Verrassende verhalen, gedichten en andere teksten vanuit een gay perspectief


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Verrassende verhalen, gedichten en andere teksten vanuit een gay perspectief

Duits | Eigentlich ...

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Bericht Duits | Eigentlich ... door Redactie » woensdag 19 augustus 2015 14:05

Met bijzondere toestemming van de auteur mag het volgende verhaal hier verschijnen.
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Elisa Schwarz - Eigen!lich


Eigentlich … will Cameron in ein paar Tagen heiraten. Eigentlich … will er mit seinen Kumpels nicht mehr in diesen Club. Eigentlich … hat er sich auch noch nie für Männer interessiert. Doch die Begegnung mit dem Edelcallboy Chris erschüttert seine Welt in ihren Grundfesten. Cameron ist gezwungen so einiges zu überdenken. Ein Glück, dass er treue Freunde hat, die ihm zur Seite stehen. Denn eigentlich … weiß er ganz genau, was er will! Aber kann er auch bekommen, was er sich wünscht?

Redactie
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Bericht Re: Duits | Eigentlich ... door Redactie » woensdag 19 augustus 2015 14:15

1.


„Ach komm schon, Cam. Trau dich! Du bist so eine Memme geworden, seit du auf rosaroten Wolken schwebst. Wo ist denn mein guter Kumpel hin? Derjenige, der so versaut war und mit dem man Spaß bis zum Umfallen haben konnte? Der, der sich durch alle Muschis gefickt hat, die bei drei nicht auf den Bäumen waren, hm?“

„Du biss ein Asloch, Tjardddd. Ehhlisch … misch krieegste da nisch rein!“

„Hahaha! Hast du Muffensausen, dass Kati was davon erfährt? Also, von uns nicht. Versprochen! Mensch, Cam, du solltest zugreifen. Einmal noch deinen Schwanz von einer heißen Braut lutschen lassen, bevor du deine am Freitag zum Altar führst.“

Mein Kopf platzt. Ich fühle mich deplatziert wie lange nicht mehr. Dabei ist das doch mein Abend. Mein[/i] Junggesellenabschied schlechthin … sollte das werden! Oder ist’s schon geworden. Fuck, mir ist schlecht. Aber so richtig. Wie soll ich klar denken, wenn ich schon kaum mehr geradeaus laufen kann? Hoppla …

„Ey, Cam. Pass doch auf!“ Das ist Tjard. Mit dieser dämlichen Flasche in seiner Hand. Mir doch egal, wenn der Rest des Wodkas im Gully landet. Wäre ja nicht die erste Pulle, die wir dann geleert hätten. Oder ich vielmehr. Denn Tjard wirkt gerade noch ziemlich nüchtern. Die Sauberfreunde haben mich abgefüllt. Selbst wenn ich den Spaß, der wirklich keiner ist, mitmachen wollte, ich wüsste nicht mal, wie ich meinem Schwanz klarmachen soll, dass er an diesem Abend noch mal stehen muss. Hoppla … wieder so ein dämlicher Absatz im Kopfsteinpflaster.

„Cameron!“ Das ist Micky. Uff! Glück gehabt. Gut, dass der Bodybuilding macht und mich gerade noch auffängt, bevor ich mit der Nase auf diesen kalten Steinen lande. Meine Füße gehorchen mir einfach nicht mehr. Verflixte Dinger. Wozu trainiert man eigentlich seine Muskulatur, wenn diese verdammten Treter am Ende der Beine schon bei der kleinsten Erschütterung unter einem wegknicken? Hääähh? Shit, ist das laut in meinen Ohren. Es rauscht und dröhnt und ich wette, dass ich gleich vor dem nächsten Gully in die Knie gehe und reinkotze. Wo ist Steffen? Und Dirk? Waren wir nicht zu zehnt unterwegs? Und … Moment! Sind dann auch erst fünf. Wer war noch dabei?

„Wo sinnen die alle?“ Meine Zunge ist schwer. Genauso wie mein schleppender Gang, weshalb ich mich nunmehr mit vollem Gewicht auf Micky stütze und der Arsch strauchelt dabei auch noch. Hahaha … seine Füße sind genauso Versager wie meine. Kati reißt mir den Kopf ab, wenn ich heimkomme. Wenn! Eigentlich will ich nicht heim. Heute nicht mehr. Penne bei Tjard auf der Couch oder bei Micky im Bett. Der ist schwul und geoutet. Der hat sicher nichts dagegen, wenn ich mich neben ihn lege.

Uhm … dieser widerliche Geruch. Wo kommt der denn her? „Hasse gefurzt, Tjarrrrd?“

„Meine Fresse, bist du voll. Geh kotzen und dann ziehen wir weiter. Die anderen sind schon zum Black Stage vorgegangen. Da gehen wir jetzt auch hin. Du wirst erwartet und da bekommst du den Blowjob deines Lebens verpasst“, flötet Tjard, dass es in den Ohren wehtut, und grinst blöd dabei. „Es wartet jemand auf dich. Deine Sahne schmeckt vermutlich nach Wodka pur. Lecker.“

„Blowjobbb? Spinnste? Will heiraten! Hasse das verjessen?“

„Hahaha, Cam. Geh endlich kotzen. Du bist ja total abgefuckt. In dem Zustand können wir dich da nicht mal mit rein nehmen“, pöbelt Tjard weiter und er hat ja Recht.

Uhm … wieder dieser Kanalgeruch. Es würgt mich. Mein Magen stülpt sich nach außen und ich geh in die Knie. Mitten in der Fußgängerpassage. Sollen die doch gucken, die anderen Leute. Und da würgt’s mich noch mal. Magensäure steigt auf, schwimmt in meinem Mund und dann kommt alles wieder raus, was die letzten drei Stunden von mir runtergeschluckt worden ist. Der Geruch, der Anblick und auch die Anstrengung – denn ja, kotzen ist anstrengend – das alles dreht meinen Magen noch mehr um.

„Bahh, Cam. Hättest du nicht um die nächste Ecke verschwinden können? Und was glotzt du so dumm? Noch nie jemanden kotzen sehen?“, macht Tjard dann einen anderen Passanten an, den ich nur aus dem Augenwinkel wahrnehme, und ich lache mich schlapp.

Das ist so typisch für ihn. Ein echtes Arschloch und mein bester Freund. Immer noch krümme ich mich auf dem Kopfsteinpflaster. Zwischen Schüttelattacken, Kotzeinlagen und Lachanfällen hin- und hergeworfen. Micky zieht mich hoch, stützt mich und rümpft die Nase.

„Du hast auch schon mal besser gerochen!“

„Hier, spül runter!“ Tjard hält die Flasche vor mein verschwommenes Blickfeld. Bäh ... Aber der Geschmack im Mund ist widerlicher. Ich setze an, schließe die Augen und ziehe mir sechs große Schlucke rein … und alles beginnt sich erneut zu drehen. Mein Magen vorneweg. Aber das Kotzen hat geholfen. Irgendwie wenigstens.

Ich stolpere weiter, gehalten von Micky. „Isch kann da nich hin. Katieeeee bringt misch um. Lieb sie doch. Will nich fremdgeh’n.“

„Gehst du doch auch nicht. Kriegst doch nur einen geblasen.“

„Tjardddd!“ Ich lache erneut auf und stoße ihn rüpelhaft an der Schulter. „Duuu krieeegst bald nen Ohhrden von mir, wenn duuu auf der Bescht-Friend-Arslochschkala weiter so hoch steigen tuscht.“

Der grinst mich herausfordernd an und boxt mich zurück. Ist schon dumm, dass meine besten Freunde wissen, dass ich vor einem Jahr der Erste war, der hier gerufen hat, wenn’s darum ging, ins Black Stage zu gehen. Die Mädels da können was. Haben’s echt drauf. Besonders Chrissi hatte es mir angetan. Bis Kati in mein Leben kam. Da war Chrissi abgeschrieben. Vermisse es ein bisschen, wie sie meinen Schwanz gelutscht und meine Eier massiert hat. Vermisse es wirklich.

Fuck! Ich bin besoffen. Schwelge in Erinnerungen. Aber bei Gott: Die war echt gut. Und da regt sich was in meiner Hose. Wie kann das sein? Blutleer, mein Körper. Nur noch Hochprozentiges drin in den Adern. Steht er davon vielleicht noch besser? In meinen Eiern kribbelt es bei dem Gedanken an die vergangene Zeit. Scheint also nur ein vorübergehendes Phänomen zu sein. Hat mein Kopf irgendwie falsch verstanden und falsche Signale nach unten gesendet. Der ist sowieso hinüber. War doch zu viel Alkohol. Denken kann ich vergessen. Kommt gerade nur Müll bei raus.

„Isch Chrisssieee auch da?“ Uhm … Hab ich das eben gefragt?

„Hahaha! Wer weiß?“ Tjard zwinkert mir verschwörerisch zu und verschwindet in einem kleinen 1-Euro-Laden. Ich lasse mich mal an einer Hauswand runterrutschen, was meine Füße großartig finden. Meine Beine irgendwie auch. Mein Kopf knickt nach vorne weg, mit dem Kinn auf die Brust, und ich hebe ihn erst wieder an, als mir etwas an den Mund gehalten wird. Pfefferminz. Uhh … hochprozentig. Wie der Wodka. Ich finde ja so ein Gesöff sowieso widerlich. Whiskey ist verdammt gut, wenn er was wert ist, aber Wodka? Tjard weiß das auch. Vermutlich gibt’s deshalb heute nichts anderes. Und Pfefferminz natürlich. Das Schnitzel ist ja wieder draußen. Wollen die, dass ich einem weiteren Gully Hallo sage?

„Steh schon auf, Alter.“ Micky zieht mich hoch. Ich schwanke verdächtig und halte mich an ihm fest. Aber es klappt. Wow, ich stehe und, hey, ich glaub, ich kann auch wieder alleine laufen. Die Aktion auf dem Kopfsteinpflaster hat also doch was gebracht. Ehrlich wahr! Das Pfefferminz wird auch immer besser.

Kati würde mich ja jetzt köpfen. Zum zweiten Mal dann. Heute kann ich tatsächlich nicht mehr heim. Dann sagt sie die Hochzeit am Freitag womöglich noch ab. Ich torkele zwischen Tjard und Micky weiter. Weiß, dass das Black Stage um die Ecke liegt. Trinke noch einen Schluck und irgendwie geht’s jetzt besser. Sollte Chrissi da sein, überlege ich mir das. Meine Gedanken erschrecken mich. Kati kann das auch. Wenn ich heimgehe, kann sie mir das geben. Aber heute ist mein Junggesellenabschied. Ich kann nicht mehr. Eigentlich … möchte ich jetzt wirklich gerne heim.

Die anderen stehen vor dem Club und lachen mich aus. Nein, das sind Freunde. Die amüsieren sich einfach nur über meinen Zustand. Genau wie Best-Friend Tjard. Alle reden durcheinander. Ich glaub, ich muss mich gleich noch mal übergeben. Ist wie Achterbahn fahren. Geht so schnell, dass ich den Dialogen nicht mehr folgen kann. Höre Chrissis Namen da raus. Und Valettas. Joar … die war ja auch nicht schlecht. Die hab ich auch schon gehabt.

Das Black Stage ist so was wie ein großer, heimeliger Sexclub mit der besonderen Note. Frei nach dem Motto: Alles kann, nichts muss. Für jeden, der es möchte, bieten sie sexuelle Dienstleistungen an, die nicht mal was extra kosten. Dafür aber hat es der Eintritt in sich. Heftig teuer. Ein Hunderter pro Nase und es sind viele Nasen, die dort jeden Abend reinspazieren. Die Angestellten wiederum sind freiwillig da. Mit Arbeitsvertrag und Sozialversicherungsnummer. Wenn man dann doch noch was drauflegen möchte und zum erlauchten Kreis der VIP-Mitglieder gehört, bekommt man auch Sondervorstellungen geboten. Alter Schwede, die kann man sich dann aber wirklich kaum noch leisten. Will gar nicht wissen, was das für Jungs und Mädels sind, die sich dafür anbieten und die jeden Cent auch noch wert sein sollen, wie man immer so schön hört.

Himmel! Was spinne ich mir da eigentlich zusammen? Mein vertrackt denkendes Hirn ist irgendwie im Eimer. Noch mal von vorne. Jeder hat seinen Spaß auf der Seite, auf der er ihn haben will. Egal ob Homo oder Hete. Ist für jeden was dabei. Man kann auch nur tanzen gehen und einfach so den Abend genießen. Dort gibt es einen riesigen Clubraum mit Podest in der Mitte und eine Show zu jeder vollen Stunde des Abends. Table Dance. Lecker, die Kätzchen, die sich da schnurrend an den Stangen rumräkeln. Manchmal sind es aber auch Kerle, schwule Kerle, Homos eben, die da oben stehen.

Aber die Mischung macht’s. Ist man schwul, so wie Micky, findet man genauso viel Spaß wie als Hete. Sind also nicht nur Frauen, die keine Nutten sind, gibt auch Männer, die keine Nutten sind. Oder irgendwie doch? Ich weiß nicht. Hab mir darüber noch nie Gedanken gemacht. Sie alle sind beinahe täglich dort anzutreffen. Das wiederum weiß ich, denn ich hab’s getestet. Immer mal ein anderer Wochentag. Chrissi war immer da und die anderen auch. Ist halt ihr Job. Ein Job, der ihnen Spaß macht und mit dem sie einen Arsch voll Geld verdienen. Wer träumt nicht davon?

Ich lache los und meine Kumpels beäugen mich misstrauisch. Arsch voll Geld und Sack füllen. Gott, ich bin krass hinüber! Sind doch eh nur die Kerle in dem Laden, die einen Sack haben. Da sind mir die Angestellten ohne Gehänge, dafür aber mit weichen, vollen Brüsten, ehrlich lieber. Und nur mit Gummi. Wenigstens beim Geschlechtsverkehr. Da achten die hier drauf. Anfeindungen auch unerwünscht. Heten, die mit Homos nicht können, werden rausgeworfen. Ohne Umschweife und nicht sehr sanft. Ist auch gut so! Kenne es ja von Micky, wie blöd das ist. Die Sache mit der Toleranz und so.

Ich hab nichts gegen Homos. Sollen nur nicht meinen Arsch anfassen. Oder meinen Schwanz. Da könnte ich allergisch drauf reagieren. Und Micky langt mir da schon nicht hin. Ich bin sowieso nicht sein Typ. Das hat er mir mal gesagt. Fand ich gut! Kann also getrost bei ihm pennen. Ihn anschauen und mir vorstellen, wie der doch recht passable Homoschwanz mit einem anderen Homoschwanz ins Gefecht geht. Ein blödes Grinsen zieht über mein Gesicht. Der Gedanke ist echt lustig. Ich mag Homos. Aber nicht an mir!

Höre mich gerade an wie ein Spießer, obwohl ich ja eigentlich gar keiner bin. Ich mag mein Leben, bin meist gut drauf und erfolgreich im Job. Kati findet das übrigens auch. Die süße Kati-Katze. Sie liebt mich, so wie ich bin. Auch, wenn ich gerne feiern gehe und sie das eher nicht so mag. Früher hab ich das allerdings noch lieber getan als heute, denn jetzt hab ich ja Kati. Bin verlobt und in sieben Tagen verheiratet. Sie hat auch nichts gegen Schwule! Das war mir alleine schon wegen Micky wichtig. Wegen dieser Best-Friend-Sache eben. Kennengelernt haben wir uns, weil ein Freund eines guten Freundes, auch ein Homo, mit Micky was am Laufen hatte.

Okay, genug! Mein Winden hat mir nicht geholfen, weder in Gedanken noch mit dem wenigen Elan, den ich gerade noch aufbringen kann. Schon ist mein Eintritt bezahlt und der Schwung und die Leichtigkeit des Clubs fangen mich ein. Bin ja selbst schuld. Hab zu meinen Kumpels gesagt, sie können es vergessen, dass ich auf der Straße Zeugs verkaufe oder Mädelsküsse und -höschen sammele. Never! Jetzt haben sie sich eben was anderes ausgedacht. Man könnte meinen, sie mögen Kati nicht besonders. Bei so einer Aktion, die sie mir gleich aufdrängen wollen! Die Luft ist dünn und ich merke gleich, dass mein Kopf das höchst ungern mitmacht. Der fängt schon wieder an, sich zu drehen.

„Einmal Chrissi-Special für unseren Junggesellen!“, brüllt einer meiner Kumpels und ich werde weiter gestoßen. Hin, Richtung Waschraum. Ich weiß schon, was mich jetzt erwartet. Was jeden hier erwartet, der eine Dienstleistung in Anspruch nehmen will. Ich werde gewaschen. Und das alleine ist schon krass geil. Und da bekomme ich bei dem Gedanken daran mal eben so eine Halberektion. Mann, die Kleine kann das echt gut. Zarte Finger, die da am Werk sind. Ein Honigmund und kreisrunde Augen, die zu mir hochschauen, während ich mich an der Wand festhalten muss. Aufpasse, dass ich nicht gleich hier und jetzt umkippe und nicht mehr aufstehen kann. Sie verpackt mich wieder und gibt mir einen Stempel auf die Hand. Ich bin fertig und werde gleich weitergezogen, hin zu den Glory Holes. Uhm … ich liebe diese Dinger. Nein! Stopp! Ich hab sie geliebt. Diese grundgeile Anonymität.

Hinten in der Ecke blinkt’s auf. Micky sagt, es ist ein bisschen anders, als in einem reinen Schwulenclub. Na, er muss es ja wissen. Ab hier muss ich nicht mehr gestoßen werden, denn in grünen Lettern leuchtet der Name über dem Hole auf.

C H R I S S I S T U R N

Holy fucking shit! Das ist echt krank. Und du da unten auch! Verärgert greife ich mir in den Schritt und hab nicht mal ein schlechtes Gewissen. Sollte ich aber haben, oder? Doch die Stimmung hier drin reißt mich mit. Zieht mich in ihren Bann. Wie immer. Weiß schon, warum ich nie wieder hergekommen bin, seit ich Kati hab. Ist das Betrug? Ja, verdammt. Scheiß drauf, ehrlich wahr! Sie wird es nie erfahren. Hoffentlich!

Mit wenigen Handgriffen ziehe ich meine Jeans runter, die mich eine ordentliche Stange Geld gekostet hat. Ich kann’s mir ja leisten, so als Junganwalt. Die Boxer folgt, ich stütze mich an der Wand ab und schiebe meinen Halbständer durch das Loch. Irre! Was zum Teufel mache ich da? Neben mir blinkt’s auch auf und kaum, dass ich mich versehe, stolpert Micky dahin. Grinst mich schräg an, zwinkert mir zu und tut es mir gleich. Legt sein bestes Stück frei, fährt aufreizend mit seinen Fingern den Schaft entlang und liebkost mit seinem Daumen die dunkelrote, breite Eichel. Ich kann nicht weggucken. Starre ihn ungeniert an und das nicht zum ersten Mal. Natürlich nicht ins Gesicht, sondern auf seinen Schwanz. Lesen kann ich zwar nicht mehr in meinem Zustand, aber die Lettern über seinem Hole brennen sich trotzdem in mein Hirn.

T I M S T U R N

Möchte gerade was zu meinem Kumpel sagen, doch da spüre ich eine Berührung an meinen Eiern und ein aufreizendes Lecken über meine Prachtspitze. Vermutlich spuckt mein Drache schon Feuer. Meine Eier ziehen sich zusammen und ich lehne die Stirn gegen das Holz. Jetzt ist es egal. Eigentlich will ich nur noch abspritzen und vorher noch ein bisschen genießen. Falls ich denn jemals komme. Bestehe mittlerweile aus Pudding mit Alkoholgemisch.

„Oar! Gooott!“ Chrissi flutet mich. Nicht meine Gedanken, nein, sondern mein zweites Denkzentrum. Es ist alles nach unten gerutscht. Cameron, der Unbesiegbare, existiert in seinem Schritt. Cameron, der jede Frau im Umkreis von zwanzig Kilometern flachgelegt hat, bevor er zum Lamm mutierte.

„Hahhh …!“ Ist das geil. Meine Stirn schlägt auf das Holz und meine Fingernägel krampfen sich in die Maserung. Warum, zum Teufel, ich meinen Unterleib rhythmisch gegen die Bretter klatsche, will ich nicht weiter erörtern. Kommt eh nichts bei rum. Aber dieser Mund! Dieser geniale, süße Mund, den man einfach nur ficken will. Ich will mehr! Viel mehr. Ihre Zunge kreist um meine Spitze, reizt sie, neckt sie und mein Ständer pulsiert in einem fort. Sie leckt mich ab, von unten nach oben. Lässt mich eintauchen in ihren feuchten Mundraum.

„Shit …“, murmle ich und knalle abermals gegen das Holz. Röchele und leide. Muss ertragen, wie sich mein gesamter Unterleib zusammenzieht, in dem Bestreben, alles rauszulassen, was in mir schlummert. Das ist eine verdammte Explosion, die in der Warteschleife steht. Automatisch gehe ich mit, hebe mich auf die Zehenspitzen, als ihr Mund einen verteufelten Unterdruck aufbaut und sich daran weidet, dass meine Geilheit am Feuerspucken ist. Ihre Finger wölben sich um meine Hoden. Und da ist es. Genau das … endlich! Chrissi, du Göttin aller Blowjobs! Ich hab’s so vermisst. Die kleine Kugel, die sie in der Zunge hat. So ein abgefucktes Piercing, das sich in meine Erektion eingräbt. Diese verdammte, geile Kugel, die meinen Schwanz so gekonnt massiert, dass ich gar nicht mehr anders kann, als immer weiter in dieses dunkle Loch vor mir zu stoßen und zu winseln wie ein Hund. Mittlerweile leckt sie Stahl. Ich schwör’s! Ist keine Erektion mehr aus Fleisch und Blut und ich könnte heulen wie ein Baby. Es ist so verdammt gut.

„Oar …!“ Meine Faust donnert frustriert gegen die Wand und Micky lacht los. Der lacht mich aus. Findet’s total witzig, mich zu beobachten und lehnt mit der Schläfe an seiner Grotte. Genießt und amüsiert sich. So ein Arsch! Geilt sich daran auf, mir zuzugucken, während ein anderer seine Dienste bei ihm verrichtet. Bei Gott, ich will abfeuern! Wenn es doch nur schon soweit wäre. Hab ich erwähnt, dass ich irgendwie doch ein versnobter Arsch bin? Ein fremdgehender, spießiger Arsch, der gerade alle Gedanken abgeschaltet hat? Das war nicht schwer. Der Wodka ist schuld. Aber das hier ist so gut. So grandios dreckig, dass es meine Eier im Sekundentakt zusammenzieht und kein Blatt mehr zwischen mich und die Wand passt. Alles verseucht, kommt mir kurz in den Sinn. Wer weiß, was da alles in der Maserung klebt?

