Verrassende verhalen, gedichten en andere teksten vanuit een gay perspectief


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Verrassende verhalen, gedichten en andere teksten vanuit een gay perspectief

Duits | Eigentlich ...

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Bericht Re: Duits | Eigentlich ... door Redactie » woensdag 19 augustus 2015 14:31

10.


Es ist dunkel und schummrig, als ich am Abend den Club betrete und wieder mal einen Hunderter an der Kasse löhnen muss. Aber ein bisschen was hab ich ja auch auf dem Konto. Passt schon! Wenigstens heute noch mal. Ich frage mich durch und werde, wie nicht anders erwartet, mit Kopfschütteln und Neins konfrontiert.

„Keine Chance.“

„Chris ist nicht zu sprechen!“

„Der will nicht gestört werden. Klare Anweisung von ihm!“

„Stalkst du den etwa? Mach mal langsam, sonst kriegst du Clubverbot und zwar von Chris persönlich. Der hat hier unten nämlich das Sagen.“

Gut, zugegeben, ich war wohl ein- oder zweimal zu oft hier im Laufe der Woche. Nein, eigentlich gar nicht gut! Verdammte Kacke, ehrlich! Ich ziehe mich an die Bar zurück und befrage mal das Orakel. Die Schaumkrone auf dem Bier, die mir vor zwei Tagen Noah beschert hat.

Die Aussage hinter den Aussagen ist allerdings deutlich. Chris verweigert mir den Zugang zu ihm. Er ist unerreichbar für mich. Heute und vermutlich auf alle Zeit. Sogar die Bierschaumkrone schweigt sich aus.

Heute bin ich wieder ganz in Schwarz gekleidet und fühle mich so ganz wohl, wirke unnahbar. Der Schaum im Glas schweigt sich vermutlich deshalb aus, weil er Schiss vor meinem Blick hat. Dunkelbraun sind meine Augen und Kati fand sie ziemlich gut. Ich weiß also um meine Wirkung. Aber der Schaum …

Verdammt, halt’s Maul, Cam. Du wirst gerade ein bisschen verrückt!

Aber mal ehrlich, ich fühle mich angestarrt. Ob es Gäste oder Angestellte sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Meine Wirkung ist also schon noch vorhanden. Ich fahre mir erschöpft durch den dunklen Schopf und reibe mir übers Gesicht. Ist doch alles für’n Arsch. Fuck you, ehrlich wahr! Was zum Teufel mache ich hier eigentlich? Ich schiebe das dritte Bier unberührt über den Tresen zurück, klemme einen Schein unter den Deckel und will eben gehen, als mein Blick auf die Anzeigetafel der Glory Holes trifft.

Die haben ja hier ein ganz besonderes System. Wirkungsvoll, will ich mal meinen. Aber ich erstarre trotzdem, als ein bestimmter Name aufblinkt. Chrissi! Blinken ist gut! Verdammt gut sogar! Es bedeutet, dass die Hole von Chrissi frei ist. Mir wird verdammt heiß. Ich vergesse das Atmen und mein Puls schnellt nach oben. Mein Brustmuskel stolpert und überstürzt es ein bisschen und mein Kreislauf meldet sich, macht Zicken. Doch noch bevor ich darüber nachdenken kann, springe ich auf und schreie es fast über die Theke, sodass der Keeper grandios zusammenzuckt und mir einen waschechten Vogel zeigt.

„Chrissis Turn für mich!“

Gooott, ich werde ihn spüren. Ich … Woah, langsam, Cam. Bleib ruhig! Hör auf zu rennen. Die starren dich schon an. REISS DICH ZUSAMMEN! Uhm … es fällt mir schwer. Verflucht schwer. Wie in Trance tragen mich meine Füße vorwärts. Rein in den Raum der Glory Holes. Gleiches Ziel wie immer. Schummrige Dunkelheit umfängt mich. Der Bretterverschlag taucht vor mir auf. Geruch von Schweiß und Sperma dringt in meine Atemwege und ich bin hart, noch bevor ich an Chrissis Hole ankomme.

Atmen, Cam. Atmen!

Ich bekomme den Knopf kaum auf. Fingere an meiner Hose herum und brauche genau drei Anläufe, bis ich mit bebenden Händen auch die Boxer nach unten gezogen hab. Schweiß perlt meinen Rücken runter. Läuft über meine Pobacken und dazwischen, bis ich das Gefühl hab, regelrecht nass und glitschig dazwischen zu sein. Meine Eichel tropft, noch bevor ich mich an die Wand anlehnen kann. Ich fühle mich fiebrig heiß.

Kauen und ausspucken, nicht wahr? Gooott, Chris. Die Ladung, die auf dich wartet, ist meine Antwort für dich. Die Antwort auf deine nicht lustige Tour, die du mit mir am Abziehen bist. Ich werde erst gehen, wenn du alles geschluckt hast. Vielleicht, aber auch nur vielleicht, erkennst du meinen Schwanz ja. Das wäre irgendwie schon lustig. Ich grinse und verziehe gleichzeitig das Gesicht, als ich die erste Berührung spüre. Drücke mich enger an das Holz, kralle meine Nägel in die Maserung und atme so flach, dass ich befürchten muss, gleich wegen Sauerstoffmangels hintenüber zu kippen.

Eine Mieze steht neben mir. So ein Kleiner, so ein Till-Typ. Klar, die wollen ja auch mal zu ihrem Recht kommen. An seiner Glory Hole steht der Name von Tim in großen Lettern gebannt.

Ich wimmere auf und drehe den Kopf weg. Möchte jetzt niemanden sehen, nicht hingucken, wie der kleine Stubentiger sein Gesicht bei seinem Showdown verzieht. Finger umschmeicheln meine Eier, spülen meine wirren Gedanken einfach weg. Meine Eier zieh’n sich zusammen, als wollten sie die ganze Ladung schnellstmöglich von sich schießen. No-Go! Ich will’s genießen.

Bitte, Chris! Mach was dagegen! Jetzt!

Ich werde erhört. Die Finger schließen sich fester um meine Eier und den Ansatz meines Schaftes herum. Drücken zu! So fest, dass mir ein Knurren entkommt.

Gut! Ist gut! Alles gut! Ist alles noch dran!

Da sind Lippen, die sich an meiner Spitze festsaugen. Eine Zunge, die das kleine Loch stimuliert, meine Tropfen aufleckt und Speichel verteilt.

Gooott … weiter. Weiter!

„Mach schon!“, begehre ich auf und schlage meine Faust gegen das Holz. Ziehe Blicke auf mich, die mich fast schon durchbohren.

REISS DICH ZUSAMMEN!

Die Lippen gleiten tiefer, die Zunge spielt mit mir. Die Handfläche krault und pumpt im Wechsel. Und dann löst es was in mir aus, was mich atemlos macht. Diese gottverdammte Kugel, die sich in meinen Schwanz bohrt, als wär’s nur Butter. Ich keuche auf, stöhne mit Till-Typ gegen den Verschlag und kann nicht umhin, dass alles in mir schmerzt, was irgendwie mit Nerven ausgestattet ist.

„Fuck, ist das geil“, wispere ich, lehne mit der Stirn an der Abtrennung, verziehe das Gesicht und schließe die Augen. Ich wünschte, ich könnte ihm dabei zusehen. Die Hitze frisst mich auf. Mein eigener Schweiß verdampft, die drückende Luft vernebelt mich. Gleich … gleich …

Ein kräftiger Arm schlingt sich um meinen Hals. Ein weiterer um meinen nackten Unterleib. Ein Ständer drückt sich an meinen Hintern, was ich überdeutlich spüre. Trotz Stofflage, die noch dazwischen scheint. Ich vergesse das Atmen, halte die Luft an. Angst schwemmt durch mich durch. Ich will mich wehren und werde fixiert. Will schreien, als ich Lippen an meinem Ohr spüre und ein herber Männerduft in meine Atemwege gelangt.

„Du hast nach mir gefragt, hm? Was willst du eigentlich, C a m e r o n? Du heiratest und kaufst dir keinen Tag später einen Blowjob? Was willst du dir beweisen? Dass du doch ein Hetenarsch bist und auf Mädchen stehst? Was ist dein Ziel? Dich durch alle Muschis dieser Welt zu vögeln, bis du dir einreden kannst, dass du nicht schwul bist? Glaubst du wirklich, deine süße Katharina hat das verdient?“

Meine Kehle schnürt sich immer weiter zu. Das ist ein Albtraum! Nein! Es ist ein abgefuckter, irreparabler Großalbtraum!

Gooott, Chris! Chris! Wer ist da hinter der Mauer? Alles eine Lüge? Alles Trug? Meine Scheinwelt zerbricht. Ich ringe abermals nach Luft. Nur ein einziger Gedanke brennt sich in mich. Ich muss es ihm sagen.

SAG ES! JETZT! „Ich … hab nicht geheiratet.“

Ein leises Lachen dringt an mein Ohr, während sein Arm sich von meinem Hals löst und er mit seiner Hand unter mein Shirt gleitet, meinen Bauch und meine Brust hinauf streicht und jeden Zentimeter von mir erforscht, der sich ihm bietet. Meine Haut brennt auf, ich spanne mich an, drücke mich an ihn und zergehe vor Lust, während mein Schwanz immer noch bearbeitet wird.

Nebensächlich!

Doch dann keuche ich gequält auf. Es ist mir einfach zu viel.

„Schhh … lass dich fallen, Cameron. Ich fange dich auf!“

Ich drehe den Kopf, kann es kaum fassen, das aus seinem Mund zu hören und warme, weiche Lippen treffen auf meine. Mir wird schwindelig. Ich kann mich nicht rühren, bin hypnotisiert, bewegungsunfähig, erstarrt. Der Vulkan in mir glüht auf. Versengt den letzten Rest meines Verstandes, bis die Streicheleinheit beendet wird.

„Du kannst aufhören, Christina!“ Mit seiner Faust klopft Chris gegen das Holz und zieht mich vom Loch. Der Arm um meinen Unterleib hält mich fest, denn sonst würde ich wohl just in diesem Moment auf die Knie sinken. „Ich nehme deinen Kunden mit, Christina! Melde dich wieder als frei und gib Sandro Bescheid, dass ich jetzt eine Buchung habe!“

Er beißt mich. Zart in den Nacken und doch demonstrativ. Buchung? Aha! Ist das sein Ernst? Der ist ja ein noch viel größerer Arsch als ich das bin! Ich … weiß nicht, ob ich das will und …

„Ich werde dir jetzt zeigen, was du wirklich bist, Cameron! Kannst du stehen?“

Ich nicke in meinem tranceartigen Zustand. Mühevoll hebt und senkt sich mein Brustkorb und doch hab ich das Gefühl, dass sich in mir immer weiter was zuschnürt. Da sind Hände, die meine Boxer hochziehen, ganz nebenbei zart über meinen Ständer streicheln. Ein Daumen, der sich zwischen meine Backen stiehlt, wo sich mein eigener Schweiß angesammelt hat, und fest über meinen Eingang streicht. Einfach so! Nur kurz. Aber mir eine Gänsehaut vom Feinsten beschert, bevor meine Boxer ganz hochgezogen wird und meine Jeans folgt.

Gooott. Fucking good. Mach’s mir, Chris …

„Komm, mein heißes Raubtier. Lounge 1 ist für uns frei und wir haben viel Zeit!“

Uhm … ich will! Alles! Gib mir alles! Ich will dich so sehr!

Doch stehe ich irgendwie neben mir. Kurz vorm Zerbersten. Mein Vulkan läuft gleich über und meine Beine wollen auch nicht mehr so. Ich bin geschmolzenes Eis, das Chris neben sich herschiebt. Ein Arm um meine Taille gewunden, mein Arm um seinen Hals gehängt und meine Hand fest mit seiner verschlungen. Worte kann ich nicht mehr bilden. Mein Verstand hämmert gegen den Impuls, einfach in meiner Hose zu kommen.

„Na, hast du es endlich geschafft?“ Das ist der Arsch, der den VIP-Bereich abschirmt. Doch ein Grinsen kann ich mir dann auch nicht verkneifen, als er von Chris mit einer barschen Antwort zurechtgewiesen wird. Selbst schuld, Arsch der du bist, ehrlich wahr! Die Treppen sind schwierig, jede Stufe ’ne Qual. Ich bin ja nicht gerade leicht, doch Chris scheint das kaum zu stören. Der ist gut trainiert. Er dreht das Schild – Lounge 1 besetzt – und bugsiert mich auf die Couch. Rotes Leder, wie schon bei Kira in Lounge 2. Hier hängt kein Geruch von Sex in der Luft. Ich fühle mich deplatziert wie lange nicht mehr, am Überkochen und kann, verdammt noch mal, nicht mal mehr blinzeln. Jede Regung, jede Bewegung von Chris sauge ich in mich auf wie ein vertrockneter Schwamm. Ich sinke tiefer ins Polster, schnappe nach Luft, greife mir sogar an die Jeans, um dem Druck der Naht, die da sitzt, ein wenig zu entkommen. Angefixt. Gooott, ich brauche das jetzt so sehr!

„Musik?“

Was? Doch sein wissendes Lächeln sagt mir, dass er keine Antwort von mir erwartet. Dreamer von Osbourne erfüllt wenig später den Raum mit leisem Klang. Chris zwinkert mir zu. Lässig schwingt er sich auf das Podest in der Mitte, lehnt an der Stange und hält meinem Blick stand. Da sind keine Worte mehr, die zwischen uns fallen. Eigentlich … sind auch keine mehr nötig! Reine Energieverschwendung.

Seine Mundwinkel zucken, ein leicht spöttischer Zug legt sich um seine Lippen, als er beginnt, Knopf für Knopf sein Hemd für mich zu öffnen. Räkelnd an der Stange und unerreichbar für mich. Aber das Schauspiel ist grandios geil. Mein Becken geht mit, als seines nach vorne kommt. In dem Moment, als er mit seinem Rücken leicht an der Stange hinabgleitet. Alles in meine Richtung. Alles für mich. Nur für mich! Mein Muskel, dieses verdammte Ding unter meinem Brustkorb, schäumt über und klopft, dass ich meine, es wird mich gleich sprengen. Langsam und träge, gleitet der Stoff von Chris Schultern und bleibt auf den abgewinkelten Armen hängen. Grandioser Anblick! Er ist gut trainiert. Durch und durch muskulös aber weit entfernt von aufgepumpt. Ähnlich wie ich, krass gut gebaut. Eine glatte, schimmernde Haut umspannt seine Muskeln. Ich presse die Lippen zusammen, vor lauter Angst, ich könnte anfangen zu sabbern. Immer flacher geht mein Atem und ich rutsche tief und tiefer. Immer näher mit meinem Schoss in seine Richtung. Ich möchte ihn so gerne anfassen, ablecken und reinbeißen. Ihn spüren und die Magie zwischen uns zum Überkochen bringen. Er greift sich an die Lenden, streichelt seine Schenkel nach unten und kommt an den Innenschenkeln langsam wieder nach oben. Ich höre ihn atmen, abgehackt und nach Sauerstoff ringend, genau wie ich. Auf seinem Schritt macht er Halt, öffnet den Knopf und den Reißverschluss dazu.

Erst jetzt fällt mir auf, dass Chris im Anzug vor mir steht, reichlich overdressed, für eine … Für diesen Beruf. Prall und fest kommt seine Männlichkeit zum Vorschein, drückt sich durch die nachtschwarze, hautenge Pants und mir entfährt ein Stöhnen, als er sich durch den Stoff massiert.

„Gefällt dir, was du siehst?“

Was? Ich brauche einen Moment, bis seine Worte bei mir ankommen. Bis ich realisiere, dass Chris mit mir spricht. Mechanisch nicke ich und mache es ihm gleich. Öffne die Jeans und reiße sie nach unten. Ich bin fahrig, unfähig, meinen Blick von ihm abzuwenden. Er leckt sich über die Lippen, fährt mit der Zunge und seiner silbernen Perle seine Zähne entlang, grinst und … entpackt sich komplett.

Oar … Ich will dich anfassen. Komm her. Komm zu mir!

Ich kann mich nicht rühren. Träge und unglaublich erotisch gleitet er an seinem Schaft entlang, entlockt mir ein Stöhnen und ein Knurren hinterher. Doch bevor ich ihm auch das gleichtun kann, springt er geschmeidig nach unten und kommt auf mich zu. Raubtier! Er ist wie ich! Schleichend überwindet er den minimalistischen Meter, beugt sich über mich und … drückt mich ins Polster. Alleine durch seinen Willen, seinen Blick, der mir sagt, was er jetzt gerne von mir möchte. Ich lasse mich seitwärts fallen. Immer weiter, solange bis ich unter ihm liege. Seine Hand schiebt sich zwischen unsere Leiber, umfasst uns gleichzeitig und die Hitze seines prallen Schwanzes überträgt sich auf meinen. Stahl auf Stahl. Samtig, heiß und pulsierend anregend. Die Reibung, die er herstellt, ist … so schön. Perfekt! Er ist perfekt!

Ich will mehr! Hörst du? Ich will dich! Ganz! Komplett! Gib mir alles von dir!

Sein Schenkel drängt sich zwischen meine. Mein Shirt schiebt er nach oben. Willenlos lasse ich zu, dass er es mir über den Kopf zieht und sein Mund sich auf meinen presst, kaum, dass der Stoff mein Gesicht wieder freigibt. Er schmeckt so sagenhaft gut. Ich möchte betteln. Ihn dazu anhalten, nie wieder damit aufzuhören. Sanft und bittend dringt er mit der Zunge in meinen Mundraum vor. Umspielt meine Zunge, neckt sie und lässt seine Kugel an meinen Zähnen entlanggleiten. Keuchend und stöhnend drücke ich mein Becken gegen seines, das mit Gegendruck antwortet. Mit seinen Fingern gräbt er sich in meine dunklen Haare, hält mich fest und erhöht den Druck. Mit den Lippen und seinem Unterleib. Erst, als wir beide an Sauerstoffmangel leiden, löst er sich kurz von mir. Nur ein Stück! Gerade soweit, dass seine Lippen nach wie vor meine berühren. Ich spüre sein Lächeln, seinen warmen, streichelnden Atem, sehe, wie ein Schleier das Grün seiner Augen überzieht.

„Lässt du mich machen?“, fragt er mit dunkler, leiser Stimme und küsst mich sanft.

Gooott, Chris!

„Mach! Aber bitte … mach“, hauche ich abgehackt zurück und nicke noch langsam, aus Angst, meine Worte könnten sich auf dem Weg zu ihm aufgelöst haben.

„Darauf warte ich jetzt seit einigen Tagen, Cameron! Dich nach allen Regeln der Kunst verführen zu können. Lasse deine Augen offen und genieße die Show!“

Show! Show? Das ist keine Show, verdammt! Das ist Sex pur! Das ist Chris live. Das ist Selbstzerstörung, der ich mich soeben am Hingeben bin.

Langsam, ohne den Hautkontakt zu verlieren, küsst er sich abwärts, über meinen Hals, meine Brust, knabbert an meinen Brustwarzen die sich ihm hart wie Steinchen entgegenrecken und weiter mein Sixpack hinunter. Zieht eine brennend feuchte Spur hinter sich her und puscht mich hoch und noch viel höher. Immer weiter rauf auf den Gipfel. Kratzt mit den Zähnen über pikante Stellen und ich stehe in Flammen, fühle nur noch. Lasse geschehen, zerfließe und brodele vor mich hin. Lausche den Geräuschen von mir und von ihm, die die leise Musik übertönen und in meinen Ohren einen grandios schönen Klang ergeben. Seine Hände sind auf mir unterwegs, sanft und doch kräftig, locken mich und fordern mich heraus. Ich ringe mit mir, denn der Druck ist mittlerweile immens. Seine Zunge liebkost meine Lenden, ich bäume mich auf, stoße nach oben.

Ich will mehr. Mehr! Gooott, ich sterbe gleich. MEHR! Einen Takt kennt mein Muskel nicht mehr, hart und kompromisslos pumpt er mein Blut in den Unterleib. Berauscht mich und reißt mich entzwei.

Gekonnt fixiert Chris meinen Leib auf dem Leder und… leckt über meine Hoden, liebkost sie, saugt sie ein. So lange, bis sie sich lustvoll zusammenziehen. Seine Zunge forscht weiter, den Schaft nach oben, schließt dann seine Lippen um meine Eichel, gleitet an meinem Ständer hinab. Drückt sein verficktes Piercing in diese winzige Öffnung und lutscht und saugt an mir, wie an einem tropfenden Eis.

Atemstillstand! Herzstillstand! Ich schließe die Augen und löse mich auf. In mir reißt und zieht es und dieses Gefühl, dem Druck entgegenwirken zu müssen, wird einfach übermächtig in mir. Mit roher Gewalt überbrücke ich die Kraft seiner mich fixierenden Hände und stoße mich hoch. Er zuckt nicht, stöhnt nicht, sondern empfängt mich gekonnt. Wieder. Immer wieder. Tiefer, schneller. Rohe Begierde spült über mich hinweg!

Stopp mich, Chris! Gooott, stopp mich! Sonst verliere ich die Kontrolle..

Ich stoße an seinem Rachen an! Mehrmals! Verfalle in einen Rausch, dem ich nicht mehr standhalten kann. Seine Perle massiert mich, reizt mich, während ich mich nicht mehr halten kann und … von Chris auch nicht mehr aufgehalten werde. Er lässt mir den Freiraum. Lässt zu, dass ich mir hole, was ich so dringend begehre.

Bis er mit seinem Daumen meinen Hintereingang massiert. Ich möchte schreien, mich wehren, alles zusammenpetzen, was irgendwie geht, aber das schaffe ich nicht.

Bitte nicht, Chris! Ich will das nicht!

Ich … versinke im Strudel der Lust, als er mit der Kuppe und reichlich Speichel in mich eindringt und wartend verharrt. Dieses neuartige, befremdliche Gefühl trägt mich dann einfach davon.

„Oar … Gooott. Chris!“ Gleich. Gleich komme ich. Die Lava sprudelt über. Der Höhepunkt der Lust hat mein Zentrum erreicht. Alles in mir brodelt und ich stöhne laut auf. Kann das Unvermeidbare nicht mehr zurückhalten. Stopp! Das geht doch nicht! Nein!

„Chris … nein … ich … Du kannst doch nicht …“ Zu spät! Es ist zu spät! Ich koche über. Verkrampfe mich, stöhne auf. Kralle meine Finger in seinen Schopf, der gerade verführerisch greifbar ist. Verfange mich in diesen drahtigen, braunen und ungebändigten Haaren, die die Ausstrahlung von Chris grandios untermalen. Mein Kreuz biegt sich durch, mein Hintern drückt sich Richtung Leder, seinem Daumen entgegen. Ich versuche zu entkommen. Weg von diesem grandiosen Druck, diesem Sog seines Mundes, der mich einfach überwältigt. Mit den Händen aber schiebe ich seinen Kopf hinterher. Ich keuche seinen Namen und schwallartig strömt mein heißes, bestimmt kochendes Erbgut in seinen verteufelten Mund.

Ich will protestieren, als er sich Sekunden später katzengleich von mir löst. Mir seinen Daumen entzieht, seine Lippen entzieht, sich über mich schiebt und meine Hände sanft aus seinen Haaren entfernt und ergreift. Sie bis über meinen Kopf mitnimmt, mit ineinander verschlungen Fingern, sich auf mir ausstreckt und seine Lippen sich gefühlvoll auf meine legen. Schwer atmend! Glühend! Seine Augen funkeln mich regelrecht an. Und er ist so … schön!

Ich denke nicht darüber nach, woher sein abrupter Abbruch an meiner Härte kam. Denke eigentlich gar nicht mehr. Fühle es nur plötzlich zwischen unseren Körpern pulsieren. Fühle, wie es klebrig, feucht und glitschig wird. Chris ist gekommen, hat sich zwischen uns entladen. Gooott, das ist doch nicht möglich! Gierig öffne ich den Mund. Möchte ihn schmecken, ihn reinbitten, ihn genießen und eigentlich auch nie wieder von mir schieben. Die Welle der Zuneigung fegt durch mich hindurch. Ich lasse ihn mit der Zunge hinein, während mein Körper immer noch bebt und der Saft von Chris sich zu Gleitgel verwandelt. Sich unsere Körper geschmeidig an die Form des anderen schmiegen. Warm und sämig läuft es genau in diesem Moment auch in meine Kehle hinein!

„Chris! Oh … ich … Es tut mir leid!“

Cut! Game over! Freier Fall nach dem Höhenflug. Ey, was ist denn jetzt los? Ich warte irgendwie nur drauf, dass ich mich gleich in Mickys Schlafzimmer wiederfinde, während die Seifenblase, der heiße Traum, einfach zerplatzt. Hastig reiße ich die Augen auf und Chris dreht völlig genervt und schnaubend den Kopf zur Tür. Einzig sein krasses Gewicht, und ja, selbst das macht mich an, hemmt mich, meinen Körper blitzschnell in die Senkrechte zu bewegen.

„Maja! Herrgott noch mal! Was zum Geier bedeutet Lounge 1 besetzt, hm?“

„E-Es tut mir leid, Chris.“

„Was bedeutet es? Sag es mir? Wann lernt ihr das endlich?“

„Dass du … einen zahlenden Kunden hast!“

„Bingo! Volltreffer. Dürfte ich dich also jetzt bitten?“

„Ich … Es tut mir furchtbar leid, aber Jessi hat Probleme mit einem Kunden. Du wirst unten gebraucht!“

Ein tiefes, dennoch leises Knurren entkommt seiner Kehle. Ich kann es an meiner Brust spüren. Und es zieht bis in die Zehenspitzen. Irgendwie fühle ich mich benommen und … völlig fehl am Platz. Ich bin fast nackt, hab meinen Orgasmus noch nicht richtig verdaut und mein Sperma im Mund. Ja, ich geb’s zu, verdammt! Es ist noch da! Zudem hab ich einen Mann auf mir liegen, der ohne mein Zutun, was mich irgendwie sonderbar beschämt, auch gekommen ist und zwar auf mir.

„Jonas? Matze? Frag die beiden!“, raunzt er Maja weiter an und macht keine Anstalten, von mir runter zu gehen.

„T-Tut mir leid, Chris. Aber die zwei …“

Chris schließt die Augen, stöhnt auf und gönnt mir einen letzten gehauchten Kuss auf den Mundwinkel, bevor er von mir runterrutscht, seine Hose hochzieht und schließt und entschuldigend auf mich herabblickt. Er ist deutlich erhitzt und sichtbar angefressen! Sein Hemd umhüllt in

Sekundenschnelle seinen Körper, dann ist er weg. Wortlos!

Maja steht da, benommen und leicht rot im Gesicht. Bei dem Anschiss von Chris ist sie irgendwie ein ganzes Stück kleiner geworden. Sie sieht mich an, während ich auf meine Unterlippe beiße und versuche, mit der Hand meinen Halbständer zu verhüllen. Ich würde ja gerne was sagen, sammele kurz Mut und schlucke das Zeug runter. Noch im selben Moment weiß ich, dass nur Chris dazu in der Lage ist, mich solche Dinge mit einer Selbstverständlichkeit machen zu lassen, die … irgendwie schon ein bisschen an Wunder grenzen.

„Tut mir leid“, haucht sie mir entgegen und errötet noch tiefer, bevor sie zu plappern beginnt. „Chris kommt sicher gleich wieder. Aber da unten gibt’s gerade mächtig Probleme und da muss er schlichten gehen. Er vertritt heute den Chef und dieser Kunde verlangt einen Verantwortlichen zu sprechen. Du wirst aber ganz sicher deine volle Stunde von ihm bekommen. Chris bleibt niemandem was schuldig. Keiner seiner Kunden ist je unzufrieden heimgegangen.“

Sie geht. Lässt mich alleine. Schließt die Tür und die Stille hallt in mir wider. Die Lounge scheint schallisoliert. Schirmt sogar die Lautstärke des Clubs ab. Nur die Dauerschleife von Dreamer klingt leise nach und das dumpfe Beben des Basses ist spürbar, im Einklang mit dem Puls meines Körpers, der sich soeben in alle Einzelteile aufzulösen scheint.

Ich bin ein Kunde! Nur ein Kunde! Ein zahlender Kunde!

„Chris ist teuer. Glatte sechshundert, wenn es ein Solo für maximal eine Stunde wird.“

„Ich mach’s dir für vierhundert Mücken!“

„Das sind Profis. Die schalten in ihrem Job ab, was das Zwischenmenschliche angeht. Klar, lassen die es einen glauben, dass man für die bezahlte Stunde der begehrenswerteste Mann aller Zeiten ist.“

Stimmen in meinem Kopf, die ich am liebsten wegbeamen möchte. Ich will’s nicht hören! Daran gehe ich kaputt. Sonderpreis. Dreiunddreißig Prozent.

Nein, Chris, du bist kein Sonderpreis. Du bist ein Einzelstück. Kostbar und wertvoll für mich.

Und ich … bin ein Kunde! Ein beschissener, abgefuckter Kunde und ich muss auch echt an mich halten, dass ich diesen Dreckssaft nicht gleich wieder rauswürge. Die Kälte rast durch mich durch, lässt mich blinzeln, zittern und hektischer atmen. Ich springe auf, schließe meine Hose, suche mein Shirt, meine Jacke und zücke mein Portemonnaie. Zähle die Scheine, sechs statt nur vier Grüne, ziehe sie raus und … zögere. Meine Hände zittern, ich kämpfe mit mir. Sekundenlang! Leg die Kohle dann langsam aufs Podest und verschwinde.

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Bericht Re: Duits | Eigentlich ... door Redactie » woensdag 19 augustus 2015 14:32

11.


Gerade hab ich Stress. Puren Stress und irgendwie sehe ich kaum noch Land. Vor sechs Wochen hab ich meinen sechsunddreißigsten Geburtstag gefeiert. Im kleinen Kreis. Mit ein paar wenigen Freunden, die mir geblieben sind und mit ein paar neuen, die seit drei Jahren mein Leben begleiten. Micky war da und Till dann natürlich auch. Sie sind ein Paar. Die niedliche, grauäugige Mieze scheint Mickys Herz dann doch noch erobert zu haben. Ich hab’s mir ja fast gedacht! Vergessen war Noah, generell der Typ Katerchen und Micky ist glücklich. Seit zwei Jahren jetzt schon. Es hat lange gedauert bis er das für sich rausgefunden hat. Ich gönn’s ihm! Wenn es einer verdient hat, glücklich zu sein, dann Micky.

Unsere gemeinsame Nacht ist eine Einzelnummer geblieben. Das ist auch gut so! Till hat nämlich Rotz und Wasser geheult, als er an besagtem Samstag davon erfahren hat. Soviel zum Thema, wir mögen uns nur und wissen eben, was wir voneinander wollen. Alter Schwede! Ehrlichkeit währt am längsten, was? Hätte der sein Schnäuzchen vorher mal aufgemacht, an besagtem Dienstag vielleicht, als Micky mich in Tills Wohnung überfallen hatte, wär’s zu dem Sex mit Micky gar nicht erst gekommen. Na ja, glaub ich jetzt wenigstens mal! Ich red mir ja ganz gerne Sachen ein, die definitiv nicht so sind, wie sie sind. Schein wahren, weitermachen. Immer weiter …

Tjard gibt’s natürlich auch noch. Den alten Sack! Hat kurz nach meinem Outing so ein niedliches Häschen flachgelegt. Das Mädchen hat ihn so sehr in den Bann gezogen, dass er sie vier Monate später vom Markt gezerrt hat. Sein Junggesellenabschied bleibt übrigens unvergessen. Ey, Alter! Wie du mir, so ich dir, nicht wahr? Er durfte als Pit-Bull verkleidet, so richtig schön mit nietenbesetztem Lederhalsband und weiterem Schnickschnack durch die Kneipen ziehen. Mini-Wiener für Höschen verkaufen und sich von jedem Häschen die Zunge in den Hals stecken lassen. So richtig krass oberpeinlich halt. Recht geschieht’s ihm. Zudem hat er auch eine heiße Pants von einem Homo kassiert. Der Zehner, den ich dafür hinter seinem Rücken löhnen musste, war’s mir echt wert. Ich glaub, lustig fand Tjard das nicht, als er den anschließenden Kuss kassierte. Richtig angepisst war er sogar, aber wehren konnte er sich dann doch nicht. Lieber hätte er zehn Schwule abgeknutscht, bevor er sich vor Mickys und meinen Augen die Blöße gegeben hätte, sich angeekelt abzuwenden. Vielleicht hat’s ihm sogar gefallen … wer weiß das schon!

Ich war trotzdem zur Hochzeit eingeladen. Glaub, er hat’s mir dann irgendwie doch verziehen. Bin natürlich alleine zur Feier hin. Begleiter sind da doch eher rar gesät. Wenigstens jene, die ich mitnehmen würde.

Und Busse, na ja, den gibt’s auch noch. Eigentlich. Mehr oder weniger. Der hat Kati geheiratet. Punkt. Trotzdem sind wir noch befreundet. Wenn auch nicht mehr so eng, wie es seit dem Sandkasten war. Kati hingegen schafft es nicht, mir noch in die Augen zu schauen. Max hat sie auch aus ihrem Freundeskreis verbannt. Irgendwie gibt sie allen Schwulen der Welt Schuld an dem Desaster, das ich ihr vor drei Jahren angetan hab.

So viel also zum Thema Toleranz!

Zu ihrem zweiten Hochzeitsanlauf war ich auch eingeladen, weil Busse da schon ein bisschen drauf bestanden hat. Aber einen richtigen Junggesellenabschied hat Kati ihm nicht zugestanden, klar ne? Ich hab mich weggelacht, als ich mir Kati mit dem Kochlöffel in der Hand vorstellte und einen Busse, der sich mal eben kurz wegduckt. Ich hatte allerdings, so ein Zufall aber auch, eine gute Ausrede mich bei der Hochzeit dann schnell aus dem Staub zu machen. Mein Handy hat geklingelt und der Anruf war grandios wichtig. Da hat doch jeder Verständnis für, oder? Das ist ja gang und gäbe, nach einem Telefonat bei einer Hochzeit einfach unterzutauchen. Ich hab also nur das gemacht, was ich von anderen vorgemacht bekommen hatte. Untertauchen und Mund halten! Denn meine Meinung und meine Gratulation hätte sowieso niemanden interessiert.

