicht gehen lassen. Ich war die Stufen an deiner Haustür schon wieder runter, als sie mich aufgehalten und sehr vehement ins Haus geschoben hat.“

„Ja, das kann sie gut. Du störst nicht. Weißt du doch! Lass uns später reden.“

„Wie soll ich …“

„Komm einfach mit.“

Wieder gehe ich voraus. Tausend Gedanken im Kopf. Nach einem übereilten Outing nun also der Frontalcrash mit meinen Eltern. Ihnen jetzt einen Mann vorzustellen, der … vielleicht dann doch irgendwie zu mir gehört, das ist ja schon beinahe eine Farce. Langsam glaub ich ja, das wird ein Running Gag in meinem Leben.

„Ma? Pa?“

Joar … da fliegen auch mal die Blicke aus beiden Augenpaaren zu uns. Erwartungsvoll! Was sonst? Chris steht halb neben mir, halb hinter mir. Auf den paar Metern Richtung Küche ist er auch gleich ein ganzes Stück unsicherer geworden.

„Möchte euch gerne … einen Freund von mir vorstellen. Christopher Gasser.“

Ein bisschen komisch schauen sie jetzt. Haben wohl was anderes erwartet. Also, nicht jetzt von der Person her, hoffe ich zumindest, auch wenn’s mir egal wäre, sondern eine andere Offenbarung wollten sie hören. Wenn sie in ihrer wir-werden-langsam-alt-Phase nicht auch noch erblindet sind, können sie’s sich ja aber eigentlich denken. Pa ist es, der dann auftaut und Chris die Hand reicht.

„Wilhelm Anderson und das ist meine Frau, Deborah Anderson. Freut mich, dass Cameron uns endlich jemanden vorstellt. Schön, dass Sie den Weihnachtsabend mit uns verbringen möchten.“

Schön? Genötigt worden sind wir. Ganz klassisch!

„Ich hoffe, ich störe nicht.“

„Das tun Sie nicht. Wenn hier jemand Pläne durchkreuzt hat, dann sind das wohl wir. Wir waren von unserem Sohn nämlich nicht eingeladen und werden nach dem Essen auch wieder aufbrechen. Wenn Cameron uns gesagt hätte, dass er Besuch erwartet, wären wir zu Hause geblieben. Setzen Sie sich doch. Dann können wir mit dem Essen anfangen und wenn es Ihnen nichts ausmacht, würden wir gerne auf das gegenseitige Du übergehen.“

Bähm … Dann machen wir mal einen auf Familie. Chris nickt brav … der Schwiegersohn. Mit den künftigen Schwiegereltern am Tisch sitzen, daran kann er sich dann gleich mal gewöhnen.

Dabei spuken immer noch Millionen von Fragen durch meinen Kopf. Und noch viel mehr spukt da rum. Möchte jetzt gerne was anderes tun, statt nur neben ihm zu sitzen. Neben meinem Wolf, von dem ich mich gerade magisch angezogen fühle und noch einen Zentimeter näher an ihn rücke, als es wohl nötig wäre.

Vorfreude ist ja aber auch eine Freude, was? Das ist schon eine krasse Geduldsprobe. Vor allem dann, wenn das eine Hirn so vielfältig, das andere dafür ziemlich einschlägig denkt. Gott sei Dank sitze ich schon. Mit diesen verzwickt, verbotenen Gedanken. Glaub, Hugo Boss könnte das jetzt nicht mehr verbergen. Und bevor wir nachher überhaupt nur einen vernünftigen Satz sprechen werden, muss ich erst mal Druck loswerden. Mächtig viel Druck! Vermutlich wird’s nicht mal lange dauern. Denn dass er jetzt hier ist, übertönt all die Stufen von negativen Gefühlen, die ich in den letzten Wochen durchlaufen hab. Es ist ein Anfang. Und diesmal werde ich es nicht vermasseln. Und Chris auch nicht. Da bin ich mir sicher! Die Wochen der Trennung waren also doch zu was gut. Auch wenn der Abstand fast unerträglich war.