Micky grunzt auf und ich wage einen weiteren Blick zur Seite. Der schwimmt und ich blinzele. Der schwimmt immer noch. Ist schon schwer, die Augen überhaupt offen zu halten. Aber Micky steht doch keinen Meter weit weg. Letzter Versuch, blinzeln, durchatmen, verbrauchten Sauerstoff in die Lunge saugen und Augen erneut öffnen. Es funktioniert. Ein bisschen wenigstens. Irgendwie schwimme ich ja auch. Da ist es ja egal, ob Micky wackelt, oder? Er zwinkert mir zu und klatscht mir grinsend auf den nackten Hintern. Will mich gerade beschweren, schnappe schon nach Luft, aber diese verdammte Kugel stößt sich in meine Harnröhre und diese Lippen liebkosen einfach weiter und dieser gierige Schlund saugt sich fest.

Ich sag’s noch mal: Stahl. Ob die Zunge da je wieder abgeht? Ich lache abgehackt auf und stöhne weiter. Versuche, Micky einen bösen Blick zuzuwerfen, doch der amüsiert sich prächtig.

„Lass uns zusammen abspritzen, Hetenfreund! Oder kriegst du das heute nicht mehr hin?“

Ey, du bist so ein Arsch! Dennoch nicke ich, kann es mir nicht verkneifen und kralle meine Finger in seine freigelegte Pobacke. Wie du mir, so ich dir. Ein letzter Sog an meinem Schwanz. Ich kann nicht mehr. Will’s rausschreien. Doch es kommt nur ein hysterisches Keuchen. Da frage ich mich kurz, ob es wirklich nur der Wodka ist oder ob mir jemand Drogen verabreicht hat. Aber vier Stunden Wodka … Wenigstens stehe ich noch.

Micky legt seine Hand auf meine, verschränkt unsere Finger miteinander und bevor ich protestieren kann, presst er sich gegen die Wand und findet Erlösung. Uhh, ist der laut. Und reißt mich mit. Hält mich gerade noch fest, bevor das Hochprozentige in mir mich in die Knie zwingt und dieser göttliche Mund mit dieser geilen Perle das Beste von mir verpasst.

„Cam. Du bist voll hinüber. Hätte nie gedacht, dass du das noch hinter dich bringst.“

Und ich hätte nie gedacht, dass du gleich nach dem Showdown deine Stimme wiederfindet. Meine ist weg. Ich halte mich an Micky fest, sonst bin ich auch weg. Der Boden ist ja nicht gerade sauber. Also, sauber schon, ist ja ein guter Club, aber doch irgendwie nicht blank gewienert. Bei so was bin ich ja doch sehr pingelig. Ich will stehen bleiben. Finde ich besser. Alles dreht sich, die Luft ist dünn und meine Beine und Füße weigern sich dennoch, meine Last weiter zu tragen. Micky zieht mich an seine Brust, hält mich und ich hab das Gefühl, dass der schon wieder lacht. Vielleicht ist es aber auch nur die Schwingung seines Brustkorbs, weil er doch so ein klein bisschen außer Atem ist, von seinem Megaspritz? Nur nicht zugeben, mein Freund. Nur nicht zugeben. Lächeln und cool bleiben. Sein Halbständer macht mir allerdings Sorgen, denn der drückt sich geradewegs zwischen meine Pobacken. Halt! Stopp!

„Ey, Micky … isn bissjen eng!“ Klammheimlich verabschiedet sich mein Hintern von seiner beachtlichen Männlichkeit. „Mirs so verdammt schlecht!“ Ich sehe wieder so verschwommen und Mickys kräftige Hände grabbeln an mir rum.

„Bleib stehen, Alter!“, raunzt er mich an und zieht meine Boxer über die Hüfte nach oben und die Jeans hinterher. „So kannst du nicht in den Clubraum zurück.“

„Chrissi …“

„Hat gleich den nächsten Kunden. Mensch, Cam. Das war deine letzte Party in diesem Loch. Denk an Kati. Und jetzt geht’s ab nach Hause ins Bettchen. Du kannst bei mir pennen. Kriegst auch zwei Liter Wasser und eine Dröhnung Aspirin.“

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Bericht Re: Duits | Eigentlich ... door Redactie » woensdag 19 augustus 2015 14:21

2.


„Kati?“ Ich schrecke hoch und blinzele verwirrt. Himmel noch eins, mein Kopf platzt gleich! Die Sonne scheint viel zu hell ins Zimmer und, Gott verdammt, die Helligkeit beschwört sofort Kopfschmerzen herauf. In meinem Mund hat sich über Nacht eine Fäulnis angesiedelt, die ich nicht näher definieren will. Um mich tastend, fühle ich etwas Warmes. Weich ist es nicht. Kati kann es also schon mal nicht sein. Bei dem Versuch, mich zu erinnern, hämmert es so übermächtig hinter meinen Schläfen, dass ich mich lieber noch mal auf die Seite rolle. Näher hin zur kuscheligen Wärme. Aber weich ist es immer noch nicht. Eher fest. Sehr fest. Hat was von Stahl! Schlagartig bin ich wach. Sitze aufrecht und Erinnerungsfetzen quälen mein lädiertes Bewusstsein. Stahl! Chrissi! Micky! Kati? Ich drehe meinen Kopf langsam zur Seite und kneife die Augen zusammen. Dachte ich’s mir irgendwie. Micky liegt neben mir, schmatzt im Schlaf und sabbert dabei. Ein Bild für die Götter. Der stramme Muskelmann sabbert wie ein Baby. Ein großes, niedliches Baby.

„Micky“, brumme ich und stoße ihn an. „Micky, wach auf! Nun mach schon, du Pfeife! Verdammt noch eins: Was habt ihr nur mit mir gemacht? Ihr habt mich abgefüllt.“

Und es war geil. Ich sag’s ja nicht laut. Aber es war halt Chrissi und ihre Wunderzunge. Chrissi, mit der ich Kati betrogen hab. An meinem Junggesellenabschied! Wäre ich mal lieber zu Hause geblieben. Frust packt mich und irgendwie mobilisiert mich das. Ich stoße erneut gegen Micky, unsanfter diesmal. Der saubere Freund soll sich mal bewegen. Ist mir eine verdammt gute Erklärung schuldig. Doch Micky pennt weiter. Schnaubt mich an und dreht sich einfach um, mir den Rücken zu. Gut, dann gleich. Gleich ist auch noch zeitig genug. Bis dahin gehe ich lieber mal duschen, denn ich stinke fürchterlich. Nach allem, nur nicht nach mir selbst. Eigentlich rieche ich immer ganz gut. Sagt zumindest Kati. Auch meine beiden Kolleginnen schnuppern immer mal ganz dezent an mir. Generell rücken mir Frauen ganz gerne auf die Pelle. Ich glaub ja nicht, dass es nur an meinem Aftershave liegt. Sehe halt gut aus, bin smart, umgänglich, immer gut gekleidet … Was Kati übrigens auch findet.

„Verdammte Kacke!“ Die Wasserflasche ist geleert und landet dumpf auf dem Fliesenboden des Badezimmers, klackert noch einen halben Meter weiter, während ich in die Dusche steige. Ich starre ihr hinterher und atme erleichtert auf, dass sie aus Plastik ist. Der Liter Wasser, den ich mir auf ex genehmigt hab, scheint langsam den Kopf zu klären. Das Wasser vom Brausekopf wird hoffentlich ebenfalls bald sein Soll erfüllen. Zwei Aspirin schwimmen schon in mir, gleich gibt es noch eine Dröhnung. Dennoch, so ganz bei mir bin ich noch immer nicht. Aspirin ist ja auch irgendwie eine Droge, was mich daran erinnert, dass ich in der Nacht drauf war. High … Wenn meine Sauberfreunde mir was in den Wodka geschüttet haben, ist aber echt was los! Dann können die sich mal warm anziehen. Tjard vorneweg. Der geschniegelte Herr, der seit drei Jahren die Auslandsinteressen einer Softwarefirma vertritt. Haut der mich gestern glatt weg. Ich glaub ja immer noch, ich spinne! Muss mal in einer ruhigen Minute darüber nachdenken, ob ich dem noch was geschuldet hab. Eigentlich ist er doch mein bester Kumpel … war er wenigstens bis heute Nacht.

Seufzend schiele ich runter auf mein bestes Stück. Nichts ist mit Morgenlatte. Eigentlich ungewöhnlich. In meinen Eiern ist aber auch nichts mehr drin, was rauskommen könnte. Chrissi hat ganze Arbeit geleistet und bevor ich nicht oral hinterher stopfe, kann da nichts mehr produziert werden, was lebensfähig ist. Muss Chrissi mal bei Gelegenheit fragen, nach was es denn jetzt eigentlich geschmeckt hat. Halt! Stopp! Ich hole tief Luft.

„Cameron. Du bist nicht ganz bei dir. Du heiratest in sechs Tagen. Und vorher musst du neun Jungs zusammentrommeln und ihnen eintrichtern, dass niemals etwas von der gestrigen Nacht an irgendjemandes Ohren dringen darf. Erst recht nicht an Katis.“

Es laut auszusprechen verfehlt seine Wirkung natürlich nicht. Verbissen halte ich die Hand vor meine Männlichkeit, als ich mir Kati bildhaft vorstelle. „Die kastriert dich, mein Freund. Die zuckt nicht mal mit der Wimper dabei. Ein erfolgreicher Nachwuchsanwalt ohne Eier in der Hose. Nicht gut. Gar nicht gut! Dann kannst du dich selbst vertreten.“

Das Rauschen des Wassers lullt mich bald darauf ein und tut so gut, dass es einem Orgasmus gleichkommt. Der Himmel auf Erden. Und weil Micky mich gestern Nacht begrapscht und Tjard noch erlaubt hat, mich abzufüllen, muss er jetzt auch die Wasserrechnung bezahlen. Ich beschließe mich zu setzen und die nächste halbe Stunde hier zu verweilen. Mir die Nacht noch mal durch den Kopf gehen zu lassen. Allerdings wird mir schlecht, wenn ich nicht bald was esse. Das hilft immer. Bin ja nicht das erste Mal hinüber und nicht mal sicher, ob Tjard nicht auf einen Filmriss hofft. Ne, ne. Nichts ist. Filmriss gab es bei mir noch nie. Der kann gleich mal Gewehr bei Fuß stehen, sobald mein leerer Magen auch zu seinem Recht gekommen ist.

Ersatzzahnbürsten sind da, One-Night-Stands sei Dank. Micky hat da immer mal einen, den er mit heimnimmt. Will noch nicht sesshaft werden, sagt er immer. Ich grinse. Die rosarote Pinkie-Liebe noch nicht gefunden. Ich bin ein Hetenarsch. Weiß ich doch. Und Micky weiß, wie es gemeint ist. Zum Glück. Ich kenne ihn ja auch schon lange genug. Da muss der Flachs unter Freunden schon drin sein. Sein Duschgel ist übrigens gut. Keine Einwände meinerseits und so ein bisschen gut riechen, ist ja auch eine ganz feine Sache. Anschließend suche ich und werde fündig. Deo und sein Eau-de-Toilette. Unglaublich! Ist sogar dasselbe wie meins. Da staune ich nicht schlecht.

„Ey, Alter, ich muss öfter mal in deiner Bude stöbern.“ Hab irgendwie was anderes zu finden erwartet. Homo-Eau-de-Toilette … oder so! Nackt schleiche ich ins Schlafzimmer, lausche Mickys Schmatzgeräuschen und möchte in meine Jeans schlüpfen. Irgendwie hat die ganz schön was abgekriegt, was ich gerade wirklich bedauere. Die Hose war echt teuer gewesen und irgendwie … Die stinkt. Und mein Hemd erst! Mit zwei spitzen Fingern hebe ich es an, da kommt schon der Ekel hoch. Fuck! Ich bin nicht wirklich mit vollgekotzten Klamotten in den Club gegangen? Da steigen meine Rachegedanken rapide an. Tjard, du Arsch!

„Ey, Micky, verdammt. Jetzt wach endlich auf. Ich stecke wirklich bis zum Hals im Schlamassel. Und wenn du jetzt nicht die anderen zusammen pfeifst und wir hier Kriegsrat abhalten, dann …“

„Dann? Komm mal wieder runter, Cam. Ist doch alles nur Spaß gewesen.“

Spaß?! Micky streckt sich. Uhh … der hat aber auch Muskeln zum Umfallen. Irgendwas knackt in ihm. Doch er gähnt nur herzhaft, ignoriert die Zickerei seiner Knochen – wir werden ja alle nicht jünger, nur irgendwie peinlicher – und wühlt sich aus dem Bett. Stopp!

„DU BIST NACKT!“

„Ich war froh, dass ich es irgendwie geschafft habe, dich ins Bett zu befördern. Du warst sowieso scheintot. Da ist es doch gleich, ob ich was anhabe oder nicht. Außerdem bist du schwer, Alter. Ehrlich!“

„Ins Bett gekriegt? Mich? Micky … du bist … komplett nackt.“ Tjard hat Recht. Irgendwann, irgendwie, holt einen wohl doch ein Filmriss ein. Ich will es gar nicht so genau wissen. Ich will es … Verflucht noch mal! „Du hast doch nicht etwa?“ Ich starre auf seine Morgenlatte. Gooott. Die wird ja immer größer. Sogar die Eichel schwillt immer weiter an. War die gestern schon so? Passabel, dachte ich. Aber das da ist … Wow. Mir wird heiß. So richtig.

„Glaubst du wirklich, dein prächtiger, knackiger, süßer Hetenarsch interessiert mich?“, knurrt er mich an und ärgert mich. Streichelt seinen Schaft liebevoll nach oben und unten, gurrt dabei und zuckt mit den Hüften in meine Richtung. „Und selbst wenn, Cameron, in so einen jungfräulichen Hintern kriege ich Ben Hur auf die Schnelle gar nicht rein!“

„Was willst du damit sagen?“ Stopp! Oh Gott … ich will es gar nicht wissen. „Willst du damit sagen, dass mein Hintern nicht zum Ficken geeignet ist?“

Ich brauche noch ein Wasser. Dringend! Irgendwie spüre ich immer noch das Flimmern in meinen Adern, merke auf jeden Fall, dass da noch nicht zu hundert Prozent Blut durchfließt. Vor allem sollte ich aus Mickys Reichweite verschwinden. Schnellstens! Knallrot werde ich gerade. Das hab ich eben nicht wirklich gefragt, oder? Doch Micky grinst mich dreckiger an denn je, wölbt seine Zunge in seine Wange und kommt auf mich zu. Ich weiche zurück. Schritt für Schritt und sein Grinsen wird immer breiter. Mit der Hand an seinem Schwanz. Hey! No-Go! Lass bloß die Finger bei dir. Der nächste Schritt nach hinten entringt mir allerdings ein schmerzhaftes Aufstöhnen. Mein Fuß schnellt nach oben und ich humpele seitwärts, betrachte den Attentäter in Form meines Haustürschlüssels, auf den ich gerade getreten bin. „Verflucht noch eins!“

„Wenn der Schmerz nachlässt, wirst du sehen, ist es nur noch halb so schlimm, dass sich da was reingebohrt hat.“

Mit zusammengekniffenen Augen blicke ich Micky entgegen. „Ist das jetzt ein gottverdammter Homowitz oder was? Das hat verflucht noch mal wehgetan.“

„Uhh … der große, starke Cameron. Wenn ich es mir recht überlege“, seine Augen gleiten träge an meinem Körper hinab und bleiben an meiner Körpermitte hängen, „bist du schon ein Heißer, Cameron-Schatz.“

Immer noch hinke ich, wenngleich ich mir nicht die Blöße gebe, noch einmal über die schmerzende Stelle an meiner Fußsohle zu reiben. Ich verkneife mir auch, seine Blicke durch meine Hand abzuschirmen. Zu verstecken hab ich schließlich nichts. Auch der Versuchung, mich mit ihm zu drehen, als er mich umrunden will, gebe ich nicht nach und bleibe standhaft. Meine Sinne sind allerdings komplett auf ihn ausgerichtet. Micky ist zum Spaßen aufgelegt, rede ich mir ein. Was anderes kann es nicht sein. Ich will es ihm ja gönnen …

„Lass bloß deine Finger bei dir!“, höre ich mich da zischen, als er hinter mir ankommt und irgendwie, auch wenn ich es nicht sehen kann, glaub ich, dass er mir auf den Arsch starrt.

Und dann reicht es mir. Dicke. Oberkante Unterlippe. Schluss! Aus! Ich vertrage viel. Auch Spaß. Aber keinen Finger, der meine Poritze entlang gleitet. „Geht’s noch?“, fauche ich ihn an, drehe mich blitzschnell um und schlage seine Hand beiseite.

Auge in Auge steht er mir gegenüber. Micky mag ja der Stärkere sein, was alleine daran liegt, dass seine Muskeln dezent mehr aufgeblasen sind als meine, aber ob er mir auch überlegen ist, das werden wir ja sehen. Kati sagt, sie liebt meinen sportlich trainierten Körper. Ich übrigens auch. Doch gegen Micky wirke ich, wenn wir auch fast gleich groß sind, eher schmächtig. Aber dumm bin ich nicht! So schnell lasse ich mich nicht foppen. „Ich hab gesagt: Lass die Finger bei dir!“

„Keine Sorge. Ich wollte nur sichergehen.“

Er strahlt mich an, bleckt die Zähne und rückt näher. Körpernah. Da spüre ich es. Ständer an Ständer. Moment … Wo kommt der her? Der war doch eben noch nicht da. Bei ihm schon, aber bei mir nicht. Das ist nicht lustig! Was denkt der sich? Also mein Schwanz. Vor allem, was denkt sich Micky dabei? Ich konzentriere mich auf meine aufwallende Wut. Auf meinen Blick, der schon einige gegnerische Parteien vor Gericht in die Knie gezwungen hat. Den hab ich drauf! Wenn ich die Situation sonst schon nicht mehr im Griff hab, so wenigstens meine Mimik. Ich funkele mein Gegenüber an und nehme in Kauf, dass mein Schwanz seinen dabei noch mehr berührt. Mir doch egal. Ich bin ja kein Homo. Mich lässt das kalt. Absolut!

„Und? Gefällt’s?“, schnurre ich an seinem Mund und merke, wie seine pralle Härte an meiner zuckt. Und … uhm… bei mir spannt es irgendwie auch gewaltig.

Mickys Braue wandert in die Höhe und dann schnaubt er belustigt los. Schnaubt der wirklich? Ich fasse es nicht! Du bist mein Freund, du Pfeife! Aber er setzt noch einen obendrauf. „Klar gefällt der mir. Ist ein süßer, knackiger Hetenarsch. Unberührt, jungfräulich und deiner sexuellen Neugierde niemals zum Opfer gefallen. Da hatte wohl nicht mal Kati ihren Finger drin.“

„Was für eine Neugierde?“, schnappe ich nach Luft und schimpfe erbost weiter: „Du tickst ja nicht ganz sauber. Woher willst du das mit Kati überhaupt wissen?“ Einfach, weil … Ja, woher will er das alles wissen?

„Weil du die Backen wie eine Memme zusammenpetzt, mein Freund. Eigentlich schade drum. Wärst bestimmt gut zu vögeln, weil du ja auch was fürs Auge bist. Und dein Bester da unten scheint definitiv auch nicht abgeneigt.“

HA-HAHAHA!

Hab’s mir ja fast gedacht. Klar, sehe ich gut aus. Weiß ich doch. Du auch, Micky. Du auch. Aber an meinen Arsch darfst du deshalb trotzdem nicht. Never! Auch wenn du echt was zu bieten hast, ersetzt es mal keine süße Pussy, an der man rumschlecken kann. Mein Schwanz dagegen ist ein Verräter vom Allerfeinsten. Ich hab’s nicht mal sofort bemerkt, weil ich darauf konzentriert war, Micky nicht aus den Augen zu lassen. Ich kann das übrigens auch. Seine Mimik nachäffen. Ziehe meine Braue ebenfalls in die Höhe und zeige Zähne. Natürlich gehe ich nicht auf seinen letzten Satz ein. Das will er doch nur. Sehe ich ihm an der Nasenspitze an! Taktisch klug, Best-Friend Micky, aber nicht klug genug für einen Anwalt wie mich.

„Ich lasse es dich wissen, wenn ich in diesem Leben mal gefickt werden will. Was nicht passieren wird. Verstehen wir uns da? Außerdem hab ich jetzt Hunger. Dann müssen die Jungs kommen und dann …“, werde ich mitten in meinem Satz unterbrochen, als die Schlafzimmertür aufgerissen wird und ein rotblonder, schmächtiger Typ mit vorwitziger Nase und einem Strahlen im Gesicht, das der Sonne Konkurrenz machen könnte, hereingestürmt kommt. So schnell, dass ich nicht mal daran denke, meine Hand vor meinen Ständer zu halten.

Keine falsche Scham, nicht wahr? Hatten wir doch gerade schon mal. Ich bin also in Übung. Micky zuckt ja auch nicht zusammen. Der Besuch ist dann wohl auch schwul. Wenn der schon freien Zugang zu Mickys Wohnung hat, gehe ich jetzt einfach mal davon aus. Eine Brötchentüte wedelnd in den zierlichen Fingern, ist es ihm scheinbar nicht mal peinlich, uns erwischt zu haben. Bei nichts, wohlgemerkt!

„Micky! Wer zum Teufel …“, finde ich meine Stimme wieder und werde abermals unterbrochen.

„Moin, Till. Nett, dass du an unser Frühstück gedacht hast. Hast was gut bei mir. Der Süße hier vor mir hat gnadenlosen Hunger. Macht mich an und wenn er nicht gleich was bekommt, verspeist er wohl mich. Du weißt ja, Kohlenhydrate und so ein Zeug sollen Wunder wirken. Vorher ist mit Cam echt nicht gut zu spielen und er ist dann immer so …“, Micky lässt eine Kunstpause und zieht provozierend mit seiner Fingerspitze über meine Wange „… verkrampft.“

„Kannst du das jetzt mal lassen?“, schnauze ich ihn an. Es reicht jetzt, ehrlich wahr! „Deine zweideutigen Sätze kannst du dir sparen, Micky.“

„Kann ich mitmachen?“

Mein Kopf fliegt herum. Mir klappt der Mund auf. Das hat der Kleine jetzt nicht ernst gemeint, oder? Ne, ne … Micky lacht schallend los und ich werde blass. Entscheide mich kurzerhand für den Rückzug.

„Keine Sorge, Cam. Till ist Bottom. Durch und durch. Der geht nicht an deinen Hintern.“

Ernsthaft jetzt? Sehe ich aus, als wenn ich das wissen wollte? Er zwinkert seinem … Ja, was ist Till eigentlich? Micky zwinkert ihm zu und raunt über seine Schulter, so dass ich es gerade noch hören kann. „Ich weiß, der gefällt dir. Genau dein Typ und deine Wünsche könnte er dir sicher auch gut erfüllen. Aber der legt nur Mäuschen flach. Und davon eine ganz bestimmte.“

Moment mal! Ich möchte da auch gerne mitreden. Oder? Nein, ich hab’s mir anders überlegt. Ich ziehe mich an. Jetzt! Schnappe mir wenigstens meine Boxer, wenn ich schon nicht mehr in meine Jeans schlüpfen kann, und werfe einen zweifelnden Blick in Richtung Mickys Schrank. Bemerke, wie Till mich beobachtet und sein Blick irgendwie traurig wirkt, als meine chronische Morgenlatte hinter der Lage Stoff verschwindet.