Meine Eltern sind auch noch aktuell. Haben mir meine Glanzleistung vor drei Jahren recht schnell verziehen. Zum Glück, denn meine Eltern, meine Ma und der Oberboss, sind mir wirklich wichtig. Einige Tage nach meinem persönlichen Albtraumwochenende haben sie mich in den Arm genommen und mental wieder ein bisschen aufgebaut. Ma hat mir Zwieback in heißer Milch mit verflucht viel Zucker vor die Nase gestellt. Mir den aufgeweichten Zwieback sogar noch zerkleinert. Das ist schon praktisch: Hinsetzen, Löffel nehmen, Mund auf, reinschieben. Und dabei die ein oder andere Träne vergießen und sich fühlen, als wäre man gerade sechzehn geworden. In diesem Alter habe ich meine erste große Liebe betrauert. Sie wollte mich nicht mehr. Na ja, ich hatte wohl einmal zu viel einem anderen Häschen nachgeguckt.

Ja, sind jetzt Häschen, die Mädchen. Die Kätzchen musste ich unbedingt mit in meine neue Welt nehmen.

Jedenfalls akzeptieren und lieben meine Eltern mich so, wie ich bin. Aber irgendwie, auch wenn sie nicht fragen, hegen sie wohl schon die Hoffnung, bald mal einen potentiellen Schwiegersohn vorgestellt zu bekommen. Das Problem ist nur, es wird nie einen geben. Was ich ihnen so aber nicht sagen will und kann. Ich glaub, die Enttäuschung wäre recht groß. Ich bin auch enttäuscht. Aber ändern kann ich es ja doch nicht.

Und sonst? Ich lasse mich treiben. Von einem Tag auf den anderen. Vor einem Jahr hab ich meine notarielle Fachprüfung abgelegt und bin jetzt Junior-Teilhaber und Anwaltsnotar in unserer Kanzlei. Hab so viel zu tun, dass ich mir über meine Freizeit wenig Gedanken machen muss. Ich bin Single. Wüsste auch gar nicht, wo ich einen möglichen Freund unterbringen soll, in den wenigen Stunden, die mir am Tag so bleiben. Meine Teilhaberschaft hab ich vermutlich nur dem glücklichen Zufall zu verdanken, dass sich mein Outing vom Tag meiner Nichthochzeit bis zu meinem Chef durchgesprochen hat. Was soll ich sagen? Er hat mir dann, in einem Anfall von Worten, die er nie gerne verliert, mitgeteilt, dass er Besucher von Lounge 1 statt von Lounge 2 ist und er also nichts gegen mich hat. Nur weil ich jetzt halt mal schwul bin. Ich hätte gerne noch hinzugefügt, dass es wohl keinen Unterschied macht, ob Lounge 1 oder Lounge 2, weil Betrug an der Ehefrau bleibt Betrug, aber ich konnt’s mir dann doch in allerletzter Sekunde verkneifen. Dafür hab ich was anderes Blödes von mir gegeben, woraufhin er mich dann bat, meine private Ausdrucksweise und meine Aussprache mal ein bisschen meinem Beruf und dem Klientel anzupassen.

Joar … klar doch! Mach ich glatt. Bisschen was hat’s wohl gefruchtet. Ganz so verzwickt ist es jetzt nicht mehr.

Die Teilhaberschaft hat er dann mir, statt dem Kollegen angeboten. Weil ich, Schnelldenker der ich bin, meinen Mund in Bezug auf seine Fremdgeherei gehalten hab. Allerdings war damit die Prämisse verbunden, dass ich meinen Notar hinterher schiebe.

Aber klar doch! Auch das mache ich gerne. Nur her mit der begehrten Stelle, die mir wenigstens so viel Geld einbringt, das ich mir um meine Rente später keine Gedanken machen muss. Hin und wieder ist auch ein Clubeintritt drin. Ich wusste gar nicht, dass man als Homo irgendwo bevorzugt wird. Auf der Arbeit hat’s anscheinend geklappt. Tschaka! Was will ich eigentlich mehr, hm? Ich müsste doch glücklich sein. Eigentlich …

Was mich direkt zum nächsten Punkt bringt, warum mein Glück so ein bisschen vor sich hin dümpelt und von mir weit, weit weggeschlossen wurde. Denn was mir am Angebot meines Chefs überhaupt nicht geschmeckt hat, war die Tatsache, dass er mir gesteckt hat Lounge-1-Besucher zu sein. An dem Tag ging’s mir schlecht. So richtig! Dabei hab ich’s doch gewusst! Und wie ich es gewusst hab. Ich war ja selbst schon Kunde dort. So ein bisschen wenigstens. Aber zu wissen, dass Chris mit meinem Chef … Das war mir dann doch zu viel. Vorurteilen sei Dank! Meine Toleranzgrenze ist zwar hoch, aber hier hat sie dann tatsächlich einen wunden Punkt getroffen! Erst in diesem Augenblick wurde mir das Ausmaß dessen bewusst, was mir die ganze Zeit vor Augen lag. Chris hat es mit jedem gottverdammten Schwulen aus dem Umkreis von zig Kilometern getrieben, der der gehobenen Schicht angehört und das nötige Kleingeld für einen Fick mit ihm hat. Achtzig Prozent Firmenbosse, die Ehemann und Familienvater spielen und sich von meinem Raubtier in schöner Regelmäßigkeit in eine andere Welt ziehen lassen. Ihn sexuell begehren. Ihn ficken oder sich ficken lassen. Genau weiß ich ja heute noch nicht, was da in diesen Lounges so abgeht.

Ich hab Chris übrigens aufgrund all dieser Tatsachen nie wieder gesehen. Der Schmerz über den Verlust dieses Mannes, der niemals meiner war, der existiert aber leider noch. Versteckt und vergraben tief in mir drin. Ich hab schon gelernt, damit umzugehen. Ich bin gereift. An meiner Position und den neuen Aufgaben gewachsen und bewege mich in meiner neuen Welt, genauso, wie auch in der alten. Der einzige Unterschied ist dann doch nur der, dass ich eben auf Männer stehe und daran wohl nie wieder was ändern möchte.

Ein einziges Mal hatte ich einen Anfall von Mut, nachdem ich zwei Monate kopflos vor mich hin gedümpelt bin. Da bin ich zum Black Stage hingegangen. Reingekommen bin ich nicht. Hausverbot! Game over! Warum, das sagte man mir nicht.

Den Hunderter hab ich dann vor lauter Frust im Sixtie gelassen. Das ist jetzt mein Club. Hier fühle ich mich mittlerweile wohl. Hier kenne ich sie jetzt alle. Die Türsteher, die Barkeeper, die Security-Helden, die Jäger, die Kätzchen und Katerchen, die Fische, die den Teich letztendlich auffüllen und ihm die Bewegungsfähigkeit verpassen. Ich bin weder das eine noch das andere, auch kein Fisch. Ich wäre gerne ein Fisch gewesen. Sehr gerne sogar!

Doch nach einem Jahr musste ich ernüchtert feststellen, dass ich es nicht bin und niemals sein werde. Denn das sind die Normalos unter den Schwulen. Diejenigen, die einfach auf der Suche nach einer glücklichen Partnerschaft sind. Nach einem Jahr musste ich mir leider eingestehen, dass ich nicht mehr beziehungsfähig bin. Ich hab’s versucht, wirklich! Hab’s aber nie länger als sieben Tage ausgehalten. Irgendwas hat mir da gefehlt. Die Enttäuschung war immer recht groß. Auf beiden Seiten eigentlich.

Was ich bin? Einer der wenigen, die da wohl noch übrig bleiben. Eine Großwildkatze. Chris hat Recht behalten. Ich bin letztendlich einer, der das Leben genießt und sich gerne auch mal faul und ausgiebig in der Sonne reckt, statt ständig Jagd auf einen Leckerbissen zu machen. Das erste Jahr, so als heranwachsendes Pantherbaby, war wohl mein Flegeljahr. Die Jugendjahre, mit ihren Sturm- und Drangzeiten.

Hopp, hopp … Wer bei drei nicht auf den Bäumen war… Arsch, der ich eben doch noch irgendwie geblieben bin! Aber ich bin an mir selbst gewachsen. Mit meinem neuen Bewusstsein, dass wir doch alle gleich verletzbar sind. Ich bin damals ziemlich tief verletzt worden und ich schaffe es nicht, die Wunde zu schließen.

Aber mittlerweile kenne ich mich aus und niemand macht mir mehr was vor. Ich suche weder die kleinen Miezen, noch die Katerchen, wenn ich den Drang verspüre, mich mal wieder zu bewegen. Die Jäger sind für mich auch uninteressant. Die Fische hingegen, so interessant sie auch wären, sind für mich tabu. Jemandem Hoffnung zu machen, wo nicht mal eine Basis ist, ist total daneben. Auch das hab ich lernen müssen! Selten finde ich einen Gleichgesinnten, der mir schmeckt, der mich dazu bringt, mich zu bewegen, der wie ich ist und nicht wöchentlich das einzige Ziel vor Augen hat, flachzulegen oder flach gelegt zu werden oder gar mehr will, als nur einen flüchtigen Fick. Ich ziehe los, wenn ich Lust dazu hab und Hunger verspüre. So einfach ist das. Aber in mir was bewegt, so richtig meine ich jetzt, hat nie wieder ein Mann.

Gesichtsloser Sex. Klar, kennt man den Namen und ja, zugegeben, den ein oder anderen trifft man auch wieder, aber mehr? Das kann ich nicht.

Sex von hinten. Immer und ausschließlich nur von hinten. So, wie Micky es mir beigebracht hat. Gefühle abschalten. Niemals die einzige Schwachstelle zeigen, die man doch hat und die groß und wund aufklafft. Immer noch! Seit drei Jahren nun schon. Deshalb von hinten. Damit keiner sieht, wie ich die Augen dabei schließe und in die Dunkelheit falle! Wie meine Gedanken auf Hochtouren fahren, bei Chris landen und mich orkanartig wegfegen. Oralsex ist auch krass nett. Ich mag es allerdings nicht, wenn sie mich dabei anschauen. Wenn doch, mache ich meine Augen ganz automatisch zu. Ja, ich selbst finde es eigentlich auch ganz gut, bei einem Blowjob mal aktiv zu werden. Das macht Laune. Ich behaupte mal, ich kann’s auch echt gut. Finde ich zumindest. Aber schlucken kann ich das Zeug von einem fremden Mann nicht. Wegen der Wunde die da in mir klafft. Das brennt wie Feuer.

Heute findet mein Arbeitstag irgendwie kein Ende. Unsere Sekretärin, Marie-Claire, hat mir eben zwischen Tür und Angel mitgeteilt, dass Gregor, mein Kollege, einen neuen Klienten an mich abgetreten hat. Er selbst ist leider wegen dringender, familiärer Probleme verhindert. Es ist keine halbe Stunde her, als er seinen Arbeitsplatz mit wehenden Fahnen verlassen hat. Ich erwarte jetzt also noch einen neuen Mandanten. Mit einer Erstberatung. Das sind mir ja die liebsten. Null Ahnung und davon viel. Um was es geht, hab ich natürlich mal wieder nicht erzählt bekommen. Aber gut, sitze ich halt noch eine weitere Stunde hier. Hab ja sonst nichts zu tun.

Was ist schon Familie? Hahaha … Kati hat übrigens ein Kind … Nein! Ich will nicht mehr über sie reden. Punkt. Ich bin gerade dabei, noch eine Akte aufzuarbeiten, als Marie-Claire mir per Telefon mitteilt, dass Herr Gasser jetzt da sei. Gut! Dann mache ich die Akte eben später fertig. Hänge noch eine Stunde dran.

Was will ich schon zu Hause? Jetzt mal ernsthaft. Die vier Wände, die man Eigentum nennt, werden völlig überbewertet. Ich brauche doch kein Zuhause. Da wartet ja schließlich niemand auf mich.

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Bericht Re: Duits | Eigentlich ... door Redactie » woensdag 19 augustus 2015 14:33

12.


Wenn mein Stuhl vier Beine statt Rollen hätte, wäre der jetzt bei meinem rasanten Aufspringen glatt umgekippt. So aber klatscht er nur gegen die Wand hinter mir. Laut und überdeutlich überschlägt sich mein bescheuerter Muskel und ich fahre mir ruckartig und grob durch meine, vom Tag strapazierten, nicht mehr ganz korrekt sitzenden Haare. Na ja, eigentlich sitzen die ja nie so ganz wie sie sollen. Aber eben stehen sie mir dann doch zu Berge.

Chris! Hier, bei mir! Uhm …

Da steht er und … sieht aus, als hätte ihn soeben der Schlag getroffen. Er taumelt zwei Schritte rückwärts wieder an Marie-Claire vorbei und guckt völlig verwirrt auf das Namensschild meiner Bürotür. Sein Gesicht wird kalkweiß und ich kann ihn riechen. Bis hierher zu meinem Schreibtisch! Seinen tödlich betörenden Geruch nach purem Mann, nach Sex, nach Aphrodisiakum. Meine ganz persönliche Droge! Gooott! Ich schnappe nach Luft. Irgendwie brauche ich Sauerstoff. Atemmangel droht sich anzubahnen und ohne es zu steuern, lockere ich wie in Trance meine Krawatte. Mit einem einzigen Ruck!

Marie-Claire sieht ein bisschen irritiert aus und redet mit mir. Ich realisiere es kaum. Wie ferngesteuert gehe ich um meinen Schreibtisch herum. „Geht es dir nicht gut, Cameron?“, fragt sie erneut besorgt und legt mir gefühlvoll die Hand auf den Arm. Das kann ich gerade gar nicht leiden. Ehrlich wahr! Chris’ Blick spricht Bände. Folgt der Hand von Marie-Claire, die meinen Arm rauf und runter streichelt und alle weiteren Worte von ihr gehen auch gleich wieder unter.

„Geht schon“, antworte ich lahm. Es ist ja mit der Zeit schon eine Antwort auf alles geworden.

Reiß dich zusammen, Cam! Ich atme noch mal tief durch, halte mich an der Tür fest, damit meine Beine den kritischen Puddingzustand nicht verraten, und schiebe Marie-Claire mit einem aufgezwungenen Lächeln raus auf den Flur. Ich bin Anwalt. Verdammte Kacke! Höflich sein! Freundlich bleiben! Lächeln, obwohl es mir fast im Hals stecken bleibt und auf meinen Gesichtszügen zu gefrieren droht. „Komm doch rein, Chris. Dann kann ich die Tür schließen. Im Sitzen redet es sich besser. Nimm bitte Platz.“ Ich deute dann noch betont beiläufig auf einen der Stühle vor meinem Schreibtisch und merke, wie meine Stimme zu versagen droht. Ich schlucke, atme noch mal tief durch und versuch’s diesmal langsam und leise. „Nur Mut, Christopher, ich beiße nicht!“

Professionell! Geht doch, Alter! Ein bisschen Arsch sein, das Ego auspacken. Da muss ich doch erst mal nach dem suchen. Das verkrümelt sich immer im Job. Aber hey, das schaffe ich mit links. Chris ist nur ein Mandant. Ein zahlender Mandant. Ein Mann mit einem Problem, der eine Stunde für eine Erstberatung in unserer Kanzlei blockiert hat. Wenn dieser verräterische Muskel in meiner Brust nur nicht so laut wäre. Die flimmernde Hitze breitet sich im Raum aus, wie ein herannahender Wüstensturm.

Chris ist immer noch zögerlich, übertritt aber immerhin schon mal die Türschwelle. Der bekommt eben auch keinen Ton raus!

„Ich …“ Er schluckt.

Pattsituation, was?

„Ich hatte einen Termin bei einem Gregor Müller.“

„Weiß ich.“ Gott, geht’s noch dämlicher? Schultern gerade. Brust raus. Hintern ein wenig anspannen. Geht schon! Lächeln vor allem nicht schon wieder einfrieren lassen, aber auch nicht vergessen.

„Mein Nachname ist Anderson. Cameron der Vorname, falls du dich nicht erinnerst. Ich bin Anwaltsnotar und ziemlich sicher, dass mir mein Kollege die Beratung nicht übergeben hätte, wenn ich mich bei deinem Problem nicht auskennen würde. Gregor Müller, der Kollege, ist heute leider verhindert. Aber es steht dir selbstverständlich frei, einen neuen Termin mit ihm zu vereinbaren.“

Chris fühlt sich nicht gut. Der sieht ganz schön blass aus. Wir könnten uns die Hand reichen. Mir geht’s ganz ähnlich. Da macht er mir wohl ein bisschen Konkurrenz im Schlechtfühlen. Der Gute! Wiederholt schnappt er unauffällig nach Luft, atmet langsam durch die Nase aus und schaut dann betroffen zu Boden, bevor er endlich weitergeht und die Tür hinter ihm mit einem provokanten Schlag zufällt. Durch mich natürlich! Ein bisschen gemein bin ich ja. Aber irgendwie muss das jetzt raus aus mir. Profi der ich bin, denn ja, dies hier ist mein Spielfeld, halte ich ihm zu allem Überfluss auch noch die Hand zur Begrüßung hin. Blöder Fehler! Ganz böse Sache, dieses Händeschütteln.

Tapfer lächle ich ihn an, während er meinen Blick kaum erwidern kann. Was ist los, Chris? Ist schon so eine Sache, mit dem schlechten Gewissen, nicht wahr? Seine Hand ist schwitzig, zittert ein wenig, hat aber genug Druck, um mir einen Trugschluss aufzuzeigen. Die gefühlten Stromstöße ignoriere ich jetzt mal. Mann, mir wird eben echt heiß. Zum Teufel mit dem Arsch, ehrlich wahr! Hier in diesem Umfeld, Christopher Gasser, bin ich der Profi. Wäre es zumindest ganz gerne.

Wortlos setzen wir uns und … starren uns dann doch an. Da geht sie dahin, die Professionalität. Die Hitze steigt nun auch in meine Wangen. Eine unbeschreibliche, versengende, tödliche Hitze. Meine Finger fühlen sich taub an. Ich unterbreche den Blickkontakt. Es geht gerade nicht mehr!

Kurzerhand drücke ich auf den Knopf für die Sprechanlage und schnauze etwas zu laut: „Marie-Claire! Ich brauche dringend zwei Kaltgetränke in meinem Büro. Wasser bevorzugt. Nein! Stopp! Bring doch bitte gleich vier von diesen Flaschen!“

Erneutes Schweigen. Ich verschlinge meine Finger, will ihn nicht sehen lassen, wie nervös ich ebenfalls bin. Lasse seine stumme Musterung über mich ergehen. Sein Blick macht mich mürbe und zerbricht was in mir. Erst, nachdem die Getränke vor uns abgestellt sind, räuspere ich mich und versuche krampfhaft, die Maskerade wieder zurechtzurücken.

„Nun, Chris … wir …“

Verflucht noch mal! Atempause! Gleicht geht’s weiter. Atmen, Cam. Was soll der Scheiß! Fuck, ehrlich wahr!

„Wir sollten … dann mal anfangen. Eine Stunde ist schnell vorbei und kostet zu viel, um sie mit Schweigen zu vertrödeln. Einen Sonderpreis kann ich dir leider nicht machen. Wir sind ja hier nicht auf dem Viehmarkt.“

Uhm … Halt den Mund, Cam. Halt einfach deine vorlaute Klappe.

„Was … kann ich also für dich tun? Was hast du für ein Problem? Erzähle es mir und wir werden gemeinsam schauen, wie eine Lösung aussehen könnte.“

Sein Blick dringt dann doch irgendwie wieder in mich. Diesmal verletzt und verloren!

Mann, Chris. Es zerreißt mich, wenn ich dieses Dunkelgrün ohne Glanz vorfinde. Was ist dir passiert? Lange Zeit nicht gesehen, mein Raubtier, nicht wahr?

Viel zu lange. Aber ich bin darüber hinweg. Eigentlich. Ein bisschen vielleicht. Ich rede es mir einfach gerne ein.

Sein Problem ist eigentlich keines. Oder besser gesagt, es ist ein ziemlich nettes, will ich mal meinen. Wenn man von der Branche mal absieht. Chris möchte gerne das Black Stage übernehmen und sich vorher eine anständige Rechtsberatung gönnen. Sein Boss möchte bald aufhören und … na ja … er möchte eben gerne weitermachen. So ein bisschen, so ein ganz kleines bisschen, reißt die Wunde dann doch wieder auf. Die Finanzen seinerseits sind schon geklärt und ich kann ihm nach einem Blick in die Unterlagen des Black Stage versichern, dass er sich hier keinen Sack voll Flöhe am Anlachen ist. Meinen Hinweis, dass dies eigentlich Arbeit für einen Wirtschaftsprüfer oder Unternehmensberater sei, tut er mit einem entschuldigenden Schulterzucken ab.

„Ich lasse die Unterlagen dann da“, sagt er. „Kannst du einen Übernahmevertrag aufsetzen?“

Klar kann ich und nicke. Deswegen bin ich ja Notar geworden. Chris bleibt mir also bis zur Unterschrift erhalten. Ob ich es gut finden soll, weiß ich noch nicht. Auf jeden Fall fehlt in dem Raum hier ein bisschen der Sauerstoff. Meine Kehle, die hat’s wohl auch hinter sich. Ich bin am Verdursten. Das Wasser ist leer. Ich verglühe gerade und wünsche mir, er würde jetzt einfach gehen. So gerne möchte ich ihn anfassen und berühren, aber das sind alles Cam-Volltrottel-Visionen, die ich mir in meinem Beruf nicht leisten kann. So verkneife ich es mir. Fühle nur, wie die Sehnsucht in mir immer rascher anwächst. Die letzten Jahre einfach überspült.

„Ich schicke dir den Vertragsentwurf in sechs Tagen zu, Chris. Deine E-Mail-Adresse hab ich ja jetzt in der Akte vermerkt und …“ Mitten im Satz stocke ich und er horcht auf.

„Ja?“

Nichts ja! Ich kann gerade nicht so gut … Meine Konzentration ist im Arsch. Krass hinüber. Ich brauche dringend mal Urlaub. Aufschnaufend lege ich in einem Anfall von Unüberlegtheit mein Jackett ab und krempele an den Armen mein Hemd nach oben. Die Krawatte reiße ich auch noch komplett von mir. Klar bemerke ich, dass sein Blick auf mir ruht.

Das sind schöne Arme, nicht wahr? Die können zupacken! Das hättest du alles haben können. Aber du wolltest mich ja nicht.

„Vergiss es“, speise ich ihn letztendlich ab und gehe um den Schreibtisch herum. Spät ist es schon. Die Ein-Stunden-Beratung hat neunzig Minuten gedauert. Ja, ich geb’s zu. Das ist gelogen. Die Beratung hat vielleicht vierzig Minuten an Zeit gekostet. Der Rest ging dann wohl durch Schweigen drauf. Ich berechne es auch nicht. Keine Sorge, Chris. Ist also doch ein Sonderpreis. Billiger, weil wir beide den Mund nicht aufkriegen. Mein einziges Ziel, ihn jetzt so schnell wie möglich zur Tür zu bringen, wird von Chris vereitelt, als er meinen Weg blockiert. Mann, ey! Hör schon auf damit. Lass das! Verflucht noch mal!

„C a m e r o n … Ich möchte mich gerne entschuldigen. Es hätte damals nicht so laufen dürfen. Es tut mir leid.“

Gooott! Was? Ich starre ihn an. Reiße die Augen weit auf und schnappe schon wieder nach Luft.

Bitte nicht! Nicht alles ausbuddeln, wofür ich so hart gearbeitet hab, es in mir zu vergraben. Vor allem: Hör auf, meinen Namen so auszusprechen! Ich bin keine gottverdammte Schokolade!

Doch ein Beben erfasst meine Glieder. „Ich verstehe nicht“, würge ich hervor. Ich möchte jetzt wirklich gerne in meine vier Wände.

Ich. Schaffe. Das. Nicht.

„Ich schulde dir noch was.“ Chris zückt seine Geldbörse und holt zu allem Überfluss einen rosa und einen grünen Schein raus. „Das gehört dir, Cameron. Nimm es bitte. Ich wollte es nie haben. Glaubst du wirklich, ich hätte Geld von dir genommen? Es tut mir einfach wahnsinnig leid. Ich habe anscheinend versagt und konnte dir nicht das geben, was du dir gewünscht hast.“

„Was?“ Versagt? Ja, spinnt der jetzt komplett? Hat Chris echt vergessen, was zwischen uns war? Das tut weh!

Du bist ein Arsch, ehrlich wahr! Das tut so verdammt weh, dass ich mir verzweifelt über die Augen reibe. Unfähig weiterer Worte. Ich würde ihn gerne anschreien, schütteln und ihm so dermaßen eine reinhauen, damit er endlich mal das abkriegt, was ich seit drei Jahren durchmache. Scheiß Homo! Scheiß, verfluchter Homo in deiner absurden, unrealen, scheinheiligen Wattewelt. Was weißt du schon von dem Leben hier draußen? Was? Sag es mir? Du, in deiner Welt, die ausschließlich vom Sex beherrscht wird. Du, der die Gefühle einfach abschalten kann und jeden Abend in einer dunklen, surrealen Welt abtaucht. Ich kann das nicht. Ich konnte das noch nie. Hau endlich ab!

Doch Chris spricht weiter. Schöpft wohl Mut, weil ich mental schon vor ihm am Boden liege. „Es ist mir noch nie passiert, dass ich das Gespür für einen Partner … das Gespür verloren habe. Und bei dir … Ich weiß nicht …“

Grundgütiger! Hör doch einfach auf! Chris fährt sich durch die Haare. Mit diesen schönen Fingern. Und dieses grandios männliche, leicht kantige Gesicht, das immer eine Nuance Verruchtheit ausstrahlt, ist irgendwie schmerzhaft verzogen und … lässt was in meiner Hose wachsen und ich kann es nicht mehr verhindern.

„Was? Was willst du mir eigentlich sagen, hm?“, hake ich dann doch recht spitzfindig nach und langsam gesellt sich Kälte zu der Hitze dazu. Gespür verloren! Ich lache gleich. Aber verstehen kann ich es nicht. Vielleicht will ich es auch nicht verstehen. Kann nicht akzeptieren, dass mir das eben wirklich passiert.

„Ich habe dir nicht … Ich …“ Jetzt greift er sich erneut an den Schopf. Mit sich hadernd. Reibt die Hände über sein Gesicht und übt Druck auf seine Nasenwurzel aus.

Fuck! Hör auf, Chris. Du machst es nur noch schlimmer. Gooott, du bist so … schön!

Chris atmet schwer. Braucht lange, um sich zu fassen und wieder geradeaus, mir direkt in die Augen zu schauen. Hätte er es besser mal gelassen. Sein Grün ist heller als normal. Es schimmert regelrecht und er scheint sich verdammt hart zusammenzureißen. Sein Arm geht nach vorne, streckt sich, bis seine Fingerspitzen meine Wange erreichen. Ich stöhne leise und gequält auf. Schließe die Augen und inhaliere den Augenblick, den ich so gerne festhalten möchte. Hauchzart streicht er über meine Haut, hinunter zum Hals, wo er seine warme Handfläche auf meiner Schlagader platziert.

„Ich habe dir offensichtlich nicht das geben können, was du bei mir gesucht hast. Klarer Fall von Selbstüberschätzung.“ Er lacht abgehackt auf. Bitter klingt das. Richtig bitter. „Ich war nicht aufmerksam und offen genug für deine Bedürfnisse und habe dich damit … wohl … vertrieben und deine Gesellschaft aufs Spiel gesetzt. Es tut mir leid, Cameron. Mit dir zusammen zu sein, hat bei mir scheinbar irgendwas aussetzen lassen. Ich habe lange mit deiner – Wie soll ich sagen? Abfuhr? – gekämpft und an mir gezweifelt. Ich bin besser geworden und habe an mir gearbeitet.“

Ich trete fassungslos zurück. Soweit, dass die Wärme von Chris’ Hand wieder verschwindet, sein Arm nach unten sackt und der Kloß in meinem Hals mich hart schlucken lässt. Wenn er jetzt nicht geht, kann ich nicht versichern, wie lange ich meinen Mann noch stehen kann. Das ist mir zu viel! Viel zu viel! Hat er die Magie nicht gespürt? Profi, der er in seinem … Beruf ist, muss er es doch trotzdem gemerkt haben. Das, was zwischen uns war, war so viel mehr, als nur das richtige Gespür für einen beschissenen Kunden. Ich bin kein Kunde! Wollte nie einer sein! Und überhaupt – was für eine Abfuhr? – Mir wird schlecht. Ich balle meine Hände zu Fäusten, bis die Haut über den Knöcheln weiß hervortritt. Besser geworden? Noch besser… immer besser … und besser. Und noch mal besser. Alles für den Kunden. Tagein, tagaus!

Du bist perfekt, Chris. Für mich warst du das!

Vielleicht, ganz vielleicht aber auch nur, muss ich mir in meinem Haus, wenn ich da heute irgendwann noch mal hinkomme, Gedanken machen, ob ich ihm denn überhaupt genügen könnte. Nur mal angenommen … einfach mal so darüber nachgedacht. Denn diese Möglichkeit hab ich irgendwie nie in Betracht gezogen. Genauso wenig, wie die Möglichkeit, dass er meint, er könnte nicht gut genug für mich gewesen sein!

Er wartet. Erwartet, dass ich was sage. Wir wissen doch beide, dass wir sowieso keinen weiteren Ton mehr rauskriegen. Drum nicke ich nur und öffne dann doch noch die Tür. Atme mehrmals tief durch und ignoriere die Hitze, die meinen Kern zum Schmelzen bringt. Aber irgendwie … ist mir eiskalt. Leise bin ich, als ich mit dem Rücken zu ihm stehe und flüstere: „Besser, wenn du jetzt gehst. Behalt das Geld. Du hast es dir verdient. Da hat nie was gefehlt, Chris. Es war alles perfekt für mich.“

Eigentlich dachte ich an dem Abend, dass du auch was gefühlt hast. Aber das war wohl Wunschdenken gewesen. Da hab ich etwas reininterpretiert, wo es nichts reinzuinterpretieren gab. Halten wir mal ganz klar fest: Du wolltest mich nicht mehr sehen. Hausverbot! Game over!

Es ist dunkel im Flur, Marie-Claire wohl schon weg. Die Kollegen ebenfalls. Der Weg bis zum Ausgang ist zäh und beschwerlich. Chris läuft direkt hinter mir. Ich spüre seinen Blick, wie er meinen Rücken entlang krabbelt und ein paar Schauer darüber jagt und meine Knie immer weicher werden lässt. Nur noch ein paar Meter bis zur rettenden Tür der Kanzlei. Ich schaffe das.

Doch da spüre ich seinen Atem dicht an meinem Nacken. Seine Hände, die sich um meine Schultern schließen und mich herumdrehen, in dem Moment, als ich die Tür öffnen will. Angst und noch ein anderes Gefühl toben in mir und ich möchte mich so gerne fallenlassen. Mich an ihn lehnen, ihn in meine Arme schließen und endlich vergessen, wie sehr ich mich die letzten drei Jahre gequält hab. Aber ich drücke die Schultern durch, hebe den Kopf. Das Dunkelbraun meiner Augen trifft auf sein Dunkelgrün.

Die Scheine stopft er mir wortlos in die Brusttasche und legt anschließend seine Hände um meine Wangen. Mit geöffneten Augen und einem Schmerz darin, der sich in mich bohrt, haucht er mir einen Kuss auf die Lippen. Am liebsten möchte ich schreien.

Goooott, bitte, Chris!

„Nicht“, hauche ich ihm mit letztem Willen entgegen und entferne langsam seine Hände von meinem Gesicht. Eigentlich möchte ich doch nichts sehnlicher, als meinen Mund auf seinen pressen. Alles beginnt von vorne. All die Arbeit des Verdrängens war umsonst.

Ich kann das nicht. Nicht mehr!

Mittlerweile bin ich geerdet. Und es tut einfach nur weh! Seine Augen verdunkeln sich, bevor er sich zurückzieht. Erst einen Schritt und noch einen weiteren. Dann nickt er mir zu und geht. Das Zufallen der Tür bestätigt mir das. Einfach so! Gekommen und wieder weg. Ey, Chris … ich … hab da noch so viele Fragen. Doch es ist besser. Ich weiß das und muss es mir nur noch einreden. Es mir die nächsten Jahre immer wieder vorsagen, wie ein Mantra am Morgen.

Aber eben erdrückt mich die Stille, im Einklang mit der schmerzlichen Leere, die in mir wohnt. Die Hitze ist auch noch vorhanden. Dennoch schlinge ich mir die Arme um die Schultern und beginne zu frieren. In mir drin ist alles wieder aufgerissen. Die Wunde, die ich seit Jahren lecke. Das Loch, in das ich hineinfalle, wenn ich mir einen Fick fürs Vergessen suche. Jetzt ist es wieder da. Herrscht in mir, reißt an mir, sehnt sich, endlich gefüllt zu werden. Doch ein weiterer Gedanke rast durch mich durch!

Chris lässt sich von deinem Chef ficken, Cameron. Nichts ist gut. Nichts hat sich geändert! Vergiss diesen Mann. Verbanne ihn. Gib das Mandat ab. Tu es einfach!

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Bericht Re: Duits | Eigentlich ... door Redactie » woensdag 19 augustus 2015 14:34

13.


Ich hatte es getan. Die Unterlagen vor Gregors Füße gepfeffert und ihm zu seinem neuen Mandanten gratuliert, der übrigens dreiunddreißig Jahre alt ist. Das war reine Neugierde, als ich mir die Personaldaten auf der Ausweiskopie noch mal angeschaut hatte. Chris ist genauso jung, wie ich es damals war, als wir uns kennenlernten und als er mich wie einen Kunden behandelte.

Auch beschloss ich, dass es dringend an der Zeit war, Urlaub zu machen. Ich musste weg, bevor mich die Verzweiflung innerlich zerfraß. Ich konnte und wollte das nicht weiter durchmachen. Es machte mich mürbe und ließ mich nicht mehr schlafen.

Ich hatte es noch am selben Tag in Angriff genommen. Alle weiteren Mandate ebenfalls abgedrückt und solange gebettelt, bis mein Partner Uli mich kopfschüttelnd hat gehen lassen. Drei Wochen Hawaii. Aber eigentlich … hätte ich es besser mal gelassen. Ehrlich wahr! Ich dachte mir, wenn ich nur noch Hula-Häschen statt Kater und Großwildkatzen sehe, ist der innere Zwang dann auch bald mal weg. Falsch gedacht! Mit jedem Tag, den ich ganz „panther-like“ im Halbschatten lag und meine Wunde leckte, wurde sie nur noch größer: Die ungestillte Sehnsucht.