Nachdem der Oberboss Chris zum Abschied die Hand gereicht hat, wird er mal in eine grandios überschwängliche Umarmung von Ma gezogen. Mir liegt noch was auf der Zunge, aber ich schluck’s runter. Chris ist erwachsen. Er muss sich also wehren, oder es einfach ertragen. Weiß ja, wie er zum Thema Familie steht. Vermutlich ist er jetzt erst mal bedient für die nächste Zeit, die da kommen mag.

Die Gespräche am Tisch waren halbwegs flüssig. Wenn auch manchmal recht unangenehm. Gerade und vor allem dann, als Pa fragte, was Chris beruflich macht. Klassiker und klassisches Fettnäpfchen in einem. Klischee sei Dank!

„Ich bin Geschäftsführer“, antwortete er knapp.

„Und in welcher Branche, wenn ich fragen darf?“

Uhm …

„Ich besitze einen Nachtclub!“

Blicke, die Ma und Pa austauschten. Doch Pa blieb hartnäckig und Ma wurde … irgendwie total aufgeregt. „Wow, a nightclub, really? Oh, Will, we could go dancing again! It’s been so long …“

„Ma! Das geht leider nicht. Nicht dort.“ Hatte versucht, die Situation halbwegs zu retten. Bloß nicht. Nicht heute. Irgendwann, aber nicht jetzt, werden sie schon noch erfahren, was das für ein Club ist.

Doch da hab ich Chris’ Hand schon auf meinem Schenkel gespürt. Beruhigend hätte sie sein sollen. Aber eine grandios eigensinnig prickelnde Wärme zog bis in meinen Schritt hoch. Führte dazu, dass es in meiner Hose dann doch langsam echt eng wurde.

„But why not, Cam, Baby?”

Oar …

„Das tut mir leid, Deborah. Cameron hat Recht. Aber es ist kein Tanzlokal der herkömmlichen Art. Es ist ein Club für … homosexuelle Männer!“

Ach, da hatte Chris wohl gerade noch mal die Kurve gekriegt. Hätte ihm vielleicht sagen sollen, dass meine Eltern nicht besonders gut mit Lügen umgehen können.

„Oh … okay! Und da habt ihr euch kennengelernt?“, hakte Pa nach.

Chris schaute mich an. Drückte seine Finger noch ein wenig mehr in meinen Schenkel und nickte. „Ja. Flüchtig. Aber eigentlich haben wir uns eher in seinem beruflichen Umfeld erst wiedergefunden. Er hat mich anwaltlich vertreten.“

Bravo! Der Oberboss war wohl zufrieden. Ich weiß zwar, dass ich mit weiteren Fragen bombardiert werde, sobald ich mich wieder zu Hause blicken lasse, aber wenigstens war das Thema erst mal vom Tisch.

„Schönen Abend noch, Ma, Pa!“

„Euch auch!“

Und weg sind sie! Nervös wie ich bin, schiebe ich die Hände in Hugo Boss’ Taschen. Diese zwei Stunden werden definitiv nicht auf der Liste der schönsten Erlebnisse auftauchen.

„Hey, Panther“, raunt Chris da neben mir und dreht mich zu sich. Schiebt mich rein in den Flur und tritt die Tür hinter uns zu. „Darf ich bleiben?“

Ich blinzele, starre ihn an. Und nicke dann mal leicht. Lasse dich garantiert jetzt nicht gehen!

Stattdessen hebe ich die Hände an seine Wangen und lasse meine Lippen flüsterleicht über seine gleiten. Der erste Kuss, seit … ja, seit wann eigentlich? Seit dem Mittwoch, vor besagtem, beschissenen Samstag. Hm … lecker! Er schmeckt so gut, wie ich es noch in Erinnerung hab und lecke mich über seine Unterlippe. Tauche mit der Zunge in seinen leicht geöffneten Mund und werde ganz … sweet empfangen. Er erwidert den Druck. Leicht und prickelnd und seine Hände legen sich auf meine Arschbacken. Ein bisschen besitzergreifend, will ich mal meinen, und streicheln dann nach oben. Mein Hemd mitnehmend, bis ich seine warmen Handflächen auf meinem Rücken spüren kann.