Ja, ich weiß … Es war keine da, nach dem Aufwachen. Beim Duschen auch nicht. Aber es ist wohl eine, wenn auch verspätet, denn anders kann ich mir dieses Phänomen nicht erklären. Micky leiht mir ein T-Shirt und eine Hose, die ich mit dem Gürtel wenigstens halbwegs oben halten kann und schmeißt meine Sachen kurzerhand in die Waschmaschine. Freund sei Dank!

Till bleibt zum Frühstück. Alles andere hätte mich auch gewundert. Die Jungs wurden angerufen und vier davon sind auf dem Weg hierher. Der Rest geht nicht ans Telefon. Ich kann’s nicht fassen! Nur beten. Beten, dass Kati niemals Wind davon bekommt. Ich werde mir die übrigen Verdächtigen also irgendwann in der Woche vorknöpfen. Einzeln und persönlich. Es muss sein. Und zwar vor der Hochzeit am Freitag. Wenn die Jungs was getrunken haben, werden sie immer so grundehrlich. Genau wie ich. Voll zum Kotzen! Ich nutze die Chance der Dreisamkeit, denn irgendwie will ich es noch nicht so ganz auf mir sitzen lassen. Ich bin dreiunddreißig Jahre alt und es ist noch nie, niemals vorgekommen, dass mich ein Mann angebaggert hat. Oder dass ich mich angebaggert gefühlt hab. Aber Micky hat das gemacht. Spaß hin oder her, das will ich schon geklärt wissen und nicht auf mir sitzen lassen.

Ich räuspere mich und schaue so cool es geht nach oben, trinke noch einen Schluck meiner zweiten Tasse Kaffee und fixiere meinen Kumpel. Betrachte ihn und bemerke erst jetzt, dass eine Hand von ihm fehlt. Ich schaue zu Till und … Nein! Genug! Genervt und langsam wieder völlig klar im Kopf, schließe ich die Augen und schnaufe aus. Ich will’s nicht wissen. Wenn der kleine, rotblonde Untenlieger jetzt unter den Tisch rutscht, stehe ich auf und gehe. Ehrlich wahr!

„Wie ist das so?“, frage ich völlig aus der Luft gegriffen und weiß eigentlich auch, dass eine derart unpräzise formulierte Frage vor Gericht zerschellen würde wie eine Luftblase.

„Was?“, fragt Micky ernst nach und ich könnte mich ohrfeigen. Meine Formulierung ist voll für’n Arsch. Was? Na, was wohl?

„Statt in eine Pussy in einen Hintern zu vö … na ja … Komm schon, Micky!“

„Das fragst du ausgerechnet mich?“ Micky lacht auf und da ist sie wieder, die andere Hand, mit der er zu seinem Brötchen greift und herzhaft hineinbeißt. Mir dreht sich der Magen um. Vorurteilen sei Dank! Aber ich würge ja auch schon, wenn ich mir vorstelle, Frauenarbeit verrichten zu müssen. Einen Schwanz zu lutschen auf gut Deutsch! Micky kaut fertig und sieht mich intensiv an. Oha … dieser Blick wieder. Den hat er definitiv genauso gut drauf wie ich.

„Es ist vermutlich genauso gut für mich, wie für dich, wenn du in Kati drin steckst.“

„Vermutlich?“

„Cameron?“ Uhh … bedrohlicher Unterton. „Wie lange kennen wir uns jetzt?“

Viel zu lange. Schon seit der Buddelkiste. Trotzdem zucke ich mit den Schultern.

„Du bist ein Vollidiot! Du weißt genau, dass ich noch nie auf Mädchen gestanden habe. Es gibt also keine Vergleichsmöglichkeit für mich.“

Oh … ich vergaß! Verdränge ich viel zu gerne und leider auch erfolgreich. Da war dieses eine Jahr in der Schulzeit, in der Micky anders geworden war. Kein schönes Jahr. Irgendwie – und da sind sie wieder, die Vorurteile – war er in diesem Jahr auch nicht mein Freund. Zum Glück haben Tjard und ich noch rechtzeitig die Kurve gekriegt und Micky hat es uns nie übel genommen. Danach hat er sich geoutet. Erklärte uns, er sei schwul. Hat ein bisschen rumprobiert und seine ersten Erfahrungen gesammelt, noch bevor wir überhaupt wussten, wie ein Mädchen zwischen den Beinen riecht. Nicht aussieht! Das kannte man ja von Zeitschriften, die verboten waren. Wenigstens für Grünschnäbel, wie wir damals welche waren.

„Tut mir leid“, murmle ich und Micky nickt mir zu. Verzeiht mir offenbar, dass ich ihn scheinbar an genau das gleiche unschöne Jahr erinnert hab, als wir ihn im Stich ließen. „Und wie ist es sonst so?“ Applaus. Ich bin heute wirklich grandios. Mein Chef würde mich feuern. Ganz sicher sogar.

„Sonst so?“, fragt Micky lahm und grinst sein dreckiges Grinsen von vorher. „Willst du wissen, wie es ist, wenn man flachgelegt wird?“

„Ja. Nein. Ach, verdammt. Ja!“

„Nun, Cameron. Du hast mir ja deutlich zu verstehen gegeben, dass du es mich wissen lässt, wenn du soweit bist. Dann zeige ich es dir. Mit dem größten Vergnügen. Und was mich betrifft: Ich finde es ziemlich geil.“

Ich reiße die Augen auf und starre zwischen Till und Micky hin und her. Ist jetzt nicht wahr, oder? „Du lässt dich allen Ernstes …“

„Klar! Wieso nicht. Ich liebe Männer, genauso wie du die Frauen. Es gibt nichts an mir, was nicht angefasst werden darf. Wenn ich einen Partner habe, der mich passiv will, dann weiß ich, dass mir das gefällt. Warum sollte ich mich da zieren?“

„Von dem da etwa?“ Ich schaue mir Till an und könnte mir die zweite Ohrfeige geben, denn der Kleine senkt direkt den Kopf. Errötet sogar und schüttelt ihn leicht.

„Till ist Bottom, Cameron. Und du bist ein versnobter Vollidiot, ehrlich. Till will das nicht. Wir sind auch kein Paar, sondern lediglich … Nachbarn mit gewissen Vorzügen.“

„Friends with benefits. Schon klar“, murmle ich und wende mich dann an Till. „Willst du wirklich nicht oder lässt er dich nicht?“ Anwaltsfrage. Na ja, fast wenigstens. Immerhin eindeutig und zielgerichtet. Mitten ins Gesicht. Und den versnobten Vollidioten schiebe ich mal ganz gekonnt beiseite. Micky hat ja Recht. Jetzt antworte mal, kleiner Blondie.

„Micky hat’s mir angeboten. Aber nein, das ist nichts für mich. Vielleicht … na ja … irgendwann mal. Ich schließe das nicht aus. Aber im Moment genieße ich es, so wie es ist.“

„Und ihr seid wirklich kein Paar?“

„Nein! Wir mögen uns. Aber zu einem Paar gehört etwas, was bei uns nicht ist.“

„Was?“

„Cameron!“ Mickys Stimme wird drohend, sie brummt geradezu aus der Tiefe heraus.

„Tut mir leid“, nuschle ich und verstecke mich ein wenig hinter meiner Kaffeetasse. „Kannst du’s mir trotzdem sagen?“ Verflucht noch mal! Ahhh … vor lauter, lauter hab ich mir jetzt auch noch auf die Zunge gebissen, weil ich meine Neugierde nicht im Griff hab.

„Klar kann ich!“, antwortet Till und wird vermutlich gerade wieder von Mickys verschwundener Hand beruhigt. „Wir lieben uns einfach nicht. Das gewisse Etwas fehlt und deswegen bleibt es eben bei Gelegenheitsficks.“

„Ich verstehe.“ Tue ich das? Ja. Irgendwie schon. Aber wirklich ehrlich klingt das nicht. Als Anwalt hab ich dafür ein Gespür entwickelt, ob ich angelogen werde.

Aber ich hab ja selbst durch die Gegend gevögelt und war öfter in ein und demselben Schlafzimmer, bevor ich Kati kennenlernte. Manche Frauen hatten es einfach besser drauf als andere. Und Chrissi … hrm. Ich pfeife gedankenverloren zwischen den Zähnen hindurch und kann mir den Gedanken an diese leckere Braut nicht verkneifen. Die ist der Knaller schlechthin! Hab ich sie mir früher noch blond, mit langen Haaren und extrem verrucht vorgestellt, so dachte ich gestern eher an etwas Unschuldiges, Süßes mit zotteligen, zurückgebundenen, braunen Haaren. Ist schon deprimierend, nicht zu wissen, wie Chrissi wirklich aussieht. Die Anonymität derer, die in den Glory Holes ihre Arbeit verrichten, wird ziemlich streng gewahrt. Vielleicht sind es sogar die gleichen Angestellten, die man im Club buchen und mit auf ein Zimmer nehmen kann, aber wissen kann man es nicht. Und durchblicken lassen die da auch nichts. Gut, wirklich nachgebohrt hab ich eigentlich auch noch nie. Meine Fantasie war da immer sehr lebhaft und blühend. Namen sind ja sowieso Schall und Rauch, nicht wahr? Ich will auch gar nicht wissen, wie man mich nennen würde, wenn ich meine Dienste anbieten würde. Eigentlich mag ich den Namen Cameron ganz gerne.

Ich glaub, ich werde es wieder tun! Hingehen zum Black Stage. Nicht als Kunde, aber ich möchte es jetzt wissen. Ein bisschen ermitteln sozusagen. Fakten zusammentragen. Wer zur Hölle ist Chrissi eigentlich? Vielleicht sogar Valetta, die so süß stöhnt, je wilder es wird? Doch da kommt mir plötzlich ein ganz anderer, ziemlich kranker Gedanke. Vielleicht war es nicht mal ein Mädchen, sondern ein Kerl. Vielleicht sogar dieser … Tim, der gestern nebenan meinem Freund Micky behilflich gewesen sein soll? Was ist, wenn die versehentlich oder gar wissentlich die Holes vertauschen? Tim bei mir und Chrissi bei Micky aktiv war? Was ist, wenn Tim auch so ein geiles Piercing hat? Und dieser Gedanke erschreckt mich fast zu Tode, sodass mir mein Kaffee beinahe aus der Hand fällt.

„Ups!“ Micky grinst und reicht mir ein Taschentuch. Mit der Hand, die schon die ganze Zeit auf dem Tisch liegt. Sein Glück! „Wisch mal weg, die Tropfen. Gut, dass es nur Kaffee ist.“

Na, besser Kaffee auf dem Tisch, als Spermaspuren darunter. So wie Till gerade guckt, fehlt dazu nicht mehr viel. Voll daneben, also ehrlich. Halloho … ich bin auch noch da! Hätten die nicht warten können bis nachher? Ich würde mich ja unsichtbar machen, wenn ich es könnte. Dennoch schweige ich, denn mein vorhergehender Gedanke bekommt mir nicht und beschäftigt mich. Ich weiß auch gar nicht, wie ich auf so einen hirnverbrannten Schwachsinn komme. Das sind sicher noch irgendwelche Nachwehen des Alkoholkonsums. Bin ja nicht der einzige Besucher, der dort ein und aus geht und Spaß haben will. Die werden schon ihr geregeltes System haben.

„Dir geht gerade der Arsch auf Grundeis, oder?“, fragt Micky und schaut wirklich betroffen drein.

Ja. Irgendwie schon! Wenn der allerdings wüsste, warum, würde er lauthals loslachen. Aber … Betrug bleibt Betrug! Dass ich Kati hintergangen hab, ist da fast schon zweitrangig. Aber wenn Chrissi nicht Chrissi wäre, ist das mehr als nur grenzwertig und Betrug in großem Stil. Gut, Fremdgehen auch. Will ich mal nicht so sein. Trotzdem behalte ich es für mich und nicke nur. Wenn ich jetzt was sage, weiß nicht nur Micky, sondern auch Till, dass ich echt angepisst bin und mir gerade irgendeinen Müll zusammenreime. Und wenn nicht in diesem Moment die Klingel läuten würde, würde ich mich jetzt wohl auch mal ganz dezent zurückziehen.

Till verzieht angestrengt sein Gesicht, als wäre der Gipfel des Himalayas nicht mehr weit. Am Ende bekomme ich es noch ab. So unterm Tisch, meine ich. Micky-Baby scheint es ja voll drauf zu haben. Pech gehabt, Till. Jetzt kannst du deinen Ständer erst mal wieder verpacken, da der Besuch eintrifft. Und ich? Bin noch verstimmter, weil so ein klein wenig törnt es mich ja schon an. Wie eben alles Schmutzige und Verbotene. Ich war schon immer einer, der so lange probiert hat, bis es was setzte. War schon cool, die Jugend. Wenn die Erwachsenen im Dreieck gesprungen sind und man zu Strafarbeit verdonnert wurde. Mit Recht, natürlich. Immer mit Recht! Trotzdem: Es hat umso mehr Spaß gemacht, wieder etwas Blödes auszuhecken.

Und jetzt? Keiner mehr da, der einen zu erziehen versucht. Ging bei mir ja irgendwie auch nach hinten los. Obwohl, so übel bin ich gar nicht. Ist ja doch was aus mir geworden. Außerdem ist da jetzt nur noch Kati und die erzieht mich nicht, wenn ich ihr stecke, was heute Nacht los war. Die kastriert mich gleich! Keine gute Idee also. Wobei ich bei ihr gerne mal Strafarbeit verrichten würde. Irgendwie kommen da so dreckige Gedanken hoch wie: Ablecken bis es blitzt und blinkt. Zu viele Filme geguckt, eindeutig. Aber echt, jetzt! Gerne! Und wie ich Kati ablecken würde. Von oben bis unten.

Tjard kommt rein und grinst breit. „Moin, Cam!“

„Selber.“ Ich nicke ihm missgelaunt zu und ziehe den Stuhl zu meiner Linken vom Tisch, biete ihm Platz an. Soll er sich mal direkt neben mich setzen. Bei dem Hühnchen, das es zu rupfen gilt, bin ich bei Tjard ja nicht an der falschen Adresse. Der zögert. Dachte ich mir fast und klopfe vehement auf das Polster. „Mach, dass du herkommst, du Schnösel. Echt jetzt! Was hast du dir dabei gedacht, hm? Wenn das rauskommt, komme ich in Teufels Küche.“

„Bleib mal locker, Cam. Wie soll das denn rauskommen? Keiner sagt ein Wort und alles ist gut. Und du hast einen krass geilen Blowjob abgesahnt.“

„Ja, klar! Und in ein paar Jahren verplappert sich doch mal einer von euch und euer Freund Cameron zieht vors Scheidungsgericht. Tolle Vorstellung. Klasse! Ihr Saubermänner, ihr.“ Wenn ich mit den paar Jahren nicht in viel zu weite Ferne schaue. Ein paar Tage oder Wochen sind da fast noch wahrscheinlicher. Marcel und Busse kommen dazu. Stoßen sich wie zwei Teenager gegenseitig in die Rippen, als sie meinen letzten Satz hören.

„Moin, Cam.“ Sie strahlen genauso blöd wie Tjard zuvor. Ich könnte sie alle mal … Ehrlich wahr!

„Wie war die Nacht?“ Busse wackelt mit den Augenbrauen und zwinkert mir verschwörerisch zu. Ich vergaß! Ist ja auch so ein Hetenarsch wie ich und bringt lieber einen Spruch zu viel als einen zu wenig. Genauso verrückt. Er ist der vierte im Bunde, den ich seit der Buddelkiste kenne und echt liebe.

Die Antwort spare ich mir allerdings, denn Busse kriegt es volle Breitseite von hinten ab. Micky stößt ihn nach vorne, bis er mit den Oberschenkeln am Tisch hängenbleibt und schlingt dann seine Arme um ihn. Einen um den Hals und einen um seinen Unterleib. Kritisch nah am Gehänge. Bei den Muskeln würde ich mir spätestens jetzt Gedanken machen. Aber ist ja nicht meiner. Und was ist schon das bisschen Luft, das einem abgedrückt wird? Jetzt bin ich es, der schadenfroh grinst, doch es vergeht mir genauso schnell, wie es gekommen ist, und endet in einem wahrhaftigen Anfall von Peinlichkeit, als Micky in Busses Ohr nuschelt. „Wenn du wissen willst, wie Cams Nacht war, darfst du dich eingeladen fühlen, heute Nacht mit mir das Bett zu teilen und Ben Hur guten Tag zu sagen.“

Spinnt der? Ey, Alter! Meine Wangen glühen auf. Färben sich rot und es zieht hoch bis zum Haaransatz. Tjard lacht sich weg und Till schaut Micky misstrauisch an. Marcel scheint es nicht zu verstehen. Der ist nie so der Schnellste.

Till schluckt und flüstert mir zu: „Bist du doch schwul?“

Grundgütiger! „Sehe ich so aus?“, schnauze ich ihn an. Uhm! Verdammter Alkohol! Ich schiebe es auf den Wodka. Da ist bestimmt noch was in der Blutbahn drin. Garantiert! Mickys Gesicht verfinstert sich allerdings und Tjard fällt fast vom Stuhl und hält sich den Bauch vor Lachen.

„Bist du drauf, Mann?“, juchzt er und kriegt sich gar nicht mehr ein.

Stimmt ja. Da war noch was! Ich hab’s glatt vergessen. Aber wenn er es schon anspricht. „Sag du’s mir, Tjard. Bin ich drauf? Hast du mir gestern was reingemischt?“

Allgemeines Schlucken. Ich hingegen bin todernst. Mit so was spaße ich nicht und jeder sieht es mir an. Stille breitet sich aus und Tjard ist der Mittelpunkt.

„Ich bring dich um, Tjard! Was? Was war es? Sag es mir!“

„Hey … langsam, Cam. Immer ruhig mit den jungen Pferden. Du hast einfach gesoffen wie ein Loch und dein Abendessen war ja dann auch keine Grundlage mehr. Glaubst du wirklich, ich fülle dich mit Drogen ab? Du tickst ja nicht ganz sauber.“

„Wirklich nicht? Ich kam mir vor, als wäre ich auf irgendeinem beschissenen Trip!“

„Klar, Mann. Chrissi hat dich ja auch ausgesaugt wie eine Vampirlady. Ich dachte schon, du kommst gar nicht mehr.“

„Hey! Um mal eines klarzustellen. Ich war zwar voll, was aber noch lange nicht heißt, dass ich nicht mehr konnte.“

„Ey, Alter.“ Tjard lacht schon wieder los. „Ehrensache, oder? Hat halt nur ein bisschen länger gedauert. Ich dachte, du kommst nicht mehr zu uns zurück, meinte ich. Du warst beinahe eine halbe Stunde da drin. Wäre Micky nicht bei dir gewesen, als Anstandswauwau und Aufpasser, hätte ich glatt einen Suchtrupp losgeschickt.“

Mein Blick spricht Bände. Wow! Dreißig Minuten. Das war Rekord. Kati hätte nach spätestens zehn Minuten aufgegeben. Tatsache! Sie hätte mich in meinem Zustand vermutlich nicht mal mehr angefasst. Ist ja auch so ein bisschen spießig. Micky war also mein Aufpasser? Interessant! Cooler Job, wenn man dabei einen geblasen kriegt.

„Moin, Cam. Moin, allerseits.“ Das ist Dirk. Micky scheint Tag der offenen Tür zu haben. Dirk grüßt in die Runde und bedient sich selbst. Am Kaffee und einem Croissant. Ewiger Junggeselle. Ich glaub, der treibt sich öfter bei Micky rum. Aber schwul ist der nicht. Das wüsste ich. „Wo seid ihr gestern auf einmal alle hin?“, fragt er in die Runde und macht es sich auf dem Sofa gemütlich.

Wie jetzt? „Du warst doch dabei!“ Hab ich doch einen Filmriss?

„Klar, war ich dabei. Ich habe dich stöhnen, weinen und winseln hören. Aber ihr wart auf einmal weg. Alle miteinander!“

„Und du? Was hast du gemacht?“

„Va-le-rie, Va-le-ra! Va-le-tta!“, flötet Dirk und zwinkert mir zu.

„Du hast mit Valetta?“ Mein Grinsen wird breit und breiter. Joar … ich kann mir vorstellen, dass Dirk Spaß hatte. Die ist echt gut im Vierfüßlerstand.

„Und?“ Will ich es dann doch genauer wissen.

„Geiler Arsch. Und echt eng“, bekomme ich zur Antwort.

„Du hast sie in den Hintern?“

„Klar, Mann. Bietet sich doch an, oder? Sag nicht, dich lässt so ein geiler Arschfick kalt?“

Um ehrlich zu sein … Jetzt wird’s eng. Wenn ich mich so in der Runde meiner Freunde umgucke, hab ich gerade das Gefühl, als wäre ich der Einzige, dem diese Erfahrung fehlt. Ich glaub, ich werde ausgelacht, wenn ich das jetzt gestehe. Kati will das halt nicht. Und davor … da war ich zufrieden. Das Bedürfnis, es auszuprobieren, war einfach nicht da. Es gab genug andere Experimente, die meine Aufmerksamkeit forderten. Mit Kati-Katze wollte ich schon irgendwann. Aber sie will eben nicht. Ich heirate sie ja nicht nur, weil sie echt gut im Bett ist und ich trenne mich schon gar nicht, nur weil sie mich nicht an ihren Hintern lässt. Lasse ich sie ja auch nicht. Meine Verlobte hat schon noch andere Qualitäten. Gut. Sex ist schon auch wichtig. Aber die Jungs haben mich soeben ein bisschen in Bedrängnis gebracht.

„Doch! Ist schon heiß“, antworte ich lahm und spüre Mickys brennenden Blick auf mir, wie er gerade eins und eins am Zusammenzählen ist. Ich hab halt keine Analsex-Erfahrung. Weder bei einem Mädchen, schon gleich dreimal nicht mit einem Mann oder gar an mir selbst. Halt bloß den Mund, Micky, ehrlich wahr!