Die Nächte waren allesamt schlecht. Es war definitiv nicht das Nonplusultra, das ich mir erhofft hatte. Ich hatte mir mehrmals einen runtergeholt, das konnte ich dann doch nicht lassen. Meine Gedanken hingen dabei immer wie gebannt an Chris. Zu dieser Entspannungsübung brauchte ich keinen Porno, kein Schmuddelheft und auch niemanden, der mir da noch zur Hand ging. Ich schloss einfach die Augen und war erfüllt von Chris’ Präsenz. Sogar sein Geruch klebte da in meinen Platinen fest, die sich einfach nicht mehr erneuern wollten. Es war so leicht, mir vorzustellen, es wäre seine schöne Hand, die die Arbeit verrichtete. Sein schöner, kräftiger Arm, der die dezente Muskulatur dabei tanzen ließ.

Micky nennt meinen Zustand dummerweise “Verliebtsein“. Till nennt es einfach „unausgelebte Begierde“. Max, mit dem ich mich auch manchmal treffe, der sagt dazu einfach nur „vergebene Liebesmüh“ und winkt ab. Ich habe Max nie nach Chris’ Kontaktdaten gefragt und er hat nie von sich aus damit angefangen. Chris war drei Jahre lang für mich Geschichte. Und jetzt? Ich kann’s nach wie vor nicht beschreiben! Es kommt mir vor, als wäre ich nie in Urlaub gewesen. Ich hab keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Man könnte sagen, ich bin gnadenlos verrückt nach ihm. Angefixt. Da ist es wieder, dieses verdammte Wort. Besser geworden will er sein? Arsch, ehrlich wahr! Was soll das? Was soll ich, verdammt noch mal, mit so einer verkackten Information eigentlich anfangen? Es gab nicht einen Tag auf Hawaii, an dem ich nicht darüber nachgedacht hatte, was er mir damit sagen wollte. Soll ich vielleicht eine Nummer mit ihm buchen, um den Wahrheitsgehalt seiner Worte zu überprüfen? Eine, bei der er mich mal eben durch die Hölle schickt? Klar, kriegt er seine sechshundert Piepen einfach wieder zurück. Der damals gewährte Rabatt gilt sicher nicht mehr.

„Herr Gasser hat nach dir gefragt, Cameron“, lässt mich Gregor wissen, während ich noch am Ankommen bin. In meinen ersten Arbeitstag starte. „Er wollte wissen, ob mit dir alles in Ordnung sei.“

Boah, ey! Ich platze gleich. Das geht Chris nichts, aber auch gar nichts an.

Dich, Gregor, eigentlich auch nicht. Davon mal ganz abgesehen, muss man da die Braue so in die Höhe lupfen, wenn sich jemand nach mir erkundigt? Wieso fragt Chris überhaupt nach mir? Das geht mir echt auf die Nerven.

„Kennt ihr euch?“

„Und wenn?“, schnauze ich ihn etwas zu laut an und schnappe mir die Akten, die ich bei meinen Kollegen wieder eingesammelt hab. Die drei Wochen waren voll für’n Arsch, ich bin kein bisschen entspannt.

„Ach, du kennst den Herr Gasser auch? Komm doch bitte mal kurz mit in mein Büro, Cameron“, erwidert Uli, mein Partner und Chef. Chef deswegen, weil er es trotz eingetragener Partnerschaft ja doch noch so ein bisschen ist. Er steht hinter mir und findet es anscheinend lustig, dass ich mich über Gregor ärgere. Ohne weitere Worte lässt er sich Chris’ Akte von dem Kollegen reichen und wartet, bis ich mich leicht mürrisch in Bewegung setze und er wenig später hinter uns die Tür zu seinem Reich schließen kann.

„Ich wusste nicht, dass ihr euch kennt“, beginnt er dann in trauter Zweisamkeit. „Ich hatte ihm angeboten, wenn er mal eine Rechtsberatung braucht, kann er gerne in die Kanzlei kommen.“

Sauber! Applaus! Grandiose Idee! Wenn ich jedem meiner Ficks aus den letzten drei Jahren eine Karte von der Kanzlei in die Hand gedrückt hätte, hätten wir wohl längst Land unter.

Doch Uli spricht weiter. „Wieso bin ich nur davon ausgegangen, dass du die VIP-Karte nie benutzt hast? Falsch gedacht, was?“ Er grinst blöd dabei und es fehlt nur noch, dass er die Zähne bleckt.

Nein, du Arsch! Ich war nie Kunde bei Chris.

Das ist nicht, was ich will. Eigentlich … nicht, nein! Ich will doch nur eines: Chris! Nur Chris! Nicht als Callboy, sondern pur und live und … so gerne unverstellt und … für mich ganz alleine. Mein Raubtier. Aber er erinnert mich eher an … einen einsamen Wolf. Äußerlich auffallend, leuchtend, wunderbar anzuschauen, leichtfüßig und schleichend und innen? Ich weiß es nicht, kann nur raten oder Vermutungen anstellen und genau da ist der Cut! Der Cut, an dem ich immer wieder auf Anfang spulen muss und damit echt bald durchdrehe.

„Die Erstberatung hast du ihm hoffentlich nicht in Rechnung gestellt, Cameron?“, hakt Uli weiter nach und mustert mich. So schweigsam kennt er mich nicht. Erstberatung nicht in Rechnung gestellt? Doch! Auf den Cent genau sogar.

„Natürlich! Ich wusste nicht …“

„Ach, Cameron. Lass das von Marie-Claire wieder zurückbuchen, ja? Am Montag in zwei Wochen kommt Herr Gasser mit Herrn Steine, seinem Chef, zur Unterschrift. Die Herren Clubbesitzer wollen das unter Dach und Fach bringen, wenn zum nächsten Jahreswechsel die Übergabe ist. Bis dahin sind zwar noch ein paar Wochen Zeit, aber erledigt, ist erledigt. Der Vertrag wurde von mir bereits aufgesetzt. Wenn du deinen Mandanten schon an Gregor abschiebst, weil es dir moralisch unangenehm ist und du lieber in den Urlaub flüchtest, dann habe wenigstens den Mumm und sei am Montag Notar der du bist. Ich habe einen Termin außer Haus.“

Nein! Nein, verdammt! Sag doch gleich, ich hab keine Eier in der Hose. Ich kann das nicht. Doch Uli sieht mich warnend an. „Verdammt noch eins, ehrlich wahr! Gib sie schon her, die blöde Akte“, schnauze ich erneut los und reiße das Ding einfach an mich.

„Cameron, dein Ton!“, mahnt mein Partner noch, bevor ich aus seinem Büro stürme. Mit einer Wut und einer merkwürdigen Ohnmacht in mir, die mich bald explodieren lassen.

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Bericht Re: Duits | Eigentlich ... door Redactie » woensdag 19 augustus 2015 14:36

14.


Nächsten Montag ist es soweit. In verfluchten acht Tagen! Vielleicht bin ich dann krank. Ich könnte ja auch mal wieder Urlaub machen. Hula tanzen gehen. Oder mit meinem Auto auf dem Weg zur Kanzlei gegen irgendeine Wand fahren. Vier Wochen hab ich Chris nicht gesehen. Und jetzt, verdammt noch mal, muss ich ihm in acht Tagen erneut gegenübertreten. Die Akte liegt in meiner Küche und brennt ein Loch in meine Arbeitsplatte. Ich hab sie durchgearbeitet und dabei seine Lippen imaginär auf meiner Haut gespürt. Ich weiß noch, wie sie sich an jeder Stelle meines Körpers angefühlt haben. Als wär’s erst gestern zwischen uns geschehen.

„Shit“, flüstere ich vor mich hin, der Verzweiflung nah. Mein Kugelschreiber hält meinen Fingern nicht mehr stand und zerbricht. Die Kippe, die ich nebenbei ausdrücke, fällt auch mitsamt Aschehäufchen aus dem Aschenbecher raus. Meine Haare stehen zu Berge und meine Augen brennen.

Schlafmangel! Nikotinputsch! Sucht! Rasende Sucht!

Meine Hände zittern und dieser dämliche Muskel rast los, als ich die Akte erneut ranziehe. Sie fünfmal aufmache und wieder zuklappe, bevor ich die Adresse dann doch in mein Handy einspeichere. Nur für alle Fälle. Man kann ja nie wissen. Ich könnte ja mal überprüfen, ob sie denn überhaupt stimmt. Mal schauen, wo Chris eigentlich wohnt.

Reine Neugierde!

Mehr ist es nicht. Ich bin doch von Natur aus neugierig. Oder war ich wenigstens mal. Es kommt mir vor, als wäre das schon sehr lange her. Nachdem ich mir im Alter von dreiunddreißig Jahren so richtig die Finger an meiner Neugierde verbrannt hab, ist die so gut wie gestillt. Das war, bevor ich zum schläfrigen, herzkranken Panther mutierte. Einer, der sich lieber streckt und auskuriert, statt auf die Jagd zu gehen.

Du bist schon ein Langweiler, Cam. Setz das auf die Liste mit drauf. Arsch, Snob, Langweiler und obendrauf noch extrem suchtgefährdet … und alleine! Für den Rest deines Lebens, weil da, verflucht noch mal, in deiner Brust nur noch ein verkümmerter Rest des Muskels vor sich hin klopft und Notdienst verrichtet.

Ich hab noch so viele Fragen an Chris …

Fünf Minuten später sitze ich um zwölf Uhr mittags im Wagen. Hab den letzten Rest Mut zusammengekratzt. Ich wäre gerne cool und gelassen. Was nicht funktioniert. Stattdessen bin ich hochgradig nervös. Jetzt schon mürbe. Wenn das rauskommt, dass ich die Adresse eines Mandanten für private Zwecke missbrauche, bin ich erledigt. Ich rechne also mit dem Schlimmsten. Hab mich mental schon auf ein Game over in sämtlichen Bereichen meines Lebens eingestellt und rauche eben die vierte Kippe in meinem Nichtraucherwagen.

Eine halbe Stunde später bin ich da … und wirklich überrascht. Mehr als das! Das ist ja eine richtig gute Wohngegend hier. Ich drehe mich um die eigene Achse. Schaue mich um. Checke vorsichtshalber noch mal die Adresse und stehe ein um die andere Minute unentschlossen herum. Bald darauf trete ich die fünfte und auch die sechste Kippe auf dem Gehweg vor dem Bungalow mit der Hausnummer 30 aus.

In der Nachbarschaft bewegen sich Vorhänge. Klammheimlich. Klar, ne? Neugierde! Kenne ich. Kein Ding, ehrlich wahr! Nachbarn sind immer neugierig. Trotzdem schaffe ich noch ein paar weitere Schritte bis zur Haustür. Klingeln kann ich letztendlich erst, nachdem auch die siebte Kippe auf dem Pflasterstein landet und irgendwas sackt mir in die Hose, als ich den Klingelknopf drücke.

Wenig später, krass ungeduldig, klingele ich noch mal. Dann noch ein drittes und auch ein viertes Mal. Möchte gerade übergehen zum Dauerklingeln, als sich Frust in mir ausbreitet.

Verdammt noch mal! Wo zum Teufel steckst du, Chris?

„Fuck, ehrlich wahr!“ Da geht die Tür auf. Ich wünschte unter mir würde sich der Boden auftun.

„Fuck? Heißt das nicht eher hallo?“, fragt er mit einer leicht belegten, verschlafenen Stimme.

Uhm … „Ich … hallo, Chris.“ Krass. Ich bekomme keine Luft mehr.

Du siehst gut aus!

Attraktiv und männlich und … grandios verschlafen. Obenrum nackt! Untenrum mit einer Jogginghose bekleidet, die verflucht tief auf der Hüfte sitzt und das leckere Muskeldreieck des Unterbauches zum Vorschein kommen lässt.

Cameron, du sabberst gleich!

Ich schließe vorsichtshalber den Mund. Hitze steigt auf. Meine Wangen brennen. In mir stolpert’s viel zu schnell los. Genauso schnell vermutlich, wie meine Augen seinen Körper abtasten. Immer und immer wieder. Alles aufsaugen, was an ihm dran ist. Die Erinnerung auffrischen.

„Lässt du mich rein?“ Ich will dich! Brauche dich so sehr! Will so gerne mein inneres Gleichgewicht wiederfinden.

Chris steht einfach nur da. Die Lippen leicht geöffnet, sagt aber nichts, sondern schiebt einfach die Tür weiter auf. Er blinzelt in die Sonne. Reibt sich über die Augen und den Eintage-Bart, schiebt die Tür noch weiter auf und tritt dann zur Seite. Gerade soweit, dass ich durchpassen könnte.

„Komm.“ Es ist nur ein Flüstern. Ein Hauch, ein Magnet.

Gooott, zieh mich lieber aus, statt an!

In meinen Lenden zieht’s verdächtig. Schmerzt beinahe. In meiner Brust auch. Ich trete vor, versinke in seinen Augen, atme flach und sein abgefuckt geiler Körperduft vernebelt meine Sinne. Ein weiterer Schritt, noch einer, ich zwinge mich geradezu. Schon eine schwere Sache, unberührt durch diesen winzigen Gang zu kommen, den er mir lässt. Ich schaffe es dann doch nicht ganz. Spüre seinen Atem an meiner Wange. Möchte mein Gesicht einfach gerne seinem zuwenden. Meine Lippen auf seine pressen. Mich an ihn lehnen, ihn umfangen, festhalten, uns einfach treiben lassen.

Mein Blut rauscht und dröhnt bereits jetzt viel zu laut. Ich muss mich dringend setzen, bin nicht mehr stabil. Bin ich schon lange nicht mehr. Ich glaub, ich hab mir nur immer was vorgemacht. Die Tür schließt sich leise klickend hinter mir. Seine Atmung geht genauso schnell wie meine.

„Du siehst müde und total fertig aus!“

Ich? Ja, sag mal! Wer ist denn gerade aus dem Bett gefallen? Okay, zugegeben. Ich fühle mich enttarnt und eigentlich voll am Arsch. Ich bin fertig. Durch und durch. Suche Ruhe und finde sie nicht.

„Möchtest du Kaffee? Tut mir leid, um diese Uhrzeit schlafe ich in der Regel noch. Du weißt ja, ich bin berufsbedingt eher ein Nachtmensch. Gibt es Probleme mit dem Vertrag?“

Klar doch! Das klären wir Anwälte immer sonntags zwischen Tür und Angel. Bei einem netten Kaffee lässt sich’s immer gut plauschen. Sehe ich aus wie eine Frau, oder was? Eine, die tausend Worte am Tag verliert und alles ausdiskutieren muss?

„Wieso hast du mein Mandat abgegeben?“

Chris schiebt mich weiter, während ich stumm vorwärts laufe. Er berührt mich nicht, aber seine Augen in meinem Rücken, die treiben mich konstant an.

„Cameron?“

Ich bleibe stehen, einfach so, alleine deswegen, weil mein Name aus seinem Mund mir einen Schauer beschert. Stolpere zu allem Überfluss noch, als Chris in mich reinläuft und wir beide ins Schwanken geraten.

„Hey, langsam.“ Er hält mich fest. Alles in mir beginnt zu summen und ich werde an den Schultern von ihm umgedreht. „Cameron? Ich habe dich was gefragt!“

Suchende Augen. Fragende Augen. Erkenntnis? Bedauern? Ich weiß es nicht. Gottverdammt. Ich …

„Such gerade meine Sprache wieder!“, erwidere ich atemlos und Chris Augen blitzen auf. Fixieren mich, genauso, wie ich seine fixiere. Ein Schmunzeln legt sich auf seine Lippen. Kräuselt dabei seine Mundwinkel – so lecker – bevor er mich loslässt und sich wegdreht.

Hm … du siehst echt Zucker aus. Ehrlich wahr!

„Ich mache uns einen Kaffee. Setz dich doch einfach.“

Er gönnt uns eine Pause. Grandiose Idee! Stellt sich mit dem Rücken zu mir an die Arbeitsplatte, bedient den Kaffeevollautomat und ich knicke rückwärts laufend auf einem der Barhocker ein. Ich schaffe es nicht, die Augen von ihm abzuwenden.

Es geht einfach nicht.

Wärme umfängt mich, hüllt mich ein, als ich seine Schultern betrachte, sein schönes Kreuz, die Muskulatur, die mit jeder Bewegung, die er macht, auf seinem Rücken unter dieser glatten, einladenden Haut arbeitet. Ich entledige mich meiner Jacke und schiebe die Ärmel meines Pullovers nach oben. Chris ist der Typ Athlet, durchtrainiert und zum Anbeißen schön. Gerade zieht er die Jogginghose höher, die ob des Verlustes eines dehnbaren Bundes direkt wieder nach unten rutscht.

Du spürst meinen Blick, nicht wahr? Hmm, du bist wundervoll, Chris. Ich bin hoffnungslos süchtig nach dir.

Da ich ja doch nichts mehr zu verlieren hab, kratze ich meinen letzten Rest Mut auch noch zusammen. Rutsche langsam vom Hocker und nähere mich ihm. Ich muss ihn einfach berühren. Auch wenn es das Letzte ist, was ich möglicherweise tun darf. Vielleicht ist es sogar das allerletzte Mal, dass ich ihm überhaupt nahe sein kann. Ich trete hinter ihn, bin mir sicher, dass er mich gehört haben muss, senke den Kopf und drücke meine Lippen auf seinen Nacken. Genau auf die Stelle, wo sein dunkler Haaransatz beginnt, und inhaliere den Duft seiner Haare. Das Beben, das seinen Körper durchläuft, spüre ich. Überdeutlich! Es erfüllt mich mit Genuss. Sein Kopf sackt nach vorne und er keucht leise auf. Umfasst mit einer Vehemenz, die schon schmerzhaft sein muss, die Arbeitsplatte und spannt sich gleich darauf an.

Weiter, Cam. Mach weiter. Weiter …

Ich hebe die Arme, lege meine Hände an seine Seiten und streiche auf seiner warmen, glatten Haut hinauf. Küsse mich von seinem Nacken über die Schulterblätter und verinnerliche seinen ganz eigenen chris-typischen Geschmack, der mir in diesem Umfang noch unbekannt ist. Aus seiner Kehle entkommt ein qualvoller Laut. Ich mache weiter.

Lass dich nicht aufhalten, Cam. Nicht jetzt! Weitermachen! Durchstarten! Offensive statt Defensive! Du kannst das, verdammt noch mal. Du bist gut und hast schon mehr als einen Mann verführt.

Mit voller Handfläche fahre ich über seinen Bauch, zeichne sein Sixpack unter meinen Händen nach und drücke mich ein Stück näher an ihn. Schiebe meine Arme hinterher, bis ich ihn komplett umfangen kann und erkunde jeden Zentimeter seines Oberkörpers, den er mir gewährt. Erst flächig, dann mit den Fingerspitzen. Die angespannten Muskelerhebungen fahre ich nach, umkreise seine Brustwarzen und reibe darüber. Chris stöhnt leise auf.

Oar … das macht mich an! Und wie! Ich beiße ihn leicht, immer dann, wenn sein Atem stockt, dann, wenn er sich wieder verspannt und ich ihm einen Ton entlocken kann.

Selbstbeherrschung, was? Lernt man das dort, wo man als Callboy ausgebildet wird? Gott, Cameron. Halt bloß den Mund.

Denn eigentlich … ist es grandios berauschend. Erfüllt mich Stück für Stück und das Ziehen in meinen Lenden wird heftig fies. In meiner Hose ist es zum Zerbersten eng. Ich bin stahlhart und hege die Hoffnung, dass es ihm ähnlich geht. Hm, ich will so viel mehr.

„Kaffee ist fertig“, murmelt Chris und ein leises Knurren schlüpft hinterher. Es folgt ein Zittern durch seine Gliedmaßen, als ich meine Lippen einfach erneut auf sein Kreuz presse. Eine Spur mit meiner Zunge bis hinauf in seinen Nacken und zu seinem Ohrläppchen ziehe. Dort meine eigenen lustvollen Laute abfange, weil ich kurzerhand in ihn reinbeiße. Chris vibriert vor mir und sucht erneut Halt an der Platte.

Ich bin geil. Auf Droge. Völlig neben der Spur.

„Cameron… hgn! Cameron, bitte! Ich … Wieso hast du mein Mandat abgegeben?“, unterbricht er mich und dreht sich in meinen Armen. Blickt mich an, so nah. Sucht was in meinen Augen. Sein Blick ist unruhig und wandert über mein Gesicht hin und her. Fragend. Und voller Begierde!

Der ganze Mann steht bebend vor mir. Lässt mich spüren, wie erregt er ist und ich brauche zwei Anläufe, um eine Antwort herauszuwürgen. „Weil ich will, dass es aufhört wehzutun!“

Da ist er wieder. Der Schmerz in seinen Augen, den ich vor Wochen in meinem Büro schon gesehen hab. „Du bist damals gegangen und hast mich stehen lassen. Du hast mir eine Abfuhr erteilt, wie einem billigen … “

Das ist leider wahr. Und es tut immer noch weh. Alleine der Gedanke an diesen Abend bohrt mir ein Messer mitten in diesen Muskel.

„… wie einem billigen Callboy?“, hake ich daher nur schwach nach, denn ich hab genauso viele Fragen, wie er scheinbar auch. Noch und nöcher. Sie türmen sich in meinem Kopf. Wollen raus aber eigentlich … will ich jetzt was ganz anderes. Das Reden verschieben. Ich hab so eine verdammte Sehnsucht nach ihm.

Er nickt. Senkt seinen Blick und sucht nach Worten.

Das ist hart, nicht wahr? Und es tut mir so unendlich leid.

„Das bist du nicht. Nicht für mich! Nie gewesen, Chris“, komme ich ihm zuvor. Das endlich loszuwerden ist eine gnadenlose Erleichterung und die Steine in meinem Magen lösen sich schlagartig auf. „Aber was hast du erwartet? Was erwartest du von mir, wenn man mich wie einen Kunden behandelt? Mund halten und lächeln? Chris hat seine Kunden noch immer zufrieden gestellt!“, äffe ich Maja nach, die mir noch genauso präsent ist, wie der gesamte verdammte Abend.

„Ich … war gar nicht im Dienst“, antwortet er stockend und irgendwie sehe ich dann doch so was wie Erkenntnis in seinem Blick. „Ich habe an diesem Abend keine Kunden bedient, Cameron.“

Krass. Was ist das denn für eine Antwort? Ich … erschauere, als er mich endlich berührt, seine Hände an meine Hüften legt und unter meinen Pulli fährt.

„Für mich warst du kein Kunde. Warst es nie“, nuschelt er noch, bevor er auf meinem Rücken ankommt. Mit seinen Handflächen über meine Haut gleitet und mich dichter und dichter an sich zieht. Alles in mir gleicht einem einzigen Feuerball. Heiß und schmerzhaft pulsiert mein Ständer in meiner Jeans, als mein Unterleib auf seinen trifft. Gottverdammt! Er ist hart. Und gottverdammt: Ist das geil! Wie kann er, verflucht noch mal, nur so ruhig bleiben?

„Was willst du von mir, C a m e r o n?“ Seine Lippen berühren meine. Nur gehaucht, während er spricht. Senden flammende Impulse bis in meinen Leib. Die Schlagmänner in mir geben alles. Klopfen so laut den Takt, bis es in mir widerhallt und seine Worte nur noch entfernt bei mir ankommen.

„Dich“, flüstere ich ihm entgegen und mache es ihm gleich. Schlinge einen Arm um seinen Leib, streiche über seine Schulterblätter, drücke meine Finger in seinen Nacken und dränge mich an ihn. Meine Lippen auf seine. Begierig!

Er antwortet mir tonlos. Lässt mich in seine Mundhöhle ein und das Rauschen nimmt zu. Seine Hände werden fester. Reiben über meine Haut, spielen mit meiner Rückenmuskulatur und fahren jeden einzelnen Strang nach, der ihm begegnet. Seine Zunge kommt meiner entgegen. Beginnt das Gefecht. Das Piercing klappert an meine Zähne und ist … grundgeil.

Woah, endlich! Fuck! Das ist gut! Mehr!

Ich tauche ein in meine Empfindungen. Drücke mich fest an seine Ausbuchtung, reibe mich an ihm, bis wir beide in den Kuss stöhnen müssen. Unsere pulsierenden Härten betteln nur noch nach Erlösung!

Gooott, Chris. Mach weiter. Mach …

Doch auf einmal übt er Druck aus. Gegen mich. Stemmt sich gegen meine Schultern und unsere Münder und Leiber trennen sich lähmend langsam voneinander. Würden sie zwar nicht, wenn ich nicht nachgeben würde, aber die Ernüchterung prasselt auf mich nieder, wie ein eiskalter Regen. Ich ringe nach Luft, genau wie er. Der mich an den Schultern von sich weghält und seinen gierigen Blick über mich gleiten lässt.

„Nein! Nicht so! Was willst du wirklich, hm?“, fragt er atemlos. „Ich kann dir nicht geben, was du möglicherweise suchst. Nicht einmal dann, wenn ich mir zugestehe, es selbst bei dir zu suchen. Ich verdiene mein Geld mit Sex, Cameron. Ich habe täglich genauso viele Kunden, wie du Finger an beiden Händen. Du bist Anwalt, dazu noch in einer angesehenen Kanzlei und … das passt nicht.“

Großer Gott!

„Aber …“ Das Gefühl der eiskalten Dusche verstärkt sich noch. Verflucht noch mal! Wie kann er nur so locker darüber reden? Mir wird alleine bei dem Gedanken daran schlecht. Wie kann er diese wahnsinnige, beiderseitige Begierde und Anziehungskraft einfach so mit Nichtachtung strafen?

„Chris, ich … Schick mich nicht wieder fort. Das kannst du nicht machen. Nicht jetzt! Ich … Chris, verdammt noch mal. Ich brauche dich!“

Und gerade ist er es, der die Luft anhält. Sein Griff wird fester, drückt meine Schultern solange, bis ich die Zähne zusammenbeiße und er sich wieder fängt.

„Einmal“, hauche ich ihm bittend entgegen, umklammere seine Unterarme mit meinen Fingern und betrüge mich mit dieser absurden Bitte selbst. „Ein einziges Mal. Will dich so gerne spüren. Will dich nackt und live und alles von dir. Dich fühlen und schmecken und … mich einmal fallen lassen können.“

Er schweigt. Schaut weg, nach unten, und lässt mich los.

Nein! Nein, nein, nein! Fuck!

„Es geht nicht. Kein guter Zeitpunkt! Weder für mich, noch für dich. Wenn ich mich da jetzt emotional reinreite, komme ich nicht mehr raus. Da betreibe ich lieber von vornherein Schadensbegrenzung.“

„Bullshit!“, schnauze ich ihn an und will nicht wahrhaben, was er zu mir sagt. „Das ist ein perfekter Zeitpunkt. Jeder Tag wäre perfekt. Jeder gottverdammte Tag wäre für mich perfekt.“

Eben werde ich richtig laut. Panik! Ich hab Panik. Schwanke! Schwanke zu doll. Verliere mein Gleichgewicht und werde festgehalten. Mit kräftigen Händen dreht er sich mit mir und ich werde hart gegen die Platte der Küchenzeile gedrückt, daran fixiert.

„Du bist völlig erledigt, oder? Wann hast du das letzte Mal geschlafen?“

Themenwechsel? Es schneidet ein wie ein Schwert. Arsch! Du bist ein Arsch! Ein gottverdammter Homoarsch!

„Ich brauche keinen Schlaf“, schnauze ich aufgebracht weiter und wehre mich gegen seinen Griff. Erfolglos, weil ich irgendwie kraftlos und eigentlich auch nicht willens bin, mich gegen Chris zu behaupten. Aber ihn anraunzen, das kann ich noch. „Verstehst du das nicht oder willst du es nicht verstehen? Ich bekomme kein Auge zu, seit unserer letzten Begegnung. Ich brauche dich. Jetzt! Sonst drehe ich noch durch. Tu es endlich, Chris.“

Und schlagartig schaltet es in mir auf Sturm, als seine Lippen sich wieder auf meine pressen. Hart, grob und unnachgiebig. Sein Oberkörper sich an meinen drückt, so fest und drängend, dass ich beinahe waagrecht auf der Küchenplatte liege. Er überrollt mich einfach. Alles in mir begehrt auf. Sein Becken findet zu meinem und seine Hand fixiert mich grob im Nacken. Da ist nur noch Chris in meinen Gedanken. Meine persönliche Droge.

Gooott, mach es. Zeig mir, wer du wirklich bist, mein einsamer Wolf.

Er gibt uns Luft, kurz nur, bevor unsere Münder den begehrlichen Kampf wieder aufnehmen. Meine Lippen prickeln. Er schmeckt nach so viel mehr. Ich weiß jetzt schon, dass mir ein einziges Mal nicht reichen wird. Ich fühle seine Hände, wie sie meinen Nacken und meinen Rücken verlassen, meinen Pullover nach oben schieben und ich meine Arme freiwillig anhebe. Die Rohheit lässt nach, kaum, dass ich oberkörperfrei vor ihm stehe und schwer atmend auf das Kommende warte. Chris blinzelt, haucht je einen Kuss auf meine Mundwinkel und streicht mit seinen Lippen meine Wange, meinen Hals und mein Schlüsselbein hinab. Gleich darauf sitzt meine Jeans locker und wird von ihm geradewegs nach unten geschoben. Geschickte Hände sind am Werk. Schnelles Umsetzen ist Programm.

Mehr! Gib mir mehr!

Geschmeidig geht er in die Knie. Zieht mit der Zunge eine feuchte Spur über meine pumpende Brust, saugt kurz an meinen Nippeln, und gleitet weiter über meinen Bauch, schiebt die Boxer mit und … taucht in einer einzigen Bewegung meine Härte in seinen Mund. Rein bis zum Ansatz!

Die Schlagmänner in mir kommen aus dem Takt. Hören einfach auf, den Rhythmus vorzugeben. Mein verdammter Muskel versagt kurzzeitig. Vergisst das Blutpumpen, nur um gleich darauf mit doppelter Geschwindigkeit wieder loszulegen. Ich kann nur noch reagieren. Aufstöhnen, meine Finger in seine Haare schieben, mein Becken gewaltsam in Schach halten und … es endlich genießen. Spüren, wie die Hitze mich innerlich versenkt und sich ein gewaltiger Orkan in mir aufstaut. Woah, das ist gut. Perfekt. War Chris schon immer für mich. In all meinen Träumen! Es gibt keine Steigerung von grandios. Man kann nichts verbessern, was bereits gnadenlos perfektioniert ist. Er spielt mit meinen Eiern, krault sie und knetet sie sanft, während seine Zunge, sein gottverdammtes Piercing und seine Zähne mich von einem Extrem ins andere jagen.

Gooott, Chris. Ich komme gleich! Mach weiter …

Ich sehe ein, dass ich dieses Spiel nicht gewinnen kann und würde betteln, um einfach Erlösung zu finden. Doch genau in diesem Moment, wo es für mich eigentlich nur noch eine Richtung geben kann, fasst er unnachgiebig um meinen Schaft und meine Hoden herum. Scheint zu spüren, dass meine Kontrolle flöten geht.

„Nein. Noch nicht. Noch lange nicht“, raunt er und lässt von mir ab. Bindet meine Schuhe auf, zieht sie mir aus, zieht die Hosen und die Socken hinterher und betrachtet meinen nackten Körper mit erhitzten Wangen und einem grandiosen Glanz in den Augen. „Diesmal wird es keine Enttäuschung für dich.“

Höre ich da Bedauern in der Stimme? Was soll das? Ich schüttle den Kopf. Mein Schädel platzt gleich. Ich platze gleich. Mein Puls ist viel zu hoch. Mein Brustkorb hält dem Hämmern nicht mehr lange stand. Doch der Sturm in mir ebbt langsam ab, während Chris meine Schenkel und meine Lenden mit Mund und Zunge erkundet. Seine Finger kneten sich in meine Pobacken und locken tausend weitere Empfindungen hervor. Aber sein Satz, der verankert sich in meinem Kopf.

Ich muss ihn fragen. Muss es einfach wissen – für mich – und ziehe ihn zu mir hoch. Unsere Blicke finden sich. Das Grün seiner Augen wirkt dunkler als vorher.

„Bin ich es denn für dich?“

„Was?“, hakt er verwirrt nach und zupft an meiner Lippe. Tanzt dabei wie zufällig mit den Fingerspitzen über meine Lenden, bis zu meinem Hintern und fährt meine Pofalte entlang. Er lächelt, als er zwei Küsse auf meinen Mundwinkeln platziert. Zieht sich ein Stück von mir zurück, erwartet eine erläuternde Antwort von mir, obwohl ich kaum in der Lage bin noch weiter geradeaus zu denken.

„Eine Enttäuschung!“, krächze ich los. „Chris, ich … bin ganz sicher nicht der perfekte Könner und ich …“

„Nicht doch.“ Langsam schüttelt er den Kopf und zieht mich von der Platte. Schiebt mich gleich darauf rückwärts, während er gegen mich drängt. „Wer auch immer du bist, Cameron, und das werde ich noch herausfinden, aber eine Enttäuschung ganz sicher nicht. Nicht für mich. Das kannst du gar nicht sein. Ich wollte dich schon, seit ich dich kennengelernt habe. Die Hete! Der geschmeidige Panther. Ein Dessert für jede Tages- und Nachtzeit“, setzt er noch nach und sein Lächeln verwandelt sich in ein breites Grinsen. „Ich habe es deiner Kati nicht gegönnt, dass sie einen Mann wie dich abkriegt. Ganz schön egoistisch, wenn du mich fragst. Aber ich konnte diesen Gedanken nicht ertragen. Es hat mich wahnsinnig und rasend gemacht, dich verloren zu wissen, wo ich dich eigentlich kaum kannte. Ganz schön dumm von mir, nicht wahr?“

Er greift um mich herum und öffnet eine Tür. Schiebt mich weiter und ich lasse es einfach geschehen. „Wir sind da.“

„Was?“

Da spüre ich es schon. Den Bettrand in meinen Kniekehlen. Chris’ Gewicht, das mich niederdrückt, kaum, dass ich einknicke und rückwärts auf die weißen Laken falle. Ich hab keine Zeit, mich in seinem Schlafzimmer umzusehen, denn da trifft sein Leib bereits im Tiefschlag auf meinen.