„Hab dich vermisst“, nuschle ich an seinem Mund und immer wieder prallen unsere Lippen aufeinander. Finden unsere Zungen zueinander. Entfachen einen wahren Funkenregen. Zuckrig und zündend und echt … klebrig. Heiße Feuerbälle walzen durch mich durch. Brodelnd wie Lava. Endlich wieder Lava.

„Und ich hätte es beinahe aufs Spiel gesetzt“, erwidert er rau zwischen zwei Küssen.

„Nicht jetzt! Später, Chris! Wir haben gnadenlos viel Zeit.“

„Cameron, ich … habe nicht …“

Doch weiter kommt er nicht, bevor er sich vor lauter Verlangen krümmt. Ganz leicht nur und ein gieriges Knurren ersetzt den Rest seines angefangenen Satzes.

Später, Wolf. Später können wir reden.

Aber nicht jetzt, da ich sein Hemd und seine Hose geöffnet hab. Meine Finger seine gespannte, warme Haut seiner Leisten entlangstreifen, bis sie die seidige, leicht pulsierende Härte erreichen. Seinen Schaft nach oben gleiten und über seine empfindlich pralle, leicht feuchte Spitze reiben. Es ist sein Blick, der sich in mir verankert. So schön! So herrlich grün und leuchtend und … verlangend. Und tief. So voller Leidenschaft. Er keucht auf. Laut und rau und sein Becken drückt sich vehement Richtung Faust. Meiner Faust! Uhm … du bist grandios heiß. Du siehst unglaublich verwegen aus, wenn du das Denken abstellst. Wenn deine Mimik bei unserem Zusammenprall auf puren Genuss umschaltet.

Seine Hüfte stößt in meine Hand und die andere vergrabe ich in seinem Nacken. Meine Lippen legen sich fest auf seine. Ich suche was in seinem Mund und er gibt es mir. Den metallenen Kegel, der sich in meine Zunge reindrückt. Danach in meine Lippen und anschließend über meine Wange gleitet, meinen Hals hinab und auf der Schlagader pausiert. Mir ein dumpfes, kehliges Brummen entlockt. Er spürt es. Er muss einfach spüren, wie mein Blut Achterbahn fährt und mein Puls meiner Kontrolle entgleitet. Knöpfe fliegen weg, glaub, es sind meine. Schade um das Hemd von Hugo. Sauteuer, aber gerade gut genug, um es für diesen Moment einfach zu opfern. Immer weiter zieht Chris die Spur über meine aufbrennende Haut. Leckt mich ab! Überall! Beißt mich und neckt mich, bis ich bebe, mich an ihm festhalten muss und ein echtes Platzproblem kriege.

„Gooott, Chris!“

„Du bettelst“, raunt er da an meiner Haut, jagt Millionen von Impulsen durch mich hindurch. Stöhnt auf, als meine Bewegungen an seinem Stahl ein bisschen energischer werden.

„Hrm … gut! Weiter, Cameron!“

„Du bettelst?“ Ich grinse amüsiert zurück und verlasse den Platz in seinem Nacken, um seine Jeans mit der freien Hand noch weiter nach unten zu streifen.

Ein Schauer erfasst ihn und er lehnt sich an die Wand im Flur und legt den Kopf in den Nacken. Genießt … und genießt einfach! Ist schon gut, ich weiß das. Kann das ja schon ein bisschen länger. Den Handbetrieb! Bisher hat sich noch keiner beschwert.

„Ich werde vermutlich die ganze Nacht lang betteln!“, gibt Chris endlich gepresst zu und ein weiteres Grollen verlässt seine Kehle.

Muha … ich glaub, ich bettele dann mit. Und da will ich vor ihm runtergehen, seinen Geschmack neu inhalieren, ihm mehr schenken, als nur meine Hand, als seine Finger sich in meine Haare reingraben und mich in meinem Vorhaben stoppen.