Und da ist er endlich mal ein wirklicher Freund. Micky schweigt, lässt sich neben Dirk nieder und greift diesem an den Hintern. „Sind wir nicht alle ein bisschen homo?“

Gooott … Und jetzt ist mir die Tasse Kaffee tatsächlich aus der Hand gerutscht. Es wird Zeit, dieses Sit-in zu beenden. Wir sind nicht nur betrunken peinlich, sondern auch im nüchternen Zustand. Was Till nur von uns denken mag? Ich blicke hoch und da kommt er angewetzt. Mit einem Spüllappen in der Hand tupft er um meinen Teller herum. Seine hellen, freundlichen Augen treffen mich viel zu tief und flehen mich irgendwie an. Bettelnd! Wäre er jetzt eine Frau und ich auf Kneipentour, könnte ich den Blick jedenfalls deuten. Da steht eindeutig fick mich auf seiner Stirn. So aber senke ich etwas beschämt den Kopf und hebe artig Teller und Tasse hoch. Wie bei Muttern zu Hause! Voll für’n Arsch, das Frühstück. Wird Zeit, Tacheles zu reden.

„Hat zufällig irgendjemand einen Filmriss in Bezug auf die gestrige Nacht?“, beginne ich und eine leise Hoffnung schürt sich. Doch allgemeines Kopfschütteln ist die Antwort. Man muss ja wenigstens mal gefragt haben.

„Wäre auch zu schön gewesen. Was habt ihr euch dabei gedacht, mich ins Black Stage zu schleifen? Wie soll ich das Kati erklären, wenn sie das irgendwann erfährt?“

„Gar nicht?!“, kommt es vierstimmig und eher fragend zurück und Galle steigt mir auf! Micky, Tjard, Busse und Dirk zucken gleichzeitig die Schultern. Ist das zu fassen?

„Wie? Gar nicht? Kati, ich weiß nicht, was du da gehört hast, aber es stimmt nicht? Die reißt mir die Eier nicht nur ab, sondern frittiert sie im Anschluss!“

„Klar! Versuchen kann man’s ja mal!“ Marcel, du Ente. Zu langsam. Ehrlich! Unpassend wie immer.

„Mach dir keine Gedanken, Cam. Ich habe allen eingeimpft, nicht über deinen Junggesellenabschied zu reden. Wir schweigen wie ein Grab. Es tut mir leid. Es war wohl nicht ganz richtig von uns!“ Tjard klopft mir reuevoll auf den Oberschenkel – ja, der darf das – und schnauft aus.

„Bringt mir meine Frau auch nicht zurück, wenn sie’s erfährt“, fahre ich ihn allerdings an und gebe ihm einen Klaps auf den Hinterkopf. Die Aussicht darauf, dass es geheim bleibt, ist verschwindend gering. Zehn Leute sind neun zu viel, um ein Geheimnis zu wahren. Als Anwalt weiß ich das sogar besonders gut. Ist doch alles Mist! Jetzt wird sich wohl zeigen, ob ich wirklich neun gute Freunde hab oder nicht.

„Ich gehe jetzt. Kati hat schon fünf Nachrichten geschickt.“

„Da wartet die Süße zu Hause. Lass dich flachlegen, Cam, und du wirst sehen, nach einem geilen Ritt sind auch deine Gedanken wieder beisammen.“

„Euer Wort in Gottes Gehörgang.“

Ich klopfe auf den Tisch, nicke in die Runde und werde von Micky in eine Umarmung gezogen, während er mir zuflüstert. „Halt die Ohren steif!“

Sauberfreund! Ehrlich wahr! Sein Klopfen auf meine Schulter ist hart, aber ich verkneife mir einen Kommentar. Meine Energie geht flöten und ja, irgendwann muss ich ja mal heim. Mein Kopf schwirrt und ich muss anfangen, meine Gedanken zu ordnen. Ist schon heftig. Gestern war die Welt noch in Ordnung! Meine heile, grundgeile, aber doch solide, geradlinige Heterowelt!

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Bericht Re: Duits | Eigentlich ... door Redactie » woensdag 19 augustus 2015 14:23

3.


Ich stehe hier am Montagabend in der Nähe des Eingangs vom Black Stage und hab mir vorgenommen, Chrissi zu finden. Wenigstens darin will ich jetzt Gewissheit haben. Mir sicher sein, dass mein Kopf sich in einem Anfall von Wahn nur was zusammengesponnen hat. Gleich nach Feierabend inklusive drei Überstunden und Smalltalk mit Billy, einem Kollegen, bin ich losgelaufen. Kam vorbei an den Überresten meines Schnitzels, die zertreten und matschig in der Fußgängerpassage zwischen dem Kopfsteinpflaster kleben und hab blöd vor mich hingegrinst. Muss schon eine arme Sau sein, die da hingekotzt hat.

Kati-Katze hat mich gestern ins Kreuzverhör genommen. Hat schon mit den Händen in die Hüfte gestützt auf mich gewartet, die Gute! Fehlte nur noch der schwingende Kochlöffel. Ach Gott, ich werde fies. Lieb dich doch, Baby! Wirklich! Eigentlich mag ich es ja, wenn sie ein bisschen sauer ist. Dann ist sie nämlich auch extrem heiß und wild. Aber gestern … Ich hab den Kopf eingezogen, meine Schuhe von mir geschleudert und versucht, mich um Worte zu winden. Die Unterhaltung war nicht schön.

Ist doch eh alles für’n Arsch. Steffen war’s. Der Verräter. Ist auch einer der neun Sauberfreunde, die am Freitag das Vergnügen hatten, mich bei meinem persönlichen Abschuss zu erleben. Erzählt mir Kati brühwarm, dass sie Isabelle, Steffens Angebetete, beim Joggen am Morgen getroffen hat. Wie sie mich dabei fixierte … Alter Schwede! Katis Blick ist auch nicht ohne. Den hat sie sich von mir abgeguckt! Steffen hat gelallt. Wahrscheinlich wollte er im Vollsuff bei seinem Kätzchen landen und die wollte wissen, wo er herkommt. Ich boxe ihn um, wenn der mir wieder unter die Augen kommt und Tjard gleich mit. Oar … Gibt es nicht ein Gesetz, das einem Mann verbietet, nach einem Junggesellenabschied besoffen zu seiner Frau nach Hause zu kommen?

Kati war eindeutig wütend. Na ja, enttäuscht trifft es wohl eher. Was wir in einem Sexclub wollten, hat sie mich ernsthaft gefragt. Ja, Mann … Spaß haben vielleicht? Gute Musik, guter Club, gute Stimmung? Nebenbei ein bisschen Table-Dance genießen? War vor Jahren unser zweites Zuhause. Was also soll die Fragerei, hab ich sie angemuffelt und mich weiter geduckt. Dann kam der Satz, der mein Blut in den Adern gefrieren ließ. Sie begann mit: „Micky hat sich dort von einem der Angestellten befriedigen lassen…“ und ich hab sie regelrecht in den Boden gestarrt. Und? Ist der Single, oder was? Ist der schwul, oder was? Was, bitteschön, hat das mit mir zu tun? Ein bisschen Arschloch war ich schon. Hab ihr ins Gesicht gelogen und eigentlich weiß ich jetzt schon, dass es nach hinten losgeht. Irgendwann holt einen alles ein. Aber doch nicht jetzt!

Dann hat sie mich auf der Couch schlafen lassen und später unsanft geweckt. Noch etwas gebohrt und mich anschließend ins Bett gezogen. Ich muss sagen, sie hat’s wiedergutgemacht. Ein bisschen wenigstens. Mein schlechtes Gewissen hab ich rausgestöhnt. Am Ende war ich froh, dass mein Körper die Produktion meines Erbgutes wieder in Gang gesetzt hatte. Zugegeben, ich war nicht ganz auf der Höhe. Also mein Bester schon, aber da war noch Chrissi, die immer mal wieder in meinem Kopf herumspukte und auch für Valetta hatte ich einen Gedanken übrig. Okay, ja, auch Micky hat sich da reingeschlichen. Till ebenfalls. Seine Augen, seine zögerliche Stimme, ob ich nicht doch vielleicht schwul wäre … Himmel! Diese Geschichte beginnt mir krass an den Nerven zu zerren. Ehrlich wahr! Ich weiß immer noch nicht, was Micky da geritten hat. Was vor allem mein bestes Stück an dem Morgen abgezogen hat? Aber nach so einer Nacht, kann man mir das auch nicht verdenken. Kati-Katze hat nichts gemerkt. Nur das zählt! Ich hab sie geleckt und fliegen lassen. Sie hat geschnurrt wie ein Kätzchen und ist anschließend auf meiner Brust eingeschlafen. Wenigstens sabbert Kati nicht wie ein Baby. Wobei ich vermute, dass es auf Mickys Brust auch gemütlich wäre. So ein Süßer, so einer wie Till, der findet’s vermutlich klasse.

„Guten Abend!“ Ich werde von den ersten Angestellten des Clubs freundlich begrüßt, während ich mir in der Fußgängerzone die Beine in den Bauch stehe und darauf warte, dass das Black Stage öffnet. So in meine Gedanken versunken, hab ich allerdings lediglich ein Nicken für die Grußformeln übrig. Einlass ist erst in einer Stunde. Genug Zeit für mich zum Gucken, wenn die süßen Kätzchen und die leckeren Kerlchen zur ersten Schicht anrücken. Wäre doch gelacht, wenn nicht einer dabei ist, der plaudert. Ich kann sehr manipulativ sein. Anwalt ist ja nicht einfach ein Beruf, das ist schon eine Berufung und ich bin echt gut in dem was ich tue. Die Mädels können mir selten widerstehen. Alles getestet. Ich weiß um meine Wirkung. Und wenn ich Glück hab, kommt ja Valetta.

Ein paar Männer stehen über die Straße verteilt, kommen näher, als die Tür des Clubs endlich geöffnet und die Kasse besetzt wird. Schon seltsam, wenn es hier so leer ist und die Gäste erst nach und nach kommen. Meine Erfahrung sagt mir allerdings, dass es hier innerhalb der nächsten halben Stunde rappelvoll sein wird.

Meine Hände verlieren sich in den Tiefen von Hugo Boss’ Taschen, denn ja, ich bin immer noch im Anzug, meiner Arbeitsgarderobe, während ich mich umschaue und die Gesichter ins Visier nehme. Die ersten Typen betrachte, die sich bespaßen lassen wollen. Ja, ja. Die vielen Überstunden, die man so machen muss. Noch auf ein Bier mit den Kumpels. Eine Dienstreise wird ausgepackt oder das Abendessen mit dem Chef, bei dem man nicht fehlen darf. Schatz, verstehst du doch, oder? Am Schönsten ist es wohl, wenn man wirklich Single ist. Keine Lügen, keine Tatsachenverdrehung.

Ich grinse in mich rein und denke an die vielen, armen Schweine, die das nötig haben. Ich hab sogar eine Kollegin, die mit einem Kollegen, dem Billy … Nein! Das geht zu weit und mich vor allem nichts an. Aber er sagt, sie ist echt heiß und niedlich und ich bekomme wöchentlich Anekdoten erzählt. Ich weiß sogar, welche Unterwäschenmarke ihr Mann trägt. Aber die ist ja auch ein hübsches Ding. Mein Kollege ist Single und … na ja, lässt es sich halt schmecken! Nicht, dass ich es gut finde. Aber es geht mich auch nichts an. Wirklich nicht! Weiß gar nicht, warum die mit solch brisanten Themen immer alle zu mir kommen. Du bist halt vertrauenswürdig, Cam. Herzlichen Glückwunsch!

„Hey! Hey, hey, hey! Valetta?“

Mit großen, rehbraunen Augen sieht sie mich an und lächelt gekonnt. Gott, Mann. Das habt ihr echt drauf, was? Einmal mit den Wimpern klimpern und die Männer gehen in die Knie. Ich nicht! Heute nicht! Nie wieder! Sehe ich aus, als hätte ich es nötig, oder was?

„Hey, Süßer. Willst du mit mir mitkommen? Warst du schon im Waschraum?“

„Ich … Nein. Doppeltes Nein. Kannst du mir sagen, ob Chrissi heute da ist?“

Valetta zuckt die Schultern und probiert sich erneut an ihrem Augenaufschlag. „Ich weiß nicht, Süßer. Aber ich bin da!“

Ihr Finger gerät in meine verbotene Zone, einfach so. Fuck! Sicherheitsabstand! Zurückweichen, bevor ernsthaft Gefahr im Verzug ist. Meine Eier haben es trotzdem gecheckt. Ziehen sich erwartungsvoll zusammen und mein Schwanz merkt’s auch. Nur nicht darüber nachdenken! Entspannen und mit dem Kopf denken, Cameron. Nur mit dem Kopf!

„Valetta, ich …“

„Wärst mein Erster heute.“

„Ich will doch nur … Ist Chrissi da?“

„Die Glory Holes sind anonym, Süßer!“

Doch dann reißt sie erstaunt die Augen auf. Blitzgedanke, oder was?

„Warst du das am vergangenen Freitag, der Chrissi sturzbesoffen alles abverlangt hat? Oder woher kommt dein Interesse?“ Sie lässt mich gar nicht zu Wort kommen, grinst teuflisch und packt mir in den Schritt. So grandios fest, dass ich aufstöhnen muss. Blöde Zicke, ehrlich wahr! Rächt sie gerade ihre Kollegin, ohne es wirklich zu wissen? Ich glaub, soeben hab ich für meine Nummer am Freitag doch noch gezahlt. Die erste Runde ging ja auf meine Sauberfreunde. War ja auch das Mindeste, was sie mir schuldig waren. Valettas Griff hat heilende Wirkung. Das ist echt krass. Da geht mir keiner ab! Sie kommt näher, lässt dann tatsächlich etwas lockerer und leckt über meinen Hals, hin zu meinem Ohr und es lässt mich kalt. Ich kann auch stur sein und abgebrüht und kalt wie ’ne Scholle.

„Ich bin trotzdem noch frei. Neues Spiel, neues Glück? Wenn du dich beeilst …“

Never! Nein! So schon mal gar nicht! Einen Schritt zurück. Noch einen. Warten, bis sie ihre Finger von meinem besten Stück löst. Aufatmen! Kopf schütteln nicht vergessen. Sie wird es verstehen. Valetta klimpert erneut mit den Wimpern, winkt mir dann und dreht ab. Schwein gehabt. „Viel Erfolg bei der Suche.“

Jetzt bin ich auch nicht schlauer als vorher. Aber ich gebe noch nicht auf. Frage mich durch die Menge an Personen, die ich teilweise noch vom Sehen her kenne. Ernte, als hätte ich es geahnt, Kopfschütteln, lüsterne Blick und hoch gezogene Schultern.

„Pardon!“

„Tut mir leid!“

„Keine Ahnung.“

Volldeppen, ehrlich! Ich geb’s auf. Vielleicht hab ich Chrissi ja persönlich gefragt und sie hat nur fragend geschaut? Das System des Black Stage’ scheint tatsächlich dicht zu sein und ich sollte lieber gehen. Es ist voll geworden und langsam aber sicher wird es mir zu heiß. Ich vertrage ja viel, optisch und auch verbal. Aber es ist echt eine harte Nummer, wenn man selbst nicht darf. Ich drehe ab und muss es wohl einsehen.

„Probier’s doch mal oben. Im VIP-Bereich.“

Ich zucke zusammen und spüre die Person, zu der die männliche Stimme gehört, sehr deutlich in meinem Rücken! Sein Atem streift meinen Hals. Heiß und stoßweise. Eine Lunte entzündet sich in mir, die mir Punkte vor den Augen beschert. Seine Hand gesellt sich zu meiner in Hugo Boss’ Tasche und legt sich zielgerichtet und verlangend auf meine Finger. Beherzt greift er zu. Fester noch, als Valetta zuvor und ich stehe da und keuche auf. Knete mein bestes Stück, weil seine Hand das so will.

Fuck the hell! Was ist los mit dir? Spinnst du, Cam? Meine Pumpe versagt. Sie kollert los. Ich hab’s befürchtet. Tjard hat gelogen. Der Sauberfreund hat ganz sicher was in die Drinks gemischt. Irgendwas, das meinen Körper zersetzt und die Hormone verdreht. Das stehe ich nicht durch. Ich muss mich wehren. Möchte mich gerne äußern, wegtreten, aufhören. Den Arsch anschnauzen und ihm eine verpassen. Ihm deutlich machen, was ich von seiner krassen Anmachaktion halte. Ist mir doch egal, wenn ich dann rausgeworfen werde. Beziehungsweise, nein, mein Job als Anwalt ist zu wichtig. Das könnte nach hinten losgehen, wenn es die Wände des Clubs verlassen würde. Ich könnte es höflich formulieren … Wenn ein Wort aus mir rauskommen würde. Doch ich bekomme nur noch stoßweise Luft. Atmen, Cam! Atmen! Micky hat dir am Wochenende echt zugesetzt. Blut rauscht durch meine Adern. Viel zu laut. Ich kann es hören, er auch? Mich umzudrehen traue ich mich auch nicht. Hab ehrlich gesagt … na ja … Schiss! Aber mein Schwanz schämt sich nicht. Was noch peinlicher und vor allem nicht nachvollziehbar ist. Ich bin überarbeitet und muss dringend nach Hause. Kati wartet und kann Abhilfe schaffen.

Geh schon! Hau ab, Cam! Aber da ist noch der VIP-Bereich. Komme ich da rein? Eher nicht. Wobei, ich bin ja im Anzug. Chancen hätte ich vielleicht. Hugo Boss kann ja auch was. Gooott. Wenn mein bestes Stück nicht so willig wäre.

„Chrissilein ist oben eingeteilt, mein Freund. Für heute aber fest gebucht. Ich wäre noch frei! Chrissi klingt übrigens herrlich nach Miau. Dafür würde ich mir wohl ein Brett fangen. Aber Kunden sind ja Könige, nicht wahr?“, raunt mir der Typ ins Ohr und drängt sich leicht an mich. Sein beachtliches Teil küsst meinen Hintern und ich stehe da wie ein Steiftier.

Holy fuck! Das muss ein Angestellter sein. Meine Glieder gehorchen mir nicht mehr. Eins schon! Aber der Rest macht schlapp und ich kann mich nicht von der Stelle bewegen. Heißkalt läuft es mir über den Rücken und alle meine Sprüche sind für’n Arsch. Was soll ich auch sagen? Scheiß Homo, nimm die Finger von mir! Das versteht vielleicht Micky, aber der Kerl hinter mir sicher nicht. Ich bin hetero, hab deshalb kein Interesse. Oar … das klingt auch nicht besser. Alles glaubwürdig, Cameron! Wirklich glaubwürdig! Mein Schwanz steht wie eine Eins. Dafür gibt’s bestimmt einen Orden. Sieh zu, dass du wegkommst. Auf der Stelle. Okay, gleich. Ich krieg’s hin. Gleich gibt’s Ärger. Ich könnte wimmern, aber ich verkneif’s mir und schnappe endlich nach Luft.

„Geht’s noch?“, raunze ich los. „Nimm bloß deine Finger da weg! Sofort!“ Das kam keine Sekunde zu spät.

„Dein Hübscher da unten könnte mir gefallen! Von dir würde ich mich toppen lassen. Aber ihr Heten versteht ja keinen Spaß, was?“, raunt er mir über die Schulter zu und dann lacht er los. Er lacht mich aus und ich schließe die Augen, pumpe Luft in die Lungen und begebe mich auf die Suche nach meinem Ruhepuls! Er riecht gut. Verdammt! Und wie! Extrem dumme Idee gewesen, hier einfach herzukommen. Noch dazu alleine. Und wofür? Um mich von dem nächsten Typ anbaggern zu lassen? Ich werde gleich echt sauer.

„Verpiss dich einfach!“, raunze ich ihn noch mal an, ziehe endlich seine Hand aus meiner Hosentasche und dränge schnell durch die Meute, um einem weiteren Übergriff zu entkommen. Hin zur Treppe des VIP-Bereichs, der sich im Zwischengeschoss befindet. Vielleicht hab ich Glück.

„Hier geht’s nicht hoch!“

War ja klar, ne? Groß und breit steht der VIP-Bulle vor mir und schirmt den Aufgang zum Mitglieder-Bereich ab. Endstation! Nach oben schauend bedauere ich es dann doch irgendwie. „Keine Chance?“

„Keine Chance.“

„Macht Chrissi irgendwann mal Pause?“

Der VIP-Bulle schweigt sich aus, sieht mich nicht mal mehr an. Bist schon arrogant, oder? Eine Antwort bricht dir nichts ab. Ich könnte warten, aber wer weiß, wie lange das dauert? Ich sollte gehen. Oder doch nicht! Gooott, Cameron. Hau schon ab. Doch selbst das Laufen fällt mir schwer. Mein Schwanz ist prall und will mehr. Hat dummerweise Blut geleckt.

„Na? Hast du Lust auf eine Extravorstellung?“

Dieses Mal bin ich fix. Drehe mich weg, als mir gerade ein anderer Mann seinen Arm um die Schultern legen will. Nicht noch mal. Mir steht’s Oberkante Unterlippe. Ehrlich wahr! Doch der Typ grinst mich frech an. Deutet nach oben und lockt mich mit dem Finger. „Ich kann dich gerne mit raufnehmen, mein Freund. Fühl dich eingeladen und genieße die Show!“

Mein Blick gleitet an ihm runter und … Ja, zugegeben! Der kann sich das wohl leisten. Alles an ihm sieht hochwertig aus. Sogar die Frisur. Das ist ein Mann, der Kundenkontakt hat. Vielleicht ein Banker. Die sehen alle so aus. Rausgeputzt bis hin zur Unterwäsche. Hahaha … Ich könnte mich doch glatt mit ihm messen und nicke, noch bevor ich richtig darüber nachgedacht hab. Zwei Lounges gibt es da oben, ein paar Sitzgruppen und eine Bar. Selbst gesehen hab ich es noch nie, aber im Club wird auch viel hinter vorgehaltener Hand geredet.

Wichtiger jedoch: Chrissi ist auch da! Einen Blick, einen einzigen Blick auf sie werfen, mehr will ich gar nicht. Einmal gucken und hundertprozentige Sicherheit haben. Der Bulle lässt uns durch, nachdem der Typ seinen VIP-Ausweis vorzeigt und ich lasse zu, dass mein neuer Kumpel mir für diese Aktion den Arm um die Schulter legt. Es ist mir ein bisschen zu eng, aber gut. Der nimmt mich immerhin mit hoch, da will ich mal nicht so sein.

„Möchtest du mit reinkommen?“ Er deutet auf die Lounge im hinteren Eck, wackelt dabei mit seinen Augenbrauen und wirft gleich darauf einen sehnsuchtsvollen Blick auf die verschlossene Tür.

„Ich stelle dich meinen Kumpels vor. Der heiße Typ, der heute von uns gebucht ist, der hat’s drauf. Anfassen ausdrücklich erlaubt. Mehr auch!“

Mein Begleiter grinst mir zu und zieht mich an der Bar vorbei. Hin zu den Lounges. Boah! „Und? Was ist? Lust, dir den Süßen aus der Nähe zu betrachten und ein bisschen zu spielen?“

Eben wird’s unangenehm und ich glaub, mein aufgesetztes Lächeln verrutscht mir. Ob er mir das ansieht, kann ich nicht sagen, doch Neukumpel lacht schallend los. „Stehst wohl auf Frauen, was?“

Kätzchen, ja! „Was dagegen?“

„Jedem das seine, nicht wahr? Falls es dir zu langweilig wird, komm einfach nach! Da drinnen gibt’s Magie!“

Arsch! Jetzt zwinkert der auch noch. Homomagie oder was? Spinner, ehrlich!