Woho … Ich zucke zusammen und merke im selben Moment, dass da kein Stoff mehr zwischen uns ist. Seine Hitze schlägt mir entgegen. Seide reibt sich an Seide und entflammt. Erste Lusttropfen bahnen sich ihren Weg nach draußen und wenn es nicht gleich weitergeht … komme ich, biege mich durch, spanne mich an und stöhne mein überbordendes Verlangen in seine Kehle. Genau in dem Moment, als sein Mund erneut auf meinen trifft.

„Keine Chance, was?“, haucht er mir entgegen und verschlingt die Finger einer Hand mit meinen beiden, hebt sie weit über unsere Köpfe und ich trage sein volles Gewicht. „Lass dich fallen, Cameron. Wir haben Zeit. Ich krieg dich schneller wieder in Stimmung, als du runterfahren kannst.“

Gooott, ist das ein Versprechen? Er greift zwischen uns. Packt beide Ständer mit seinen schönen Fingern und massiert uns. So berauschend … schön. Ich kann nicht mehr… Es geht nicht mehr … Schwallartig entlade ich mich aufstöhnend und endgültig zwischen unseren Leibern. Drücke mit einer vehementen, vernichtenden Spannungswelle gegen seine Erektion. Vergesse das Atmen. Verziehe das Gesicht und bestehe nur noch aus dem Pulsieren meines Kreislaufes, als Chris mir in diesem Moment folgt.

„Fucking good“, raune ich gegen seine Wange und ziehe ihn eng an mich.

Er wird noch mal schwerer. Entlässt seine Körperspannung und schmiegt sich an mich. Passt sich mir an. Warm und glitschig vermischt sich sein Saft mit meinem. Es fühlt sich so gut an. Wie ein erstes Ankommen. Der Schmerz lässt nach, die Begierde flackert noch, aber die Rohheit hat Pause. Liebkosend flattern seine Lippen über meine, gleitet seine Zunge über meine Unterlippe und seine Kugel neckt mich so lange, bis ich danach schnappe. Ihm somit erneut den Weg in meine Mundhöhle freigebe und meine Geschmacksnerven mittlerweile nur noch Chris wahrnehmen. Ich schwebe. Bin glücklich und krass überdreht. Will weitermachen und genieße doch viel zu sehr die Schwere auf mir und die bleierne Schwere, die sich auch durch meinen Leib frisst.

„Müde?“ Langsam rutscht er seitwärts von mir runter. Platziert sein Bein zwischen meinen und zieht aufreizend neckisch einen Finger durch unsere Sahne. Hält ihn mir vor den Mund und fährt mit dem Daumen die Konturen meiner Lippe nach, solange, bis ich ihn einlasse und … ablecke. Mutig wie ich bin! Ich hab mir geschworen, es nie wieder zu tun. Aber Chris lächelt, leckt sich über meine Brust und teilt auch das mit mir. Oral. „Du bist unglaublich heiß anzusehen, wenn du kommst, Panther.“

Ich glaub, ich werde gerade ein bisschen rot und stöhne auf, als er sich erneut über meine Brust leckt.

„Und du schmeckst nach mehr!“

„Fuck, Chris!“

Fuck the hell! Ich fühle mich immer noch bleiern, erschlagen und überrollt. Was eben passiert ist, ist so unreal, dass es auf mich schon beinahe normal wirkt. Ein normaler Sonntagmittag. Ein normales Wochenende. Ein Paar, das glücklich und halbwegs gesättigt in einem Bett liegt. Und das erste Mal seit vier Wochen habe ich das Bedürfnis, einfach die Augen zu schließen. Es ist das erste Mal seit drei Jahren dass ich kurz vor dem Einschlafen nicht alleine bin. Das ist abgefuckt. Ich merke nur, wie meine Augen zufallen. Ich mich von den gemurmelten Worten einlullen lasse, die Chris mir ins Traumland mitgibt und sich dann eng an mich schmiegt. Mich mit einem Arm und einem Bein umfängt und wärmt. Mir seine Nähe schenkt. Seinen Kopf auf meiner Brust ablegt und mir noch gefühlte tausend feuchte Küsse aufdrückt, meine Brustwarze leckt, bis ich von alldem nichts mehr mitbekomme. Das einzige, das ich noch spüre, dass mein Arm, mit dem ich ihn festhalte, ein wenig schmerzt. Ich schaffe es nicht, die Muskeln zu entkrampfen. Die Angst, dass er weg sein könnte, wenn ich aus meiner Wattewelt wieder auftauchen werde, herrscht vor. Deshalb halte ich ihn einfach weiter fest. So fest, wie es nur irgendwie geht. Ein Stück heile Welt am Ende meiner persönlichen Tortur.

„Hmm!“ Nicht! Ich greife in meinen Schritt. Verjage die Fliege, die sich dort einen Spaziergang erlaubt, während ich mich im Dämmerzustand befinde.

„Uhm!“ Ich stöhne auf, greife erneut nach meinen Eiern und drehe mich auf den Bauch. Vergrabe meinen Kopf im Kissen und … dann nehme ich es wahr. Diesen intensiven Geruch nach herbem Duschgel, nach Aftershave, nach Mann. Dieses Kissen ist nicht meins. Es riecht nach … Chris. Eindeutig! Ich bin bei Chris. Es war kein Traum.

Ich nehme erneut einen tiefen Atemzug, kann gar nicht genug davon bekommen und drehe meinen Kopf langsam zur Seite. Stelle mich darauf ein, dass mich gleich die grelle Wintersonne blendet und blinzele. Finsternis schlägt mir durch die Scheibe entgegen. Ist es schon Nacht? Nur ein schwacher Lichtschein dringt durch die leicht geöffnete Tür aus dem Flur. Fuck! Ernsthaft, Cameron? Du liegst bei dem Mann, der für Träume und Albträume gleichermaßen zuständig ist und schläfst?

„Hey, Panther! Aufgewacht?“

Langsam gewöhnen sich meine Augen an die spärliche Beleuchtung, nehmen seine Konturen wahr, wie er da neben mir liegt. Lässig seitlich, den Kopf auf die Hand gestützt, die andere streichelt langsam meine Nacktheit hinab. Er lächelt sanft, gibt mir einen Kuss und fährt mit seiner Nase meine Wange und Schläfe entlang. Für den fröstelnden Gänsehautschauer, der sich über mein Rückgrat und meine Arme ausbreitet, ist er verantwortlich. Ich bebe und schiebe meine Finger ins Kissen unter mir. Ein Keuchen entkommt mir. Chris lächelt und macht einfach weiter. Zieht seine Kuppe über meine Haut. Über meinen Hintern und meine Pofalte entlang. Langsam. Genüsslich. Alle Zeit der Welt scheint der gepachtet zu haben.

„Wie spät?“, nuschle ich und drehe mich leicht zu ihm rum. Genieße. Will nur noch fühlen und die Zeit anhalten.

„Fast acht. Ich habe uns was zu Essen bestellt“, antwortet er und eben registriere ich, dass Chris komplett nackt ist, die Haare feucht und vermutlich frisch geduscht, er die Jogginghose aber schon in der Hand hält.

„Es tut mir leid, ich …“

„Kein Ding, ehrlich“, schmunzelt er auf mich herab und streicht liebkosend mit seinen Fingern meine Wirbelsäule entlang. „Mich wundert, dass du nicht bis morgen früh durchgeschlafen hast. Ich wollte mich auch nur kurz anziehen. Mir tut es also leid, falls ich dich geweckt haben sollte.“

Gott, geht’s noch?

„Du hättest mich viel früher wecken sollen. Du hättest mich gar nicht erst schlafen lassen dürfen. Das ist … Das ist …“ Na ja, eigentlich echt grandios peinlich! „Musst du… nicht arbeiten?“

„Heute nicht, Panther. Wenn ich mal frei habe, dann in der Regel sonntags.“

Ich grunze. Das Leben ist schön. Wenn es nur immer so wäre. Neugierig horche ich in mich. Ich fühle mich ausgeruht und gut.

„Möchtest du duschen?“

„Möchte ich. Darf ich?“

„Darfst du. Darf ich noch mal mit?“

Muhaha … Das Grinsen, das sich auf meinem Gesicht absetzt, hat mal absolut nichts mehr von Müdigkeit. Energiegeladen springe ich auf, laufe rückwärts. Locke Chris mit meinem Finger und er folgt mir. Ohne eine Miene zu verziehen, dafür aber mit einem Blick, der mir die Knie weich werden lässt. Hrm … und jetzt?

„Rechts“, dirigiert er mich mit leiser, rauer Stimme und kommt bei mir an. Drängt sich an mich, küsst mich und schiebt mich in besagte Richtung. Seine Hände sind auf mir unterwegs, überall. Mehrere Schauer laufen über meine Haut, ich stöhne in den Kuss. Bin jetzt schon wieder heiß. Heiß auf das, was da kommen mag. Chris ist es, der uns unter der Dusche im Zaum hält. Auf mein Drängen antwortet er mit Sanftheit. Schiebt ungezählte Male meine Hände von seinem Schwanz. Immer nur dann vermutlich, wenn er selbst eine Grenze überschreiten könnte. Hmm … ich werde nie genug von diesem Mann bekommen. Meine Nerven sind zum Zerreißen gespannt. Im positiven Sinne.

Will dich, Chris. Immer und immer wieder. Nie wieder loslassen. Ich kann mich nur ganz schwer trennen, weißt du?

„C a m e r o n“, haucht er dann irgendwann, als ich mich bebend gegen die Kacheln sinken lasse. Nach Luft ringe. Oar … wenn er jetzt weitergemacht hätte, wär’s definitiv zu spät gewesen. Wenigstens für mich.

„Lass uns zurück ins Schlafzimmer gehen. Ich mag duschen, so ist das nicht. Aber für dieses erste Mal möchte ich mich mit dir auf meiner Spielwiese austoben.“

Ich nicke. Ringe immer noch nach Luft. Chris reicht mir ein Handtuch, nimmt sich selbst eines und beginnt, mich abzureiben. Ich tue es ihm gleich. Uhm … das ist gut. So lange nicht dagewesen. So … unglaublich schön.

Es kam seltener als selten vor, dass ich in den letzten drei Jahren mit einem Mann geduscht hab. Das Vor- oder Nachspiel soweit ausgebaut hab. Lag an mir, ich geb’s ja zu. Aber ändern wollte ich dennoch nichts daran.

Nach der Ruhephase, dem Abtrocknen, schiebt Chris mich zurück ins Schlafzimmer, dreht mich und drückt mich nach unten. Dann legt er sich auf mich. Auf meinen Rücken, drückt mich damit weiter in die Matratze und mein Atem entweicht. Uhm … so schön! So viel Chris. Alles für mich! Noch für ein paar Stunden. Alles meins. Und danach?

Denk nicht mal dran, Cam. Nicht jetzt! Mach dir Gedanken, wenn’s soweit ist.

Sein Ständer, durch die gemeinsame Dusche voll erregt, liegt eng an meiner Pofalte und ich finde es so unendlich schön. Seine Hitze, die sich auf mich überträgt, und die Lusttropfen, die er verliert, machen das Ganze so wunderbar geschmeidig. Ich spüre seine bebende Lust, von meiner ganz zu schweigen. Seine sanfte Bewegung, die minimale Reibung, verursacht bei mir augenblicklich das Verlangen nach mehr. Ihm entgegenkommend, drücke ich meinen Hintern an ihn und stöhne laut auf.

„Chris, du hast mich lange genug warten lassen!“

„C a m e r o n!“ Er lacht leise auf. „Du bettelst?“

Oar! Du Teufel! Er beißt mich. Tropfen aus seinem noch leicht nassen Haar benetzen meine Schultern, laufen langsam und spürbar mein Kreuz hinab. Seine Härte treibt er jetzt beständiger und anregend gegen meinen Hintern. Zieht seine Zähne über meine Haut im Nacken und leckt sich einmal quer darüber. Ich bin verloren. Balanciere auf einem Grat zwischen Abgrund und … Abgrund und bin unendlich scharf auf ihn. Seit über einer halben Stunde jetzt schon. Und werde immer wieder sanft von ihm geerdet.

Seine Hände sind mit meinen verflochten. Mein Schwanz will so viel mehr. Mit aller Kraft drücke ich meinen Rücken durch und hebe mein Becken verlangend seiner pulsierenden Lust entgegen und der Teufel auf mir nutzt das gleich aus. Greift unter mich und streichelt zermürbend langsam meinen Schaft entlang.

„Bettel noch ein bisschen weiter. Das macht mich an.“

Hrm … Du bist …

Redactie
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Bericht Re: Duits | Eigentlich ... door Redactie » woensdag 19 augustus 2015 14:36

Doch ich brumme nur mürrisch, denn ich kann nicht mehr reden. Ich will einfach nur mehr. Alles und noch mal mehr obendrauf. Scheißegal, ob ich mich dafür zum Affen machen muss. Ich bettele auch gerne noch ein drittes Mal.

Mach weiter, mein Wolf! Bloß nicht aufhören!

Doch da rutscht Chris schon wieder von mir runter und seiner Stimme entnehme ich mehr als nur Belustigung. „Der geschmeidige Panther ist ganz schön ungeduldig. Vielleicht sollten wir doch erst mal essen, um mal wieder schön runterzukommen. Ich habe sowieso mächtigen Hunger.“

Gooott! Ich auch! Ein Knurren entweicht mir. Ich hab auch Hunger.

Das wagst du nicht, jetzt einen Cut zu machen! Komm her!

Blitzschnell bin ich oben und erwische ihn noch, bevor er vom Bett runterspringen kann. Erwische ihn am Arm und ziehe ihn so ruckartig zu mir, dass er rückwärts kippt und in der Matratze versinkt. Mit vollem Gewicht begrabe ich ihn unter mir. Genieße, wie er sich halbherzig wehrt, seine Augen mich anlachen und sich sein Becken direkt gegen meines wölbt. Begleitet wird das von seinem Stöhnen, das für mich den Himmel auf Erden darstellt.

„Du Teufel … fuck you!“ Mein Ständer pulsiert, wirkt seinem Drängen entgegen. Sein Kopf hebt sich mit geöffneten Lippen und da sind Bauchmuskeln, die extrem bei der Nach-Oben-Bewegung angespannt werden. Er erhascht einen Kuss und fällt dann erhitzt und bebend zurück in die Laken.

„Kein Aufschub, was?”, schnurrt er und der Schauer, der mich überkommt, dringt bis in mein Zentrum.

„Keine Chance. Da musst du schon Gewalt anwenden.“

Chris lacht los, überrumpelt mich und dreht sich erneut mit mir. Wow … jetzt aber! Sein Bein findet zwischen meine und dann reibt er sich an mir. Und wie! Himmel, der ist stahlhart. Ich sehe pures Verlangen in seinen Augen und noch was anderes, was ich irgendwie nicht richtig deuten kann. Irgendein Ausdruck, den ich bereits unter der Dusche kurz habe aufblitzen sehen.

Chris fixiert mich, hält meine Arme und meine Hände in Schach. Küsst mich gierig und lockend zugleich. Vereinnahmt meinen Mund und meinen Verstand gleich mit. Verwickelt meine Zunge in einen Samba und lässt mich spüren, wie innig tiefstes Begehren sein kann.

Ich brauche dich. So sehr. Mach’s mir. Mach’s mir einfach und lass uns fliegen.

Meine Hand winde ich aus seinem Griff und ich ziehe ihn weiter zu mir runter. Halte ihn ohne Druck in seinem schönen Nacken und schiebe die Fingerspitzen rein in die dunklen Haare, die ihren Duft nach frischer Dusche verteilen. Ich will mehr von ihm. Mich komplett auffüllen mit Chris, damit es in mir niemals wieder völlig leer werden kann.

Er sträubt sich ein bisschen, grinst dabei und kann ja doch nicht gegen mich an. Langsam senkt er seinen Kopf meinem Drängen entgegen, bis sein Mund unausweichlich auf meinem liegt. Sich unser Speichel vermischt und sein Geschmack immer weiter in mich dringen kann. Ich verschlinge ihn regelrecht und in mir brodelt’s los. Diese versengende Hitze, diese alles verglühende Sehnsucht. Mein Vulkan erwacht zum Leben und lässt Chris scheinbar nicht kalt. Er keucht auf, reibt sich fester an mir, bis wir tranceartig gemeinsam einen rohen, grandios geilen Rhythmus finden.

„Ich will dich, Cameron! Ich will wissen, wie es ist, dich unter mir zu haben. Dich zu ficken.“

„Will dich auch“, antworte ich rau und halte ihn bei mir unten, indem ich meine Zähne in seine Unterlippe grabe, sie einsauge und ablecke, necke und liebkose. Er schmeckt so gut. Wenn ich nicht aufpasse, löse ich mich gleich unter ihm auf. Unsere Leiber sind feucht. Restfeuchte von der Dusche, von den Haaren und von frischem Schweiß. Von der Hitze, die uns beiden in den Knochen steckt. Sie erzeugt Reibung, schmatzende Geräusche und all das schaukelt uns immer höher und unausweichlich einem einzigen Ziel entgegen.

„Ich muss morgen früh um acht in der Kanzlei sein.“ Boah, Cameron! Das hast du jetzt nicht gesagt. Doch Chris lacht schallend los. So schön! Ich möchte ihn stundenlang anschauen. Ewig, wenn es nach mir gehen würde.

„Was soll mir das sagen, hm?“, nuschelt er breit grinsend an meinen Lippen und schiebt meine Beine Stück für Stück auseinander.

Ich … hab plötzlich Angst! Ganz langsam schleicht sie sich an. Er knabbert sich meine Wange entlang und flüstert mir ins Ohr. „Hast du nicht heute Mittag noch um ein einziges Mal gebettelt? Ich bin mir sicher, das dauert nicht bis morgen früh um acht. Keine Sorge also, dass du zu spät in der Kanzlei erscheinen wirst.“

Seine Zunge gleitet in meine Ohrmuschel, macht mich ganz duselig und ich keuche mein Verlangen lautstark nach draußen. „Heute Mittag hab ich nicht gebettelt! Ich …“

„Hast du, heute Mittag einmal und eben schon das zweite Mal“, sagt er und grinst dabei. „Dein Betteln wurde erhört. Du bekommst mich. Mehr als einmal und sooft du willst!“

„Will dich! Will dich so gerne“, raune ich zurück und nutze die Gelegenheit seiner nachlässigen Fixierung. Drehe mich unter Aufbietung all meiner Kraft mit ihm und Chris lacht erneut los.

Gooott, du bist so schön. Dein Lachen ist schön! Nur für mich. Ich bin so besessen von dir.

Er begehrt auf und wir … landen auf dem Boden. Hart und unnachgiebig. Autsch! Nicht nur ich stöhne schmerzhaft auf. Die unsanfte Landung bringt eine zweiminütige Atempause, bevor das Rangeln weiter geht. Bis er mich erneut übertrumpft, fixiert und sich mal eben auf mich drauf setzt, um mich unten zu halten. Schoß auf Schoß, Schwanz an Schwanz, und ich muss wirklich an mich halten, dass das Vergnügen nicht schon wieder so ein kurzes Spiel mit mir spielt.

Atemlos sieht Chris auf mich herab. Die Spannung im Raum ist fast greifbar. Mein Blut rauscht beständig in meine Körpermitte. Pulsiert schwerfällig durch meine Adern und mein Unterleib bebt vor lauter unerfülltem Bewegungsdrang.

Chris streckt sich über mich und angelt in der Schublade seiner Kommode. Ich setze mich umständlich auf, treffe mit dem Mund auf seine Brust und nutze die Freiheit meiner Hände, ihn dicht an mich zu ziehen. Ruckele mich noch ein bisschen weiter zurecht, bis ich es halbwegs bequem habe und verteile Millionen Küsse auf seiner schwitzigen, glatten und grandios schönen Haut, die diese dezente und wirklich leckere Kraft umhüllt. Er knurrt, biegt sich durch und legt den Kopf in den Nacken.

Gefällt dir das, ja? Mein Raubtier!

Ich knabbere weiter. Verteile Bisse und genieße mit jedem einzelnen, seine Antwort für mich. Ein Beben! Ein Stöhnen! Hände, die in meine Haare fahren, mich lenken und leiten. Chris, der sich einfach fallen lässt. Sich in meine Hände begibt.

Hm, ich will mehr von dir. Will dich komplett und überall spüren, wo es nur geht. „Will dich! Jetzt!“

„Links oder rechts?“

„Was?“ Irritiert schaue ich ihn an und er zeigt mir zwei Blister. Eines rot, eines gelb. Das Gelbe. Meines. Ich deute darauf, bevor seine Hände hinterm Rücken verschwinden.

Okay! Dann klären wir den ersten Aktivpart eben auf diese Weise. Weiß ich doch jetzt, dass es nicht bei dem einen Mal bleiben wird. Nicht, wenn Chris mich nicht gleich vor die Tür setzen wird, weil ich es versaue. Hab ich nicht vor.

„Gelb?“, hakt er schmunzelnd nach.

„Mach schon!“

„Uhh … ungeduldiger Panther.“

Ich blicke an uns runter. Auf seine sehnigen Schenkel, die meine am Boden halten. Auf seine Härte, die sich an meine schmiegt und immer mal wieder verlangend wippt.

Ungeduldig? Die platzen gleich! Beide!

„Mach schon!“, werde ich lauter und Chris mischt die Blister. Hält die Fäuste hin und seine Lippen öffnen sich leicht. Begehrlich! So sinnlich! Fuck! Ich lege meine Finger um seine Latte und streiche zermürbend zart über die rosige, feuchte Eichel. Chris keucht auf und wird lauter. Auch seine Geduld naht dem Ende. Ich platziere einen Kuss auf der Faust meiner Wahl, die er beide vor mich hält. „Diese hier!“

Ich pumpe ihn weiter, beobachte ihn. Sauge jedes Detail, jedes Gefühl, was er mir preisgibt, in mich auf, um es tief in mir zu verinnerlichen. Die Faust öffnet sich.

Rot! Da liegt Rot! Fuck!

Meine Backen petzen sich zusammen, kaum, dass die Erkenntnis in meinem Hirn angekommen ist. Das schaffst du, Cam. Entspann dich. Es ist Chris. Der fängt dich auf.

Fuck, ehrlich wahr! Dabei wollte ich es doch. Chris steht auf. Reicht mir die Hand, um mich mit nach oben zu ziehen. „Alles gut?“ Feuchte Küsse regnen auf mein Gesicht. Da sind Handflächen, die sich um meine Wange legen und in die ich mich reinschmiegen kann. Finger, die mich sanft streicheln und meine Aufmerksamkeit auf meinen … Partner vor mir zurücklenken können. Alles gut? Mein Puls rast. Alles gut!? Ich nicke lahm. Lasse mich verführen. Alles wird gut!

„C a m e r o n.“

Gooott! Fuck! Süß und süffig. Cremig schokoladig!

„Weißt du, was ich damals am liebsten mit dir gemacht hätte?“

Meine Brauen wandern nach oben. Was kommt jetzt? Sein Blick wird noch mal verlangender, als dieser sehnsüchtig über mich drüber gleitet und seine Finger sich an mir runter bewegen, zwischen meine Backen schieben und über meinen Schließmuskel gleiten, der sich krampfhaft zusammenzieht. Zart und grandios schön bewegt sich seine pralle Härte an meiner.

„Sag’s mir!“ Ich bin atemlos, röchle und mir fällt das klare Denken schon jetzt unsagbar schwer.

„Ich wollte dich von hinten ficken und zwar so lange, bis du dein verdammtes Denken eingestellt und endlich zu dem gestanden hättest, was du wirklich bist. Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich mich zusammenreißen musste und wie sehr es mich frustrierte, dich in diesem Zwiespalt stecken zu sehen. Damals, in der Seitengasse, hätte ich dich am liebsten bäuchlings an die Wand gedrückt und dir deine Kati so lange rausgevögelt, bis sie nicht mehr existent gewesen wäre.“

Chris schnauft. Woah … Das sind ja ganz neue Töne, die ich da zu hören bekomme.

„Ich war gnadenlos angefressen“, erzählt er weiter, „weil Noah mir zuvorgekommen war. Dieser verfluchte kleine Kerl, der kein Wässerchen trüben kann und noch jeden Kunden um seinen Finger gewickelt hat. Ich hätte ihn am liebsten umgehauen, als ich euch in dem Zimmer sah. Aber dich an dem Abend anal zusätzlich zu deinem ersten Homofick zu nehmen, davon hättest du vermutlich dann doch eher ein Trauma bekommen.“

Luft presst sich aus meinen Lungen. Mein Körper verwehrt gerade jegliche Aufnahme von Sauerstoff. Wow … Mir wird schwindlig.

Atmen, Cameron. Atmen! Er wollte mich! Damals schon!

Warum zum Teufel hast du es nicht einfach getan?

Doch dann drängt sich noch eine andere Erinnerung in mir hoch. Eine, die mir noch mehr die Luft abschnürt und mir meine Gesichtszüge mal eben kurz entgleisen lässt. Er wollte mich von hinten! Nein! Nein, verdammt! Gesichtsloser Sex. Mein Magen dreht sich, als mir die gehörten Worte tief ins Bewusstsein dringen.

Es ist Chris! Beruhige dich, Cam. Es ist der Mann, den du willst. Es ist alles Chris. Seinen Wunsch kriegst du hin. Wenn es Chris ist, kriegst du das hin! Auch von hinten!

„Cameron? Vergiss das Luftholen nicht.“

Arsch, ehrlich wahr!

Doch ich japse endlich auf. Spüre, wie mein heißes Blut langsam abkühlt und die Wärme in mir einer verfickten Kälte Platz macht.

Hör auf, Cam. Hör sofort auf damit. Versau es nicht. Nicht jetzt! Dein Traum ist greifbar. Scheiß doch einfach drauf, in welcher Position das passiert!

„Okay“, antworte ich mit einigermaßen fester Stimme und bin nicht wirklich sicher, ob es bei Chris auch so ankommt.

Er ist alles, was ich will und er wünscht es sich eben auf diese Art. Chris drückt sich näher an mich. Ich spüre sein Verlangen, seinen heißen Atem, der mir übers Gesicht streift und mir einen Schauer nach dem anderen beschert. Da sind hunderte Berührungspunkte zwischen unseren Leibern. Tausende Funken, die direkt in meinem Unterleib tanzen. Millionen Impulse, die mich dann doch irgendwie willenlos machen. Doch Chris scheint meine Gedanken zu erahnen.

„Cameron. Ich schlafe nicht mit dir, wenn du es nicht wirklich willst.“ Er macht einen Rückzieher, rein verbal und streichelt mich weiter. Verankert seinen Blick in meinem. „Sag mir, was dich beschäftigt.“

Alles ist gut! Chris macht das. Der ist Profi. Kein Kunde hat sich je beschwert.

Bitterkeit dringt in mich. Dennoch nicke ich, ziehe ihn mit mir und lasse mich aufs Bett fallen. „Tu es. Will dich gerne spüren.“

Noch mehr Kälte kommt mit der Bitterkeit. Ich drehe mich um, lege mich auf den Bauch und ignoriere die Panik, die sich durch meine Gliedmaßen frisst. Ich weiß ja, wie’s geht. Dieses beschissene von hinten nehmen. Jahrelang praktiziert. Aber eben nur aktiv. Ich strecke meinen Arsch seinen Fingern entgegen, die langsam und zart über meine Schenkel gleiten. Den Kopf habe ich im Kissen vergraben. Besser ist das. Ich sehe lieber gar nichts, als mich umständlich zu verrenken und doch nicht das zu sehen, was ich so gerne möchte. Ich hoffe einfach, dass es schnell gehen wird. Die nächste Runde geht schließlich an mich. Ich schaffe das.

Gleitgel kommt ins Spiel. Mit kräftigen und zugleich unheimlich gefühlvollen Fingern verteilt er es. Zittert leicht dabei. Zeugnis seiner Nervosität? Und ich? Ich sterbe gleich. So intensiv kenne ich das Gefühl an meinem Hintern nicht.

„Oar …“ Aber es ist unfassbar schön. Das ist … Mein Kopf ist leer. Einfach nichts mehr drin. Ich bebe. Dränge mich gegen seine Finger. Chris überwindet den Muskelring. Da ist ein Finger, der in mich dringt und ich will schreien. Meine Empfindungen einfach nur rauslassen und … verkrampfe mich. Zu fest. „Fuck, Chris!“

Er wartet ab, stimuliert weiter und beginnt mich erst mit dem Finger zu reizen, als ich mich langsam, ganz langsam, wieder entkrampfe. Er merkt das. Nimmt einen weiteren Finger und gleich darauf noch einen hinzu und dehnt mich immer mehr, bis alles buttrig weich zu sein scheint. Ich weiß ja, wie’s geht. Seine freie Hand schließt sich um meine Härte, streichelt und pumpt. Ich pulsiere. Alles klopft. Es zerreißt mich vor Angst und treibt mich doch gleichermaßen auch an. Er massiert den Punkt, der mich rasend macht.

„Shit …“ Nur noch ein Flüstern. Mehr schaffe ich nicht. Meine Eier ziehen sich zusammen, als er über meine Hoden bis zu meinem Eingang leckt und neckisch in die linke Pobacke beißt. Doch bei mir bahnt sich klammheimlich die schleichende Angst wieder an. Ich möchte ihn sehen. So gerne. Doch meinen Mund, den bekomme ich dann doch nicht auf. Verdammt. Ich bin doch Anwalt, ich kann reden, ich …

Das schaffst du, Cam. Es wird gut.

„Hey, Panther!“ Chris hängt auf mir, beugt sich so weit vor, bis er mit den Lippen mein Ohr berühren kann. „Dreh dich um. Ich möchte dich dabei anschauen.“

Eben muss ich wirklich an mich halten, dass mir keine Träne aus dem Augenwinkel quillt. Mir ist so was von zum Heulen, dass es mich erst einmal schüttelt. Die Bedeutung seiner Worte schmiert sich wie Honig um die frostigen Stellen meines schmerzenden Zentrums. Chris stupst mich an, reibt sich an mir und kippt mich einfach zur Seite. Sein Lächeln dringt in mich und seine Lippen liebkosen dabei meine. Zart und sanft und … so anders, als bisher.

„Ich werde uns fliegen lassen.“

Gooott! Jetzt aber …

„Mach schon!“

Ich kann nicht anders. Blaffe ihn an. Ansonsten würde ich unter ihm eingehen. Wie kann ein einziger Mann nur so viele überbordende Empfindungen in mir auslösen? Wie?

Hrm … „Lass uns fliegen, Chris“, hauche ich meinem Geblaffe hinterher und nicke ganz leicht. Ziehe ihn mit hinter seinem Nacken verschränkten Händen zu mir runter und überfalle seinen sanften Mund, der mich binnen Sekunden schwindelig küsst. Das Grün seiner Augen funkelt mich dabei verlangend an. Leicht reibt er seine Erektion zwischen meinen Schenkeln entlang, macht mich damit immer williger. Ich entspanne mich mit jeder Sekunde, die verstreicht, ein bisschen mehr. Sanft aber bestimmt drückt er meine Beine in die Position, die er für sich braucht. Ganz automatisch kralle ich die Finger ins Laken. Starre ihn an. Mein bescheuerter Muskel poltert bis in den Hals und meine Atmung wird hektisch. Wieder spüre ich seine Hände auf mir. Sie streicheln und liebkosen mich und meine Überreiztheit. Es ist gut. Alles gut! Jeder Stelle spüre ich nach, ich schaudere und keuche laut auf. Verkrampfe mich dann doch ein bisschen, als er mich mit seiner Eichel anstupst. Er wartet auf mich. Schiebt sich dann langsam, aber zielsicher weiter vor, drückt sich in mich. Und ich … stöhne laut auf. Ungedämpft. Es ist ein Schmerzenslaut und Chris stoppt sofort.

„Alles gut? Entspann dich, Cameron“, nuschelt er mir zu und umfasst meinen Ständer. Zermürbend sanft fährt er daran herab. „Ich mache langsam.“

Das sagt er, obwohl er vor lauter Begierde schon bebt. Halb liegt er auf mir, und dehnt mich weiter. Dringt erst einen, dann einen zweiten Zentimeter und danach viele weitere in mich ein und küsst mich dabei. Dennoch, es brennt und schmerzt leicht. Dieser Mix aus Gedanken, beflügelnder Lust und … einer Hingabe, die neu für mich ist, lässt mich schnaufen. Ich kneife die Augen zusammen, verspanne mich wieder.

„Chris!“ Nicht! Nicht … ich …

„Cameron. Ich bin bei dir. Keine Eile. Alles kann, nichts muss.“ Er beugt sich zu mir runter, wartet, bis ich ihn anschauen kann und der Blick, dieser Wahnsinnsblick den er mir schenkt, und dieser Wahnsinnskuss, der darauf folgt, löst alles in mir. Alle Verkrampfungen, alle Ängste. Schwemmt alles hinfort und hinterlässt ein Gefühl der unsagbar tiefen Verbundenheit. Gibt der Wärme die Chance, wieder Einzug zu halten und schlägt gleich darauf in krassgeile Leidenschaft um. Heiß und gewaltig überfällt er meinen Mund, als er die Veränderung an mir bemerkt. Stöhnt seine Gier in meinen Rachen und beginnt rhythmisch und quälend langsam, sich in mir zu bewegen. Hält meine Hände unnachgiebig fest und treibt uns mit seichten Stößen immer weiter Richtung Orgasmus. Es wird schön und schöner und … so unbeschreiblich … intensiv. Mir bleibt die Luft weg. Ich halte den Augenblick fest, als Chris in mir kommt, sein leiser, dunkler Laut sich mit meinem Stöhnen vermischt und ich durch die Reibung seiner Bauchdecke und seinem grandios schönen Anblick einfach nur folgen kann.

Schwer atmend sackt er in meinen Armen zusammen. Direkt auf mich drauf. Vergräbt seinen Kopf an meiner Halsbeuge und seine Finger verschränken sich ganz fest mit meinen. Es ist ein Verschränken, welches nie wieder loslassen für mich transportiert. Mein innigster Wunsch. Aber eigentlich … ist es doch nur mein Traum, nicht seiner.

„Hmm … gut“, höre ich ihn raunen und sein Muskel poltert genauso wie meiner. Schlägt viel zu hart, viel zu laut und zerreißt die Stille des Zimmers.