„Warte, Cameron. Warte!“ Mit sanftem Druck hält er mich auf. Drückt mir einen Kuss auf die Lippen und lehnt seine Schläfe an meine. „Ich muss noch was loswerden. Wir können nicht so … Ich meine jetzt … Es brennt mir auf der Zunge, Cameron. Den ganzen Abend schon. Ich muss es dir sagen. Es ist wichtig.“

Oh, Bitte! Bitte nicht! Klingt ganz nach Albtraum! Ich reiße meine Augen auf und rucke mit dem Kopf zurück, um ihn ansehen zu können. HIV, Syphilis, Hepatitis …

Fuck! Shit, shit, shit! Ich glaub, da fällt mir gerade mal alles aus dem Gesicht. Alles gut … Kein Grund zur Panik, ermahne ich mich. Auch das schaffen wir. Ich bin bei dir.

„Keine Sorge, Panther.“

What the fuck? Keine Sorge? Geht’s noch? Doch Chris’ Mundwinkel biegen sich amüsiert immer weiter spöttisch nach unten. Seine Kuppen, seine Daumen, lösen sich aus meinen Haaren, streichen über meine Wangen, meinen Hals hinab und da bleiben seine Handflächen liegen. Groß und warm und so lange vermisst. Es ist ein Festhalten! Für mich Verbundenheit! Je einen Kuss federt er mitsamt feuchter Spur auf meine Mundwinkel und unsere Blicke treffen sich. Dunkles Grün mit meinem Haselnussbraun.

„Keine Sorge“, flüstert er erneut. „Ich wollte dich nur wissen lassen, dass ich … Ich hatte seit knapp vier Wochen keinen Sex mehr. Mein negativer Aidstest von der großen Untersuchung hat also noch Bestand. Ich denke, es ist dir wichtig. Letzte Woche habe ich mich zur Sicherheit noch mal körperlich durchchecken und ein weiteres großes Blutbild machen lassen, um auch andere Krankheiten auszuschließen, die nicht Umfang der Untersuchung des Black Stage waren und … Ich bin gesund. Ich wollte nur, dass du das weißt, Cameron. Du brauchst dir also keine Sorgen um deine Gesundheit zu machen. Andernfalls hätte ich es nicht mit mir vereinbaren können.“ Und leiser setzt er hinzu. „Ich wäre nicht hier, wenn ich nicht kerngesund wäre! Das hätte ich nicht über mich gebracht!“

Krass! Mir wird gerade ganz anders. Er hätte mich warten lassen. Monat um Monat, Jahr um Jahr … Hätte mich in dem Glauben gelassen, dass er mich nicht will, dass …

„C a m e r o n! Du sollst wissen, was du mit mir gemacht hast. Hier drin.“ Er schiebt meine Hand auf die erhitzte Haut an seiner Brust. Dort, wo sein Muskel genauso bescheuerte Eskapaden macht, wie meiner mal wieder. „Du bedeutest mir viel. Ich bin dir dankbar, dass du mir ziemlich deutlich klar gemacht hast, dass es so nicht funktioniert. So, wie ich das ursprünglich geplant hatte und auf Teufel komm raus auch durchziehen wollte.“

Woah … jetzt aber! „Lieb dich, Chris. Weißt du doch! Kann das sowieso nicht mehr steuern, geschweige denn abstellen.“ Mit diesen Worten küsse ich mich seinen schlanken, aber kräftigen Oberkörper wieder nach unten. Höre noch sein Murmeln, das wie eine Erwiderung klingt, dann aber in einem leisen Aufstöhnen untergeht. Sie sind nicht wichtig, diese drei Worte. Nicht für mich!

Mit Chris zusammen sein zu dürfen ist für mich so oder so der Himmel auf Erden. Und ich werde aufpassen, dass es nie wieder anders sein wird. Ich fühle mich erstmals seit Wochen wieder komplett. Meine innere Zerrissenheit wird heilen. Schneller jetzt, da er wieder bei mir ist. Seine Gesellschaft ist für mich zu einem Stück Normalität in unserer flussaufwärts strömenden Welt geworden. In der so viel in Ordnung zu sein scheint, aber immer noch so viel im Argen liegt. Fakt ist, ich werde mein Glück nie wieder aus der Hand geben, nie wieder tatenlos zusehen, sondern die Ärmel aufkrempeln und für meine Rechte und Wünsche einstehen und kämpfen.

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