„Danke, mein Freund. Ich suche nur jemanden!“

„Na dann!“ Mir auf die Schulter klopfend verschwindet er. Die Bar ist mein Ziel. Der Keeper dahinter sieht aus, als würde er gerne plaudern, also bestelle ich mir ein Bier und schaue mich um. Nett ist es hier oben, wirklich nett. Muss mal in der Kanzlei nachfragen, ob wir auch einen VIP-Ausweis haben. Den Uli, meinen Chef, hab ich schon mal am Telefon über das Black Stage reden hören. Das hätte mir auch früher einfallen können, ich Depp, ich. Zieht ja doch meistens, wenn man den Namen einer renommierten, ortsansässigen Anwaltskanzlei fallen lässt. Der Keeper reicht mir mein Glas und als hätte ich es nicht geahnt, stützt er sich auf dem Tresen auf und mustert mich.

„Neu hier?“

„Nö. Hab nur eine Weile keine Lust gehabt, wenn du verstehst, was ich meine?“

„Ah ja. Und? Bist du alleine gekommen?“

„Ja. Warte hier auf Chrissi. Vielleicht kannst du mir ja sagen, wann die Show zu Ende ist?“

Offensive ist immer gut. Merkt keiner, oder? Der Keeper schüttelt tatsächlich den Kopf und schnalzt mit der Zunge. „Das kann heute dauern. Lounge 1 ist bis elf gebucht. Eine Schwulennummer für Geschäftsleute, die brauchen immer etwas länger, und Lounge 2, die Maus da drin, die hat noch gute eineinhalb Stunden vor sich. Bis zehn heute.“

Lounge 2? Die Maus von der du redest ist Chrissi, ja?“

Doch Keeper schaut mich nur stirnrunzelnd an, entfernt sich wegen neuer Kundschaft und zeigt in meine Richtung gewandt mit dem Daumen nach oben.

Was? Was heißt das? Lounge 2, ja? Oder doch Lounge 1, oder was? Ach, Mann! Ehrlich wahr! Ich warte jetzt hier. Kati denkt, ich bereite mich auf ein neues Mandat vor. Wird spät heute, Schatz! Du weißt ja …

Und drei Bier und hundert Anmachversuche später, tut sich was. Endlich! Die Tür zu Lounge 2 wird geöffnet! Mehrere Typen kommen raus. Rotzevoll. Ey … heute ist Montag! Haben die morgen nichts zu schaffen, oder was? Mir soll’s schnuppe sein. Man könnte glatt meinen, sie wär’n mit Micky verwandt, denn jeder stützt jeden. Aber … holla … ich schnappe mir mein Bier und fange sie ab, die Mieze, die da im leichten Outfit auf der Schwelle steht und vom Keeper ein Glas Wasser bekommt. Das muss Chrissi sein! Nochmal … holla! Nicht schlecht! Doch so eine braunhaarige, kleine Katze, wie ich sie mir vorgestellt hab.

„Hi!“ Ich nicke ihr zu und grinse vermutlich wie ein fetter Kater, der seine Beute riecht. Aber halt … ich war ja wegen was ganz anderem hier! „Ich bin Cameron. Hast du Lust auf einen Drink mit mir?“

Erschöpft sieht sie aus. Was nicht heißt, dass ihre Ermüdungserscheinung nicht extrem heiß und niedlich rüberkommt. Sie streicht sich durchs Haar und mustert mich kurz. Einmal vom Scheitel bis zur Sohle und dann wieder rauf. An meinen Augen bleibt sie kleben, lächelt, schlägt die Augen betörend auf, schlingt ihren Arm um meine Taille und dreht sich mit mir um. Lounge 2 wird hinter uns wieder geschlossen. Mir fehlen die Worte.

„Du hast Glück“, dringt ihre honigsüße Stimme zu mir vor. „Ich war nur bis zehn gebucht. Was darf ich für dich tun, Süßer?“

Hoppla … Direkt! Ich mag das ja eigentlich, aber … „Einfach nur was trinken mit mir? Ich lade dich ein, Chrissi!“

Sie stockt mitten in der Bewegung und lächelt mich an, drückt mich dabei sanft aber bestimmt rückwärts aufs Sofa. Rotes Leder. Schick. Echt schick. „So? Chrissi? Gefällt dir der Name? Du darfst mich gerne so nennen!“

Und noch bevor ich blinzeln kann, liegen ihre zarten Finger auf meinem Schritt. Stopp! „Du bist doch Chrissi, oder?“

„Das kommt immer darauf an, welchen Namen du mir für die Dauer unserer Zeit geben magst. Eigentlich nennt man mich Kira.“ Daraufhin lacht sie los. Ein schönes Lachen, so hell und perlend. Es klingt weder aufgesetzt noch überheblich. Ich betrachte sie mir genauer, hänge mit den Augen an ihren Lippen, auf ihrem Mund und sehe dabei etwas, das mich mit purer Erleichterung flutet. Eine Perle in ihrer Zunge. Dieses heiße Piercing, mit dem sie ihre Kunden in den Wahnsinn treibt. Woah! Alles ist gut! Alles im grünen Bereich! Nenn mich doch einfach Chrissi! Endgeil! Worüber mache ich mir eigentlich Gedanken, hm? Muss mir doch klar gewesen sein, dass ich es nie erfahren werde. War mir auch klar! Das zuzugeben, ist aber schon eine ganz andere Hausnummer. Finde ich zumindest!

Wow! Jetzt, da die innere Anspannung abfällt und meine Gewissheit sich Bahn bricht, merke ich erst, dass Angstschweiß mein Hemd verklebt hat.

„Möchtest du doch lieber nur einen Drink?“, fragt sie zögernd und blinzelt mich mit diesen dichten, langen Wimpern an. Was? Ja, gerne! Nur ein Drink. Aber woher der Sinneswandel, Chrissi-Kira-Katze? Und da fällt’s mir erst auf: Meine Hand, die ihre festhält. Nicht zulässt, dass sie an meine Hose geht und mich in eine missliche Lage bringen kann. Ich kann es also doch noch.

Gott. Sei. Dank.

Standhaft bleiben und Kati treu sein. Aber in mir wummert’s wie ein defekter Bass. Angefangen bei meinem Muskel, der wie ein Irrer Blut pumpt, bis hin zum Zwerchfell, das zittert und vibriert und mein Innerstes beben lässt. Standhaft bleiben, Cameron! Du schaffst das. Ist doch nichts dabei. Nur eine kleine Katze, die dir an die Wäsche will. Und sie möchte, trotz VIP-Bereich, nicht mal was draufgezahlt haben. Aber irgendwie, und das hat gar nichts mit Kati zu tun, ist mir die Lust auch vergangen. In meinem Schritt ist längst wieder Ebbe. Es ist wie bei einem Rechtsstreit im Job. Nervenkitzel, solange man mittendrin steckt und sobald die Akte geschlossen wird, fällt einem erstmal auf, wie angespannt man eigentlich war.

Ich mach’s mir bequem und lasse eine ihrer braunen Haarsträhnen durch meine Finger gleiten. Quatschen mit Chrissi-Kira-Katze. Great! Niemand sucht sie. Niemand vermisst sie. Make my day! Tief ins rote Leder gelehnt, fühle ich mich lässig und beginne, den Abend zu genießen. Chrissi-Kira-Katze auch. Von besagtem peinlichen Freitag kommt kein Wort aus ihrem Mund. Vermutlich hätte ich es ihr auch übel genommen. Wobei, wie’s schmeckt, so eine Ladung Wodka mit Sahne, das würde mich ja schon interessieren. Ich bin ja von Natur aus der neugierige Mensch. Immer schon gewesen!

So formuliere ich die folgenden Worte in meinem Kopf vor. Sie sitzt neben mir, dicht an dicht, hält sich an ihrem Wasserglas fest und hat die Beine unter ihren grandios netten Hintern gezogen. So sweat! Dass ihr leichter Morgenrock auseinanderklafft, hat sie vermutlich längst bemerkt. Dennoch, dezent lecker, die Mieze. Aber gut. Darüber bin ich weg, ernsthaft. Ein bisschen Sextalk mit ihr, das hat schon was für sich.

„Es tut mir leid!“ Wow … kam das eben aus meinem Mund? Wofür hab ich mir überhaupt Worte zurechtgelegt? Cameron, du sinkst gerade echt tief.

„Was meinst du?“ Wimpernklimpern folgt. Das haben die Mädchen hier echt drauf! Ihre Hand ruht auf meinem Schenkel. Aber alles ist gut! Ich bin tiefenentspannt!

„Wegen Freitag. Ich war wohl … nicht mehr ganz bei mir.“

„Freitag?“ Stirnrunzelnd scheint sie nachzudenken und verzieht dann ihr Schnäuzchen. Na ja, es ist ein niedliches Grinsen. Zugegeben! Daraufhin folgt wieder ihr schönes Lachen, bevor sie sich an mich lehnt. Kuscheln? Ernsthaft jetzt? Ey, Kätzchen. Das hier ist eine Sexlounge!

„Ja, ich habe von dir gehört“, amüsiert sie sich weiter. „Jetzt ist mir auch klar, warum du mich gefragt hast, ob ich Chrissi bin. Glaub mir, Süßer, wir sind da ganz anderes gewohnt!“

Was? Ich hab mich wohl verhört. Meine Lässigkeit schwindet und ich verkrampfe mich wieder ein bisschen. „Das warst gar nicht du?“

„Hahaha. Nein! Wie kommst du denn darauf? Ich war am Freitag hier oben. Ich bin immer hier oben. Aber im Black Stage spricht sich ein Spektakel unter den Mitarbeitern natürlich schnell rum.“

Meine Lunge pfeift und meine Pumpe klopft hart und rasant gegen meinen Brustkorb. Puls jagt Verstand! Ich kann’s nicht fassen. „Wer war es dann?“

Das ist die Woche der Unterbrechungen. Ein Typ schneit herein. Komplett nackt! Gut, einen Morgenmantel hat er schon an, aber wirklich geschlossen ist der nicht. Ich hab auf alles freie Sicht und … finde das irgendwie megapeinlich. Doch abwenden kann ich meine Augen auch leider nicht. Meine Worte stecken im Hals fest, während der Kerl sich neben mich sinken und erschöpft seinen Atem entweichen lässt. Einfach so! Berührungsängste kennt der wohl nicht. Nach ein paar Sekunden melancholischen Starrens, entspannt sich sein angestrengter Gesichtsausdruck und er wendet sich uns zu. Greift über mich drüber und Kira nimmt seine Hand.

„Na, mein Lieber! Hast du Pause oder bist du fertig?“

„Fertig! Gott im Himmel! Die Banker sind fordernd. Aber sie lassen es sich ja auch was kosten. Wie war’s denn bei dir?“

„Gut. Wie immer. Ich mag Samuel und seine Truppe.“

Dann schaut sie mich an, drückt mir einen aufmunternden Kuss auf die Wange und flüstert über mich hinweg. „Chris, ich befürchte, meinem neuen Freund ist das zu eng. Das ist übrigens der Süße vom Freitag. Die Geschichte von den Glory Holes! Damit du endlich ein Gesicht dazu hast“, informiert sie ihn verschwörerisch zwinkernd.

Chris! Chris? Chrissi? Chrissilein?

Der Groschen fällt. Laut und klirrend. Ich reiße die Augen auf und schnappe nach Luft. Dränge mich an Kira und Chris rutscht auf dem glatten Leder hinterher. Noch dichter als zuvor. Atemnot! Doch kein Wort kommt aus mir raus. Ich pack’s nicht. Kann ihn nur anstarren und alle Bilder von Chrissi, die ich mir seit jeher gemacht hab, platzen wie Seifenblasen.

Doch ein Typ! Ein Kerl! Ein gottverdammter Homo!

Das. Ist. Nicht. Lustig.

Als hätte ich es nicht geahnt. Chris neben mir lacht schallend los. Sieht mich an und hält sich den Bauch vor Lachen. Der findet das echt amüsant.

Gesicht wahren, Cam. Gott, es geht nicht! Kalt erwischt! Gleich sterbe ich. Immer tiefer sinke ich in die Polster. Kann’s kaum fassen. Nicht mal die Augen kann ich schließen, sondern starre ihn an, wie ein Geisteskranker. Betrüger, hallt es in mir wider. Und dann halte ich wirklich die Luft an. In seinem Mund blinkt’s. Silbern und rund und mir wird schlecht. Mein Magen dreht sich, alles in mir brennt auf. Verdammte Hitze!

Shit! Fuck, fuck, fuck!

Schwer pulsiert das Blut in meinen Adern, lacht mich aus. Verspottet mich. Du hast von einem verdammten Kerl geträumt, Cameron.

„Ich habe nicht das Gefühl, dass es ihm zu eng ist, Kira!“, höre ich von rechts und daraufhin fasst er mich an.

Echt jetzt?! Ich stehe komplett neben mir. Beobachte passiv, wie sich seine Hand auf meine Ausbuchtung legt. Schwer und zielstrebig. Nichts ist zart und zierlich. Lange, schlanke Finger. Durch und durch männlich und doch … echt schön. Er packt zu und bewegt sie. Bitte nicht! Zischend entlasse ich meine verbrauchte Luft, nur um sie gleich darauf wieder anzuhalten.

„Wer Eintritt zahlt, muss ja auch was dafür bekommen, oder?“ Er grinst nach wie vor amüsiert und reibt über meinen anschwellenden Halbmast.

Wo kommt der her? Verräter allererster Güte! Und meine Pumpe, die übertreibt maßlos. Schickt meinen gesamten Blutvorrat nach unten und verweigert den Kreislauf. Ich stöhne auf. Gottverdammt! Mein Unterleib zuckt. Nicht weg von ihm, sondern hin. Hin zu seiner Hand. Ich will mehr und eigentlich will ich’s doch gar nicht.

„Kira?“ Eine dritte Stimme dringt zu mir vor. Sehr verschwommen. Doch ich kann nicht in die Richtung schauen, aus der die Stimme zu kommen scheint. Mein Kopf hat Dienstschluss. Ich starre immer noch auf das Handgemenge in meinem Schoss. „Kira? Kommst du bitte mal? Da fragt jemand nach dir. Sonderschicht, Baby!“

Bedauernd sieht sie auf mich herab. Das bekomme ich gerade noch so mit. Aus den Augenwinkeln heraus! Aber reagieren, das schaffe ich nicht. Ich will … mehr! Es ist so anders. Erschreckend anders. Anonym. Zum Glück! Niemand wird’s jemals erfahren. Diesmal bin ich der einzige Geheimnisträger.

Kira erhebt sich und verabschiedet sich von mir. Ich vernehme ihre helle Stimme, die nur ganz dumpf zu mir dringt. „Bis dann, mein Süßer!“

Ich will mit. Weg hier! Bloß weg. Doch Chris macht weiter und ich reagiere noch immer nicht. Bewege mich nicht mal und schließe, einfach um meine Welt zu bewahren, die Augen. Keuche auf, als seine Finger sich um meine Härte schließen. Hab nicht mal bemerkt, wie die sich vorgearbeitet haben. Hugo Boss’ Hosenstall steht offen und Wärme umfängt mich. Eine kräftige Hand, die mich mit langsamen Strichen massiert. Gleich heule ich los. Meine Augen brennen und in meinen Lenden kribbelt es gewaltig. Was soll das? Wie kann der das wagen? Zieht mich hinab, in seine beschissene rosa Homowelt und findet das auch noch lustig.

„Schhhh.“ Sein Mund ist meinem Gesicht ganz nah. Er murmelt Worte, die mich beruhigen und einlullen sollen. Da sind Lippen, die meine Tränen aufnehmen, sanft wie ein Kuss. Gooott, es ist so gut! So luftraubend, so berauschend. Er klingt so weit weg, obwohl er so nah ist. Ich fühle mich wie in Watte gepackt. Da ist nur noch Gemurmel, das mich erreicht und immer wieder diese weichen Lippen, die über meine Wange, dann den Hals hinab gleiten. Ich spüre Finger, die meine Krawatte lösen, Knöpfe öffnen, mich kraulen und streicheln. Der Mund zieht weiter. Über heiße, verschwitzte Haut, über meine Brust und meinen Bauch hinab. Leckt mich ab, knabbert an mir, liebkost mich und zieht eine flammende Spur hinter sich her. Gänsehaut erfasst mich. Es folgen mehrere Schauer. Heiße und kalte. Und bodenloses Verlangen flutet meinen Unterleib! Verboten … Das gehört verboten!

Wie kann er nur?

Kati-Katze!

Schock!

Bewegung kommt in mich. Endlich! Ich wehre ihn ab, beinahe kraftlos, und Chris lacht auf. Leise nur, dann hält er mich sanft zurück.

„Neuland?“ Seine geflüsterte Frage, sein intensiver, durchdringender Blick, all das fixiert mich und ich stöhne auf, nicke und halte den Atem an. „Nicht dagegen ankämpfen, Süßer. Lass dich fallen. Ich fange dich auf!“

Mechanisch drehe ich den Kopf wieder weg, betrachte passiv seine Hand, die immer noch auf meiner prallen Härte liegt. Mehrmals klappe ich den Mund auf und zu, bevor auch nur ein Wort herauskommt. „Ich bin verlobt!“

„Und ich bin schwul. C’est la vie! Wer hierherkommt, sucht nach was, oder? Du hast gefunden, was du suchst. Mich. Normalerweise bekommt man mich nicht umsonst. Deshalb solltest du schweigen und genießen.“

Er hat Recht. Irgendwie! Ich hab Chrissi gesucht. Erfolgreich, will ich mal meinen. Wäre ich lieber heimgegangen. Zu Kati. Ich bin verlobt! Verdammt noch mal! Ich heirate! Ich kann das hier nicht bringen.

Wieder wehre ich mich. Erfolgreicher diesmal. Rücke ab und springe auf. Starre auf Chris hinunter, der sich mir mit offenem Morgenmantel präsentiert. Breitbeinig. Hart. Prall. Lässig, wie er da sitzt. Im tiefen, roten Leder der halbrunden Couch. Ein Bild von Mann. Wie er seinen schönen Penis mit der Faust umschließt und sich massiert. Es kommt kein Versuch, mich zurückzuziehen. Kein Erstaunen. Nicht ein böses Wort. Er sieht mich einfach nur an und macht weiter. Hält mich fest, nur mit den Augen. Grüne Augen. Schöne, wunderschöne, tiefgründige Augen.

Ich will mehr! Möchte aber auch gerne gehen. Fahrig greife ich mir an den Kopf, stöhne auf und endlich reagiere ich doch noch. Mit zittrigen Händen verpacke ich mich. Erst unten, dann oben. Schaue Chris dabei an und presse die Lippen fest aufeinander, damit ich nicht schon wieder schwach werde, anfange zu heulen. Komme mir schon vor, wie ein Baby. Könnte mich zu Micky legen. Dann sind wir schon zwei. Chris keucht auf, fixiert mich immer noch. Stößt ungeniert in seine Hand und sein Blick ist wissend. Gooott, wieso klingt der auch noch so verrucht gut? So männlich und tief! So rau und leidenschaftlich!

„Glaubst du wirklich, ich lasse mich von einem verdammten Homo befriedigen? Noch dazu von ’nem Callboy wie dir?“

Ich bin ein Arsch. Weiß ich. Aber ich kann das hier einfach nicht. Chris blinzelt nicht mal. Nickt mir nur zu und heuchelt Verständnis. Auch Arsch! Eingebildeter Arsch! Was denkt der sich? Mein Kiefer malmt und meine Zähne knirschen dabei. Ich wische mir übers Gesicht und schlucke den Kloß weg, als ich meinen Blick endlich von ihm lösen kann und die Lounge verlasse. Fluchtartig. Raus hier! Nur weg. Sonst flippe ich aus.

Die Luft vor der Tür des Clubs ist eisig. Die Kälte trifft auf mich wie Nadelstiche, so erhitzt ist mein Körper. Ich sauge die Klarheit wie eine Erkenntnis in meine Lungen.

Ich bin hetero! Durch und durch. Wäre ich schwul, wäre ich wohl geblieben. Ich bin verliebt, verlobt und bald verheiratet. Fest vergeben. Tjard wird in nur vier Tagen mein Trauzeuge sein.

„Du bist ein Arsch, Cameron. Ein verlogener Arsch!“ Ich laufe los. Völlig desorientiert. Mit einem Ständer in der Hose, der mich die Lippen zusammenpressen lässt. Ich muss zusehen, dass ich heimkomme. Zu Fuß. Mitternacht ist schon vorbei und Kati wird so oder so sauer sein. Doch meine Gedanken rasen wie ein defektes Karussell und ich bekomme keine Ordnung da rein. Grüne Augen hat der gehabt. „Bring das mit Kati in Ordnung! Bring das, in drei Teufels Namen, einfach wieder in Ordnung.“

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Bericht Re: Duits | Eigentlich ... door Redactie » woensdag 19 augustus 2015 14:24

4.


Die Nacht auf Dienstag war miserabel. Meine Welt dreht sich irgendwie nicht mehr richtig und ich finde kaum noch in den Schlaf. Seit diesem Wochenende ist alles um mich herum, einschließlich mir selbst, defekt. Ich werde bestimmt krank, anders kann ich mir nicht erklären, was mit mir los ist. Kati ist ausgeflippt. Ihr Verständnis für mein Besäufnis am Freitag, für meinen Spaßfaktor im Allgemeinen und für mein spätes Nachhausekommen am gestrigen Abend, ist gleich null. Verübeln kann ich es ihr nicht, denn ich verstehe mich selbst nicht mehr.

Nach einem langen Gerichtsprozess und der Aufarbeitung von zwei weiteren Fällen tragen mich meine Füße wieder zum Black Stage. Es sind zwei neue Fälle, die meine gesamte Aufmerksamkeit fordern. Das hat mir kurzfristig geholfen abzuschalten. Mich wenigstens für ein paar Stunden zu konzentrieren und den Fokus von Chris wegzulenken. Aber jetzt hab ich Feierabend und da schwirren wieder diese grünen Augen durch meine Gedanken. Ich laufe einfach los, immer weiter. Hin zu Chris. Mit einer Portion Unsicherheit im Gepäck, gepaart mit wenig neuem Mut, aber immerhin, und einer Karte in meiner Tasche. Eine Karte, die mir den Zugang zum VIP-Bereich sichert. Dachte ich’s mir doch. Mein Chef hat gegrinst und in seinen Schreibtisch gegriffen. Ich hab mich nur kurz gefragt, ob er Lounge 1 oder Lounge 2 bevorzugt. Außer vor Gericht, ist er ja nie sehr redselig. Uli verliert lieber weniger Worte, statt zu viele davon. Aber eine Mimik sagt manchmal schon mehr als tausend Worte, nicht wahr?