„Hmhm!“

Es war schön! Trotz Startschwierigkeit meinerseits, die er hoffentlich nicht gleich zerreden wird. Für mich war es allerdings so unglaublich viel darüber hinaus.

In seinen Augen hab ich es auch gesehen. Es war da. Ganz kurz zwar, aber es war definitiv da: Gefühl stand darin! Hingabe, Sehnsucht und vielleicht auch ein bisschen Verliebtheit, was mich beinahe um den Verstand gebracht hat. Genau dieser Blick war mir alles andere wert. Es war ein Moment, in dem ich Chris am liebsten ins Koma geküsst hätte. Und das war ganz sicher kein Traum. Sondern eine eigentlich wundervolle Realität, die er uns vermutlich nie ausleben lassen wird. Wenn ich ehrlich bin, kann ich das eigentlich … auch nicht.

Da knurrt was und gesellt sich zu dem Takt der Schlagmänner dazu. „Ich habe heute noch nichts gegessen“, murmelt Chris entschuldigend und knabbert probehalber noch ein bisschen an meinem Hals herum.

Armer Bub!

Aber ein Schmunzeln kann ich mir dann doch nicht verkneifen. „Willst du mir damit sagen, dass du aufstehen willst?“, necke ich ihn und umarme ihn noch einen kleinen Tick fester. Chris Kopf schnellt allerdings hoch und seine Augen funkeln belustigt.

„Also …“ Er stupst mich mit der Zungenspitze an meiner Ohrmuschel an, „… du darfst hier gerne auf mich warten. Ich für meinen Teil gehe mich noch mal kurz abduschen und etwas essen und bin danach so gestärkt, dass du vermutlich den Kürzeren ziehen wirst. Meine Angriffe sind gut durchdacht und kommen meist aus dem Hinterhalt.“

„Abduschen klingt fantastisch!“ Denn wenigstens mein Erguss klebt an mir. Der feuchte Schweiß, der mich langsam frösteln lässt, das wäre auch noch ganz toll, wenn der abgespült würde. Er lockt mich, lacht leise auf, küsst mich so lange, bis ich blöd grinse und mein Arm um ihn lockerer wird.

Die Dusche danach war verdammt gut. Wie zu erwarten. Genauso schön, wie die Dusche davor. Aber das Grinsen bekomme ich auch nicht mehr weg. Vermutlich werde ich nie wieder duschen, ohne Chris in Gedanken dabei zu haben. Diese unglaublichen Lippen und diese schönsten aller Augen. Diese wahnsinnig heißen Wangenknochen und das verfickt geile Piercing. Diese gefühlvollen Hände und diese wunderbar starken Arme. Diese Wärme, wenn er mich umarmt, die Zärtlichkeit, die er mir mit jeder Berührung zukommen lässt, sein jungenhafter Humor, der immer wieder mal irgendwo durchblitzt und … na ja … all das ist eine Mischung für mich, die mich einfach nur schwach werden lässt.

Ich will ihn küssen. Sekündlich. Den Geschmack von seinen Lippen lecken, sein Lächeln an meinem Mund spüren, wenn er Spaß machen will und am liebsten möchte ich ihn gar nicht mehr aus meinem Blickfeld heraus lassen. Aufregung pumpt durch meine Adern, wenn sein Atem mich streift und eigentlich … muss ich mich eben ganz ernsthaft fragen, ob ich nicht voll einen an der Waffel hab. Doch das dümmliche Grinsen bleibt wie es ist.

Meine Boxer und meine Jeans habe ich im Schlafzimmer liegen sehen. Chris hat sie wohl dort deponiert, heute Mittag, als ich geschlafen hab. Geschlafen! Krass, Cam! Ehrlich wahr! Ganz verwunden hab ich das ja immer noch nicht. Mein Blick schweift umher. Das Zimmer ist schön und anständig groß. Viel in Weiß und ein bisschen in Grau gehalten. Ein großes Bett mittig der Wand gegenüber der Tür, auf der anderen Seite nur Schrank. Die gesamte Breite der Wand einnehmend. Stilvoll und passend für Chris. Lukrativer Job! – blinkt da in Neonschrift in mir auf und meine Laune, die sackt ins Bodenlose. Meine Hände ballen sich zu Fäusten und ich kann’s nicht verhindern, dass eine leichte Wut in mir aufsteigt.

Game over? Noch bevor wir uns genießen und richtig ausleben konnten? Der Verlustschmerz dringt in mich, ehe ich einen Riegel davor schieben kann. Ich will das nicht. Ich kann doch jetzt nicht einfach gehen, als wäre nie was gewesen. Aber eigentlich … ist es das Beste für uns. Noch ein gemeinsames Essen. Ein Kuss. Ein letzter Blick und mit viel Glück eine unter die Haut gehende Berührung von ihm. Ein Abschied, der mich vollständig kaputt machen wird.

Ich blicke mich noch mal kurz um, falls mein Pulli, mein Portemonnaie oder mein Schlüssel doch noch hier herumliegen und ich sie nur übersehen hab. Darf ja nichts vergessen, denn hier werde ich wohl so schnell nicht mehr herkommen. Die Schublade steht auf. Die mit den Blistern. Ich trete näher und sehe es in der Dunkelheit glitzern. Gelb und rot schimmern die Verpackungen. Es kommt mir vor, als wäre es eine Art Silberpapier.

Ich greife rein und drehe die kleinen Rechtecke in den Fingern, betrachte sie. Nur eine Ahnung. Eine Ahnung, die sich auch gleich mal bestätigt. Zweifarbig sind die Dinger!

Fuck you, Chris, ehrlich wahr! Geht’s noch? Fair Play, oder was?

Ich greife noch mal rein, eine ganze Hand voll, und hab endlich das Ventil gefunden, was ich irgendwie zu suchen scheine, um diese aufsteigende Wut aus mir rauslassen zu können. Mit wenigen Schritten bin ich in der Küche und knalle die Kondome zornig neben ihn. „Was ist das? Oder besser, was soll das? Erklär mir das, Chris.“

Er zuckt zusammen. Hat mich nicht kommen hören und starrt erst die Kondome und dann mich lange an. Bin nicht ganz sicher, ob er sich auf die Lippe beißt, weil er lachen oder vielleicht doch lieber fluchen möchte. Stattdessen nickt er stumm, dreht sich zu mir und greift nach meinen Händen. Verschränkt seine Finger mit meinen und er kommt ein ganzes Stück näher. Sein Blick gleitet über mich, registriert, dass ich halb angezogen bin und da ist er wieder, der Schmerz, der sich in dem schönen Grün binnen Sekunden abbilden kann.

„Können wir reden?“

Wow! Ich … Mutig bist du! Ich platze hier gleich. Ist dumm, ich weiß, aber Ventil ist Ventil. Dabei ist Chris so… unglaublich toll. Perfekt für mich! Ich wünschte, ich wüsste es jetzt nicht. Am liebsten, am allerliebsten, möchte ich jetzt gerne gehen. Fliehen vor dem, was da auf mich zukommt, was ich da gerade angezettelt und aufs Tablett gebracht hab.

„Ich sollte mich besser auf den Heimweg machen“, kommt es da auch schon stockend aus mir heraus und Chris zuckt leicht zusammen.

„Nein! Ich lasse dich jetzt nicht gehen. Wir reden jetzt, Cameron. Ich habe das Essen für uns aufgewärmt. Setz dich, bitte. Verdammt noch eins!“, flucht er hinterher und nimmt die Teller. Stellt sie klappernd auf der Theke ab und schiebt mich bestimmend auf einen der Barhocker, bevor er um die Theke herumläuft und sich mir gegenüber setzt.

Wir essen schweigend. Besser gesagt, er isst und ich starre ihn an. Glaub, ich bin soeben dabei, mich irgendwie in ihn … zu verlieben. Fuck! Ganz schlecht! Eine verfluchte Scheiße ist das! Ich könnte ihn stundenlang anschauen. Immer und immer wieder. Diese leise Erkenntnis, die sich da in mir einnistet, trifft mich wie ein Schlag in den Magen. Ich bereue gerade noch mehr, dass ich überhaupt hergekommen bin. Den Blick schnell zu senken, das würde ja irgendwie auch nichts mehr bringen. Bin ja kein Hund.

„Iss was, Cameron!“

„Kann grad nicht! Was ist das überhaupt?“

„Thailändisch. Rotes Curry mit Rindfleisch, Gemüse und Reis.“

„Scharf?“

Chris nickt, lächelt dabei und … greift nach meiner Hand, die unbewegt neben der Gabel liegt. „Genau das richtige für uns“, flüstert er über die Theke und greift noch nach meiner anderen Hand. „Es war für dich anfangs nicht so schön, wie es hätte sein sollen, nicht wahr? Du warst sehr … sagen wir … verspannt. Hast du schlechte Erfahrungen mit Analverkehr gemacht?“

Ich schaue ihn an. Würde jetzt wirklich gerne wegschauen, denn sein Blick gräbt sich tief in mich. Aber ich schaffe es einfach nicht. Mein Muskel überschlägt sich fast. Ich muss den Kopf schütteln. Hab keine schlechte Erfahrung hinter mir. Ehrlichkeit währt am längsten, stimmt immer noch, dieser dämliche Satz.

„Nein?“, mutmaßt Chris weiter und versucht meine stumme Antwort zu analysieren. „Was war es dann? War ich zu schnell? Mann, Cameron. Ich … Es war atemberaubend mit dir und … Hätte ich aufhören sollen? Wieso sagst du nichts? Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich ja behaupten, wir sind gerade in der Zeit drei Jahre zurück und ich war dein Erster.“

Sein unglaubliches Lächeln, leicht spöttisch, leicht … Nein! Es ist einfach unsagbar anziehend, macht mich trotz dieser dummen Situation, die da gerade im Raum zwischen uns hängt, wieder ganz kirre.

Du willst mich aufheitern, weiß ich doch.

Aber ich ziehe einfach nur die Schultern nach oben. „Und wenn?“, murmle ich und fühle mich gnadenlos entblößt. Fühle mich nackt, obwohl ich mehr anhabe als er, der nur in Boxer da sitzt. Kaum ausgesprochen zucke ich diesmal zusammen, denn Chris’ Hand kracht auf den Tresen zwischen uns und er fängt an, mich lautstark zu beschimpfen. „Das ist jetzt nicht dein Ernst, Cameron, oder? Du hast noch nie? Warum, verdammt noch mal, hast du es mir nicht gesagt? So eine Information ist wichtig. Du hättest es mir sagen müssen und zwar bevor ich mir einfach nehme, was ich begehre. Wieso hast du deinen Mund nicht aufgemacht? Herrgott noch mal!“

Er springt auf, greift sich verzweifelt in die Haare und funkelt mich an. „Ich bin so dämlich. Das hätte mir nicht passieren dürfen. Ausgerechnet mir? Das hätte ich spüren müssen, ich … Meine Güte, Cameron! Was musst du bloß von mir denken? Es ist mein Job, so was zu merken.“

„So ist es nicht.“ Auch ich springe auf. Bin gleich mal ein Stück lauter als er, weil ich meine Sprache wiedergefunden hab und brodele vor mich hin. Aber diesmal ist es kein Vulkan der Lust, sondern die angestaute Wut im Bauch. Streiten will er mit mir? Ernsthaft jetzt? Warum sagt er so was?

Ich bin kein Job! Verdammt, Chris. Ich will doch nur dich, ich hab dir doch gesagt, dass ich nicht so gut bin wie du!

„Wie ist es dann? Sag es mir, Cameron! Du bist ein Aktiver. Ein Top vom Allerfeinsten. Ist es das? Du bist grundsätzlich aktiv und ich habe dich nicht durchschaut, weil ich in meiner eigenen Begierde so gefangen war. Wieso hast du nichts gesagt?“, fährt er immer noch in barschem Tonfall fort.

„Ich weiß es nicht. Ich hab nichts gesagt, weil ich … kein Top bin, oder sein will oder … Das bin ich einfach nicht. Scheiß doch einfach drauf, was ich bin. Es war … Es ist …“

Fuck, Cam. Du stammelst wie ein Schuljunge hier rum. Fuck! Fuck! Fuck!

„Verdammt, Chris! Es war halt einfach nie … na ja …“ Dann werde ich leise. Ganz leise. Senke die Stimme und mein Blick spricht wohl Bände. „Es war wohl nie der Richtige dabei. Einer, bei dem ich mich fallen lassen wollte. Ich wollte es nie, weil ich auf dich gewartet hab. Aber Chris, es war schön! Ich fand’s grandios, okay? Ich glaub, ich …“ hab mich in dich verliebt. Und dann ist es doch egal, oder? Ich wollte dich doch so sehr!

Doch das verbal auszusprechen, das stehe ich nicht durch. Nicht jetzt. Chris zischt. Zieht die Luft zwischen die Zähne durch und steht plötzlich vor mir. Umfängt meine Wangen und sein Griff ist so bittend, dass ich ihn freiwillig anschaue. „Himmel, Cameron! Bitte! Verlieb dich bloß nicht in mich“, haucht er mir entgegen und kommt mir damit zuvor.

Chris liest astrein Gedanken!

„Ich kann dir nicht geben, was du brauchst. Eine Beziehung mit mir ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Es tut mir so unsagbar leid. Ich bin fassungslos, dass du dich bei so einer wichtigen Sache ausgerechnet mir anvertraust. Und dann passiert mir auch noch so was!“

Er haucht mir einen Kuss auf die Lippen. Sieht mich bittend und zugleich weiter fragend an. „Du warst auch vorher schon kurz neben der Spur. Habe ich Recht? Was hat dich da so deprimiert? Weil ich … na ja …“ Da wird er doch anstandshalber leicht rot. „Weil ich dich ein wenig verschaukelt habe mit den Farben der Kondome und ich… den ersten Zuschlag bekommen habe? Oder habe ich was Falsches gesagt oder gemacht?“

Seine Lippen zupfen immer wieder an meinen. Suchen Aufmerksamkeit und finden sie. Ich ziehe ihn an mich, halte ihn fest, so fest, dass Chris aufstöhnt und seine Arme letztendlich auch um mich schlingt. Meine Wange lege ich an seine. Rieche und spüre ihn. Warme, leicht kratzige Haut. Chris’ Geruch, seine Anwesenheit dringt in mich. Endlich merke ich, wie ein bisschen was von der Anspannung und dieser blöden Wut in mir abfällt. Wie unsere Muskel im Gleichklang stolpern. Aber sie funktionieren. Scheinbar gerade noch so. Und ich verliebe mich immer ein Stückchen mehr. Für mich kommt die Warnung zu spät. Vielleicht sollte ich nehmen, was ich noch bekommen kann. Weil, ja, die Vernunft wird mich noch einholen. Die Realität wird mir spätestens morgen den Boden unter den Füßen einfach wegziehen.

„Ich hatte drei Jahre lang gesichtslosen Sex von hinten“, flüstere ich und bekenne mich. Es fällt mir schwer, aber raus ist raus. Ich berühre mit den Lippen sein Ohr. Meine Offenbarung lässt ihn die Luft anhalten. Leichte Schauer jagen über seinen Oberkörper. Er wird hart an mir, warum auch immer. Mein Penis schwillt auch an.

Alles gut! Chris ist bei mir. Hält mich.

„Cameron, bitte. Sag, dass das nicht wahr ist. Wieso hast du die schönsten Stunden im Leben nicht einfach genossen? Warum? Auch wegen mir?“

Ich stöhne nur leise auf. Greife an seinen Hintern und drücke ihn fest an mich. Ist ja auch eine Antwort, oder? Ich will ihn! Jetzt erst recht.

Gib uns doch bitte eine Chance, Chris.

„Cameron?“, haucht er meinen Namen und fährt mit seinen Fingern verführerisch durch meine Haare und kratzt auf meiner Kopfhaut entlang. „Sag mir, was du jetzt von mir erwartest.“ Er hält mich fest. Flüstert an meinem Ohr und ich kuschle mich an ihn. „Rede mit mir, Panther.“

„Ich … weiß es nicht.“ Ich schlucke. Der Kloß in meinen Hals blockiert mich ein bisschen. „Ein wenig mehr Zeit vielleicht?“, schiebe ich hoffnungsvoll hinterher, auch, wenn es nur ein heiseres Betteln ist, was meine Stimme noch hergibt.

Chris atmet durch. Tief und fest. Küsst sich über meinen Hals und schiebt seine Hände in den Bund meiner Hose. „Wenn für dich die Regeln jetzt klar sind, dann gerne, Cameron. Möchtest du heute Nacht vielleicht bei mir bleiben?“

Regeln! Regeln? Arsch, ehrlich wahr! Am liebsten würde ich ihn mal kurz umhauen. Mit vollem Einsatz meiner Rechten. Aber … ich reiße mich zusammen und bebe leicht vor mich hin. Mit geballten Fäusten und knirschenden Zähnen.

Chris sieht verzweifelt aus, als er sich von mir drückt. „Klar, Cameron?“, wiederholt er und will scheinbar sichergehen, dass ich seine verkackte Meinung unkommentiert akzeptiere. Aber ich hab keine Wahl. Nicht heute. Er lässt sie mir nicht. Ich wusste es doch. Wusste es doch schon, noch bevor ich überhaupt hergekommen bin. Meine Vorahnung hat sich bestätigt.

„Hmhm“, brummle ich, entkrampfe meine Fäuste und ziehe ihn mit dem Finger, eingehakt in der Boxer, zu mir. Dicht an mich dran!

Runterschlucken, Cam! Chris’ Haus! Chris’ Regeln! Das hier, oder gar nichts. Du hast die Wahl!

„Dann lass uns keine Zeit verlieren!“

Ein Schatten huscht über sein Gesicht, bevor seine Mundwinkel vor Belustigung zucken. Er greift nach den Blistern und hält sie mir so lange hin, bis ich danach greife und erneut gekränkt drauf schaue. „Wie hast du …“

„Schließe deine Augen, Baby!“, fordert er mich auf und macht mich alleine mit seiner Stimme schon wieder mürbe. „Und jetzt fühle die Seiten.“

Mache ich. Meine Kuppen streifen darüber und ich verfluche mich noch in dieser Sekunde selbst. Die rote Seite ist bedruckt. Haltbarkeitsdatum eingestanzt. Klar, dass er das blind fühlen kann. Sonnenklar! Und ich bin darauf reingefallen. Ich knurre, blicke ihn an und … will ihn so gerne fressen. Seine Augen leuchten, funkeln mir entgegen und seine Hände, die öffnen Knopf für Knopf meine Jeans.

„Willst du mich?“, haucht er mir entgegen und zieht beide Hosen gleichzeitig runter. „Gelb war deine Seite. Dein Spiel, mein Raubtier!“

Mein Wolf! Ein Schmunzeln kann ich mir ja dann doch nicht verkneifen. Spielen will er also. Kann er haben! Und ich will ihn. Will’s noch mal wissen. Jetzt erst recht. Alles geklärt! Auch, wenn’s weh tut. Morgen geht’s weiter. Getrennte Wege, weil er keine Partnerschaft … kann. Vielleicht mal ein weiterer Fick.

Nehme ich. Nehme alles von dir!

Heute Nacht werde ich mich auffüllen, so weit, dass ich lange von zehren kann. Ich trete die Hosen von mir und reiße an seiner Boxer herum, schnaufe dann aus, als er sich langsam vollständig vor mir entblößt.

Einsamer Wolf! Ich weiß wer du bist. Du bist grandios, toll und… einmalig und … alles für mich. Ich mische die Blister, halte ihn mit den Augen fest und strecke die Fäuste vor ihn hin. Wähle, mein Herz. Wähle und mach mich glücklich! Die ganze Nacht. Sein Brustkorb hebt und senkt sich. Er atmet schwer. Weiß, was ihm blüht und weiß es eigentlich doch nicht! Links. Er berührt mich links. Hitze steigt auf. Zwischen uns flimmert’s.

„Schlaf mit mir, Chris!“ Weiß gerade nicht, ob er mich überhaupt hört aber ich öffne trotzdem die Faust. Weiß, was er sehen wird, wenn er runter blickt und beobachte ihn. Ich brauche nicht drauf zu schauen. Werde diesen Moment, diesen Ausdruck auf seinem Gesicht einfangen, verinnerlichen, nie wieder löschen.

Will dich! Nimm mich. Fick mich, bis ich nicht mehr weiß, wo oben oder unten ist. Schau mich dabei an und dann sag mir, dass du nichts für mich fühlst. Ich glaub ja, dass du lügst. Was ich so gerne ändern würde. Nur wie? Wenn du mir nur einen Hinweis geben würdest.

Lange dauert es, bis er den Blickkontakt bricht und dann wird er blass. Starrt auf meine Handfläche und schnappt nach Luft. „Cameron … Nein!“

„Doch! Mein Spiel! Ich hab gemischt! Schlaf mit mir, Chris“, hauche ich noch mal und überbrücke den Abstand, der zwischen uns klafft. „Rot. Deine Farbe!“, erinnere ich ihn und er geht rückwärts.

Schritt für Schritt. Eckt nirgends an, kennt sich aus. Weiß, wie er mir ausweichen kann und kann doch nicht entkommen. Jeder Meter, den wir gehen, lässt die Luft um uns schwirren. Mein Blut pulsiert. Hart und unnachgiebig. Die Schlagmänner in mir fallen reihenweise um. Es rauscht durch mich durch und ich fühle mich unsagbar gut. Alles Blut pumpt nach unten. Sogar der Verstand! Laufen wird schwer. Hitze breitet sich rasant aus, ich atme flach. Genauso wie er. Das Grün seiner Augen wird dunkel. Ein Schleier. Seine Kieferknochen und Wangen stechen hervor. Er malmt mit den Zähnen. Geschmeidig ist er, wie er da defensiv wird. Lauf, du Teufel. Das macht mich an. Oar … Kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich es genieße.

Dann ist da doch noch eine Tür. Geschlossen! Ich grinse und Chris dockt an. Ich bin bei ihm, so schnell, dass er sich anspannen muss, mein Gewicht abfängt und mich dennoch empfängt.

„Gib mir alles, was du bereit bist zu geben. Ich bin so gnadenlos verrückt nach dir“, presse ich noch hervor, bevor mein Mund seinen überfällt.

Roh und gewaltig. Seine Finger verflechte ich mit meinen, schiebe sie hoch neben seinen Kopf und drücke mich an ihn. Nackt. Mit ganzer Statur. Spüre ihn, seine harten Nippel, die sich an mir reiben, seinen Ständer, der sich an meine Leiste presst. Verlangen strömt durch mich durch, das mich schwindelig werden lässt. Sein Stöhnen hallt tief in mir wider.

Ich lecke ihn ab. Spüre die Stoppeln an seiner Wange. Rau und herrlich. Reibe mich an ihm, dränge mich an ihn. Mein Schwanz pulsiert schon. Bettelnd und verlangend. Es tropft schon und ich knurre ihn an. Beiße in das weiche Fleisch seines Halses, wieder und noch mal. Ergeben neigt er den Kopf, röchelt auf und seine Muskeln an Bauch und Brust spielen mit meinen.

Gooott, Chris. „Fick mich.“ Ich hauche es in sein Ohr und ziehe mit der Zunge eine Spur über seine Wange, über seine Lippen und rüber zum anderen Ohr. „Fick mich.“ Das Raubtier erwacht. Gegenwehr! Kraft gegen Kraft. Keiner ist unterlegen. „Fick mich! Nimm dir, was du begehrst.“ Ich wiederhole es noch fünf weitere Male, immer flüsternd, mal rechts und mal links in sein Ohr, bis nur noch Begierde aus seinen Augen spricht.

Nehme ich! Wenn es nur das ist, was ich von dir haben darf! Oarrr … und es macht mich an. Ich bin geil und … so unglaublich süchtig.

Ich locke und provoziere ihn. „Komm, du Teufel! Du wirst es dir erkämpfen müssen!“

Sein Knurren, das folgt, das dringt in mich. Erschüttert mich und da kocht was in mir nach oben. Mehrmals nimmt er Anlauf. Schwere Position. Er hat keinen Platz, ist eingekeilt und doch kriegt er’s hin. Mit aller Gewalt. Stemmt sich gegen mich und schiebt mich rückwärts.

„Ich will dich schnurren hören, Panther!“ Sein Grinsen ist teuflisch. Und dann … bringt er mich zu Fall. Einfach so! Knickt mit mir ein und wir landen unsanft am Boden. Auf einem Kuschelteppich im Wohnzimmer. Und auch diesen Raum kenne ich noch nicht. Ich bin unter ihm. Keuche auf. Chris ist schwer und nutzt das voll aus. Ich drücke mein Becken nach oben und der Teufel lacht auf. „Wehr dich! Wer mich herausfordert, bekommt mich auch. Ich werde dich genießen, C a m e r o n! Und diesmal wirst du unzweifelhaft nach mehr betteln.“

Sein Blick haftet an meinem. Verankert sich ganz tief in mir drin. Reißt in mir und ich … darf diese Welle der Zuneigung nicht zulassen. Nein! Seine Zunge dringt in meinen Mundraum vor. Mit dem Piercing spielt er mit mir und sein Keuchen dringt in mich. Er füllt mich aus, erkundet mich und fixiert mich so geschickt, dass ich keine Chance mehr hab. In meinen Lenden prickelt’s. Heiß und sehnsüchtig zieht es durch meine Glieder und lässt mich erneut aufglühen.

„Oar …zur Hölle mit dir!“ Ich explodiere gleich. Seine Eier kleben an meinen, sein Ständer übt Druck aus. Hart und fest und ich will mehr. Bäume mich auf und schaffe es. Überrumpele ihn und drehe mich blitzschnell. Chris schnauft auf.

Ey, Wolf, geht dir die Luft aus?

Ich lächle ihn an, gönne uns eine Pause. Warte, bis seine Gegenwehr kurz darauf erlischt. Ich lasse lockerer und verschnaufe so lange, bis er mich versteht und liegen bleibt wo er ist – und zwar unter mir – und der Kampf ist vorbei. Luft in die Lungen saugend, sieht er mich an.

Ergeben! Defensiv! Der Wolf ist erledigt. Hofft, dass ich das Feld freiwillig räume. Ich kann auch anders. Küsse ihn. Flüchtig nur. Reize ihn und lecke mich über seine Wange, seinen Hals und seine Brust hinab, an der ich mich genüsslich entlang knabbere. Uhm … Er ist lecker. Meine Chris-Mix-Droge. Mit leicht feuchtem Film von unserem Kampf, leicht salzig, unterschwellig der herbe Geschmack des Duschgels, der hauteigene Duft und ich bekomme gar nicht genug. Ich genieße jedes Stück Haut von ihm, das ich auf dem Weg nach unten erreichen kann und er biegt sich mir gierig entgegen. Ich streichle seine Seiten hinab und Chris erschauert, schickt Worte in die Luft, die nach Dirty Talk klingen. Ich höre es nicht mehr. Werde ihm zeigen, was er verpasst, wenn er mich morgen aus seinen vier Wänden entlässt. Und danach, gleich danach, wenn ich hier mit ihm fertig bin, will ich unter ihm sein.

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Bericht Re: Duits | Eigentlich ... door Redactie » woensdag 19 augustus 2015 14:38

15.


„C a m e r o n!“

Uhm … Bitte nicht!

„Cameron! Du musst aufstehen!“

„Was?“

Du bringst mich noch um. Ich blinzele und schlage die Augen gleich darauf auf. Der Tag hat begonnen und ich glaub, ich höre Regen auf das Flachdach des Bungalows prasseln. Chris ist da! Liegt halb auf und halb neben mir. Lächelt mich an und spielt an meiner Unterlippe herum. Drückt mir einen keuschen Kuss auf den Mundwinkel und tänzelt mit seinen Fingern meine Bauchdecke entlang.

„Dein Handy!“, erinnert er mich immer noch lächelnd und nickt mit dem Kopf Richtung Küche.

„Was?“

„Du hast da scheinbar einen Weckruf eingestellt. Der Alarm schrillt seit gefühlten zehn Minuten.“

Alarm? „Waaaaas? Verdammt noch mal. Ich …“, muss los.

Aber: Ich kann nicht.

Nicht, wenn mich diese intensiv blickenden Augen auf dem Laken festhalten. „Wieso hast du es noch nicht ausgestellt, wenn es schon so lange klingelt?“

„Weil ich nicht kann!“ Die Süße seines Lächelns dringt so rapide in mich, dass ich gerade wirklich an mich halten muss.

„Wieso kannst du nicht?“, hake ich rau nach und seine Hand landet auf meiner, gleich einer Demonstration.

„Weil du mich die ganze Nacht umklammert hältst wie ein Ertrinkender.“

Was? Gott, nein! Ich lockere meinen Arm. Merke, wie er schmerzt und knirsche laut auf, was Chris ein Lachen entlockt. Verdammt noch mal! Daraufhin küsst er mich. Streichelt über meine Wange und … blickt weg. In mir splittert was. In viele winzige Einzelteile, die ich nachher irgendwie zusammensetzen muss. Ich hab’s doch gewusst.

„Ich mache dir Kaffee. Im Bad habe ich dir eine Zahnbürste hingestellt. Verpackt natürlich!“

„Für Notfälle. Schon klar“, brummle ich. Sehe zu, wie Chris bereits zur Tür unterwegs ist. Nackt. So schön! Mein Ständer wächst gerade noch ein bisschen mehr. Zum Teufel mit dir, du Teufel! Arsch! Ehrlich wahr! Aber es ist Zeit. Und die Nacht war unglaublich und …

„Fuck the hell, Cam. Du wusstest, dass es diesen Zeitpunkt geben wird. Zieh dich an, nimm deine Jacke und hau endlich ab.“ Es laut auszusprechen hat wie immer eine merkwürdig heilende aber auch deprimierende Wirkung auf mich. Keine fünf Minuten später stehe ich bei ihm. Dort in der Küche. Besser gesagt, er sitzt an der Theke. Mit einem Becher Kaffee in der Hand und einer locker sitzenden Jogginghose am Leib. Beobachtet mich und kaut auf seiner Lippe herum.

Lass mich doch einfach an deiner Lippe weiterkauen. Lass mich… Verflucht noch eins. Geh! Hau schon ab, Cam!

„Kaffee?“

„Nein, ich … danke. Aber ich muss los.“ Mein Blick fällt auf sein Handy und ich … zögere. Eine und eine weitere Sekunde, bevor ich nach meinem greife und eine Nachricht eintippe.

„Anrufe bekommen?“, fragt er lahm nach.

„Nein“, knurre ich, drücke auf senden und blicke Chris an. Möchte auch diesen Ausdruck auf seinem Gesicht gerne festhalten, wenn er gleich nach seinem Handy greift und die Nachricht lesen wird. Und da klingelt’s auch schon. Ein Vögelchen pfeift. Der Eingang einer Kurznachricht, Herr Gasser. Guck schon nach! Mach schon! Als würde er ahnen, was das jetzt ist, greift er tatsächlich danach. Sieht mich an und lässt mich nicht aus den Augen. Tippt blind und senkt erst den Blick, als er die Kurznachricht geöffnet zu haben scheint.

‘Meine private Nummer für alle Fälle. Damit du mich erreichen kannst. Cameron’

Und jetzt? Jetzt bin ich es, der nervös auf der Wange kaut. Auf sein Urteil wartet.

„Es tut mir leid“, flüstert Chris, schüttelt mechanisch den Kopf und legt sein Smartphone, ohne einen weiteren Blick darauf zu werfen, einfach wieder weg.

Geh, Cam! Hau ab! Verpiss dich aus seinem Leben. Mann, es fällt mir so unglaublich schwer und der Schmerz zieht bis in die Fingerspitzen hinein.

„Ich … bin dann weg!“

Gerade jedoch, als ich mich umdrehen will, springt er auf und stellt sich mir in den Weg. Bitte nicht! Bitte, bitte nicht!

„Es war schön mit dir. Ich hoffe, du wirst es irgendwann verstehen können.“

„Hmhm!“ Kann ich nicht. Verstehe gar nichts mehr. Nicht mal mich selbst. Möchte jetzt nur gerne raus hier, an ihm vorbei und schaffe es einfach nicht!

„Cameron.“

Gottverdammt, fass mich nicht an!

„Cameron, bitte.“

„Ich muss jetzt gehen!“

Mit allerletzter Willenskraft schiebe ich ihn grob an der Schulter zur Seite. Öffne die Haustür und spüre, dass ich dabei bin, mein Leben in einen Trümmerhaufen zu verwandeln. Mir wird schlecht. Mein Magen rebelliert.

Klar doch! Kotz dem doch gleich vor die Tür. Verdient hätte er’s wohl!

„Auf Wiedersehen, Chris … Wir sehen uns dann am Montag in der Kanzlei!“

„Cameron, warte!“

Ich hätte es wirklich lassen sollen. Meinen Blick zu heben und den letzten Schritt nach draußen wieder rückwärts zu tun. Seine Hände umrahmen mein Gesicht, sein Mund findet meinen. Ein Kuss. Ein verdammter, elendig leckerer, zuckriger Kuss empfängt mich. Gehaucht. Ganz zart. Und so unglaublich gut! Ein paar Sekunden lege ich meine Stirn an seine, atme flach. Aber ich atme. Schaffe es gerade noch so.

„War schön mit dir“, nuschle ich, bevor ich mein Gesicht seinen Händen entziehe und dann wirklich … wirklich abdrehe und einzig das dumpfe Pochen dieses bescheuerten Muskels mein Dasein bestimmt.

Es ist kalt. Eisig kalt und der Regen durchnässt mich binnen Sekunden. Aber eigentlich … ist es egal. Es ist auch egal, dass mir bis zu meinem Wagen drei Zigaretten durch die Schwere der Tropfen aufweichen, noch bevor ich sie anzünden konnte. Mache ich mir in meinem Nichtraucherwagen eben die vierte und danach die fünfte an. Es ist egal. Und alles in mir zieht sich schmerzhaft zusammen. Ob ich heule, weiß ich nicht mal, denn nass ist bekanntlich nass und eigentlich … ist der Regen die beste Tarnung für mich. Drei Anläufe brauche ich, bis der Schlüssel in der Zündung steckt, vier weitere, gepaart mit tiefen Luftzügen, um den ersten Meter vom Bordstein zu rollen. Weg von ihm.

Weiter, Cam. Du hast genug bekommen, um davon lange Zeit zehren zu können.