Jetzt stehe ich vorm Eingang des Clubs und bin genauso früh dran wie gestern. Weiß nicht, was ich hier zu finden glaube. Aber mit Chris muss ich noch mal reden. Ich bin zwar ein Arsch und echt versnobt, aber ich weiß eigentlich schon, was sich gehört. Ich war ja nicht gerade sehr nett zu ihm.

Meine Nervosität steigt mit jeder Minute weiter an. Das ist ein gefährliches Pflaster hier. Seit drei Tagen zu heiß für mich. Ich hab mir Zigaretten gekauft. Eigentlich bin ich Nichtraucher und trotzdem ziehe ich mir gerade die Zweite rein. Widerlich ist es schon, aber es lenkt auch ab. Da weiß ich wenigstens, woher die Vernebelung in meinem Gehirn kommt. Das Nikotin und all das andere Gift, das da drin ist, schlagen schon heftig auf den Blutkreislauf. Hätte ich nie gedacht. Hat mich auch nie interessiert. Mein Fazit: Raucher werde ich wohl nicht. Ich trete das Ding aus und warte weitere fünf Minuten. Die Dritte landet in meinem Mund. Langsam gewöhne ich mich daran.

Da kommt er und ich kann nicht vermeiden, ihn mit offenem Mund anzustarren. Gut sieht er aus! Verdammt gut! Älter als gestern und verdammt kantig und männlich, irgendwie rau und geheimnisvoll. Das Licht in dem Schuppen scheint zu verzerren. Spiegelt Jugend und Weichheit vor. Ich bewege mich auf ihn zu und blockiere somit seinen Weg. Abrupt stoppt er und hebt den Kopf. Er war in Gedanken. Es dauert einen Moment, bis er den Blick fokussiert und mich wirklich wahrnimmt. Doch sagen tut er nichts. Steht da und sieht mich an. Wissend. Sich erinnernd. Auf Augenhöhe. Mit braunen Haaren, ein gutes Stück heller als meine, und einem leichten Bartschatten. Im Schritt gestutzt, ja, ich weiß es noch. Grandioser Anblick!

„Hi!“ Wow … Applaus, Cameron! Sehr ausgefallene Begrüßung.

„Hi.“ Seine Braue wandert nach oben, sein Mundwinkel spöttisch nach unten und sein Gesicht kommt mir näher. Und irgendwie tut’s mir leid, doch mein Fuß geht nach hinten, nimmt Sicherheitsabstand. Besser so. Wirklich! Will nur was klarstellen und wieder verschwinden.

„Chris, ich … möchte mit dir reden.“ Beginnt man so? Ich weiß es nicht. Diese undefinierbaren Gefühlsausbrüche, die mich seit Tagen plagen, sind Neuland für mich. Mit einem Callboy in Kontakt zu treten gehört auch nicht zu meinem täglichen Programm. Ich kenne mich nicht mehr aus. Das hier ist eine Welt, die nicht meine ist.

Ich möchte so gerne zurück, würde alles dafür tun. Doch Kati hat dicht gemacht. Gestern ist es passiert. Sie hat ihre Tasche gepackt und mich angeschrien, weil ich so spät nach Hause gekommen bin, zudem völlig fertig war und mich auf ihre Vorwürfe hin auch noch ausgeschwiegen hab. Wenig später hat sie die Wohnung mit einer gepackten Tasche verlassen. Wollte zu ihren Eltern und morgen, da kommt sie wieder. Sie hat’s mir versprochen. „Wenn du wieder richtig im Kopf bist“, hat sie gesagt und ich hab ihr versichert, dass sie sich auf mich verlassen kann.

„Über was genau?“ Provozierend sieht er mich an und holt mich aus meinen ausschweifenden Gedanken zurück. Zurück zu ihm!

„Was ich gestern zu dir gesagt habe …“

„Weißt du“, unterbricht er mich rigoros, kneift die Augen zusammen und senkt gefährlich seine Stimme. „Es war verletzend. Mag ja sein, dass ich in deinen Augen nur eine unbedeutende, männliche Nutte bin. Ich verdiene mein Geld eben nicht, indem ich geschniegelt herumlaufe und Leute bescheiße, was ja auf jeden zweiten Job bei Anzugträgern wie dir zutrifft. Dennoch: Ich lasse nicht so mit mir reden. Das war persönlich und weit unter der Gürtellinie. Mehr habe ich nicht mehr hinzuzufügen. Ich bin fertig mit dir.“

Wow. Der ist sauer. Und zwar hochgradig. Was heißt denn überhaupt fertig mit mir? Fertig mit was? Was meint der? Ich … na ja … ich will eigentlich nicht, dass er fertig mit mir ist.

„Es tut mir leid, Chris. Es war nicht so gemeint. Ich rede mich gerne mal um Kopf und Kragen und …“ Der Rest meiner Worte geht unter, denn ich bin beschäftigt mit gucken. Er sieht echt gut aus. Hat was unglaublich Anziehendes, Magnetisches an sich. Sein Blick hält mir stand. Ich schlucke und bemühe mich um Fassung. Trete vor und berühre ihn. Unabsichtlich und rein zufällig mit meiner Hand an seinem Arm. Mein bescheuerter Muskel rast los. Ich suche was in seinen Augen. Irgendwas! In diesem unerbittlichen, aber echt schönen Grün. Eher dunkelgrün. Kann nicht mal sagen, ob ich es schon gefunden hab, denn ich suche einfach weiter und verliere mich fast. Er bleibt völlig cool, lässt’s mich zumindest glauben. Und dann … ich weiß nicht, wie das passiert ist, aber ich beuge mich vor und … er tritt zurück!

„Ich bin heute fest gebucht und muss jetzt reingehen“, unterbricht er den Augenblick. Den echt schönen Moment. Aber immerhin mit nicht mehr ganz so scharfem Tonfall, wie seine Abfuhr eben. „Deine saubere Welt ist nicht meine. Und dein Versuchskaninchen bin ich auch nicht.“

„Nein … das … bist du wohl nicht.“ Schon irgendwie, aber zugeben will ich’s ja auch nicht.

„Geh zu deiner Verlobten. Ist besser für dich.“

Gott, woher weiß er das? Ich hab’s ihm gesteckt. Gestern, als mein Kopf nicht mehr richtig funktionierte.

„Hast du dein Rohr, für das ich gestern verantwortlich war, zu Hause schön versenkt?“

„Nein … ich …“

„Nein? Was dann? Bist du um die Ecke, hast dir einen gewichst und dabei an mich gedacht?“

Ich schlucke, trete abermals vor und er bleibt tatsächlich stehen. Ich kann ihn spüren, ihn riechen, hole noch mal extra tief Luft durch die Nase und würde gerne noch einen Schritt vorgehen, aber das traue ich mich wiederum nicht.

„Wann ist denn die Hochzeit?“, lenkt er abermals mit gesenkter Stimme ein und sein Mund ist so nah. Nur ein paar Zentimeter, schießt es mir durch den Kopf, nur ein wenig nach vorne beugen …

„In drei Tagen“, antworte ich flüsternd und atemlos und Chris lacht auf, reißt mich an sich. Gräbt kurz seine Zähne in meine Lippen, bevor er grob und frei von allen Zwängen und Grenzen mit seiner Zunge in meinen Mundraum vorstößt. Das Metall klappert an meinen Zähnen, drückt sich in meine Zunge, spielt mit mir und macht mich rasend und geil. Nimmt mir einfach die Luft. Viel zu kurz dauert der Überfall, bevor er mich von sich stößt, hart und vehement, und wieder zurücktritt. Zu weit und zu schnell. Ich keuche laut auf und in mir splittert’s.

Was? War? Das? Wow …

„Na dann … Ich wünsche dir eine schöne, verlogene Feier in deiner schönen, verlogenen Welt. Deine Entschuldigung ist angekommen. Du kannst wiederkommen, wenn du weißt, was du willst! Wo du mich findest, sollte dir ja jetzt bekannt sein. In der Regel oben in der Lounge und mich zu buchen, kostet ein bisschen was extra. Vor allem, wenn’s eine Einzelnummer werden soll.“

Was? Wieso sagt er das? Was ist schief gelaufen? Jetzt sag schon! Ich will ihn anschreien, ich versteh’s nicht.

„Chris, ich … Wie heißt du wirklich?“

„Christopher. Mach’s gut, Heterofreund!“

„Mein Name ist Cameron und …“

„Interessiert’s mich?“ Dann dreht er ab und verschwindet. Rein in die Sexhöhle und ich stehe da und fühle mich beschissen. Verletzt und zertreten. Wie zerkaut und ausgespuckt. Er will mich nicht. Ihn interessiert nicht mal mein Name und das trifft mich tiefer, als ich zugeben möchte. Ich will ihn, verdammt noch mal, doch auch nicht, so wie er das vielleicht denkt. Dennoch kann man höflicher miteinander umgehen, oder? Deutlich war’s auf jeden Fall! Mein Muskel schlägt bis zum Hals hinauf. Ich bin nur ein dämlicher Kunde, der gestern zufällig da war, als er Leerlauf hatte. Klar, ne?

Und jetzt? Ich greife mir an den Kopf und ringe um Fassung. Presse die Lippen aufeinander, schmecke und spüre ihn immer noch, den harten Druck und die Wärme seines Kusses, und könnte mich treten. Was mache ich hier? Was zum Henker, hat mich heute eigentlich hierher getrieben? Meine Entschuldigung war für’n Arsch. Aber so was von. Der ist doch die rüde Ansprache gewohnt. Ausgelacht hat der mich. Versnobter Hetenarsch, der ich bin. Ein Kunde halt. Namenlos und morgen vergessen! Das Schlimme daran ist: Ich verstehe ihn sogar. Irgendwie wenigstens. Wer ist schon gerne Versuchskaninchen? Recht hat er. Ich sollte heimgehen. Kati anrufen und um Verzeihung bitten.

Ich fühle mich leer und laufe los. Laufe immer weiter und die Leere bleibt. Dörrt mich aus und hält sich wie eine Konstante. Hartnäckig und kalt. Ich kann nicht heim. Merke es erst, als ich bei Micky ankomme und durch die marode Eingangstür die Treppen zu seiner Wohnung hochgehe. Weiß nicht mal, was ich hier überhaupt zu finden hoffe. Aber heim will ich nicht. Da ist niemand. Ich brauche jetzt jemanden zum Reden. Mehr noch, zur Ablenkung. Da Micky hier in der Innenstadt wohnt, ist er für mich am schnellsten erreichbar. Tjard wohnt außerhalb und Busse … der wird’s kaum verstehen. Der mag Kati nämlich ziemlich gerne und hat mir gerade erst die Tage gesteckt, dass er meine Aktion vom Freitag nicht gutheißt und er der Einzige war, der mit dem Verlauf meines Junggesellenabschiedes keinen Vertrag hatte.

Micky ist zudem schwul … das ist dann wohl der zweite Grund, weshalb ich mich hierher verirrt hab. Ich donnere gegen die Tür zu seiner Wohnung. Mehrfach. Doch er ist ausgeflogen. Sauberfreund! Jetzt? Wieso ausgerechnet heute, hm? Wo er doch für meinen Zustand verantwortlich ist. So ein bisschen wenigstens. Ich möchte es mir wenigstens gerne einreden.

Beim Nachbarn geht die Tür auf. Was soll ich sagen: Erschöpft sehe ich in die Augen von Till, der mir nur kurz zunickt und meinen Zustand mit einem Blick zu erfassen scheint. „Micky kommt erst um halb zehn nach Hause. Du siehst mitgenommen aus, Cameron.“

Erschlagen von meinem inneren Chaos lehne ich mich gegen die Wand und rutsche daran herunter. Soweit, bis mein Hintern auf dem Boden aufkommt. Ich bin fertig. Ausgelaugt. Verwirrt. Unsicher. Wo ist rechts? Wo ist links? Wer bin ich eigentlich? Wer zum Teufel ist Cameron? Knutscht mit einem Homo auf offener Straße. War das überhaupt ein Kuss? Was war das? Eher ein Überfall! Heiß war es auch. Grob und gnadenlos prickelnd. Perfekt! Es hat gezogen bis in die Lenden und Blitze durch mich gejagt. Nicht zart. Nicht sanft. Nicht wie bei Kati. Bin ich etwa schwul? Kann doch gar nicht sein.

Ich will zu Kati. Wieso kann ich nicht einfach zu Kati zurück? Morgen, versichere ich mir. Morgen kommt sie zurück. Dann reden wir, und heute? Heute rede ich mit Micky. Der kriegt mich wieder hin. Ganz sicher! Er ist ein guter Redner, wenn es darauf ankommt. Überzeugend kann er sein, aber auch ein schweigsamer Zuhörer, wenn seine Meinung nicht gefragt ist.

„Komm doch erst mal rein. Du kannst in meiner Wohnung auf ihn warten.“

Ich zögere. Hebe bleiern den Kopf und meinen Körper hinterher. Langsam bin ich, als ich an ihm vorbei schleiche und in sein Reich eindringe. Nett hat er’s hier. Wirklich nett. Viel ordentlicher als bei Micky in der Bude. Aufgeräumt. Geradezu weiblich sauber. Vorurteilen sei Dank! Die Couch ist mein Ziel und Till setzt sich zu mir. Mustert mich und versucht, meine Gedanken zu erraten. „Ist was passiert?“, möchte er wissen.

„Wie alt bist du eigentlich?“ Gegenfrage! Ich bin Anwalt, werde nicht gerne ausgefragt.

„Ist das wichtig?“

„Ist es geheim?“

„Achtundzwanzig. Was ist passiert?“, beharrt Till weiter und ich verdrehe seufzend die Augen. Schon gut. Dann rede ich eben mit Till. Ist ja auch ein Homo, der süße Untenlieger. Vielleicht hat er Antworten für mich.

„Seit wann weißt du, dass du schwul bist?“

„Eigentlich schon immer. Wie Micky auch. Ich wusste es einfach irgendwann. Mit zwölf oder dreizehn ist es mir wirklich bewusst geworden. Stört es dich?“

„Nein! Hab nichts gegen euch. Wie merkt man das?“

„Was? Dass man schwul ist? Ich weiß nicht.“ Er zuckt mit den Schultern. „Man merkt es halt. Ich konnte meine Augen kaum von Jungs abwenden, die mir gefielen. Für Mädchen hingegen hatte ich nicht mal einen müden Blick übrig. Die haben mich einfach nicht gereizt, optisch nicht angesprochen, wohingegen ich beim Sport in der Umkleidekabine kaum wusste, wo ich zuerst hinschauen sollte. Schwierige Zeit. Man wollte ja auch nicht auffallen. Zurück zu dir. Was ist passiert? Du siehst fertig aus.“

„Nichts ist passiert. Ich bin eben von einem von euch geküsst worden!“

Till zieht zischend die Luft ein und seine Brauen schnellen in die Höhe. „Oh … Wo kommst du denn her, dass dir so was passiert?“

Black Stage!“

„Ach … okay … das ist nicht mein Club. Ich gehe lieber in Bars und Clubs, wo wir unter uns sind. Im Black Stage sind mir zu viele Frauen. Und?“ Er grinst plötzlich. „War’s denn gut?“

„Keine Ahnung.“ Ja, irgendwie schon. „Es war wohl eher ein Statement. Geh nach Hause zu deiner Frau, hat er anschließend gesagt.“

„Oh … und? Hast du was dabei empfunden?“

„Ich weiß nicht.“ Ja, irgendwie schon. „Es hat wehgetan.“

Kurz lacht er auf, bevor er das Kreuzverhör fortsetzt. „Wie kann ein Kuss wehtun?“

„Es tut immer noch weh!“

„Oh …“ Till steht von der Couch auf und geht vor mir in die Hocke. Stupst mich an, bis ich den Kopf hebe und in seine grauen Augen starre. Dunkelgrün sind sie nicht. Aber schön schon! Mitfühlend streichelt er über meine Knie. „Wer war es denn, wenn ich fragen darf? Gekannt habt ihr euch schon, oder?“

Kennen? Was ist das schon? Ist doch sowieso egal, oder? Ich brauche kein Mitleid. Ich will doch einfach nur, dass es aufhört, sich so komisch anzufühlen. So verzehrend. Chris hat nicht mal interessiert, wie ich heiße.

Ich bebe los, es breitet sich in mir aus, wie ein Unwetter in Orkanstärke, und ich raste noch in dieser Sekunde aus. Völlig unkontrolliert entlädt sich die Spannung. Alles, was sich in mir aufgestaut hat. Ich brülle ihn an, springe auf und kann’s nicht mal stoppen. Ich tobe und werde immer lauter. „Ist das wichtig? Ist das wirklich wichtig? Ihr seid doch sowieso alle gleich. Heute der, morgen der. Scheiß doch drauf, Till. Ehrlich! Euch ist doch völlig egal, mit wem ihr’s treibt. Hauptsache einer hält den Arsch hin und einer darf rein, oder? Hauptsache, es sind zwei Schwänze und zwei Ärsche vorhanden. So läuft das doch. Was ist da schon ein Kuss? Fühlt ihr eigentlich auch was? Was treibt euch an, hm? So eine verfickte … Ehrlich wahr! Findet’s noch lustig, wenn ihr Betrug im großen Stil durchzieh’n könnt, indem ihr euch als Frau ausgebt und verarscht unsereins.“ Ich ringe nach Luft. Keuche auf und setze noch einen drauf. Jetzt ist es sowieso egal. „Weißt du was? Ich gehe jetzt. Hab echt genug und die Schnauze gestrichen voll. Ich gehe und hole Kati zurück. Da weiß ich wenigstens, woran ich bin. Ich könnte echt kotzen. Und ich flippe aus, wenn mir noch mal einer an die Wäsche geht. Steht mir das auf die Stirn geschrieben, was? Sag’s mir, Till. Spuck’s schon aus. Steht da etwa: Cameron will’s wissen? Fasst ihn an, knutscht ihn ab, steckt ihm die Zunge in den Hals, holt ihm einen runter. Lutscht ihm einen. Irgendwann, so Gott will, wird er schon glauben, dass er einer von uns ist? So eine verdammte …“ Ich presse die Lippen zusammen und schlage auf die Wand ein. Haut reißt. Fuck, tut das weh! Das war Rauputz! Alles schmerzt, zieht rauf bis in den Arm. Blut tropft.

Ich bin am Ende. Kaputt. Zerstört. Völlig fertig und Till fängt mich auf. Wortlos. Obwohl ich doch recht schwer bin. Doch er ist tapfer und geht mit mir zu Boden.

„Schhhh … Komm wieder runter, Cameron. Bitte! Du bist ja voll durch den Wind.“

Ich könnte auf der Stelle losheulen. Aber ich verkneif’s mir. Drücke sie weg, die Feuchte in den Augen, und beiße die Zähne zusammen. Verkrampfe mich und irgendwie schüttelt’s mich dann doch. Ich kann’s nicht mehr zurückhalten. Will ich auch gar nicht mehr. Doch Till hält mich. Hat sich hinter mich gesetzt und zieht mich in seine Arme, bis mein Rücken an seine Brust andockt. Er drückt mich und murmelt beruhigende Worte. Schmust mit mir, indem er seinen Kopf auf meine Schulter legt. Es tut so gut. Genauso gut, wie bei Chris gestern im Club auf dem Sofa, als er mich mit seinem Mantra beschwören wollte. Ich kann einfach nicht mehr. Was ist los mit mir?

Möchte so gerne heim! Meine Krawatte wird gelockert und mein Sakko von den Schultern geschoben. Ich lasse es wortlos und ohne Gegenwehr geschehen. Meine Kraftreserven sind erschöpft und die Hand … die sieht nicht nur hinüber aus, sondern fühlt sich auch echt kaputt an.

Wie ich! Wie alles von mir. Till hat Geduld, wiegt mich wie ein Kleinkind und presst ein Taschentuch auf meine Hand, die er in seiner festhält. Er murmelt so lange, bis ich zur Ruhe finde. Ein bisschen wenigstens. Ich entspanne und lasse mich vollends gegen ihn sacken. Das ist alles total abgefuckt. Till wartet, bis auch meine letzten Tränen versiegt sind, bevor er sich erhebt und mit ihm die Wärme hinter mir wieder verschwindet. Mein Kopf sackt nach unten, während ich meine Hände in die Haare schiebe und verzweifelt daran reiße, das Blut verschmiere. Es ist mir egal. Ich kann nicht mal aufsehen, sondern starre beschämt zu Boden, auf den Blutfleck, der zwischen meinen Beinen im Teppich eingesickert ist. Ich bin ja selbst schuld. Wäre ich nicht so neugierig, würde ich jetzt gemütlich zu Hause sitzen. Kati wäre bei mir. Würde mich lieben, mich umsorgen. Für mich kochen und auf den Freitag hinfiebern. Ich hab eine verdammte Scheißangst. Vor mir selbst und vor morgen. Vor übermorgen. Vor Freitag erst!

Till kommt wieder. Kniet vor mir nieder, zwischen meine Beine, und greift meine Hand. Sieht mich an, als ich hochschaue und wartet, bis ich meine verkrampfte Faust löse. Nichts war’s mit Spannung rauslassen. Mein Anfall von Aggression hat überhaupt nicht geholfen. Zärtlich tupft er an mir rum. Sprüht was drauf, was mir ein Zischen entlockt, und betrachtet sich die Knöchel, während es in mir immer noch bebt.

„Ich bin zwar kein Arzt, aber ich könnte mir vorstellen, dass das versorgt werden muss. Soll ich dich ins Krankenhaus fahren?“

Nein! Nur das nicht. Ist doch nur aufgeplatzt. Nichts Schlimmes. Ich schüttle den Kopf und beiße mir auf die Lippen. Till sprüht erneut und ich zische wieder. Das brennt. Bin schon Memme genug! Nur nicht zucken. Dann kommt er mit einem Verband. Immer noch zärtlich. Kann der auch anders? Chris kann anders … und … Gooott … ich spür’s jetzt noch. Seine Finger an meinen Schwanz, seine Faust an den Eiern. Seine Lippen auf meiner Haut, auf meinem Mund. Seine Zunge in mir.

„Geht’s?“

„Besser, ja. Danke, Till. Es tut mir leid!“ Wegdrängen. Dräng ihn weg, den zerstörenden Gedanken an den Callboy!

„Vergiss es. Ich habe einfach nicht hingehört. In einem Anfall von Wut sagt man schon mal Dinge, die man gar nicht so meint.“ Mit seinen grauen Augen blickt er mich treuherzig an.

„Du findest mich gut, was?“ Und eigentlich ist es auch echt unfair, das ausgerechnet Till meinen Wutanfall abbekommen hat. Er nickt kaum merklich auf meine Frage hin. Dachte ich’s mir doch. Den Blick eben, und vor allem den vom Samstag, den versteht selbst so ein Snob wie ich. Fick mich, stand da auf seiner Stirn. Mach’s mir wild und leidenschaftlich.

Wenn ich könnte, mein Freund, wenn ich könnte, würde ich es glatt machen. Süß bist du ja schon! Kleiner Untenlieger. Kann mir schon vorstellen, dass Micky Spaß mit dir hat.

Eine verbale Bestätigung von ihm bleibt mir dann glücklicherweise erspart, denn es klopft und Till streichelt über mein Knie, bevor er sich erhebt. „Das wird Micky sein“, lässt er mich wissen. „Er kommt nach der Arbeit meistens kurz vorbei, um zu sagen, dass er wieder zu Hause ist und wir wollten unseren Abend sowieso gleich gemeinsam ausklingen lassen.“

Till lässt sich nichts weiter anmerken und verschwindet im Flur, um Micky zu öffnen. Krass. Irgendwie grandios. Ich sitze hier wie ein Häufchen Elend und gleich kommt mein bester Freund. Einer von Dreien. Der lacht mich entweder aus oder stampft mich in Grund und Boden. Letzteres vermutlich. Kaum ausgedacht, spüre ich auch schon den Blick im Rücken. Die beiden tuscheln und Micky greift mir unter die Arme und pflückt mich vom Boden.

„Mensch, Alter. Was ist denn los mit dir? Ist was passiert, Cam? Wieso treibst du dich hier rum und bist nicht zu Hause?“

„Dachte mir, ich schaue noch mal im Black Stage vorbei. Voll für’n Arsch. Gestern und heute sowieso. Wäre wirklich besser zu Hause geblieben.“

„Aha … Verrätst du mir auch, was du da wolltest?“

„Wollte wissen, wer Chrissi ist. Ich hätt’s lassen sollen! Sie ist ein Er.“

Micky lacht schallend los und Till saugt entsetzt Luft in die Lungen. Erstklassig. Ich werde auf die Couch gesetzt und Micky zieht mich in eine Umarmung. Muskeln sind schwer. Ehrlich wahr! Aber jetzt kann ich ja testen, ob’s an Mickys Brust bequem ist. Nur zu gerne. Ich lasse mich gegen ihn sacken und halte meine Hand. Tut fucking weh! Verdammt noch eins.

„Wie kommst du nur darauf, dass Chrissi ein Kerl sein soll? Das wäre Betrug. Das kann sich das Black Stage gar nicht erlauben! Das kann sich gar kein Club erlauben. Cam, du spinnst dir da wirklich was zusammen.“

„Glaubst du wirklich, oder? Was wäre denn, wenn Tim sich als Mädchen, statt als Kerl herausstellen würde? Schon mal darüber nachgedacht? Wärst du dann immer noch so gelassen?“

„Tim? Der Kleine, der mir einen gelutscht hat? Der ist ein Kerl. Durch und durch. Der ist so ein Sonnenschein, weißt du?“

„Woher willst du das wissen?“

„Weil ich Tim kenne. Nichts ist so dicht, wie es scheint. Das System ist zwar gut, aber dennoch durchlässig. Du hast dich nur nie dafür interessiert, wer sich hinter den Wänden der Glory Holes aufhält. Deine Fantasie in Bezug auf Chrissi war ziemlich farbenprächtig. Das war doch der Grund, weshalb du damals gar nicht wirklich daran interessiert warst, wer sich hinter dem Namen verbirgt. Aber jetzt, ja? Deine anwaltlichen Fähigkeiten in allen Ehren, Cam, aber du verrennst dich. Tim ist Tim. Dann wird Chrissi auch Chrissi sein.“ Micky schüttelt belustigt den Kopf und bleckt grinsend die Zähne. „Zufällig weiß ich sogar, was Tim unten herum zu bieten hat und das ist in der Tat nicht weiblich bestückt. Mach dir also bloß keine Gedanken, okay? Deine Chrissi wird schon echt sein. Wer weiß, wer dich heute an der Nase herumführen wollte?“

„Sie ist ein Kerl!“, schnaube ich los und versuche, ob meine Beine mich wieder tragen. Will schon stehen, wenn ich das jetzt ausdiskutieren muss. Micky Auge in Auge gegenübertreten, statt in seinem Arm auf der Couch zu versumpfen.

„Die ist ein gottverdammter Kerl“, blaffe ich ihn dann auch direkt weiter an. „Gestern hab ich’s rausgefunden. Er ist mir an die Wäsche und hat sich anschließend über mich kaputt gelacht. Heute hat er mich dann gnadenlos abblitzen lassen. Wollte nicht mal meinen Namen wissen. Hat gesagt, ich soll heiraten und meine verlogene, heile Welt aufrechterhalten. Abgeknutscht hat er mich. Beinahe aufgefressen. Der Arsch! Mich ausgelacht und von sich gestoßen! Verlogener Homo. Hat gesagt, wenn ich … weiß was ich will und … drauf zahle, kann ich wiederkommen. Ehrlich wahr!“

„Cam?“ Micky muss sich das Lachen verkneifen. Best-Friend, was? Oar … „Was ist los mit dir? Du heiratest am Freitag. Was muss Kati nur denken, wenn du so durch den Wind bist?“

„Kati ist weg!“ Und es auszusprechen ist krass.

Ich schließe die Augen und höre Mickys klagenden Laut. Der aufkommende Lachanfall schlägt um in Ernüchterung. Er flucht wie ein Brunnenputzer und reißt mich am Kragen meines grauen Hemdes zu sich. Schüttelt mich durch wie ein Püppchen und schreit mich an. „Sieh mich an, Cam. Verdammte Haxe. Was ist los mit dir? Du liebst Kati. Was genau willst du dir beweisen? Dass du ein ganzer Kerl bist? Das bist du, Cam. Volle Kanone. Dass du es drauf hast? Auch das kann ich bejahen. Du hast es drauf. In allen Belangen. Aber du hast dich für eine weibliche Partnerin entschieden und bist glücklich mit ihr.“

Da stockt er, sieht mich eindringlich an. Mit seinem Satz kann ich gerade nichts anfangen. Dafür hallt der umso lauter in mir nach. Ich nicke nur. Bestätige ihm, was er verbal ausspricht. Es war für mich nie eine Überlegung wert. Eigentlich …

„So, zu gestern: Hat der Typ dich abgefüllt, oder was? Wie kommt es, dass du dich von einem Mann anfassen lässt?“

„Ich …“ Ich trau mich kaum, ihn anzusehen. Mach’s trotzdem und bewege die Lippen. Meine Worte stecken fest. Tief in mir. Verdammt, Micky! „Ich … fand’s gut?“

„Guuuut?“ Micky ist laut. Krass! Mir fliegen die Ohren weg. „Guuut, Cameron?“ Er schüttelt mich weiter, bis ich zu mir komme und mich gegen ihn stemme. „Herrgott noch mal. Wach endlich auf. Liebst du Kati denn nicht mehr?“

„Natürlich. Ich mag sie.“

„Du magst sie?“

„Ich hab sie gern. Ja, verdammt. Ich lieb sie. Sonst würde ich sie kaum heiraten wollen.“

„Und dann findest du es gut, wenn ein Kerl dich anfasst und aufgeilt? Bei mir hast du wie eine Memme die Backen zusammengepetzt!“

Klingt der jetzt echt verletzt? „Du bist ja auch, verdammt noch mal, mein Freund. Was glaubst du? Und provozieren lasse ich mich auch nicht gern.“

„Ach, komm schon, Cam. Du hast deinen Arsch vehement vor mir verteidigt, Freunde hin oder her. Klar habe ich dich provoziert. Die Situation hat geradezu danach geschrien. Du übrigens auch! Das war ziemlich offensichtlich.“ Dann hält er inne. Grinst über beide Wangen, weil mir mein Gesichtsausdruck scheinbar entgleist, und sein Blick wandert weiter zu Till. Sein Grinsen wird dümmlich. „Du kommst also nach unzähligen Jahren endlich mal auf den Trichter, dass da was ist, was es mal zu erkunden gibt? Du bist zu neugierig, Alter. Also, klingt jetzt blöd, aber die Erfahrung zeigt’s. Um dir Sicherheit zu verschaffen, probier’s aus. Frag zum Beispiel Till. Der hat ja sowieso einen kleinen Narren an dir gefressen. Dann könntest du deine Neugierde wenigstens befriedigen und wieder klar denken.“

Micky lässt mich los und wechselt stillschweigende, beinahe verschwörerische Blicke mit seinem Nachbarn. Was soll denn das jetzt? Die tauschen sich nonverbal aus. Geht’s noch? Mir fehlen die Worte. Bin ich jetzt das Versuchskaninchen, oder was? Soll ich am Ende noch meinen Arsch hinhalten? No-Go … Stopp! Und was genau meint der eigentlich mit: endlich auf den Trichter kommen? „Micky, ich …“

Doch Micky hebt die Hände. Bringt mich damit zum Schweigen. „Ich gehe jetzt rüber. Will schnell noch duschen und was futtern und wollte Till eigentlich nur fragen, ob ich zu ihm oder er gleich zu mir kommen wird. Also, ich komme rüber, wenn ich fertig bin. Sollte ich dann stören, müsst ihr ja nicht aufmachen. Viel Spaß ihr Süßen.“

Die Tür schlägt zu und Till starrt diese an. Genau wie ich. Ich stehe da und … hab mich gerade verhört, oder? Fühle mich befangen. Irgendwie! Ist schon krass. Hat Micky das ernst gemeint?

„Till, ich … gehe dann besser. Danke für dein offenes Ohr. Danke für die Krankenpflege. Tut mir echt leid, dass ich ausgerastet bin. Aber ich muss jetzt nach Hause und…“

„Vergiss es. Cameron. Micky hat schon Recht. Wenn du es wissen willst, so für dich, meine ich, dann solltest du es nicht wieder vergraben. Ich biete mich an.“

Fuck! Der Kleine spinnt. Drehen die jetzt alle ab? Himmel noch eins, ich vergesse mich gleich, ich … „Hey, Till. Schlechte Idee. Gaaaanz schlechte Idee. Weißt du, ich bin seit dreiunddreißig Jahren hetero. Und eigentlich weiß ich auch, wie so Gefühlsdinge funktionieren. Bin ja nicht immer so ein Arsch, wie gerade eben. Noch dazu hast du mir eben gesteckt, dass du auf mich stehst. Glaubst du wirklich, ich nutze das aus, nur um mir zu beweisen, dass Kati doch eher mein Ding ist? Das wäre nicht fair. Finde ich zumindest. Du investierst da echt mehr als ich.“ Viel mehr! Ich investiere gar nichts. Vergeudete Zeit. „Das kann schnell nach hinten losgehen und …“

Ich glaub, ich spinne! Wieso guckt der Kleine so? Ich kann’s mir nicht verkneifen, rubbele über meine Stirn. Steht da was? Er kommt auf mich zu, langsam, schleichend. Eine süße, niedliche Katze. Aber Ohren am Kopf hat das Kätzchen schon, oder? Hat er mir überhaupt zugehört? Till ist beinahe einen Kopf kleiner als ich. Das ist doch Irrsinn. Völlig verrückt. Ich bin desorientiert. Aber der Klopfer in mir, der findet’s total aufregend und spannend. Schlägt bis zum Hals. Mein Muskel pulsiert, als wären zehn Schlagmänner gleichzeitig am Werk. Ich weiche zurück. Reiner Reflex. Bis ich die Couch in den Kniekehlen hab und versinke.

Auf der Couch und mit den Augen in seinen. In dem grauen Blick, der mich gefangen hält und nicht mehr loslässt. Die kleine Katze klettert auf mich, setzt sich, als wär’s normal, auf meinen Schoß. Dann schiebt er sich vor, so weit, bis … Großer Gott, der hat einen Ständer. Und was für einen. Ich spüre ihn überdeutlich. Hugo Boss sei Dank. Nichts ist mit Jeans, die das abfangen. Kann mich kaum noch rühren. Bin wie gelähmt. Horche in mich und schnaube. Ist das normal? Das ist Nervosität. Nichts weiter. Ich fühle mich überrumpelt und hab einen süßen, schnurrenden Homo auf mir sitzen. Ist doch eigentlich Katis Platz.

Fuck!

Blutsturz. Das ist echt nicht mehr witzig. Der macht mich an. Wenn der so weiter guckt, begrabe ich ihn unter mir. Typ hin oder her. Dann garantiere ich für nichts mehr. Aber ich sitze immer noch da und bin bleiern. Tue nichts. Gar nichts. Und Till auch nicht. Außer sich an mich zu pressen, die Augen zu schließen und flach zu atmen. Genießer schweigen, oder wie war das? Und jetzt?

Hey, Till … Wach auf! Doch er genießt. Was genießt er? Meinen Ständer an seinem? Ja, ich geb’s zu. Da kommt was. Eine Halblatte. Bei dem Blutsturz aber auch kein Wunder. Ich sag’s ja. Da stimmt was nicht mit mir. Bei Kati kommt der auch hoch. Und Till ist ja Untenlieger. Mein Gehirn merkt’s nur einfach nicht, dass es ein Kerl ist und kein Mädchen! Ich funktioniere einfach nicht mehr. Vorher schon nicht, bei Chris. Aber der stimmt ja auch nicht! Verrückte Sachen, die da gerade abgehen und ich mittendrin. Völlig verrückt!

Ich! Bin! Kein! Homo!

Alle wissen das. Ich vorneweg. Kati könnte auch supergut mitreden. Selbst Chris hat’s gecheckt. Sogar Micky hat’s eben noch gesagt. Das ist keine fünf Minuten her. Till zieht die Unterlippe ein. Direkt zwischen seine herrlich blitzend weißen Zähne und blinzelt. Über das Grau seiner Augen legt sich ein leichter Schleier und seine Hände tasten sich vor. Streichen über mein Hemd, über die Brust, hoch zum Hals und an meinen Wangen entlang. Zart. Sanft. Ein Prickeln erfasst mich. Er kann nicht anders. Ich dacht’s mir fast. Aber ist schon süß, der Kleine. Hoffe nur nicht, dass er hofft, dass ich jetzt mitmache. Mir entkommt ein Stöhnen. Nicht vor Verlangen! Definitiv nicht. Ich kann das einfach nicht. Kann mich aber auch nicht rühren. Nicht mal einen Reflex löst’s in mir aus. Anscheinend bin ich nicht nur versnobt, sondern auch noch verklemmt. Und wie! Ganz was Neues für mich. Cameron, der Offensivspieler, geht in die Passivgeschichte ein.

Gooott, diese zarten Finger. Wühlen sich in meine Haare, kratzen über die Kopfhaut und dann kommt er näher, atmet schneller. Riecht schon gut, der Kleine. Ich drücke mich zurück in die Polster. Immer weiter hinein. Ich kann das nicht. Mittlerweile sind’s zwanzig Schlagmänner, die in mir für einen echt fiesen Beat sorgen.

Cameron! Wach auf!

Ich hebe die Hände, will ihn wegdrücken und Till seufzt leise auf, als ich mit den Handflächen auf seinem Brustbereich ankomme. Genießerisch seufzt er. Beugt sich vor und legt seine Lippen auf meine. Schiebt sich an mich. Näher, ganz nah. Meine Hände zwischen unseren Leibern einklemmend. Ich könnte jetzt …

Drück ihn weg, Mann. Sofort!

Uhm, sind die weich, die Lippen. Bewegen sich auf meinen. So zögerlich! Kann er echt nicht anders? Ich flippe gleich aus. In mir sprudelt’s und der nächste Ausbruch bahnt sich an. Sein Schwanz drückt herrlich fest an meinen. Ich sterbe gleich. Denn eigentlich … ist’s schon ganz geil! Aber es laut sagen, das mache ich nicht. Niemals! Vorher gehe ich zum Arzt. Lasse mich checken. Und wehe, der findet Drogen in meinem Blut. Wehe, Tjard. Dann lauf, so weit du kannst.

Ich hab überall Gänsehaut. Die breitet sich aus und ein Zittern gesellt sich zu dem Sprudeln dazu. Einfach so! Macht mir ja schon ein bisschen Angst. Till will, dass ich mitmache. Das ist … irgendwie niedlich. Der ist so weich und zierlich. Irgendwie hat er was Weibliches an sich. Kati küsst auch so. Kati. Kati! Und dann kommt doch noch der langersehnte Reflex. Ich stoße ihn von mir. Reiße seine Lippen von meinen.

„Ich kann das nicht!“, herrsche ich ihn an. „Ich bin nicht wie ihr. Ich kann’s nicht! Ich. Kann. Es. Einfach. Nicht. Fuck, verdammt.“

Doch als ich rausstürmen will, unterwegs mein Jackett vom Boden aufsammele und die Tür aufreiße, blockiert Micky den Fluchtweg. Ich laufe voll in ihn rein. Fokussiere meine Wut, stemme mich gegen ihn und drücke ihn rückwärts. Begleitet mit einem Knurren aus der Tiefe meiner Kehle heraus. Mein angespannter Unterarm hängt an seinem Hals und Micky wird gezwungen, erst einen, dann einen zweiten Schritt, raus auf den Flur des Wohnhauses zu tun. Ich bin richtig sauer. Fühle mich verarscht. Von vorne bis hinten.

„Du bist schuld. Du sauberer Freund, du! Geh mir aus den Augen, Micky. Ich schwör’s dir. Geh mir bloß aus den Augen und fass mich nie wieder an. Lass deine Finger von mir. Sonst lernst du mich kennen!“

Micky schnauft aus. Greift meinen Arm und dreht ihn weg. Kraft kostet’s ihn schon, aber er schafft’s doch irgendwie. Dreht meinen Arm bis auf den Rücken und drückt mich von sich. Ich will mich befreien. Will weg hier! Fickt euch doch selbst, Mann. Aber ich kann nicht. Mickys Griff ist zu fest.

„Was zum Teufel ist denn in dich gefahren, hm?“

Er geht vorwärts und schiebt mich diesmal rückwärts. Immer weiter. Bis ich wieder in der Wohnung stehe, die Wand des kleinen Flurs im Rücken und seinen Blick auf mir liegen hab. Böse! Er schnauft wie ein Stier. Nichts mehr mit Baby. Die Tür fällt hinter ihm durch einen Tritt mit seinem Fuß einfach zu.

„Cameron! So viel negative Energie, heute? Alles klar, Till?“, fragt er dann nach links.

Ach ja, der Kleine steht wohl auch noch irgendwo da rum. Ich kann’s nicht sehen. Kann mich kaum drehen, sonst ist nicht nur die Hand, sondern auch die Schulter hinüber. Die Konzentration von Micky weglenken wäre jetzt auch nicht sehr geschickt. Till antwortet noch nicht mal. Schweigt sich aus, oder was?

„Hey, Till. Ich hab dir nichts getan. Hab dich, verdammt noch mal, nicht angerührt. Weder so, wie ihr das vorhin verabredet habt, noch so, wie Micky gerade denkt. Sag’s ihm. Du bist unversehrt, Kleiner.“

„Halt’s Maul, Cam. Sei still. Du hast jetzt Sendepause.“ Und dann ist da Micky, so nah. Hautnah. Sein Atem auf meinem Gesicht. Presst seine Lippen auf meinen geöffneten Mund. Wollte eben zurückschnauzen, da überfällt der mich. Ein Kribbeln breitet sich in mir aus. Zieht bis in die Lenden. Und noch was kehrt zurück, als wär’s seit Chris’ Überfall nie weg gewesen: Ein zermürbendes Begehren! Ein Aufbäumen und Bocken in mir. Mickys Finger graben sich in meinen Nacken. Fest und unnachgiebig.

Das Atmen fällt mir verdammt schwer. Ich will reinfallen in den Kuss. Mein Unterleib ruckt nach vorne. Verräter! Drückt sich an Mickys. Fester! Gooott, bitte! Fester, Micky! Jetzt hast du mich. Du hast es geschafft, du Homoarsch! Mich dort hingekriegt, wo du mich haben willst. Sein Schenkel hilft nach. Schiebt sich zwischen meine und erhöht den Druck. Ich will … Ich kann nicht … Muss mich an ihm reiben. Becken an Becken. Ich muss, ich muss, ich muss … Stöhne frustriert auf. In seinen Rachen hinein und er antwortet mir. Ein dunkler Ton, der in mir widerhallt und eine Welle auslöst.

Meine Eier sind zum Bersten gespannt. Die ziehen sich erwartungsvoll zusammen und platzen gleich. Ich fühle mich überreif. Aber so was von. Er schiebt seine Zunge zwischen meine Kiefer. Roh und gewaltig. Nimmt sich alles, was ich ihm gebe. Es fühlt sich an, wie eine Kampfansage und er hält mich immer noch fest. Doch das bisschen Gegenwehr, das ich noch liefere, ist geradezu lachhaft. Ein bisschen bocken, Position behaupten, nur um immer weiter zu fallen. Das merkt er, bleibt jedoch hart.

Ein Statement, schießt es mir wirr durch den Kopf.

Nein! Nicht, Micky. Bitte! Das hat Chris schon gesetzt. Es reicht!

Ich keuche auf und wimmere gleichzeitig los. Taste mich vor. Eine Hand ist ja frei. Schiebe sie auf seinen Rücken, unter das Shirt und fühle Wärme, feste, kräftige Muskeln, die unter meiner Handfläche arbeiten und zucken, Schauer, die über seine Haut kriechen und sich auf mich übertragen. Atemlos zieht er den Kopf zurück, fragend und … irgendwie entrückt und ich komme ihm nach. Will mich verbeißen in diesen kompromisslosen Lippen. Noch mal kosten.

Halt, Micky. Wo willst du hin?

Ist gerade so gut. So berauschend. Meine Nerven flattern. Hitze breitet sich aus, wie Lava. Bis in den letzten Winkel von mir. Heiß, kochend und brodelnd. Ein Vulkan, bereit zum Ausbruch. Ich glühe und halte die Luft an. Will noch nicht aufhören.

Nicht doch! Du hast doch gesagt, ich soll’s dich wissen lassen, wenn … Ja, was eigentlich? „Micky, bitte!“ War ich das? Ich bettele? Ich? Miau! Cameron, du mutierst zu ’ner Katze. „Ich will …“ Ich weiß es nicht.

Ich. Weiß. Es. Einfach. Nicht.

Was will ich? Mehr. Einfach nur mehr. Gib mir mehr! „Micky“, flüstere ich und er zieht sich weiter zurück. Lässt meinen Nacken los und geht einen ersten und einen zweiten Schritt von mir weg. Möchte sich ganz von mir lösen und schafft’s nicht. Denn ich folge ihm stetig und halte ihn fest.

Noch zwei Schritte, mein Freund. Nur noch zwei. Hinter dir ist die andere Wand von dem kleinen Flur. Er fixiert mich mit den Augen und ich ihn, bis er andockt. Ich pinne ihn mit meinem Körper fest und mache weiter. Kopiere ihn. Mit einer Hand in seinem Nacken, meinen Lippen auf seinen. Hungrig!