Doch irgendwie ist es in mir drin unglaublich leer. Leerer als vorher. Schmerzhaft leer. Die Strecke zu meiner Wohnung wird zum Gruselkabinett und der Weg zu meiner Dusche ist wohl das einzig Sinnvolle, was ich noch zustande bringen kann, nachdem ich den ersten Stock dieses dämlich großen Hauses hinaufgekrochen bin.

Fuck! Shit! Shit! Shit! Gooott, Chris. Du Arsch! Du dämlicher Arsch, du!

Wenn ich könnte, würde ich in die Kacheln der Duschwand reinbeißen. Stattdessen ist es die Hand, die mal wieder ein bisschen unter meiner Wut leiden muss. Es knackt. Uhh … verdammt tut das höllisch weh. Cameron, fuck you, ehrlich wahr! Die ist gebrochen!

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Bericht Re: Duits | Eigentlich ... door Redactie » woensdag 19 augustus 2015 14:42

16.


Montag und Dienstag hatte ich frei. War krankgeschrieben und bin es eigentlich immer noch. Zu Hause war ich allerdings weniger wegen dem Gips, den mein Arm jetzt ziert, sondern vielmehr wegen … diesem Kampf, mit einem Fuß überhaupt die Türschwelle zu übertreten. Ich bin nicht mehr vollständig. Mir fehlt was und … Mann, mir fehlt was. So sehr!

‘Gute Nacht, Cameron!’, hat er mir gestern Abend geschrieben. Einfach nur: ‘Gute Nacht, ‘Cameron!’

Kein Gruß. Nichts! Nicht mal sein Name war ich ihm wert. Trotzdem hab ich es zehnmal gelesen und mir tausend Gedanken gemacht. Die Nachricht kam um elf. Vermutlich nach seiner ersten Fickrunde und vor der zweiten. Und es hat so unglaublich wehgetan.

Jetzt sitze ich hier, an diesem Mittwochvormittag, in diesem beschissenen Büro und hab die Kündigung nebst Auflösung der Partnerschaft geschrieben. Nicht unterschrieben! Ja, Herrgott! Nicht mal ausgedruckt! Denn was bringt es, wenn er mir eben nicht entgegenkommen kann oder möchte? Wenn ich die Kanzlei verlasse, weil er sagt, wir passen nicht zusammen. Der Anzugträger und der Callboy! Der Panther und der Wolf! Uhh … Ich verstehe seine Bedenken. Mir sind die zwar scheißegal, aber wenn er damit Probleme hat … gut! Mache ich halt was anderes. Dennoch muss er mir dann entgegenkommen. Irgendwie! Ich könnte mich selbstständig machen.

Klingt das besser für dich, Chris? Klingelschild RA Cameron Anderson & Christopher Gasser oder möchtest du es anders herum? Christopher Gasser & RA Cameron Anderson? Ich kann aber auch noch einen anderen Titel hinterher schieben. Dann kann ich ins Lehramt wechseln. Wenn du möchtest, steht da auch nur noch Christopher Gasser & Cameron Anderson. Es ist mir egal. Ich verzichte auf den Titel am Klingelschild. Dann stehe ich vor Studenten und verzichte für dich auf das, was ich mir die letzten Jahre aufgebaut hab. Ist es das, was dir schmecken könnte? Dennoch, du musst mir auch entgegenkommen. Ich kann mich nicht komplett aufgeben, damit wir uns deiner Ansicht nach auf Augenhöhe begegnen können. Vor allem kann ich mich nicht komplett aufgeben, wenn ich nicht weiß, was mich dann bei dir erwartet. Verdammt, Chris! Wir sind uns ebenbürtig. Alles passt zwischen uns. Wieso siehst du das nicht? Was macht es so schwierig?

Ich kann sowieso nicht mehr arbeiten. Gerade nicht und eigentlich … überhaupt nicht. Seit Tagen schaffe ich es nicht, meine Gedanken zu fokussieren. Dass ich lebe, merke ich nur daran, dass dieses dämliche Ding in mir immer weiter pumpt und pumpt und pumpt und … Ich kann nicht mehr!

„Guten Morgen, Cameron!“ Ich liebe Unterbrechungen. Schrecke aus meinen Gedanken hoch und unterdrücke gerade noch so ein genervtes Seufzen.

„Uli.“ Die Begeisterung in meiner Stimme schwingt mit. Ich sehe garantiert aus, wie das blühende Leben. Hab eine Hand in den Haaren verstaut, stütze mich darauf auf und bin krass übermüdet. Geschlafen hab ich keine drei Stunden am Stück.

„Du siehst scheiße aus.“

„Danke.“ Das Gleichfalls verkneif ich mir jetzt mal. „Was gibt’s?“

„Nichts. Eigentlich nichts, Cameron. Ich wollte schauen wie es dir geht. Du blaffst schon den ganzen Morgen hier durch die Kanzlei. Sei froh, dass deine Kollegen heute noch keine Mandantentermine hatten. Bist du wegen deines kleinen, blöden, häuslichen Unfalls so deprimiert? Tut es denn noch sehr weh?“

„Bisschen.“ Eigentlich … tut es wie Hölle weh.

Hau doch einfach ab, Uli. Verschwinde! Geh doch heim, zu deiner Frau und deinem Kind. Hau ab und lass, verdammt noch mal, deine Finger von Chris. Der gehört mir. Mir ganz alleine und … dem ganzen Rest der schwulen Welt. Jedem, der ihn haben will und bezahlen kann.

Ich presse meine Lippen aufeinander, bis ich mir sicher bin, dass kein Wort von dieser gequirlten Kacke rausrutschen kann. Das kann ich mir nicht leisten. Gerade nicht. Vorher sollte ich vielleicht doch besser die Kündigung ausdrucken. Ob es Chris gefallen würde?

Nimmst du mich dann? Was dann, Chris? Ist es dann in Ordnung für dich? Ich halte das aus. Irgendwie … ich … es wird mich Kraft kosten, noch mehr als bisher, aber ich schaffe das. Ich darf nur nicht dran denken, wenn du deinem Job nachgehst. Ich zeige dir, was du mir bedeutest, vielleicht schaffst du es dann irgendwann auch, für mich das Gleiche zu tun!

„Hm …“, brummt Uli. „Ich glaube dir nicht ganz, Cameron. Du stehst seit Tagen völlig neben dir, das war schon direkt nach dem Urlaub so! Hast du Probleme?“ Mein Chef setzt sich. Unaufgefordert! Mustert mich und trommelt unheilvoll auf der Akte von Chris herum. Zieht sie zu sich, schlägt sie auf und studiert die Adresse. „Keine Antwort, Cameron? Das ist eine gute Wohngegend. Dort stehen einige Bungalows und in der anderen Hälfte ein paar ziemlich große Familienhäuser. Ziemlich nobles Viertel. Ist schon lustig zu wissen, dass man das irgendwie mitfinanziert hat.“

„Halt’s Maul, Uli. Ehrlich wahr!“

„Cameron! Dein Ton!“ Er zieht die Augenbrauen nach oben, ein böser Blick trifft mich. Aber immerhin, er schließt die Akte und ich greife danach. Nehme sie an mich und stecke sie in die unterste Schublade meines Schreibtisches.

„Tschuldigung. Bin irgendwie fertig.“

„Man sieht’s! Für so einen süßen Hintern, wie den vom Gasser, brauchst du dich nun wirklich nicht so ins Zeug legen, nur weil ich sage, seine Wohnung wurde vermutlich von allen Schwulen der Stadt finanziert.“

Oar …

„Ich will’s nicht hören, Uli. Sei einfach still, ja?“

Und … HAU AB! Meine Kiefer malmen. Ziemlich geräuschvoll. Noch ein Wort … noch so ein bescheuertes Wort und ich hau ihn um. Ernsthaft!

„Meine Güte, was ist dir eigentlich passiert, dass du so gereizt bist? Die letzte Woche warst du down, okay, verstehe ich, wenn mal was quer steckt, aber seit heute Morgen blaffst du hier nur noch rum. Sollen wir froh sein, dass du am Montag und Dienstag nicht hier warst? Vermutlich hättest du alles kurz und klein geschlagen, oder was? Reiß dich mal zusammen.“

„Nichts ist passiert. Gar nichts. Kann ich jetzt meiner Arbeit weiter nachgehen?“

„Hat dich irgendein Lover sitzengelassen? Weißt du was, Cameron? Es ist wohl besser, wenn du einfach noch ein paar Tage zu Hause bleibst und erst am Montag wieder kommst. Die Luft ist hier sehr dick, wenn du verstehst, was ich meine? Deine Termine halten sich diese Woche auch in Grenzen. Gib also ab, was du abgeben kannst und den Rest verlegst du auf nächste Woche. Am Montag hast du ja direkt in der Früh die Übernahme vom Club. Sag doch Marie-Claire, sie möchte deine anderen Termine verteilen. Kriegst du das hin?“

Was? Geht’s noch? Das ist ein glatter Rausschmiss. Das ist… Uhm … Uli hat Recht. Trotzdem darf er nicht so mit mir reden. Verdammt! Reiß dich zusammen! Ich hole tief Luft. Bewahre Haltung, wo keine mehr ist, und meine Stimme bebt.

Ich. Kann. Nicht. Mehr.

Kurzerhand schiebe ich Uli ein paar Akten über den Tisch und hab gerade beschlossen, sein beschissenes Rausschmeißangebot anzunehmen. „Kannst du die verteilen, Uli? Ich muss hier weg. Mir geht’s wirklich nicht gut.“

Uli nickt lahm. Beobachtet mich. Ich glaub, es laufen sogar Schweißperlen an meinen Schläfen hinab. Ich muss mich wieder hinkriegen. Und zwar ganz schnell. Rasant schnell, bevor der Zug ohne mich abfährt.

Mein direkter Weg führt mich zu Till und Micky. Ich weiß ja, dass Till nicht da ist, aber Micky hat Spätschicht. Und ich kann jetzt nicht alleine sein. Bin schon froh, dass ich irgendwie heil da ankomme. Micky sagt nichts. Sieht mich nur an und schiebt die Tür weiter auf. Nimmt mich in den Arm und hält mich einfach ein paar Minuten ganz fest. Mein Muskelmann. Best-Friend-Micky. Der einzige, der mich wirklich versteht. Aber auch gerade noch so! Meist schüttelt er über mich nur noch den Kopf.

„Hat er sich gemeldet?“, will er leise von mir wissen und ich sage gar nichts dazu. „Cameron? Du musst damit aufhören. Besser gestern wie heute. Chris ist …“

„Ich muss ihn vergessen. Ganz schnell, ich weiß. Uli hat mich rausgeschmissen. Mich beurlaubt.“

„Um Gottes Willen, Cam. Leg mal den Rückwärtsgang ein. Willst du dir wirklich alles, was du dir mühsam aufgebaut hast, versauen? Nur weil du diesen Windhund Christopher nicht mehr aus deinem Kopf raus kriegst? Es wird Zeit, dass du dich mal wieder auf das Wesentliche konzentrierst, meinst du nicht?“

Er schiebt mich zur Couch und drückt mich dort nieder. Geht vor mir in die Hocke und legt seine Arme auf meinen Knien ab. Schaut merkwürdig bedrückt zu mir hoch. „Ich mache mir ernsthaft Gedanken um dich, alter Junge. Wenn ich es hätte verhindern können, hätte ich dich am Sonntag vor Chris’ Haustür abgefangen. Darauf kannst du Gift nehmen. Er mag ja toll sein, in allen Belangen, die du dir wünschst, Cam, aber er hat dir auch gesagt, dass er nicht mehr von dir will. Reicht das immer noch nicht?“

Ich nicke lahm. Fuck! Ist gut! Hast ja Recht, Micky.

Schwer atmend fahre ich mir übers Gesicht und bringe meine Haare noch ein Stück mehr in Unordnung. „Es würde mir besser gehen, wenn ich es ihm glauben könnte, Micky. Aber ich weiß, dass er lügt.“

„Du bist dumm, Cam. Ehrlich! Er hat gesagt, er kann nicht. Aus welchen vorgeschobenen Gründen auch immer. Es ist egal, weißt du? Ganz sicher hat er gemerkt, wie es dir dabei geht. Vielleicht wollte er es so, schon mal darüber nachgedacht? Vielleicht war es Chris’ Motivation, dich mit diesem Satz von sich zu treiben. Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Wenn du mich fragst, ist der völlig abgedreht. Bei dem tickt irgendwas nicht mehr ganz so sauber. Und es wundert mich auch nicht. Wenn ich über Jahre hinweg in so einem Schuppen festhängen würde, wäre ich wohl auch nicht mehr ganz normal.“

„Ich kann ihn nicht aufgeben. Ich hab doch gespürt, dass ich ihm nicht egal bin.“

Micky grunzt auf, unzufrieden, und schüttelt mal wieder den Kopf. „Dir ist nicht mehr zu helfen. Aber wenn du dich endlich zugrunde gerichtet hast, hast du gar nichts mehr … das ist dir klar, oder?“

„Ich brauche ihn“, flüstere ich und schließe die Augen. Ein bisschen Ruhe. Ein bisschen heile Welt, hier bei Micky. Ich brauche diesen Mann. Er fehlt mir. Jeden Tag ein Stückchen mehr.

„Hey, Cam!“

Weiß nicht, wie lange ich schon hier sitze und schrecke hoch, als Mickys Stimme bis zu mir vordringt. Ich blinzele. Knurre leise. Fühle das Pochen in meinem Arm. Der ist so was von hinüber, dass ich mich nur noch mehr über mich ärgern kann.

„Ich habe ein bisschen nachgedacht, als du geschlafen hast“, lässt er verlauten und zwinkert mir zu, bevor er sich umständlich vor mir auf den Boden setzt. „Wenn du wissen willst, was Chris bewegt, solltest du vielleicht doch aktiv werden. Wenn du ihn nicht gehen lassen kannst, dann probiere es mal mit der anderen Richtung. Meine Güte, Cam. Wieso musstest du dich ausgerechnet in den verlieben, hm?“

„Hab ich’s mir ausgesucht, oder was?“

„Kein Grund, laut zu werden.“

„Sorry!“

„Fangt doch einfach mal von vorne an. Wäre doch auch eine Idee, oder?“

„Von vorne?“ Jetzt ist’s wohl passiert. Ich stehe auf dem Schlauch. Aber so was von!

„Ja. Von vorne. So richtig mit Verabreden und Dates und so was, weißt du?“

„Dates?“ HA-HAHAHA! Wir haben uns am Sonntag den Verstand rausgevögelt. Okay, Cameron. Jetzt geht’s los. Pass auf. Micky, der Könner und Kenner. „Und wie soll ich mir das vorstellen?“

„Cameron. Du bist sechsunddreißig und keine sechzehn mehr. Was hast du denn gemacht, wenn du ein Mädchen kennenlernen wolltest?“

„Hab sie gefickt! Weißt du doch!“ Arsch der ich mal war und ja irgendwie doch immer noch bin. Hat nur im Moment Pause, meine arschige Phase.

Micky lacht auf und schüttelt wieder den Kopf. „Danke, dass du mich daran erinnerst. Aber da kam ja meist noch ein Schritt dazwischen, nicht wahr?“

„Hab ihr vielleicht mal was ausgegeben. Manchmal auch ein wenig mürbe gemacht. Telefonieren, Kino … das ganze Gerümpel halt, wenn sie sich geziert haben.“

„Siehst du!“ Der freut sich. Als wär’s jetzt der Weisheit letzter Schluss.

„Siehst du?“, äffe ich ihn nach. Ärgere mich, dass ich überhaupt hergekommen bin. Reiß dann aber die Augen weit auf, als mir seine Worte dann doch tiefer ins Bewusstsein sickern. „Soll ich etwa Händchen mit Chris halten und ins Kino gehen?“

„Ja!“

Jaaaa? Geht’s noch? Aber eigentlich … Ja! Klingt gar nicht so abwegig. Eigentlich … klingt’s nach … Normalität.

„Oder willst du das am Ende gar nicht?“

„Ich … doch … schon.“ Aber Chris will das nicht. Mein bescheuerter Muskel allerdings springt Quadrate, weil der Gedanke daran, mit Chris Hand in Hand am Rheinufer langzulaufen, irgendwas in mir freisetzt. „Jetzt komme ich mir wirklich vor wie ein Teenager.“

„Liegt vermutlich daran, dass es deine erste Homoliebe ist. Die kommt ja in der Regel etwas früher, als das bei dir jetzt der Fall ist.“

„Arsch, ehrlich wahr!“

„Gern geschehen!“

Micky boxt mich. Zwinkert mir noch mal zu und reicht mir ein Bier. Irgendwie … gefällt mir der Gedanke ganz gut.

Redactie
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Bericht Re: Duits | Eigentlich ... door Redactie » woensdag 19 augustus 2015 14:43

17.


Ich schaffe es nicht. Weder Donnerstag, noch Freitag und Samstag und heute, also Sonntag, auch nicht. Ich bekomme mich einfach nicht in den Griff. Leide still vor mich hin. Vergrabe mich in dem Haus, das mein Eigentum ist. Allgemeiner Sprachgebrauch wäre wohl: Zuhause. Aber für mich ist es nur noch eine Unterkunft, die ich in der Regel zum Essen, Duschen und Schlafen benutze. Doch in den letzten Tagen komme ich nicht mehr raus. Ich sitze nur noch vorm Fernseher. Schaue mir die grenzdebilen Nachmittagsshows an und trinke dann doch etwas mehr, als gut für mich ist. Chris hat mir heute was anderes geschrieben. Anders, als die Tage zuvor, die für mich jeden Abend mit einem ‘Gute Nacht, Cameron’ per WhatsApp geendet haben. Heute Morgen bat er mich jedoch, zu ihm zu kommen. Er hätte frei. Hat Chris Nerven oder was? Und dann? WAS DANN? Arsch, ehrlich wahr! Sonntagsfickbeziehung, oder was? Oar … und diese Nachricht ließ mich dann auch gerade mal stahlhart werden.

Aber … Ich. Kann. Nicht.

Es geht nicht. Reicht gerade, dass ich morgen auf ihn treffen muss. Dieser unumgehbare Notartermin. Ich antworte ihm nicht. Den ganzen Sonntag nicht. Fühle mich ausgebrannt und glaub, mir brennen bald sämtliche Sicherungen durch. Hab mir dann einen runtergeholt. Und später noch mal. Chris beherrscht meine Gedanken. Den brauche ich nicht mal in Erinnerung zu rufen. Er ist immer da! Stündlich. Minütlich. Jede gottverdammte Sekunde sogar. Wegen dieser krassen Verdrehtheit meiner Gefühlswelt hab ich mir dann auch noch drei Adressen aus dem Internet rausgesucht. Seelenklempner! Morgen rufe ich dort an. Ich kann nur hoffen, dass einer für mich Zeit haben wird. Denn ich glaub, Micky hat Recht. In diesem Zustand halte ich keine drei Tage mehr durch.

„Guten Morgen, Cameron. Ich habe erst später mit dir gerechnet.“ Das ist Marie-Claire. Sie strahlt mich an, als wäre der Montagmorgen Grund genug dafür. Ich sehe schlecht aus. Fühle mich auch so. Wenn ich das schon sage… na ja … ich sag’s eigentlich seit Wochen. Aber heute hab ich den Vogel wohl abgeschossen. Die Nacht war elendig lang. Nein! Eigentlich war sie nur elendig. Und der Liter Kaffee heute früh hat mir auch nicht geholfen. Vor dem Vormittag graut mir. Ich muss den Kopf freikriegen. Hab noch etwa zwei Stunden, bis Chris mit seinem Chef hier eintrifft. Ein Räuspern holt mich aus den Gedanken zurück. Marie-Claire runzelt die Stirn. „Cameron?“

„Uhm … Guten Morgen!“ Sorry! Glatt vergessen zu grüßen. „Hab noch ein bisschen was zu tun. Was ist denn da drin los?“, deute ich mit dem Kopf auf das Büro von Uli. Gehe dann doch noch mal drei Schritte rückwärts und bleibe an Marie-Claires Empfangstheke stehen, um den neuesten Klatsch zu erfahren.

„Uli ist seit einer halben Stunde da. Sein Gerichtstermin wurde verschoben. Was auch immer am Wochenende bei ihm zu Hause los war, er war schon schlecht gelaunt, als er reinkam. Jetzt poltert er ein bisschen in seinem Büro herum.“

„Ist wohl eine ansteckende Krankheit. Die schlechte Laune“, gebe ich zurück und Marie-Claire lächelt mir zu. Milde. Gute Fee! Ehrlich! Aber dass Uli heute da ist, geht mir ja auch ein bisschen gegen den Strich. Ehrlich wahr! Hat mir gerade noch gefehlt. Hätte der seinen Kaufvertrag auch selbst verlesen können. Dann wäre ich jetzt raus aus dem Thema. Aber dann würde ich Chris wohl gar nicht mehr sehen. Ein letztes Mal, wohlgemerkt.

Ich hab die Nummern dabei. Von den Therapeuten. Alle drei. Werde sie gleich durchwählen. Gleich, wenn die in diesen Praxen auch mal die Woche beginnen. Ist ja doch noch ein bisschen früh. So um halb acht morgens.

„Cameron? Darf ich dich mal was fragen? Ich merke doch, dass es dir schlecht geht. Hast du Probleme? Wenn du jemanden zum Reden brauchst … ich meine … ich bin für dich da, ja? Wir kennen uns schon so lange und …“

„Geht schon!“ Grandios, Cam. Applaus! Geht’s noch garstiger? Aber dich bei einem Mädchen ausheulen, das musst du auch unbedingt lassen. Deshalb: Lächeln nicht vergessen, aber auch nicht einfrieren lassen. Üb schon mal für später. „Tut mir leid, Marie-Claire. Mir geht’s nicht so gut. Aber ich kriege das schon hin.“

„Okay!“ Wieder dieses milde Lächeln. Sweet! Bist schon eine Süße.

„Wieso hat ein so süßer Hase wie du eigentlich keinen Mann, hm?“ Ups. Das Lächeln verschwindet, schön geschwungene Augenbrauen gehen nach oben. Aber … dann lächelt sie ja doch wieder.

„Flirtest du etwa mit mir?“

„Nope!“

„Schade eigentlich. Du bist nämlich auch ein süßer Hase. Der leider auf der eigenen Seite sein Unwesen treibt. Ich weiß. Ich weiß. Aber du bist ein ziemlich attraktiver Mann, Cameron. Auch, wenn da gerade ein paar Falten zu viel auf deiner Stirn stehen und du unter offensichtlichem Schlafmangel und fehlender Nahrungsaufnahme leidest. Hinzu kommt, dass du viel zu lieb für diese Welt bist. Denn ja, deine merkwürdigen Launen, die werden ziemlich blass, wenn man dich mal so lange kennt, wie ich dich jetzt. Wieso also, hat so ein süßer Hase wie du keinen Partner? Verrätst du mir das?“

„Liegt wohl daran, dass ich weder Fisch noch … Vergiss es, Marie-Claire. Für mich gibt es keinen Partner. Ich bin wohl beziehungsunfähig, drum will mich niemand. Nicht jeder kennt mich so gut wie du und weiß, dass ich trotz meiner ab und zu nach außen getragenen Launen dennoch nicht verkehrt bin.“

Sie schüttelt den Kopf.

Leichter Unglaube, was? Ist wahr, Häschen. Ehrlich! Ich spür’s gerade am eigenen Leib.

Und da tut’s auch ein bisschen weh. Bisschen zu viel vielleicht. Denn ich muss schlucken. Mir schnürt’s die Luft ab und es zieht bis in die Nervenenden der Finger. Der Arm schmerzt ja sowieso noch. Es reicht langsam. Ehrlich wahr!

„Hast du Probleme mit Alkohol, Cameron? Oder mit was anderem?“

„Waaas?“ Verdammt! Okay! Cut! Verdammt noch mal! „Ich muss noch arbeiten. Kannst du für meinen ersten Termin heute bitte das Sitzungszimmer fertig machen?“

„Cameron, ich …“

„Nicht jetzt. Bitte … nicht jetzt, Marie-Claire.“ Meine Stimme wird leiser und leiser. Hab mich doch nur in den Falschen verliebt. Und wär’s so gerne nicht. Mann, Chris. Was hast du mit mir gemacht? Hm? Was machst du mit mir? Das muss ein Ende haben. Schnellstens! Ich schleiche mich ins Büro. Es geht weiter, Cam. Immer weiter und weiter … heute noch… dann kannst du aufatmen. Das schaffst du! Kriegst du hin!

Ich mache zwei Stunden nichts anderes, als mich mental auf meinen Termin vorzubereiten. Kaue den Vertrag noch mal durch, dann kann ich ihn auch gleich noch auswendig. Zehn Minuten vorher bin ich im Sitzungszimmer. Stehe am geöffneten Fenster, eine Hand tief in Hugo Boss’ Tasche vergraben und der Gipsarm lehnt am Rahmen. Das Sakko zu der Hose hängt leider zu Hause. Gipsarm sei Dank!

Aufrecht stehen, dass bekomme ich allerdings schon noch hin. Bisschen abstützen mit dem kaputten Arm und die Finger sind soweit frei, dass sie noch eine Kippe festhalten können. Es ist ein Nichtraucherraum. Aber es sind vier Grad unter null. Das zieht schon ab. Passt schon! Ist doch sowieso egal. Außerdem bin ich hier ja auch so ein bisschen Chef. Hab die Regeln also mal kurzfristig geändert.

Die Tür des Sitzungszimmers öffnet sich. Aber rumdrehen, das will ich mich nicht. Ich nehme lieber noch einen tiefen Zug und schnicke die Kippe dann raus. Schließe gleich darauf verbittert die Augen, als Uli hinter mir zu sprechen beginnt. „Kannst du Herrn Gasser sagen, dass ich ihn später noch mal sprechen möchte?“

Jetzt hab ich mich aber verhört, oder? Mir sträubt sich alles. „Wieso, Uli?“

„Das ist eher privat, Cameron.“

Ich glaub, so schnell hab ich mich noch nie rumgedreht. Mit zusammen gekniffenen Lippen und mit Augen, die Blitze abschießen könnten. „Wenn es privat ist, Ulrich, dann kläre das auch im privaten Rahmen, ja? Wir sind hier nicht das Black Stage und Herr Gasser hat sicher keine Lust darauf, außerhalb seines Arbeitsplatzes mit seinem Job konfrontiert zu werden. Hörst du dir eigentlich selbst manchmal zu?“

Uli sieht verdutzt aus. Tu du nur auf unschuldig! Chris kriegst du heute nicht. Nicht heute! Nein! Nicht, solange ich da bin und das zu verhindern weiß. Mann! Da werde ich richtig sauer. Da könnte ich platzen, bei so was.

„Dein Ton, Cameron. Ich fasse den Callboy schon nicht an, keine Sorge. Also, sag ihm bitte Bescheid. Ich bin heute da und den ganzen Tag ohne Termin. Ist auch mal schön.“

„MEIN TON? Raus hier, Uli. Verschwinde, bevor ich mich vergesse.“

„Cameron! Wir zwei sollten uns mal zusammensetzen und ein ernsthaftes Gespräch führen, meinst du nicht auch? Nimmst du Drogen? Oder bist du zum Trinker geworden? Wie viel rauchst du am Tag? Zwei Schachteln mittlerweile? Ist da vielleicht noch anderes Kraut drin? Wir beide wissen doch, was der Herr Gasser so … beruflich … macht. Kein Grund also, ihn wie ein Löwenjunges zu verteidigen, klar? Ich mache unsere Kanzlei schon nicht zur Sexlounge. Wobei …“ Uhh … dieses dreckige Grinsen, das will ich ihm am liebsten aus dem Gesicht schlagen. Aber ein kaputter Arm reicht mir dann doch. Bei Uli stoße ich vermutlich noch auf Granit.

Fick dich selbst, scheiß Betrüger, ehrlich wahr! Ehebrecher!

„Ich habe nur eine Frage an ihn. Krieg dich also wieder ein“, spricht Uli weiter und hebt schon die Hände zum Waffenstillstand. Ich glaub, der kennt meinen bösen Blick dann doch schon recht gut. Ich weiß eigentlich auch gar nicht, wo der auf einmal herkommt. Wusste nicht mal, dass ich den überhaupt noch hab. Muss mal ein bisschen in mir suchen, vielleicht finde ich ja auch mein Ego wieder. Wäre schon grandios.

Ich richte mich also noch ein bisschen mehr auf und gehe zwei Schritte weiter auf Uli zu. „Mein Mandant, verstanden? Lass die Finger bei dir.“

„Er wird sich schon nicht überrumpelt fühlen. Gut, Cameron. Du hast ja Recht. Mandant bleibt Mandant. Alles klar? Ja? Meine Güte“, murmelt er und zieht ab. Shit! Fucking shit!

„Cameron. Die Herren sind jetzt da.“

„Marie-Claire.“ Ich glaub, jetzt hat’s mich noch ein bisschen mehr zerstört. Meine Stimme ist weg.

Unsere Assistentin schiebt die Tür zu und lehnt mit dem Rücken dagegen. Sie kaut auf ihrer Lippe und schüttelt besorgt den Kopf. „Bist du sicher, dass du das schaffst?“

„Ich … ja. Gib mir noch zehn Minuten. Ich … Wo sitzen die … Kann ich mich noch kurz frisch machen?“

„Die Herren sitzen vorne. Geh nur. Ich biete schon mal was zu Trinken an.“

Ich schleiche mich an ihr vorbei. Ihre Hand mit den schmalen, unberingten Fingern legt sich auf meinen gesunden Arm. „Lust auf einen Kaffee nach der Arbeit?“

Ich starre sie an. Ich … weiß nicht. Nein! Eigentlich nicht! Wozu auch? Ich hätte Lust auf einen Fick. So was brutal Hartes. Irgendwas, was mir zeigt, dass ich doch noch lebe.

Dafür bist du wohl ein bisschen zu zart, kleines Häschen. Daher schüttle ich den Kopf. Weiß jetzt schon, was ich heute noch mache. Gehe später ins Sixtie. Werfe mich irgendeinem Kerl zum Fraß vor. Einer wird mich schon nehmen. Mir Chris rausvögeln. Am besten die ganze, beschissene Nacht. Schlafen werde ich sowieso wieder nicht können.

Meine zehn Minuten haben eine viertel Stunde gedauert. Passt schon! Ich hole die beiden selbst im Foyer ab. Offensive! Schultern gerade! Rücken gerade! Fester Schritt! Mit Hugo Boss am Leib und feinsten Lederschuhen an den Füßen. Rein in den Kampf, in die persönliche Hölle. Gooott, Chris! Meine Güte. Was ist denn mit dir passiert?

„Hallo. Guten Morgen.“ Ich bin mächtig leise. Herr Steine steht auf, streckt mir die Hand entgegen und Chris starrt mich an. Ich ihn auch irgendwie. Kann den Blick kaum von seinem Gesicht abwenden. Blass ist er. Mit Ringen unter den Augen, die meinen Konkurrenz machen können.

„Bitte entschuldigen Sie die Wartezeit. Wir können jetzt anfangen.“ Höflich bleiben. Lächeln nicht vergessen. Hab’s mir im Waschraum gerade ins Gesicht gezaubert. Es sitzt noch! Glaub ich zumindest. Chris steht auf und übersieht meine Hand. Fährt sich mit seiner aber übers Gesicht und macht es damit nicht besser.

Warst wohl aus gestern, was? Hast deinen freien Tag in vollen Zügen genossen. Aber eigentlich … Nein! Ich weiß es doch eigentlich besser.

„Mein Junge ist wegen der Übernahme schon seit Tagen mächtig aufgeregt.“

„Was?“ Das ist mir jetzt einfach so rausgerutscht. Hat Chris’ Chef eben wirklich mein Junge gesagt? Woah … Fassung bewahren! Am besten nicht zu Chris rüber gucken. Geht sowieso nicht, denn der schleicht halb links hinter mir her. Ich spüre seinen Atem. Flach ist der. Und ich spüre noch was ganz anderes. Chris möchte mich anfassen. Aber er traut sich nicht.

Ist nicht schlimm, Chris. Mach nur! Ich hab gerade so viel Zorn in mir, wegen Uli, dass ich mich nicht in einer Pfütze aus Sentimentalität auflösen werde. „Man kauft ja auch nicht jeden Tag ein … Ladenlokal“, versuche ich meinen Ausruf zu übertünchen und atme noch mal ganz tief durch.

„Nein. Wahrlich nicht.“ Chris’ Chef lacht auf. Oder lacht er mich aus? Ich weiß es nicht. Grund hat er eigentlich keinen. „Aber ein Ladenlokal ist es ja auch nicht unbedingt“, fügt er dann noch hinzu und sein Lachen wird noch ein wenig … na ja … dreckiger?

„Nein. Definitiv nicht.“ Ruhe bewahren, Cam! „Aber darüber sprechen wir besser hinter geschlossenen Türen.“ Ich trete ein, warte, bis auch Chris durchgelaufen ist und schließe die Tür. Mit ein bisschen Vehemenz natürlich! Denn mein Blick in den Flur, der bestätigt mein Gefühl, dass da von rechts jemand angelaufen kommt.

Uli! Never! Nicht mal einen Blick gönne ich dir. Ich starre deine Frau ja auch nicht an, wenn sie denn mal zu Besuch bei dir ist. Anfassen tue ich sie schon gleich dreimal nicht.

„Bitte. Nehmen Sie Platz. Möchten Sie einen Kaffee? Oder lieber ein Kaltgetränk? Rauchen ist hier auch erlaubt. Ich kann einen Aschenbecher organisieren.“

Chris’ Kopf ruckt nach oben. Fragende Augen! Bettelnde Augen! Und … wunderschöne grüne Augen, die einen Schmerz mit sich tragen, der sofort bei mir ankommt.

Weiß ja, du bist genauso süchtig wie ich. Nach Kippen und auch nach … mir vielleicht?

Ich bin krass nervös. Hoffe natürlich, dass Herr Steine das nicht so wahrnimmt, dass ich nach außen hin anders wirke. Chris merkt es natürlich. Klar merkt er das. Mir wird gerade richtig warm. Würde gerne die Krawatte lösen, ein bisschen lockern, aber dieses Zeichen der Schwäche kann ich mir dann doch nicht erlauben. Aus der Wärme wird Hitze. Sie steigt auf und staut sich in mir.

Verdammt! Beschäftige dich, Cam. Mach deinen Job.

Ich öffne trotzdem noch mal die Tür und rufe nach unserer Assistentin, Uli direkt vor den Füßen. „Kannst du uns bitte einen Aschenbecher bringen, Marie-Claire?“

„Das ist ein Nichtraucherraum, Cameron“, mischt sich Uli auch direkt ein.

„Weiß ich, Ulrich. Heute aber nicht.“ Uhm … was tut das gut, wenn man ein ganzes Stück größer ist, als der verbale Gegner. Da wächst doch gleich alles an mir.

„Die Rauchmelder …“

„… sind nicht aktiv. Mein Mandant möchte gerne rauchen. Hast du was dagegen?“

Uli! Uli! Du kriegst den nicht. MEINER! Klar? Ob das klar ist?

Uli nickt. Aus welchem Grund auch immer. Trollt sich und fällt fast über Marie-Claire, die mich wieder anstrahlt, wie hundert Sonnen auf einmal. „Der ist ganz schön sauer auf dich“, flüstert sie mir noch zu und … uhhh … auch das geht runter wie Öl und verwandelt mein Lächeln doch noch in ein echtes.

Fick dich gefälligst selbst, Uli! Hörst du? Nimm doch einfach deine Frau. Die hat doch auch einen Hintern.

Aber möglicherweise – und das fällt mir gerade mal ganz spontan ein – ist er auch eher der passive Part, wenn er bei Chris zu … Besuch ist. Sehr wahrscheinlich sogar.

Die Verlesung des Vertrages dauert eine knappe Stunde. Mit Fragen und Zwischenfragen und Antworten und noch mehr Fragen. Alle von Chris gestellt. Denn der hat ganz offensichtlich seine Sprache wiedergefunden. Zwar spricht er mit schwankender Stimme und meist mit gesenktem Blick, aber immerhin. Die Fragen allerdings, die verstehe ich nicht. Also rein vom Inhalt her schon und ich hab auch Antworten für Chris, aber weshalb die Fragen ausgerechnet heute gestellt werden, das wundert mich. Dafür war er doch mehrmals bei Gregor. Der hat alles mit Chris durchgekaut. Wenigstens hieß es das. Wo kommt also die Unsicherheit her? Außerdem raucht Chris gerade die sechste Kippe. Ich nicht. Ich bleibe standhaft. Dabei würde ich am liebsten das ganze Päckchen auf einmal inhalieren.

„Ich bräuchte noch Ihre Ausweise zwecks Legitimation, die Herren! Dann wären wir auch schon so weit, um zur Unterzeichnung überzugehen.“

Chris schaut erstaunt hoch und … zögert. Reagiert erst, als Herr Steine ihn anspricht und seine gottverdammte Hand auf Chris’ Schenkel legt. Mich durchzieht ein heftiger Schmerz. Der strahlt in jeden Winkel meines Körpers und ich glaub, ich verliere gleich meine Fassung.

Was? Soll? Das?

Die Ausweise werden mir gereicht und ich muss mich ganz schön beherrschen. Atmen, Cameron. Auch, wenn es hektisch daherkommt.

Ich studiere die Pässe. Stöhne innerlich auf und schaue noch dreimal auf den Perso von Chris. Hab ich hier keine Schere griffbereit? Die Augen von Chris’ Bild scheinen in mich zu blicken. Nicht leer! Nicht verunsichert! Nein, unglaublich sprühend vor Lebensenergie. So warm! So vertrauensvoll! Er sieht so jung aus und … sprühend eben. Unverbraucht wäre vermutlich ein widerwärtiges Wort, das ich mal ganz schnell wieder vergessen sollte.

Was machst du nur mit dir, hm? Mein unglaublich begehrenswerter, vereinsamter Wolf.

Dann schaue ich ihn mir noch mal live an. So in Farbe. Mir schräg gegenüber sitzend. Ich will ihn so sehr.

Will dich haben, Chris. Wir sind doch beide am Limit, oder nicht? Ich könnte mich treten, dass ich gestern so stur gewesen bin. Es tut mir leid, hörst du?

Chris blinzelt. Mehrmals, bevor er zähneknirschend in eine andere Richtung schaut.

„Gibt es Probleme mit dem Ausweis von meinem Jungen, Herr Anderson?“, fragt Herr Steine mich dann nach einer gefühlten Ewigkeit und seine Finger streichen über Chris’ Hose, bevor sie sich für meinen Geschmack viel zu fest in seinen Schenkel reinbohren. Mir wird noch ein bisschen heißer. Diesmal so richtig. Ich bekomme kaum noch Luft.

Bitte nicht! Bitte, bitte nicht! Der etwa auch, Chris?

„Ist da das Datum abgelaufen?“, fragt Herr Steine weiter.

„WAS?“

Chris zuckt leicht zusammen, der Ausruf kam allerdings von mir.

Arsch, echt! Nimm deine Flossen da weg. Auf der Stelle. Ich flippe hier gleich aus. Ich verglühe gleich. Eng in der Kehle ist’s auch noch. Und … ich glühe. Und … REISS DICH ZUSAMMEN, CAM. Ein allerletztes Mal. Gleich ist es geschafft. Du fehlst mir, Chris. So sehr!

Ich blicke trotzdem zu seinem Chef, mein Lächeln sitzt gerade noch so. „Ich weiß nicht, Herr Steine. Sieht Herr Gasser für Sie aus, als wäre er abgelaufen? Oder fühlt er sich vielleicht sogar so an?“

Da wird Herr Steine anstandshalber ein bisschen rot und zieht seine Hand weg. Blitzschnell! Tschaka! Geht doch!

„Wir sind hier in der Kanzlei Jentsch & Anderson und nicht im Black Stage. Ich wundere mich, dass Sie hier auf Tuchfühlung gehen, wo wir doch eigentlich dabei sind, eine Urkunde fertig zu machen. Nein, eigentlich wundere ich mich heute über gar nichts mehr. Aber das gehört hier nicht her. Hier. Bitte!“ Ich reiche Chris’ Chef einen blauen Kugelschreiber und schäume vor unterschwelliger Wut.

Vielleicht ist es aber auch eher dieses fiese Gefühl. Diese verflucht nagende Eifersucht, die ich in dieser Form noch nie kennengelernt hab. Aber … es fühlt sich verdammt schlecht an. So langsam bekomme ich einen Eindruck davon, wie elendig schmerzhaft sich dieses Gift ausbreiten kann.

Fuck, Cam! Ehrlich wahr! Geh doch zu Uli, Herr Steine, wenn du’s nötig hast.

Aber Chris richtet sich auf und sein Blick brennt sich in mich rein, als Herr Steine leicht beschämt aufspringt und mich zischend zurechtweist. „Sie sind unverschämt, Herr Anderson. Dass Sie sich nicht schämen. Was wissen Sie schon? Ich werde mich bei Ihrem Partner beschweren. Davon können Sie ausgehen.“

Er rauscht ab, Richtung Tür. Ich weiß nicht so recht, ob ich ihm jetzt erleichtert hinterher winken soll. Gute Entscheidung, es nicht zu tun, denn Chris läuft ihm nach und ist verdammt schnell. Von seiner Geschmeidigkeit hat er nichts eingebüßt. Er fängt seinen Chef gerade noch ab, bevor dieser die Tür aufreißen kann. Ich kann irgendwie gar nichts mehr sagen. Klassischer Fall von ‚übers Ziel hinaus geschossen. Ich hab’s versaut. Tut mir leid, Chris! Aber irgendwie … tut’s mir doch nicht so leid, wie es sollte.

„Thomas, bitte! Das kannst du nicht machen, du musst unterschreiben, du …“

„Wir machen einen neuen Termin. Mit diesem Notar mache ich keine Geschäfte!“, blafft Herr Steine ihn wütend an und schlägt Chris’ Hand weg, die auf seiner Schulter zum Liegen kommt. „Ist das ein Kunde von dir, oder wieso benimmt der Herr Anwalt sich so schräg?“

Chris’ Blick trifft mich, den ich grandioserweise ohne mit der Wimper zu zucken erwidern kann. „Nein, Thomas.“ Wieder hält er seinen Chef fest. Diesmal an beiden Schultern. Schaut ihn an. Bittend und … bettelnd? Seine Hände streichen über die Arme von ihm, während er einfach weiter bettelt. „Bitte, Thomas! Nur noch die Unterschriften. Du tust das für mich, nicht für Herrn Anderson.“

Ich will gar nicht wissen, was es ihn am Ende kosten wird, dass sein Chef sich tatsächlich erweichen lässt und mit einem abschätzigen Blick erneut vor mir Platz nimmt. Ich schiebe die Unterlagen mit einem gemurmelten Sorry zu ihm, froh darüber, Chris’ Blick diesmal nicht erwidern zu müssen, und deute mit meiner Kugelschreiberspitze an, wo er zu unterzeichnen hat. Vierfache Ausfertigung.

„Das hat ein Nachspiel, Herr Anderson!“ Herr Steines Gesicht ist immer noch rot vor Zorn. Vermutlich schämt er sich selbst für sein Verhalten und noch mehr, weil ich ihn mit der Nase drauf gestoßen hab. Auf jeden Fall würdigt er mich keines Blickes mehr. Eines ist sicher. Herr Steine geht demnächst zur Konkurrenz und Uli wird sicher auch gleich eingeweiht und das schneller, als ich vermutlich gucken oder selbst reagieren kann. Ist mir recht. Es ist egal. Ich habe doch sowieso verloren. Chris bebt noch, aber mir gegenüber sagt er gar nichts mehr.

Ist doch wahr, ehrlich! Was lässt du dich hier begrapschen, hm? Willst du mir wehtun? Hast du schon. Ist dir gelungen. Weiter runter geht’s kaum noch! Gooott, Chris. Ich lieb dich. Wieso willst du es nicht sehen?

Ich warte, bis Herr Steine fertig ist und schiebe die Urkunden weiter zu meinem – ja, was ist Chris eigentlich für mich – ein One-Night-Stand? Was ich weiß, ist, dass ich nur noch aus dem vehementen und viel zu lauten Klopfen meines Muskels bestehe. Jeder einzelne Takt der Schlagmänner will mich aufspringen lassen und Chris an mich reißen. Herr Steine ist irgendwie unangenehm still. Der kurze Augenblick, als Chris’ Hand die meine berührt, der lässt mich allerdings beben. Zu guter Letzt zeichne ich auch noch ab. Routiniert. Wenigstens das schaffe ich noch. Mit Stempel und Siegel versehen, schlage ich die letzte Urkunde zu. Eine bleibt hier, zwei sind für Chris. Eine bekommt der Arsch Steine.

„Geschafft!“ Ich schaffe noch ein Lächeln in dieser Farce. „Glückwunsch! Dann können Sie ja ab Januar durchstarten, Herr Gasser.“ Wirklich freuen kann ich mich nicht. Ein bitterer Beigeschmack mischt sich in das dumpfe Bauchgefühl, dass ich ihn nun wohl vollends verloren hab. Anstandshalber reiche ich Herrn Steine die Hand. Es ist nicht mehr lang, rede ich mir ein. Zwei Minuten, Cam. Dann bist du den los und mit ihm Chris. Doch Herr Steine schaut mich nur erzürnt an. Dennoch rassele ich meinen Satz herunter. Das will ich mir ja nicht auch noch unterstellen lassen. „Ihnen auch Glückwunsch, Herr Steine. Dann wird ja sicher heute Abend auf die erfolgreiche Geschäftsübergabe angestoßen.“

„Darauf können Sie Ihren netten Arsch verwetten, Herr Anderson. Wenn Sie der großen Show beiwohnen wollen, dann fühlen Sie sich herzlich eingeladen. Dann können Sie ja selbst Hand anlegen.“

Pruuu … ich platze gleich, balle meine Hände zu Fäusten und schaffe es nicht, sie wieder zu entspannen. Ich spüre, wie meine Halsschlagader gefährlich anschwillt und… Gooott, ich brauche ein Ventil. Sofort!

„Herr A n d e r s o n“, spricht Chris mich leise an und… woah … es klappt. Langsam! Aber ich entspanne mich sichtlich, bis ich meine Hand in seine dargebotene legen kann.

„Viel Glück“, würge ich noch hervor und da versagt auch schon meine Stimme. Ich zittere und will meine Hand entziehen, doch Chris hält sie fest. Hält mich fest! Auch mit den Augen. Bitte nicht! Bitte, Chris. Sein Daumen streicht beruhigend über meinen Handrücken und eine Sekunde später ist der Zauber vorbei.

„Kommst du dann, Chris? Ich muss zurück und setze dich unterwegs zu Hause ab.“

Bleib hier. BLEIB BEI MIR! Doch Chris lässt mich los und dreht sich zu seinem Chef um. Ich hab versagt! Herr Steine geht raus, spricht mit Marie-Claire und wenig später höre ich Ulis Stimme im Flur. Bis er tobt, die Tür zum Sitzungszimmer aufreißt und mich regelrecht in den Boden stampfen will.

Ich rauche gerade eine, Uli. Bin gleich fertig. Dann kann ich packen.

„Bist du von allen guten Geistern verlassen? Was ist nur los mit dir, Cameron? Du ruinierst unseren Ruf, wenn du so weitermachst. Glaubst du wirklich, ich schaue mir das noch lange an?“

„Ist er weg?“

„Ja. Ist er. Mit den besten Grüßen. Wieso ich jemanden wie dich überhaupt beschäftige. Du kannst von Glück sagen, dass ich Thomas Steine gut kenne. Er regt sich genauso schnell auf, wie auch wieder ab. Spätestens heute Abend.“

Bei seiner Fickrunde, oder was?

„Ich wechsele jetzt noch ein paar Worte mit Herrn Gasser, dann reden wir, Cameron. Hast du mich verstanden?“

What the fuck? Bin ich dein Junge oder was? Uhm … geht’s noch?

Fünf Worte presse ich allerdings noch hervor. „Herr Gasser ist noch da?“

Uli nickt und geht aus dem Raum. Chris ist noch da! Ich lasse nicht zu, dass Uli ihn hier privat angräbt. DAS NICHT! Endlich kommt Bewegung in mich. Ich sehe noch, wie die Tür von Ulis Büro zufällt und laufe im Eilschritt daran vorbei. Hole meinen Mantel in meinem Büro ab und stürme im Anschluss bei meinem Partner rein.

„… waren übers Wochenende verreist, deshalb war ich… Cameron? Was ist?“

„Sorry, für die Störung, Uli. Herr Gasser und ich, wir müssen jetzt los.“

„Los?“ Fragend sieht Uli zwischen Chris und mir hin und her. „Wohin? Das wird doch wohl noch ein paar Minuten warten können, Cameron.“

„Leider nein, Uli. Ich hab zum Geschäftsabschluss einen Tisch in den Mansarden reserviert. Wir müssen sofort los. Kommen Sie, Herr Gasser?“

Chris sieht mich an. Überrascht und … irgendwie erleichtert. Er macht sich von Uli los, der seine Hand vertraulich auf seinem Arm abgelegt hat, nickt diesem zu und zuckt dabei entschuldigend mit den Schultern. „Rufen Sie im Black Stage an, Herr Jentsch. Ich habe die freien Buchungsplätze nicht im Kopf.“

Uli schnappt nach Luft und ich glaub, der explodiert auch gleich. „Geschäftsessen, ja?“, fragt er spöttisch. „Ist Herr Steine da auch eingeladen?“

„Siehst du ihn irgendwo?“ Ich platze gleich.

„Cameron, du …“

„Später, Uli“, sage ich noch lahm und schiebe Chris vor mir aus der Tür. Raus aus der Kanzlei und erst im Aufzug merke ich, wie’s in mir summt. Poltert. Mein Muskel bis in den Hals hinein schlägt. Ich fühle mich gleichermaßen befreit und gelähmt.

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Bericht Re: Duits | Eigentlich ... door Redactie » woensdag 19 augustus 2015 14:44

18.


„Cameron, dein Job“, raunt Chris mir ein bisschen irritiert entgegen, während er auf der anderen Seite des Fahrstuhls an der Spiegelverkleidung lehnt. „Den solltest du wegen mir nicht so leichtfertig aufs Spiel setzen.“

Er atmet schwer, ringt mit sich, genauso wie ich mit mir. Ich blicke ihm direkt ins Gesicht und muss dann doch die Augen schließen. Es ist so surreal, was hier gerade passiert. Noch einmal atme ich tief durch, bevor ich ihn wieder anschauen kann. „Was wollte Uli von dir?“

Chris schüttelt den Kopf. Er möchte scheinbar nicht mit mir darüber reden und verstaut seine Hände in den Taschen seiner Hose. „Ist es wichtig?“, fragt er dann leise und malmt mit dem Kiefer.

Ist es wichtig? Ist es wirklich wichtig? „Ja, verdammt! Ich … Heute nicht, nein“, gebe ich zurück und mache endlich den heiß ersehnten Schritt auf ihn zu. Lege meine Hand mit dem kaputten Arm auf seiner Brust ab und schiebe die andere rein in seinen Nacken, in den Haaransatz, der vorwitzig am Kragen seines Hemdes anstößt. Endlich darf ich. Endlich hab ich ihn direkt vor mir und muss mich weder beugen noch strecken.

Sachte lege ich meine Lippen auf seinen ab. Warte, spüre, wie es in mir anfängt zu brennen und Chris einmaliger Geruch in mich dringt, mir Kraft und Halt verleiht.

Ich spüre alles an ihm: Seine Atmung, seine Anspannung, seine weichen Lippen, die meinen gefühlvoll, mit minimalem Gegendruck, antworten. Seine Hände, die sich auf meine Wangen legen und mich noch ein Stück näher an ihn herantreten lassen. Mich unendlich zärtlich streicheln. Meine Haut an den Stellen seiner Berührung aufbrennen lässt. Ich entspanne mich, lasse seine Präsenz so lange auf mich wirken, bis ich mich wieder komplett mit Chris angereichert hab. Es fühlt sich an wie warme, sämige Zartbitterschokolade, die ihren Hitzepunkt beinahe überschreitet. Der Kuss dauert nicht lange und ich löse meine Lippen ein bisschen widerwillig von ihm, lege meine Stirn gegen seine und verinnerliche diesen wertvollen Moment.

Schokolade geht kaputt, wenn man sie zu heiß werden lässt, kommt da eine Erinnerung aus meiner Kindheit wieder hoch. Schon damals konnte ich von diesen missratenen Versuchen nie die Finger lassen und hatte doch immer genascht. Egal, wie sehr ich mir am Ende dann die Finger verbrannte.

„Hab dich vermisst“, murmle ich mit geschlossenen Augen. Weiß nicht, ob er mich ansieht, aber es ist mir egal. Ich genieße einfach seine Nähe, die mich einfängt und auffängt.

„Du hast dich nicht gemeldet“, erwidert er rau.

Hab ich nicht! Ich war einfach zu … stur … und schüttle langsam den Kopf. Die verbale Antwort bleibt allerdings aus, denn der Fahrstuhl kommt im Untergeschoss an. Tiefgarage. Eigentlich möchte ich gar nicht raus und trete trotzdem zurück. Blicke ihn fragend an, seine Zustimmung suchend. Warte, bis Chris nickt und mir zu meinem Wagen folgt.

Ziellos fahre ich umher, erst zehn, dann zwanzig Minuten. Schweigend. Meinen Gedanken nachhängend. Nicht einmal das Radio kann ich im Moment ertragen. Ich lausche auf seinen Atem, der genauso flach geht wie meiner.

„Hunger?“, frage ich ihn dann doch irgendwann und finde eine Parkbucht etwas außerhalb der Innenstadt, direkt am Flusslauf gelegen. Chris dreht seinen Kopf und schaut mich prüfend an. Ein Lächeln legt sich kurz darauf auf seine bisher fest zusammengepressten Lippen. Ein bisschen süffisant will ich mal meinen. „Wie viele Mittagstische hast du denn reserviert?“

Ich schweige. Solange, bis sich auch an meinem Mundwinkel ein Zucken bemerkbar macht.

„Nein!“, gibt er dann belustigt zurück und öffnet die Tür, um auszusteigen. „Für mich ist das keine Uhrzeit zum Essen.“ Er wartet, bis ich zu ihm aufschließe und irgendeine gottverdammte Richtung einschlage. „Cameron, ich…“

„Sag es nicht, okay?“

„Doch, ich muss es sagen, weil es mir wichtig ist. Ich möchte das mit uns ungern verlieren! Es war einmalig schön mit dir. Eine ganze Woche ohne dich, ohne überhaupt nur ein Wort von dir zu lesen, geschweige denn zu hören, die war sehr … ernüchternd.“

Es trifft mitten ins Herz. Flutet mich und schwappt irgendwo in mir über. Ich bin ihm nicht egal, ich hab’s doch geahnt. Die ganze Zeit eigentlich! Dieses Wohlgefühl driftet noch viel weiter runter und lässt mich hektisch aufatmen, bevor ich mich vor ihn stelle und seinen Weg damit abschneide. „Chris …“

Doch er steckt sich eine Kippe an und schiebt sie mir zwischen die Lippen. Gibt mir nebenbei einen Kuss und bringt mich damit zum Schweigen, bevor er sich auch eine nimmt. Ich inhaliere den Rauch, ziehe so fest an dem Filter, dass ich mir fast die Finger verbrenne. So stehen wir uns gegenüber, blicken uns an, bis ich meine Wange an seine lege, seine Nähe spüren will und leise, zustimmend seufze. Diese direkte Nähe legt sich wie ein schützender Mantel über meine innere Zerrissenheit. Ich könnte stundenlang hier stehen. Chris berühren, an ihm lehnen, alles in bester Ordnung glauben.

„Was ist mit deinem Chef?“, flüstere ich an seinem Ohr und drücke meine Lippen auf seine Wange, inhaliere seinen typischen, mir doch schon so vertrauten Geruch. Ich möchte es wissen. Vermute aber, dass es eigentlich völlig egal ist.

Er rührt sich und ich gehe einen schwerfälligen Schritt zurück. Seine Mundwinkel sind verbogen, ein leicht spöttischer Blick. „Thomas ist nur Chef, Cameron. Ihm gehört das Black Stage. Er hat es damals mit ein paar von uns aufgebaut. Einige sind bereits weg. Ein paar andere, wie ich zum Beispiel, gehören zum alten Kern. Wenn du so willst, hat er es für uns getan … Wie würde die Gesellschaft uns nennen? Perspektivlose Straßenkids? Streuner? Stricher? Oder gar Verbrecher? Für solche wie mich ist das Black Stage ein Zuhause und Thomas nimmt seine Verantwortung uns gegenüber nach wie vor sehr ernst. Er ist wie ein Familienvater, der die Hand über uns hält.“

Chris nimmt meinen Kopf zwischen die Hände, atmet tief durch und drückt mir einen festen Kuss auf die Lippen, bevor er weiterspricht: „Wir sind eine Familie. Ein wichtiger Halt für jeden Einzelnen von uns. Ohne einander würden einige von uns gnadenlos untergehen und von den Mühlen der Gesellschaft hilflos zermahlen werden. Er hat uns mit dem Club eine Richtung gegeben. Ich befürchte, du wirst es nicht verstehen.“

Dann setzt er sich in Bewegung, unterbricht den Blickkontakt, zündet eine weitere Kippe an und hält mir auch diese hin.

Familie? Wow … Moment mal! Du hast Recht, ich verstehe es nicht!

Ich fühle mich so machtlos, dass ich keine Ahnung hab, was ich jetzt noch dazu sagen soll. Dabei hab ich so viele Fragen. In Gedanken versunken, gehe ich neben ihm her. Schulter an Schulter. Merke, wie die klirrende Kälte sich durch meinen dünnen Mantel frisst und mir trotz allem so heiß zu sein scheint, dass ich alles von mir reißen will. Zögerlich, und einfach, weil ich es irgendwie wissen will, schiebe ich meine Hand in die Tasche an seinem Hintern. Bemerke, wie er ebenfalls kurz zögert, mich dann aber gewähren lässt und auch seine Hand auf meiner Pobacke ablegt … und kurz zudrückt … und damit eine prickelnde Hitze durch meinen Unterleib jagt.

„Dennoch hat er dich angefasst!“, raunze ich, weil ich noch mal drauf rumkauen muss. Ich brauche Ablenkung, sonst wird das hier fatal. Das Thema nagt und zerrt an mir. Es war eine halbe Erklärung, die ich nicht mal ansatzweise verstehe und das als Anwalt.

Ich brauche Antworten. Alle auf einmal. Jetzt. Hörst du?

Chris bleibt stehen, sieht mich an, hebt abermals seine Hand an meine Wange und gleitet mit den Fingern bis zu meinem Hals hinab, wo er dann stoppt und einfach nur seine innere Wärme auf mich überträgt. „Mag sein, Panther. Aber ich registriere das nicht mehr. Es bedeutet mir nichts. Ich bin es gewohnt, von Menschen angefasst zu werden, die ihre sexuell unerfüllten Wünsche und Träume gerne hinter verschlossenen Türen ausleben möchten. Bei Thomas ist das anders. Zum einen steht er nicht auf Männer und … wenn er mich berührt, ist das nicht mit einem Hintergedanken verbunden. Seine Angestellten sind für ihn grundsätzlich tabu. Ich befürchte, deine gezielte Abneigung ihm gegenüber hat ihn ganz schön getroffen. Ich habe mich in den letzten Jahren unzählige Male wieder von ihm aufbauen lassen, mich bei ihm ausgeheult. Öfter, als in meiner Kindheit bei meiner … bei meiner … Ach, vergiss es einfach.“

Er schluckt hart und schaut zu Boden, scharrt dort mit der Fußspitze im Sand des Gehweges herum. Seine Hand fällt von mir ab, als wäre sie nur aus einem Missverständnis heraus auf mir gelandet und dann wendet er sich frustriert von mir ab. Sieht übers Wasser und lehnt sich gegen das Geländer, das das Ufer vom Flusslauf trennt.

Ich bleibe hinter ihm stehen. Betrachte seine wirklich sehenswerte Rückansicht. Vielleicht, so kommt mir der Gedanke, hilft es ihm, wenn er mich nicht ansehen muss. „Meinst du deine Mutter? Was ist mit ihr, Chris? Habt ihr noch Kontakt? Wie fing das an, mit dir und dem Black Stage? Hörst du auf, dich zu verkaufen, wenn du den Laden ab Januar leitest? Rede mit mir, bitte.“ Ein winzig aufblitzender Gedanke an meine Ma bringt ein Stück Herzenswärme in mich zurück. Ich werde geliebt! Dieses Gefühl kann ganz schön beflügelnd sein, wenn es zur rechten Zeit kommt.

„Es ist egal, Cameron. Völlig egal, was ich dir für Antworten gebe, denn sie würden dir nicht genügen.“ Unterdrückte Wut schwingt in seiner Stimme mit, vielleicht ist es auch Schmerz, den ich da heraushöre, während sein Blick fest auf das Wasser geheftet ist und seine Finger sich krampfhaft um das Geländer legen. „Das, was du von mir möchtest, das kann ich dir nicht bieten. So leid es mir tut, Cameron. Aber es geht nicht. Nicht so! Ich möchte dich gerne um mich haben, dann … und … wann vielleicht. Kannst du nicht einfach damit leben? Ohne Fragen? Ohne Verpflichtungen? Für mich wäre das … weit mehr, als ich jemals bekommen habe. Ich würde nehmen, was du bereit bist zu geben, solange, bis du vielleicht jemand anderen für dich gefunden hast. Einen anderen Weg gehst, in dem ich keinen Platz mehr habe.“

Das ist krass … und schlägt ein wie eine Bombe. Zerreißt was in mir, was scheinbar noch nicht ganz zerscherbelt war. Es tut so unbarmherzig weh, ihn so reden zu hören. Für mich ist das so hart, dass ich ihn am liebsten nehmen und schütteln möchte und ihn so lange anschnauzen, bis er klein beigibt und mir, verdammt noch mal, einfach sagt, dass er auch für mich was empfindet.

„Hab mich in dich verliebt“, kommt es allerdings ziemlich lahm und erbärmlich von mir. „Dein dann und wann passt da nicht rein!“ Damit bohre ich in der offensichtlichen Wunde noch ein bisschen weiter rum und bin mir nicht sicher, ob es mir nicht sogar mehr weh tut als ihm, in diesem Moment. „Hörst du dir überhaupt selbst manchmal zu? Ich will keinen anderen Weg, verstehst du das nicht? Ich hab eher das Gefühl, dass dir dein Egoismus blendend im Weg zu stehen scheint. Dann und wann reicht mir nicht, Chris. Zumindest nicht auf Dauer! Nein, eigentlich reicht es mir nicht. Punkt!“, fahre ich ihn mutlos an. Strecke meine Hand nach ihm aus und … berühre ihn dann doch nicht. Ich schaffe das nicht mehr.

Meine Wut und diese bittere Enttäuschung schlucke ich hinunter und wende mich ab. Eigentlich … ist mir eher nach Heulen zumute. Ich brauche dringend eine Pause. Alles auf eine Karte zu setzen, scheint nicht mein Spiel zu sein. Denn hier, wie es aussieht, ist Endstation in allen Belangen. Kurz darauf drehe ich mich weg und laufe davon, wische energisch eine Träne von der Wange, die sich da aus dem Augenwinkel gestohlen hat. Mein Verhalten zeigt wohl mehr Fluchtreflexe, statt Offensive. Denn die ist an irgendeiner Seuche erkrankt und schwindet im Eiltempo auf einen kümmerlichen Rest in sich zusammen.

Ich. Kann. Das. Nicht.

Dann und wann? Fuck, ehrlich wahr! Sind wir hier auf dem Jahrmarkt, der alle paar Wochen woanders gastiert, oder was? Micky hat Recht. Und wie der Recht hat. Raus aus dem Kopf. Verbanne diesen Mann endlich aus deinem Kopf, Cameron! Sonst leiden wir beide.

Noch nicht ganz am Auto angekommen, werde ich hart herumgerissen. An meiner Schulter des kaputten Arms. Ein zischender Schmerzlaut entfährt mir, bevor ich Chris mit meiner gesunden Hand mit aller Kraft von mir stoße. „Was willst du noch von mir? Reicht es nicht, dass ich gerade vor deinen Füßen rumgekrochen bin? Fuck you! Hau ab, Chris. Verschwinde aus meinem Leben!“

Er taumelt zurück. Geht auf Abstand. Blinzelt heftig und fängt an zu beben. Ich kann seine Kiefer knirschen hören. Er hebt die Hand, wie ich kurz vorher noch bei ihm, und lässt sie direkt wieder sinken.

„Cameron, bitte! Was willst du von mir hören? Dass ich was für dich empfinde? Ja, das tue ich. Aber ich habe nie gelernt zu lieben. Oder besser ausgedrückt, ich habe irgendwann einfach aufgehört, so etwas wie Liebe zu empfinden. Jeder ist sich selbst der Nächste. Danach lebe ich seit meiner Kindheit. Ja, du hast Recht, mein Ego ist in dieser Hinsicht sehr ausgeprägt. Sonst würde ich nämlich nicht mehr mit erhobenem Kopf durch die Gegend laufen können. Ich mag dich, Cameron, und bin gerne mit dir zusammen. Es macht Spaß mit dir. Ein kleines Stück Freude, verstehst du? Wieso gönnst du uns nicht diese gemeinsame Zeit? Ich mache Platz, wenn du einen anderen Mann kennenlernst.“

Ich will ihn anschnauzen und doch bleibt mir das Wort im Halse hängen. Er sieht so verloren aus. Das Grün seiner Augen drückt Traurigkeit und eine unausgesprochene Bitte aus. Kann ich das? Ich … weiß nicht. Eigentlich nicht … ich … Nein, eigentlich nicht. Weil es einfach nur bitter ist. Platz will er machen? Für wen? Für sich selbst, oder was?

„Das reicht mir nicht, Chris!“, gebe ich rau zurück und stopfe meine Hand in Hugo Boss’ Tasche, bevor ich noch etwas Dummes tu, was ich später bereue. „Ich möchte mehr von dir. Nur das Bett mit dir zu teilen, in dem Wissen, dass du Liebe nie zulassen wirst, das genügt mir auf Dauer nicht. Es war schön mit dir. Aber … Ich bin an meinem Limit angekommen und schaffe es gerade noch so, meine Haltung irgendwie zu bewahren. Mag sein, dass du dein Ziel – Spaß und Freude mit mir zu haben – erreicht hast und du damit zufrieden bist. Du diese Dann-und-Wann-Regel für eine grandiose Idee gehalten hast und dafür reicht dein Mögen vermutlich allemal aus. Aber mir nicht, du bist mir zu wichtig geworden, Chris. Dafür empfinde ich zu viel für dich!“

Und leiser füge ich hinzu: „Ich hab keinen Anspruch darauf, etwas von dir einzufordern, was du mir nicht freiwillig gibst.“

Eigentlich sollte ich jetzt gehen.

HAU AB, CAM!

Und doch mache ich den tödlichen Schritt auf Chris zu. Soweit, bis ich an ihm andocke, meine Hände an seine Arme lege und ihn anschaue, in seinen Augen suche. Nach etwas suche, was er irgendwann in seiner Kindheit vergraben hat. Merke, wie er sich kurz verspannt, bevor er dann leise schnaubt und wieder an Boden gewinnt.

„Du hast Recht, Cameron. Es würde dich zerstören. Ich hatte gehofft, dass es … locker bleiben kann. Aber ich sehe ein, dass es unter diesen Umständen nicht geht.“

Locker bleiben? Diese Umstände? HA-HAHAHA.

„Ich bin locker.“ Gooott, Chris. „Ich glaub dir kein Wort. Schau mich an, verdammt noch mal. Sag mir ins Gesicht, dass es für dich nur ein Spiel bleiben soll, das dann und wann seine Fortsetzung findet.“

Uhm, ich bin zu schnell. Viel zu schnell. Gang zurück.

Du schaffst das nicht, Cam. Nicht, indem du mit dem Kopf durch die Wand willst. Chris regt sich. Sieht mich an, wie von mir gefordert, streichelt mich mit seinem Blick und haucht mir einen Kuss auf die Lippen. Zupft mit seinen Lippen an meinen und lässt es heiß in mir aufwallen. Ist das seine Antwort? Ich bebe. Schnaufe aus und ziehe ihn an mich. Nah, so nah. Immer dichter. Ich kann ihn nicht gehen lassen. Es muss doch andere Wege geben, es muss … Ich grabe meine Hände unter seine Jacke und spüre die Wärme, die er abstrahlt. Die Hitze, die auch in mir ist.

„Cameron! Ich bin unfähig dich so zu lieben, wie du es dir wünschst. Wie du es verdient hast“, wagt er einen weiteren, mittlerweile heiseren Vorstoß, und ist doch eigentlich genauso verloren wie ich. Vor allem sagt er das zu mir, kurz bevor sein Mund sich auf meinen presst. Mir und ihm gleichzeitig ein sehnsüchtiges Stöhnen entlockt und meine Zunge sich sofort den Weg in seine Mundhöhle bahnt. Seine umschmeichelt, mit seinem Metall spielt und mich ein Schauer nach dem anderen überkommt.

Gut! Das ist gut! Will so gerne mehr!

Ich dränge mich an ihn, mein Bein zwischen seines, meinen Leib fest an seinen und … will noch mehr. Bin blind und taub für das, was er mir sagt. Ich versteh’s ja sowieso nicht. Ich glaub es ihm nicht. Ich sehe ihm doch an, dass da mehr ist. Ein bisschen wenigstens. Alles in mir weigert sich, seine Worte von eben zu akzeptieren. Meine gesunde Hand schiebe ich weiter hoch über sein wohlgeformtes Schulterblatt und lasse keinen Zentimeter Luft zwischen uns. Ich werde gierig und stöhne erneut in den Kuss. Will ihn spüren. Will … Verdammt will ich sein, wenn ich …

„Cameron, nicht“, murmelt er ergeben und umarmt mich dann auch. So fest, dass ich selbst durch die beiden Jacken seine unkoordinierte Atmung und das Poltern in ihm wahrnehmen kann.

„Lieb dich“, murmle ich noch und könnte in die Knie gehen, als ich sein Glied an meinem wachsen spüre.

„Das ist ja unmöglich! Sieh nicht hin, Herta! Widerlich ist das! Und so was muss man sich auf offener Straße ansehen. Das gehört verboten.“

Mein Kopf ruckt rum. „WAS?“, schnauze ich los und das Ehepaar zuckt zusammen. Legt einen schnelleren Schritt ein.

Ich glaub, ich hab mich verhört, ich …„Hey…“

„Schhhh, Panther! Das ist es nicht wert.“

„Nicht wert? Geht’s noch?“ Mit Kraft will ich mich von ihm losmachen, doch Chris hält mich fest. Nicht nur mich, sondern auch meine Lippen mit seinen.

„Du wirst hier keine Welten bewegen, wenn du ein altes Ehepaar auf offener Straße anpöbelst“, flüstert er in meinen Mundraum. Dann grinst er mich an, drückt mich noch mal und lässt langsam von mir ab. Ich stehe da und starre den Leuten einfach nur hinterher. Meine allererste homophobe Erfahrung in der Öffentlichkeit. Am helllichten Tag am Rande der Stadt.

Grandios! Applaus, Cameron. Hast dich gut geschlagen.

Und der Mann, dem ich meine Gefühle gestanden hab, steht da, sichtlich amüsiert und wartet auf mich. Eine Hand lässig in der Hosentasche und die andere hält ein Feuerzeug fest, um die Kippe zwischen den Lippen gleich zu entzünden.

„Fährst du mich heim oder soll ich die Straßenbahn nehmen?“

Okay! Das war’s wohl! Cut! Vorhang zu! Mit einem Ständer in der Hose, der mir das Laufen erschwert. Es ist vorbei, bevor es überhaupt angefangen hat. Chris zuckt nicht mal mit der Wimper dabei.

Den Weg zu ihm nach Hause kenne ich blind. Wir fahren schweigend und ohne Musik. Ich hänge meinen Gedanken nach, während Chris aus dem Fenster der Beifahrerseite schaut und … seinen eigenen Gedanken nachhängt.

„Was wollte Uli?“, frage ich dann doch irgendwann in die Stille, denn diese Frage geht mir immer noch durch den Kopf.

„Vergiss es, Cameron. Ich werde mit dir nicht über die Details meines Jobs sprechen.“

„Dann lass die Details weg. Was wollte Uli?“

Chris seufzt, dreht sich mir zu und schaut mich prüfend von der Seite her an. „Er hatte eine Buchung am vergangenen Wochenende die er kurzfristig stornieren musste. Familiäre Verpflichtungen oder so was in der Richtung. Uli war verdammt schlecht gelaunt. Ist das wirklich wichtig?“

„Für mich schon, ja! Was wollte er? Dich im Büro …“ Uah … und da dreht sich mal eben mein Magen rum.

„Er wollte, dass ich ihm für kommendes Wochenende einen Termin freihalte, weil seine Frau ihm am letzten Samstag einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Uli ist Stammkunde, Cameron. Wenn er nicht alle zwei Wochen kommt, fehlt ihm was. Ich habe die Übersicht meiner Buchungen aber nicht im Kopf, er wird also anrufen müssen. Ich befürchte allerdings, er wird noch eine weitere Woche warten müssen. Uli bucht manchmal alleine, oftmals aber auch in der Gruppe. Dann kommen sie zu viert.“

Zu viert! Mir ist schlecht. Hab gerade mehr gehört, als mir lieb ist. Irgendwie geht’s mir gerade nicht gut. Glücklicherweise sind wir jetzt bei ihm angekommen. Ich fahre rechts ran und grabe fahrig meine Finger in meinen Schopf.

„Und dann musst du …“

„Über die Shows rede ich nicht mit dir, Cameron. Ich frage dich auch nicht über deinen Beruf aus!“

Langsam, ganz langsam drehe ich mich ganz zu ihm um. „Was hat das damit zu tun?“

„Nichts! Aber willst du wirklich in schillernden Einzelheiten erfahren, wie ich aktiv oder passiv für die Befriedigung anderer Männer sorge? Deines beruflichen Partners unter anderem? Willst du wirklich wissen, wie ich Ulis homosexuelle Wünsche erfülle?“

Fuck, Chris! Musst du so direkt werden?

Ein eiskalter Schwall Wasser ist gar nichts dagegen. Ich blinzele. Schlucke und … zittere innerlich. Glaub, er bekommt’s auch irgendwie mit, dass mein zehnminütiges Mentaltraining während der Autofahrt soeben in sich zusammensackt. Will ich es wissen? Nein, eigentlich nicht. Oder doch?

„C a m e r o n?“

Mechanisch schüttle ich den Kopf, während diese schokoladig verlockende Stimme tief in mich dringt. Die Erkenntnis sickert langsam in mein Bewusstsein. Er hat mich irgendwann irgendwie, während der letzten halben Stunde rumgekriegt.

„Locker? Dann und wann, ja?“, echoe ich und schlucke noch mal schwer. Überrascht schnauft er aus, presst die Lippen zusammen und nickt.

„Ist es dir das wert, Cameron? Es ist deine Entscheidung.“

„Ich weiß es nicht. Muss ich wohl herausfinden. Bin nicht so der Typ für diese ganzen Ende-mit-Schrecken-Geschichten.“

Chris grinst mich an. Greift nach meinen Fingern, die vorne aus dem Gips rausgucken und nimmt sie in den Mund. Lutscht sie ab. Einen nach dem anderen. Mit Genuss. Seine Blicke brennen sich dabei in meine. In meiner Hose wächst dabei was. Und zwar verflucht schnell.

„Ich weiß“, raunt er mir zu. „Das hast du vor drei Jahren vortrefflich bewiesen. Da hast du die Reißleine erst gefunden, als der Schrecken schon viel zu weit fortgeschritten war. Ich werde mich bemühen, nicht auf deinen Gefühlen herumzutrampeln, versprochen. Tue ich es doch, musst du mich ausbremsen. Ich kenne mich in Liebesdingen nicht so aus, Panther.“

Oar … An seinem Jackenaufschlag zerre ich ihn an mich. Seine Lippen sind leicht geöffnet – er will noch was hinzufügen – ich weiß. Doch ich versiegele seinen Mund und stöhne meine überbordende Lust und meinen tiefsitzenden Frust gleichermaßen in ihn hinein. Mit seiner Hand in meinem Nacken werde ich fixiert, spüre den Berührungen seiner Fingerspitzen nach, die mich mit Kraft halten und doch so unendlich gefühlvoll durch meinen Haaransatz kraulen und ein Prickeln von dort über meinen Rücken schicken.

Ich … hrm … will mehr! So viel mehr!

Tausend Empfindungen durchströmen mich und bündeln sich zu einem explosiven Klumpen, tief unten im Leib. Sehnsüchtiges Verlangen liegt in seinem Kuss und alles, was ich zu geben hab, liegt in meiner Erwiderung. Seine Lippen sind warm und weich und so unglaublich heiß. Der Wechsel zwischen zart und zermürbend, zwischen hart und verlangend ist so schön, aber eigentlich … viel zu viel für mich. Zu viel, um mich noch lange beherrschen zu können. Verdammt will ich sein, wenn ich diese winzige Hoffnung, die da in mir lauert, in der Luft verpuffen lassen müsste.

Panther, ja? Ich werde kämpfen. Werde ihm zeigen, wie wichtig er mir ist. Wie wertvoll er als Mensch, als Mann wirklich ist. Hoffe und … Hoffe einfach, dass er mir bald das Gleiche zurückgeben kann. Es ist ein Spiel mit dem Feuer. Ich bin der Einsatz. Denn was danach noch von mir übrig bleibt … Ich darf nicht daran denken.

Mir fehlt die Luft, mein Puls rast und mein Muskel scheint meinen Brustkorb zu sprengen. Vehement und ungnädig pumpt er mein Blut und ich lege Chris’ Hand mit meiner darauf. Er muss es spüren. „Das ist mein Einsatz, einsamer Wolf. Geh’ vorsichtig damit um“, flüstere ich ihm entgegen und lasse langsam von ihm ab. Wenn ich das jetzt nicht mache, weiß ich, dass ich gleich noch viel mehr von ihm will.

Chris lacht leise auf. Seine Augen funkeln mir entgegen und dann drückt er mir einen letzten Kuss auf die Lippen, bevor er mich freigibt. „Wolf? Das höre ich heute zum ersten Mal!“

„Das bist du. Ein Raubtier wie ich - ein einsamer Wolf. Mein Wolf.“

„Gefällt mir“, bestätigt er lächelnd und küsst mich erneut, bis ich mich von ihm drücke. „Cameron, ich passe auf das, was du mir schenkst, auf, versprochen! Du wirst es nicht bereuen. War das jetzt ein Abschiedskuss?“

Ich nicke lahm. Denn eigentlich … wünsche ich, das wäre erst der Anfang. „Ich muss zurück in die Kanzlei. Hab noch Arbeit auf dem Tisch.“

Chris zögert, streicht ein letztes Mal mit seinem Daumen über meine Unterlippe und sein Blick wirkt verschleiert und irgendwie … ganz weit weg. Weiß nicht, auf was er wartet, aber er rührt sich nicht. Lange nicht, bevor seine Hand dann doch irgendwann von meinem Gesicht abfällt und sein Blick abermals ins Leere geht. „Na dann! Wir sehen uns, Panther!“

Und was das heißt, ist wohl das Schlimmste, was ich ab heute über mich ergehen lassen muss. Den Gedanken daran muss ich mir einfach verbieten. Nicht darüber nachdenken, nicht grübeln, mir keine Bilder in Erinnerung rufen, was zwischen unseren Dann-und-Wann-Treffen alles passieren wird.

„Wir sehen uns, Chris.“ Meine Stimme verliert sich. Weg ist es, das Hochgefühl. Chris steigt aus, presst erneut hart die Lippen aufeinander und blickt nicht mehr zurück. Ich jedoch schaue ihm nach. Klopfe meine gesunde Faust energisch gegen das Lenkrad vor mir, als er über den Weg zu seinem Bungalow läuft.

Fucking shit. Fuck! Fuck! Fuck!

Mit jedem Schritt, den er macht, entfernt er sich weiter von mir. Es fühlt sich so eigenartig und total falsch an. Ich steige aus und laufe ihm nach. Noch bevor er die Haustür aufschließen kann, komme ich bei ihm an. Dränge ihn im Laufschritt an die Hauswand und halte ihn mit dem Körper dort fest. „Was wird das, Cameron? Ein Escortservice bis an die Tür?“ Seine Worte klingen belustigt, der Zug um seinen Mund ist nach wie vor hart.

„Nein, Chris, nicht nur. Ein Escortservice ist teuer. Da ist eine Begleitung bis ins Bett schon noch drin!“

Erstaunt zucken seine Brauen nach oben und seine wunderschönen Augen beginnen zu leuchten, während er zwischen mir und der Mauer gefangen steht und es einfach geschehen lässt. Zulässt, dass ich nach seinen Händen greife, meinen Oberkörper an ihn drücke und seinem Gesicht so nahe komme, dass ich seinen Atem an meiner Wange spüren kann, dass ich meine Zunge über seine Mundwinkel ziehen kann und mir ein sehnsuchtsvoller Ton entkommt. Er ist hart, genauso wie ich. Saugt Sauerstoff in die Lunge, genauso wie ich. Langsam weicht die Bitterkeit einer Begierde, die ich schon so gut von ihm kenne. Ich nehme alles. Wenn es auch nicht das ist, was ich so gerne von ihm möchte.

„Willst du aufschließen?“, flüstert er mir entgegen und saugt meine Unterlippe zwischen seine Zähne, bis ich erneut leise aufstöhnen muss. Er drückt mir den Schlüssel in die Hand mit dem Gips. Es dauert zwar, aber ich finde das Schlüsselloch dann doch endlich blind. Stoße die Tür auf und werde von Chris gepackt und rückwärts in den Flur des Hauses gedrängt. Mit einem Scheppern fällt das massive Holz in seinen Rahmen zurück, da hab ich auch schon die Finger an den Knöpfen seines schwarzen Hemdes, wie ich auch eines trage.

Raues, unverfälschtes Verlangen überkommt mich. Chris’ Finger sind flinker als meine, reißen mein Hemd in einer Geschwindigkeit auf, die mich schwindelig werden lässt, und lösen den Gürtel und den Knopf samt Reißverschluss von Hugo Boss gleich hinterher.

Oar … Gooott, ich bin grandios geil. So gnadenlos hart. Meine Eier ziehen sich verlangend zusammen. Gleich ist’s Stahl. Gleich ist’s … Meine Knie werden weich. Ich bebe unter seinen Berührungen und stöhne gedämpft in seine Mundhöhle, als seine Hände meinen Leib entblößen und zu erkunden beginnen. Mal gefühlvoll, mal kräftig darüber streichen. Über meine Brustwarzen reiben und sich um jeden Muskel, der sich bewegt, ganz besonders intensiv kümmern. Jede Berührung, jeder Hauch und jedes unersättlich verlangende Zudrücken, lässt mich schwerer atmen und rauer stöhnen. Bis mein Puls in meinem Ständer ankommt. Seine Lippen liebkosen, reizen und necken mich. Die feuchte Spur seiner Zunge führt meinen Hals und mein Schlüsselbein entlang, lässt mich den Kopf ergeben in den Nacken legen. Ich spüre seinen Händen nach, die über meine Wirbelsäule streichen und gleich darauf in den Tiefen meiner Hose verschwinden. Direkt drauf, auf meinen Hintern. Meine Pobacken packen und beginnen, sie buttrig, willig und weich zu kneten. Unsere Münder treffen aufeinander, lassen keine Luft zum Atmen und zum Denken sowieso schon lange nicht mehr.

Unser beider Stöhnen hallt bis tief in die Kehlen, als sein Mund nach dieser kleinen Reise über meine erhitzte Haut wieder bei meinem ankommt. Die Chance für ihn, mich eng an ihn zu ziehen. Hitze schlägt mir entgegen. Chris Hitze. Der Kerl glüht und ich … auch irgendwie. Fahrig komme ich am letzten Knopf seines Hemdes an und hab endlich seine Haut unter mir. Leicht ist es nicht, meine Hände zu platzieren, denn viel Platz lässt er mir nicht. Beinahe schon grob streiche ich über seine Brust, seinen Bauch, genieße das Muskelspiel seines wunderbaren Körpers und Gänsehaut bildet sich auf seiner Haut. Chris keucht auf, drückt sein Becken so fest an meines, dass der Druck seiner Härte gnadenlos wirkt.

Ich kriege nicht genug. Ich kriege einfach nicht genug von diesem Mann! Meinem Mann! Chris gehört mir! Wenigstens rede ich mir das im Moment ein, wie ein Mantra. Ich will mehr. Seine Nacktheit auf mir, an mir, über mir.

Ich will dich!

So sehr, dass es schon schmerzlich in mir anfängt zu reißen und die Luft immer dünner zu werden scheint. „Gooott, Chris!“ Ich keuche auf. Reiße seine Jeans und seine Boxer nach endloser Zeit von seinen Hüften und werde erneut an seinen Leib rangedrückt. Ich spüre das Pulsieren seines Gliedes. Eine Lage Stoff liegt noch zwischen uns. Eine verfluchte Lage Stoff. Meine Boxer. Und gerade, als ich ruppig daran reißen will, werde ich von Chris gestoppt. Schwer atmend. Nach Luft ringend und es ist auf einmal so still, dass ich seinen Muskel unter seinem Brustkorb klopfen höre. Oder ist’s doch meiner? Ich kann’s nicht orten, weil es einen krass guten Mix in meinen Ohren darstellt. Er verschränkt meine Finger mit seinen, soweit das mit dem Gipsarm überhaupt möglich ist, und senkt seine Lippen viel zu gefühlvoll auf meine. Die Welle des Wohlgefühls ist hart an der Grenze. Seine Augen sprechen Bände, während sein Körper die Sprache der Begierde ausdrückt.

Sein Lächeln spüre ich an meinem Mund, bevor er zurücktritt. Mich mit seinem Blick gefangen hält, mich auffordert und wohl auch ein Stück weit herausfordert. Alles in mir drängt nach weiteren Berührungen, doch ich klebe an seinem Blick. Sehe ihm zu, wie er sich langsam entkleidet, das Hemd in Zeitlupe an den Ärmeln aufknöpft, seine Schuhe abstreift, seine Socken folgen lässt und kurz darauf auch seine Jeans ihres Zweckes enthoben wird.

Etwas ungelenk folge ich ihm. Kann das schon, mich ausziehen, aber der Gipsarm verhindert in der Tat, dass ich meine Geschmeidigkeit vorzeigen kann. Schwer atmend stehen wir da. Lechzen nach mehr. Nach einander. Weiß nicht, worauf er wartet, aber er wartet. Lockt mich an, alleine mit dem Ausdruck seiner Augen, mit dem Glühen und Funkeln darin. Ich hebe meine Hände in seinen Schopf und ziehe mich an ihn. Möchte ihn schmecken. Das ist es, was ich jetzt will und danach … möchte ich ihm gehören. Der verstörende Gedanke kommt mir, dass ich ab jetzt wohl sehr oft unter ihm liege.

Weil ich es möchte. Nicht, weil ich es nicht wollen würde, aktiv zu sein, aber ich glaub, ich hab Angst, dass jedes verfluchte Dann-und-Wann-Treffen auch immer das letzte sein könnte. Ich nehme also mit, was ich von ihm bekommen kann.

Meine Zunge schiebt sich langsam zwischen seine Kiefer. Meine Lippen, mittlerweile angefeuchtet vom Speichel und glänzend, gleiten begehrlich über seine. Uhm … dieser Geschmack. Chris Geschmack. Und es ist so lange her … sieben Tage schon. Eben merke ich, wie sich in mir alles anfüllt und der Genuss dieses Moments sich tief in mir verankert. Ich lecke über seine Lippen, bis hin zu seinem Ohr. Spiele mit dem Ohrläppchen, entlocke ihm einen heiseren Laut, während seine Hände an meinem Hintern und meinen Schenkeln unterwegs sind. Ich zittere, atme flach, ziehe eine feuchte Spur hinunter zu seiner Brust, knabbere mich darüber hinweg und Chris’ Oberkörper zuckt unter meinen Liebkosungen lustvoll zusammen. Er wird lauter und ich schaue kurz auf. Möchte den Moment festhalten, verinnerlichen, es könnte der letzte sein und das macht mir eine Scheißangst. Sein Kopf liegt im Nacken. Chris genießt mich und schenkt mir damit ein Stück heile Welt.

Ich streichle ihn, wie er es verdient hat. Gebe ihm, was auch immer ich geben will, für einen Mann, den ich so gerne nur für mich hätte. Sein Hintern ist fest und trainiert. Grandios im Anblick, das weiß ich noch. Verdammt fest, als ich meine Finger reingrabe und meine feuchte Spur über seinen Bauchnabel hinweg zu seinem Unterleib fortsetze. Ich lecke mich über dieses leckere Unterbauchdreieck, das an seinem Schaft endet, gleite die Muskulatur entlang und sauge seinen Geruch in mich auf. Chris stöhnt, zuckt nach vorne und seine Finger finden den Weg in meine Haare. Halten mich fest. Fixieren mich ohne Druck. Streichen ein um das andere Mal schaurig schön meine Kopfhaut entlang.

Ich glaub, ich werde duselig und … geil bin ich schon. Ohne jegliches Zutun ziehen sich meine Eier fest zusammen und mein Schwanz ist hart und prall und pulsiert vor sich hin.

Mit der Zungenspitze tänzele ich über seine Eichel, umrunde sie und gleite runter bis zu seinen Hoden. Nehme mir dort mächtig viel Zeit. Zuviel? Chris wird ungeduldig, keucht auf, will mich lenken und muss sich ganz schön zusammenreißen, genau das nicht zu tun.

Darfst du. Bei mir darfst du das.

Ich lege meine Hände auf seine, übe Druck aus und zwinkere ihm zu. Zeige ihm, dass ich ihm folgen werde, egal, was er sich jetzt von mir wünscht. Der berühmt-berüchtigte Griff nach dem Strohhalm ist ein wirklich dummer Spruch und doch versteht er, was ich meine, atmet kurz zitternd durch und dirigiert meinen Kopf dann weiter hoch, dran an seine Härte.

„Mach weiter, Panther. Hgn …“

Ich mache ja schon! Knabbere an ihm und lecke mich seinen Schaft entlang. Wiederhole das Spiel, bis Chris ausfällig wird. Mein Schimpfwort benutzt, laut „Fuck!“ ruft und mich erneut energisch an seine Geilheit heran drängt.

„Mach schon, Cameron. Ich platze gleich!“

Ungeduldig? Weiß ich doch. Geduld ist nicht unsere Stärke. Doch ich habe Erbarmen, erlöse ihn. Stülpe meine Lippen über seine Eichel, lecke und sauge seinen Geschmack aus ihm raus und drifte tiefer, während Chris’ Hüfte hilflos nach vorne zuckt und sein Knurren mir zeigt, dass seine Kontrolle soeben flöten geht.

Lieb dich. Will alles von dir.

Ich rolle sanft seine Hoden, reibe ihn kurz unterstützend zum Mund und massiere seinen Damm. Schiebe meine speichelnassen Finger zwischen seinen Backen hindurch und stimuliere ihn an seinem Eingang, genauso anregend, wie ich das vorne tue.

Die Vorwärtsbewegung seiner Hüfte, das lustvolle Stöhnen und sein stockender Atem, deuten mir an, dass Chris nicht mehr kann. Seine Muskulatur verhärtet sich, sein Druck mit der Hand wird drängender und bettelnd. Mit dem Daumen gebe ich ihm den kleinen Rest, der noch zu seinem Glück fehlt. Chris explodiert.

Mit der Stirn an seine Lende gelehnt, gönne ich mir eine kleine Pause. Kann’s dennoch nicht lassen, ihn weiter zu verwöhnen, presse meine Lippen auf die weiche Haut über seinem Schenkel und nuschle für mich. „Lieb dich, Chris! So sehr.“

Es ist bereits stockdunkel, obwohl es erst früher Abend ist. Winterzeiten waren über viele Jahre hinweg für mich eigentlich Kuschelzeiten und die genieße ich genau jetzt. Seit drei Jahren das erste Mal, wohlgemerkt. Seit Kati. Seit dieser dummen, wirklich aus dem Ruder gelaufenen Sache, die mir da in einem Anfall von Kopf-durch-die-Wand passiert ist. Aber bereut hab ich diesen Schritt nie. Ich fühle mich wohl in meiner Haut, so wie es ist. Im Laufe der letzten Jahre hab ich festgestellt, dass mir bis zu meinem dreiunddreißigsten Lebensjahr doch irgendwas Gravierendes gefehlt hatte. Micky hatte Recht. Mehrmals habe ich ihn dafür verdammt, dass er nicht viel früher mit seiner Vermutung zu mir gekommen ist.

Mit sanften Fingern krault Chris durch meinen Schopf. Ich brumme auf, als er ein paar Strähnen zwirbelt und mir immer mal wieder Gänsehaut beschert, wenn seine Kuppen über meine Kopfhaut fahren. Erschöpft liege ich auf dem Bauch. Fühle mich tief zufrieden und so vollgestopft mit Glückshormonen, dass sie mir eigentlich irgendwo rausquellen müssten. Wir liegen in seinem Bett und ich fühle mich erfüllt. Die Leere ist weg. Das Gesicht ihm zugewendet, betrachte ich Chris. Das sanfte Licht der Bodenbeleuchtung hüllt ihn geheimnisvoll ein.

„Ich mag deine schwarzen Haare.“ Er lächelt mich offen an und krault mich immer weiter. Dicht liegt er an mir, gerade so, dass wir uns noch anschauen können, sein Bein allerdings liegt quer über meinen.

„Es ist dunkelbraun“, brumme ich müßig.

„Es ist schwarz! Genauso, wie es sich für einen Panther gehört! Meines ist dunkelbraun!“

„Deines ist kastanienfarben“, kontere ich erneut, hebe meine Hand an seine Wange und streichle über die leicht raue, stoppelige Haut.

Irgendwie, so kommt’s mir gerade vor, versucht er Zeit zu schinden. Zeit, die wir heute nicht mehr haben. Meinen Job hab ich Job sein lassen – es gab keine Termine mehr – und ein bisschen mein eigener Herr bin ich ja dann doch noch, dort in der Kanzlei. Und mal ehrlich? Wer braucht schon Uli? Dafür ist der Rest der Woche angefüllt mit Zeitfressern, das weiß ich wohl. Ich hab auch noch keine Idee, wie wir Chris’ Dann-und-Wann-Regel da irgendwie reinquetschen sollen.

Er schiebt sich auf meinen Rücken, küsst sich meine Schulter entlang und beißt mir sanft in den Nacken. Mit den Armen stützt er sich seitlich von mir ein bisschen ab. Warm ist er. Und … ich liebe seinen Körper auf mir, wie ich es nie zuvor bei einem anderen Mann, geschweige denn bei einer Frau, empfunden hab. Leise keuche ich auf und schüttle mich, weil wohlige Schauer über meine Haut laufen. Eigentlich ist alles gerade echt schön. So richtig schön! So schön, dass ich ihn am liebsten da auf mir festbinden und seine Nähe und die Stille noch viele Stunden auf mich wirken lassen möchte.

Doch der Gedanke daran, wo er in weniger als einer Stunde sein muss, zerreißt das Bild, das ich mir in Momenten wie diesen wohl ab heute immer wieder von Neuem aufbauen muss.

„Hast du vor, ab Januar nur noch Chef zu sein?“

Chris hält inne, ich merke, wie er sich auf mir verspannt, sein Gesicht dann zwischen meine Schulterblätter drückt und ein unwilliges Brummen von sich gibt. „Warum fragst du?“, murmelt er so leise, dass ich es kaum hören kann.

„Weil du es nicht mehr müsstest, wenn du ab Jahresbeginn den Laden leitest.“

„Zurzeit ist es, wie es ist, Panther.“

Leicht aufwallender Zorn schwingt in seiner Stimme mit und dann beißt er zu. Bisschen fest aber auch unglaublich… woah. Es erschreckt und erregt mich gleichermaßen und seine Zunge spielt an der Bissspur in meinem Nacken herum.

„Eine ziemlich unbefriedigende Antwort“, brumme ich unter ihm weiter und greife nach seinen Händen. Will ihn ganz auf mir liegen haben. Mit seinem vollen Gewicht. Ich ziehe seine Hände weit über meinen Kopf und lasse auch gleich mal ein bisschen Luft ab, denn schwer ist er ja dann doch irgendwie. Aber nah bei mir. Das reicht! Wenigstens jetzt. Das nehme ich mit in meine vier Wände.

„Cameron, ich bin wirklich gerne mit dir zusammen. Ich kann mir vorstellen, dass du mit meinem Job Probleme hast, aber es ist und bleibt nun mal mein Job. Mein Lebensunterhalt. Ich werde keine Gruppenshows mehr machen, aber weiterhin Einzelbuchungen annehmen, solange, bis Noah soweit ist. Er ist derzeit bei mir im Training und wird ab Januar die Shows übernehmen. Ich weiß aber wohl, dass dir das jetzt wenig weiterhilft und für dich ziemlich unbefriedigend sein muss.“

„Noah? Ist das der Kleine von …“

Chris knurrt. Ich muss gar nicht fragen warum. Offensichtlich ist er immer noch wütend auf meine erste Erfahrung im Black Stage, die ich mit Noah machen durfte.

„Noah hat sich verändert, Cameron. Du würdest ihn kaum wiedererkennen. Er ist kräftiger geworden, hat seine jungenhaften Züge abgelegt. Er freut sich auf seine neue Herausforderung.“

„Hmhm. Freuen, ja? Ich würde mich noch viel mehr freuen, wenn er gleich voll durchstarten könnte. Auch mit den Einzelbuchungen. Es tut weh, Chris. Jetzt schon! Obwohl unser Deal heute erst angefangen hat. Zu wissen, dass du dich verkaufst …“

„Es war deine Entscheidung. Ist es immer noch. Du kannst jederzeit davon Abstand nehmen.“

Boah … ich werde gleich richtig sauer. Ehrlich wahr!

„Abstand nehmen, ja? Fuck you, Chris! Du hast gesagt, ich soll dich drauf hinweisen, wenn du anfängst auf meinen Gefühlen herumzutrampeln. Du tust es gerade.“

„Ich muss bald los.“

Seine Stimme klingt rau. Ein bisschen ärgerlich. Ich glaub, es schwingt auch Bedauern mit, aber das rede ich mir ja sowieso immer ganz gerne mal ein. Als er seitlich wieder von mir runterrutscht, halte ich ihn fest und streiche über seine Wange. Robbe noch ein paar Zentimeter in seine Richtung, um meine Lippen auf seinen abzulegen. Erhasche den leichten Gegendruck und fülle mich mit seinem Geruch und seinem Geschmack weiter an. „Tut mir leid, ja? Mir ist bewusst, dass du gleich weg musst. Aber es wird mich zerreißen. Da kannst du vermutlich aufpassen, so viel wie du willst. Diese ganze Vereinbarung wird mir schwer im Magen liegen.“

„Cameron? Locker, lautete ein Teil der Vereinbarung. Müssen wir das Thema von heute Mittag jetzt erneut aufkochen?“

Ja, verdammt! Und zwar jeden verfluchten Tag, den wir uns sehen werden. Solange, bis es dir zu den Ohren raushängt. Solange, bis du merkst, dass ich Ballast bin, den du besser nicht in dein Leben gelassen hättest.

„Bist mich gleich los, Chris. Dann kannst du dich ganz stressfrei für deinen Arbeitstag fertig machen.“ Fiese Worte, die so gar nicht gemeint waren, aber der Ausdruck des Bedauerns, den ich in seiner Stimme gehört hab, mischt sich nun auch in die Augen.

„Wann sehen wir uns?“, erkundigt er sich leise, berührt mich aber nicht mehr dabei. Übergeht meinen Versuch, ihn beleidigen zu wollen und versucht mich mit den Augen festzuhalten, was ich gerade noch so – als i-Tüpfelchen – verhindern kann, mich auf den Rücken drehe und die Decke anstarre.

„Dann und wann!“, knurre ich weiter und beiße mir noch schön fies auf die Zunge dabei. Ich sollte wohl besser mal ganz schnell den Mund halten. Denn sonst wird aus dem Dann-und-Wann noch in dieser Minute ein Niemals-Wieder! Aus ist’s mit der herrlichen Kuschelzeit. Chris richtet sich auf, will was sagen und lässt’s doch bleiben.

Ist mir rausgerutscht. Hörst du? Tut mir leid!

Ich will doch nur …

„Du kannst dir so viel Zeit lassen, wie du möchtest, Cameron. Zieh’ einfach die Tür hinter dir zu, wenn du heimgehst.“

Nach diesen Worten steht er auf und verschwindet im Bad. Die Spannung im Raum lässt er aber dummerweise bei mir zurück. Das dumpfe Pochen meines Muskels erinnert mich daran, dass ich hier nichts zu suchen hab, solange er nicht zu Hause ist. Wir sind kein Paar. Reine Fickbeziehung! Dann-und-Wann-Fickbeziehung, die, wenn ich jetzt bockig werde, ganz schnell beendet sein wird! Ich presse meine Lippen zusammen und zwinge mich zum regelmäßigen Luftholen.

Fuck, Cam. Jetzt hast du Gegenwind bekommen. Das zieht mächtig. Und zwar bis in die Eingeweide.

Ich war weg, noch bevor Chris aus der Dusche rausgekommen war. Ich fühle mich überfahren. Der ganze Tag war eine Achterbahnfahrt. Das schwarze Loch in mir reißt mit jeder Minute weiter auf, die ich alleine in meinem Haus sitze und meine Gedanken nicht mehr richtig fokussieren kann. Ich glaub, so zerrissen hab ich mich lange nicht gefühlt. Dachte wirklich, tiefer geht’s nicht mehr. Mir geht’s gar nicht mal schlecht, aber weit entfernt von happy ist’s allemal.

Zu wissen, dass ich ihn jederzeit wieder sehen kann, scheint dieses Loch in mir nicht mehr ganz so schmerzhaft aufzureißen. Immer wieder sehe ich Bilder von ihm im Kopf. Wie er da steht, auf dem Podest, geschmeidig, atemberaubend, dunkel und begehrlich. Und ich muss ihn teilen. Mit Dipl.-Ing. Anonymus und Dr. Großkotz. Mit Bankier Mr. Reine Weste und Notar Ehebrecher. Klar, ich hab’s mir ja selbst ausgesucht. Gehe gerne den Weg, der mich am meisten am Boden kriechen lässt. Wie lange ich den aushalte, ist allerdings fraglich.

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