Gooott, füll meine Leere aus, jetzt sofort! Jetzt mach schon, Micky! Das macht mich an. Dieser Körper. Dieser Mann. Dieser ganze Mann. Dieses Testosteron. Micky compact. Ich taste mich weiter vor. Werde mutig. Streiche über seine Brust und seinen Bauch, seine Hüfte hinab. Spüre immer wieder Muskulatur und festes Fleisch. Zwischen unseren Lippen explodiert ein kleines Feuerwerk und Micky keucht auf. Wegen mir! Ist das abgefuckt geil!

Dann zieht er mich an sich. In einer einzigen gewaltigen Bewegung. Mit seinen Pranken an meinem Hintern, bis ich gegen in pralle. Härte an Härte. Puls an Puls. Ich spüre das und gerate ins Wanken. Schwimme. Meine Beine werden schwach. Ich ringe nach Luft, atme flach. Immer flacher. In mir flimmert’s. Punkte vor den Augen. Gleich bin ich weg!

„Langsam, Cameron.“ Micky hält mich, flüstert die Worte an meinem Mund, streichelt beruhigend über meinen Rücken und meinen Hintern und weiter nach unten. Massiert meine Backen, gleitet tiefer, liebkost meine Schenkel. Jedem Zentimeter spüre ich nach, bis er meine Lippen stoppt, die immer wieder auf seine prallen. Zärtlichkeit hineinlegt und der Rohheit Einhalt gebietet. Es fühlt sich an, als würde er den Rückwärtsgang einlegen, statt in den Sechsten hochzuschalten. Er saugt an meiner Zunge, umschmeichelt sie, lässt meine Sinne dadurch noch mehr tanzen und meinen lachhaften Aufstand kapitulieren.

Ein bisschen stört’s mich. Dieses nicht in die Pötte kommen. Aber ich füge mich seinem Tempo. Kann nur von ihm lernen. Meine Hand tastet weiter. Wohin will ich? Weiter! Immer weiter! Ich schiebe sie zwischen uns, zwischen unsere Ständer und packe zu. Micky röchelt, laut und deutlich, wird immer sanfter mit den Lippen, während ich unten energischer werde. Jetzt will ich es schon genauer wissen.

Ist ja auch nichts Neues für mich. Hab schon tausende Male einen Schwanz massiert. Aber halt nur meinen. Dieser hier ist nicht meiner. Ich mach einfach weiter. Jetzt hab ich ein Ziel. Darf nur nicht dran denken. Ich spüre seine Hand, wie sie in meine Arschbacke greift, sie knetet, mich in den Wahnsinn treibt und anschließend an meiner Pofalte entlangfährt. Zwischen meine Beine gleitet und mir dadurch ein ungeduldiges Knurren entringt. Da sind zwei Lagen Stoff und ich wünschte, ich könnte es ändern. Auf der Stelle. Darf nur nicht dran denken.

Nicht dran denken, Cam. Schalt ab. Schalt einfach ab! Ich drängele erneut. Fordere. Stöhne auf und presse mich noch fester an ihn. Gooott, der macht mich wahnsinnig. Friss mich, Micky. Überfall mich, fass mich an und zeig’s mir. Verflucht noch mal, tu endlich was! Seine Jogginghose ist weit. Gerade eben hab ich es herausgefunden. Von oben schiebe ich meine Hand rein, nehme die Boxer gleich mit. Nicht aufhalten lassen. Nicht jetzt! Auch hier ist er warm. Nein! Eher heiß und schwitzig. Micky bebt, schnauft aus, als meine Kuppen über seine vibrierenden Lenden tasten, sich vorarbeiten, durch das Schamhaar streifen und an seinem Ständer ankommen. Definitiv mehr als passabel. Ich umfasse ihn, pumpe geübt.

Du fühlst dich gut an, Ben Hur!

Ein Keuchen dringt an mein Ohr, eine Hand greift fest in meine Haare. Da ist er wieder! Micky compact. Zurück in der Offensive. Mein Gegenspieler.

Fair play, Kumpel. Weißt du, oder?

Seine andere Hand streicht verteufelt fest und sündig gut über meine Geilheit. Mehrmals! Umfängt meine Eier und knetet sie durch den Stoff. Ich verziehe das Gesicht, keuche erschrocken auf und dränge mich seinen Fingern noch weiter entgegen.

Atmen, Cameron. Atmen! Es geht schon weiter!

Micky fährt fort, nestelt an Hugo Boss herum. Fahrig und ungeduldig. Gürtelschnalle, drei Knöpfe. Feinstes Design auf festen Hüften. Ja, ich hab auch was zu bieten. Ich streiche weiter über seine Erektion. Lässig und fest. So wie ich es bei mir gerne mag. Sein Schwanz pulsiert in einem fort in meiner Hand.

Ruhig, Micky. Ich weiß, das ist gut. Verdammt gut, so ’ne Hand, die weiß, was sie macht. Vertrau mir, ich kann das. Erfreue mich dabei an deiner Mimik. An den Gefühlen, die darüber huschen. Erstaunen, Leid, Geilheit. Auf mich! Das kickt mich! Als ich ihm helfen will, Luft zwischen unsere Körper lasse, um meine Hose zu öffnen, tritt da aber noch ein anderer Ausdruck in seine Augen. Es schlägt bei ihm ein wie ein Blitz. Erkenntnis! Einsicht und … da ist auch Bedauern! So ein dämliches, scheiß Bedauern! Wo kommt das plötzlich her?

Nein, Micky. Nicht, ich will … Mit einem Ruck schiebt er mich von sich. Hält mich auf Armeslänge und pumpt schnaufend Luft in die Lunge. Es ist vorbei!

„Schluss jetzt“, wispert er. Für mich kaum hörbar, mein Blut rauscht zu laut. „Cameron! Schluss jetzt!“, wiederholt er und ich hab’s doch richtig verstanden. Es hallt dumpf in mir wider. Zerbricht etwas in mir. Meine Arme fallen von ihm ab. Mein Kopf sinkt auf meine Brust und meine Augen gehen gen Boden. Ich bin aufgeputscht. Atemlos. Hab Probleme beim Stehen und mit jeder Sekunde, die verstreicht, schleicht sich Scham hinzu. Falsche Scham. Ich weiß das, aber ich kann’s dennoch nicht ändern. Meine Wangen brennen, meine Kiefer malmen.

Das bin also ich! Grenzwertig. Armselig. An der Neugierde verbrannt. Gebranntes Kind scheut Feuer. War doch so, oder? Danke für das Statement, Best-Friend Micky. Danke, für diese … nicht sehr nette Lektion! Mit einem Ruck reiße ich Mickys Hände von meinen Schultern, die mich noch immer von ihm fernhalten wollen.

Es ist vorbei. Ich bin geerdet. Verwirrt und enttäuscht. Und für Kati bin ich wohl die Enttäuschung schlechthin. Ein wahr gewordener und ausgewachsener Alptraum. Meine Schultern sacken nach unten und ich bücke mich erneut nach meinem Jackett, dessen Ärmelabschluss ebenfalls blutig aussieht. Hier hab ich nichts mehr zu suchen. Vor allem nicht in Tills Wohnung, der wie angewurzelt und versteinert neben uns steht.

Tut mir leid, Kleiner. Geplant war’s so nicht.

Micky sagt was, doch da ist nur noch ein Rauschen. Wortlos verlasse ich die beiden. Werde nicht aufgehalten und will nicht aufgehalten werden.

Zeit! Ich brauche Zeit. Aber ich hab keine mehr. Morgen schon kommt die nächste Konfrontation. Und wenn ich fair bin, auch ein offenes Gespräch. Bin ich ein Arsch und blase die Hochzeit ab oder bin ich ein Arsch und ziehe es durch? Verdrängen oder draufstürzen auf die neue Erkenntnis.

Bin ich bi? Vielleicht ein bisschen mehr von der oder jener Seite? Ich weiß es nicht. Da fehlen einfach Erfahrungswerte. Erfahrungen, die offensichtlich niemand mit mir austauschen will. Ich bin heilfroh, dass sich mein Gemüt auf dem Heimweg wieder etwas beruhigt. Morgen rede ich mit Kati. Sie muss es verstehen. Lieb sie doch. Immer noch. Das verpufft ja nicht einfach mal so. Auch wenn ich noch ganz andere Interessen zu haben scheine.

Wie ist das eigentlich mit Kati im Bett? Wie war das am Samstagabend? Oder am Sonntag? War es gut? Es hat Spaß gemacht. War es gut? Es war befriedigend. War es gut, Cameron? Antworte doch einfach auf die Frage. Es war … wie immer. Ernüchternd. Okay, so komme ich nicht weiter! Wann bin ich gekommen? Als Chrissi mich in Gedanken heimsuchte? Als Valetta kurz auftauchte? Oder bei dem Gedanken daran, wie Mickys Ständer an besagtem Morgen den meinen berührt und er mich provoziert hat? Ich weiß es nicht! Doch … eigentlich weiß ich es schon. Ich hab losgelassen, als ich an Chrissis Blowjob dachte. Chrissi also. Eher Chris. Der Mann, den mein Name nicht interessiert.

Bin ja nur ein dämlicher Kunde. Ein schwuler Kunde? Oder doch bi? Wieder tut es ein klein bisschen weh. Das Black Stage sieht mich nie wieder! Micky auch erst mal nicht. Vermutlich brauche ich eine Runde mit Tjard und Busse. Wenn die mir von ihren Kätzchen erzählen, kommt die Lust auf die Miezen von alleine zurück. Wäre doch gelacht. Der Sinneswandel kam ja auch plötzlich. Dann kann er genauso schnell auch wieder verschwinden.

Morgen wäre eine letzte Gelegenheit mit den Freunden zu chillen, vielleicht auch zu reden. Morgen kommt aber Kati und sucht das Gespräch mit mir. Sie wird bleiben, ich bin mir ganz sicher. Dann übermorgen mit den Kumpels! Nein. Kati bringt mich um. Ein Tag vor der Hochzeit. Die lässt mich nicht aus dem Haus. Eher zeigt mir Kati-Katze ’nen Vogel, wenn ich ihr sage, dass ich saufen gehen will.

Ich betrinke mich einfach heute Abend. Bin ja sowieso alleine zu Hause. Knips mir die Lichter aus und hab ein paar Stunden Ruhe. Keine dummen Sprüche, keine Homos, keine Heten, kein nerviges Weib. Keine grünen, keine grauen und auch keine blauen Augen, wie Micky sie hat. Keine Muskeln. Kein Schwanz an meinem. Keine Hand auf mir. Kein Keuchen. Kein Stöhnen. Kein Schlagmann, der den Takt in mir vorgibt. Keine Lava, kein Brodeln und …

Nie wieder Lava!

Die Erkenntnis trifft mich wie ein Schlag ins Gesicht, härter als angenommen, und lässt mich beinahe straucheln. Ich bleibe stehen und stützte meine Hände auf die Knie. Nie wieder Lava! Nie wieder dieses irrsinnige Gefühl, das mich heute geflutet hat. Diese Rohheit, diese Unverfälschtheit. Diese Begierde nach mehr und noch mehr und noch mehr. Da werden die Runden mit Kati blass dagegen. Und zwar gnadenlos. Es ist ein Schock. Am liebsten möchte ich es in die Nacht schreien aber es steckt einfach fest. Krieg’s nicht aus mir raus. Es frisst sich durch mich durch und gefriert in den Adern. Macht mir Angst. Eine gottverdammte, abgefuckte Angst. Wieso merkt das denn keiner? Wieso hat Micky mich nicht festgehalten, aufgefangen? Wieso lässt er mich gehen?

Statement, Cameron! Ganz einfach, oder?

Dein Saubermannfreund wollte dir nur was beweisen. Wie Chris! Mr. Christopher Arroganz. Bist doch erwachsen. Kommst doch alleine klar. Geh doch ins Sixtie. Da gibt’s genug Schwule. Finde raus, was du willst. Nein. Never. Ich bin nicht so. Ich hab keine Hörner, die ich mir abstoßen muss. Ich bin dreiunddreißig Jahre alt und Anwalt. Eigentlich finde ich eine Beziehung auch ganz cool. Heimkommen. Wissen, wo man hingehört und eigentlich … ja … eigentlich wollte ich am Freitag auch heiraten.

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Bericht Re: Duits | Eigentlich ... door Redactie » woensdag 19 augustus 2015 14:25

5.


Das obligatorische Bier nach Feierabend am Mittwoch steht an. So wie von mir ursprünglich geplant. Es ist ein frühes Bier. Vielleicht werden’s auch zwei, denn mein Chef hat mich rausgeworfen. Dezent, will ich meinen.

„Geh nach Hause und schlaf dich aus, Cameron. Dir hat wohl die Nacht im VIP-Bereich nicht gut getan!“

Wenige Worte, aber doch prägnant. Hab meine Akten Akten sein lassen und mich geschlichen. Busse angerufen und Tjard aus dem Bett geklingelt. Busse hat Spätschicht, Tjard Urlaub. Gut für mich. Ob’s wirklich gut ist, wird sich dann zeigen. In vier Stunden muss ich nach Hause. Kati warten lassen, möchte ich eigentlich auch nicht. Tjard reibt sich die Augen. Noch mal, nachdem er mich angeschaut hat. „Du siehst aus wie ausgekotzt, Alter!“

Danke für die Blumen. Gleichfalls. Gäb’s dich nicht, hätte es die Nacht im Black Stage auch nicht gegeben. Alles wäre gut! Oder auch nicht. Murrend dränge ich also durch die Wohnungstür an ihm vorbei, hole mir ein Bier und mach’s mir bequem.

„Wieso schläfst du um die Uhrzeit noch?“

„War mit ’ner Mieze aus. Die Nacht bei ihr war … amüsant und ich bin noch nicht lange im Bett. Was ist mit dir? Deine Nacht scheint auch nicht ohne gewesen zu sein?“

„Kann nicht mehr schlafen. Kati war nicht da. Sie ist weg, Tjard. Wenn ich es heute nicht gebacken kriege, bleibt sie auch weg.“

Tjard nickt nachdenklich, holt sich auch ein Bier und setzt sich mir gegenüber. Er mustert mich, ich spür’s und ich ahne, was auf mich zukommt.

„Micky hat mich schon angerufen. Ich soll mit dir reden. Ich hätte mich also sowieso heute noch bei dir gemeldet. Was ist los, Cameron? Bringt’s Kati nicht mehr?“

Ich zucke die Schultern. Würde gerne was Positives sagen aber mir fällt nichts ein, um die Sache schönzureden. Die Sache! Mehr ist es nicht. Ich hab in der Nacht dreimal gewichst. Nach dem zweiten Mal war da … fast nur noch Kati. Eigentlich gut, oder? Jede einzelne Wachstunde hab ich verbissen an mir gearbeitet.

Chris verdrängt. Micky verdrängt. Till verdrängt. Alles weggeschlossen, was keinen Platz in meinem Leben hat. Dennoch war ich schlaflos. Ein Foto von Kati unter dem Kopfkissen hat leider auch nicht geholfen. Ein dumpfes Pulsieren hält mich aufrecht. Seit Stunden nun schon. Kaffee und Nikotin sind meine besten Freunde geworden. Ich fühle mich zerrissen, überrollt. Es ist so unreal, dass es schon wieder lustig sein könnte. Ich sollte den Spaß dahinter mal suchen. Dann finde ich auch den Humor wieder. Es auseinandernehmen, wie eine verdammte Akte und mit Paragraphen hinterlegen.

Tjard reibt sich über die Augen, immer noch nicht ganz wach. Es klingelt und mein Freund schaut mich müde an. Seufzt dabei. Schon gut, Alter. Ich gehe ja schon aufmachen. Busse funkelt mich an, kaum dass er mich sieht.

Er stößt mich hart gegen die Schulter, das ist seine Begrüßung. Ey, du Arsch! Ein weiterer Stoß folgt gegen die Brust, bis ich rückwärts taumele und er sich vor mir aufbauen kann. „Du bist erbärmlich, Cameron. Weißt du das eigentlich? Geh und bring das mit Kati in Ordnung. Am Freitag fand ich es schon nicht lustig, aber das hier ist too much. Wenn du es ihr nicht sagst, dann …“

„Was dann? Rennst du dann zu ihr, oder was? Du willst ein Freund sein, ernsthaft?“

Doch Busse hebt beschwichtigend die Hand und zieht mich gleich darauf fest in eine Umarmung. „Vergiss es! Bleib locker. Ich bin nur stinksauer auf dich, mein Guter. Das hat Kati einfach nicht verdient. Komm, wir setzen uns und reden! Es stimmt also, was Micky erzählt hat?“, schneidet er das Brisanzthema an und holt sich auch ein Bier.

„Was hat euch Micky denn erzählt?“ Blöde Frage, blöde Gegenfrage. Ich bin der Anwalt, ich möchte auch wirklich gerne die Fragen stellen. Gerade heute. Vor allem eine ganz bestimmte, die mir auf der Zunge liegt. Wie soll ich da wieder rauskommen?

„Dass du gerade einen Schnupperkurs Richtung geballtem Testosteron machst!“, konkretisiert Busse und hält tatsächlich einen Sicherheitsabstand zu mir. Quetscht sich neben Tjard mir gegenüber aufs Sofa, und mustert mich schamlos.

Hast du jetzt Angst, dass ich dir zu nah kommen könnte, oder was? Blöder, verkappter Idiot. Ehrlich wahr! „Hat Micky das so gesagt? Hat er euch auch erzählt, dass er sich mir quasi angeboten hat?“

Tjard und Busse sehen sich an, plustern die Backen. Sie wissen’s also. Manchmal ist es ja ganz gut, drei beste Kumpels zu haben. Manchmal … Eigentlich mag ich die drei ja auch. Aber gerade eben gefällt’s mir nicht. Und Micky kann ich wohl auch erst mal nicht gegenübertreten.

„Ja, Mann. Micky hat alles erzählt. Du hast also herausgefunden, dass Chrissi ein Kerl ist. Damit fing es wohl an, richtig? Mit dem Kerl hast du dann gestern und vorgestern auch … na ja … bevor du zu Micky gegangen bist?“

Tjard rümpft die Nase, Busse ebenfalls.

„Auch? Sagt mal, geht’s noch? Was auch?“, äffe ich Tjard nach und nehme einen großen Schluck aus meiner Flasche. „Und wenn schon? Ist der Abschaum, oder was? Du sagst das, als würde man sich sofort Syphilis einfangen. Ich bin nicht stolz auf das, was passiert ist, okay?“

Und eben merke ich, wie ich wieder die Fassung verliere. Tolle Voraussetzung für ein Gespräch mit Kati.

„Komm mal wieder runter, Alter. Lass uns in Ruhe darüber reden. Fakt ist, du brauchst eine Lösung für deine Verlobte und zwar bevor am Freitag achtzig Gäste eintrudeln. Eigentlich bist du doch eher derjenige, der die Hosen in eurer Beziehung anhat. Nimm sie für ein ruhiges Gespräch zur Seite und sag ihr, wie du dich fühlst. Rede mit ihr über die vergangenen Tage und beschreibe ihr, was dir fehlt. Vielleicht kann sie dir das auch geben und ihr wisst es einfach noch gar nicht. Ich persönlich glaube allerdings eher, dass du gerade so eine richtig fette Torschlusspanik hast. Statt dir einfach ein paar Miezen zu angeln, hast du dich einfach verirrt und nimmst eben … nun ja … einen Callboy. Weißt du, Cam, Syphilis sicher nicht, aber Nutte bleibt Nutte. Nicht wahr? Auch wenn sie männlich ist.“

Ich zucke zusammen und spüre, wie’s weh tut. Krass. Das zieht. Und zwar bis in die Eingeweide und noch weiter runter. Ey, Alter. Geht’s noch? Doch Busse fährt unbekümmert fort.

„Wenn du der Meinung bist, irgendwelche homosexuellen Neigungen auskundschaften zu müssen, dann solltest du dich wirklich an einen netten Kerl von nebenan wenden. An einen, der dir auf der Straße begegnet und keinen, für den du in einem Club Eintritt bezahlen musst, damit er’s dir macht. Verstehst du?“

„Halts Maul, Busse. Halt einfach dein dämliches Maul, ja?“

Was soll ich sagen? Dass die beiden mit ihrem Geschwätz, was ja sogar noch der Wahrheit entspricht, Chris geradewegs wieder in meine Gedanken katapultieren? Nicht Chris, den Callboy, sondern einfach Chris – der mit den grünen, echt krass tollen Augen. Applaus, Freunde. Grandios gemeistert. Chris, die Schlampe. Gott, ich könnte euch gegen die Wand stellen, ehrlich wahr!

„Chris kostet extra!“ Im selben Atemzug beiße ich mir auf die Unterlippe. Absolut unnötige Information. Vor allem hier. Busse hingegen wechselt vielsagende Blicke mit Tjard.

„Du heiratest am Freitag, Cameron.“

Danke, hab ich glatt vergessen!

„Ich halte ja wirklich nichts von Fremdgeherei“, fährt Busse fort. „Aber um den Schaden zu begrenzen und das Risiko zu minimieren, dass du doch irgendwann merkst, hoppla, da tickt aber was anders in mir, solltest du lieber bis Freitag herausfinden, was wirklich dran ist, an deiner Schnupperexkursion Richtung Testosteron. Das wäre sinnvoll, oder? Bevor du in ein paar Jahren mit Kati zwei Kinder hast und das dritte im Anmarsch ist. Ich kann Micky verstehen, wenn er … Wenn er dich da irgendwo gestoppt hat. Ihr kennt euch seit dreißig Jahren. Keine gute Basis, verstehst du?“

„Du willst also allen Ernstes, dass ich Kati nachher umschleime, sicher gehe, dass sie nicht wieder wegrennt und mir nebenbei jemanden suche, mit dem ich bis Freitag herausfinden kann, ob’s vielleicht doch ernster ist oder nicht?“

Ich kneife die Augen zusammen. Finde es ungeheuerlich, so einen Tipp von Freunden zu bekommen. Mögen die Kati wirklich nicht? Dachte eher, dass das Gegenteil der Fall ist.

„Klingt blöd, nicht? Aber so könntest du wenigstens auf Nummer sicher gehen, ohne dass du deine Zukunft direkt aufs Spiel setzt!“

„Klingt nach: Keine Eier in der Hose, oder? Und welche Frau macht so was mit?“

Busse schweigt. Tjard fährt sich wiederholt übers Gesicht. Ist keine angenehme Mittagskost, schon klar. Vermutlich macht er sich Vorwürfe, weil er sich doch so ein ganz kleines bisschen verantwortlich fühlt.

„Keine Einzige, Cam. Ich zumindest kenne keine Frau, die da mitmachen würde. Kati hat das eigentlich auch nicht verdient. Aber um es herauszufinden, wirst du mit ihr reden müssen. Verschweige es ihr bitte nicht. Sie muss dich verstehen können, sonst geht’s wohl nach hinten los. Noch weiter, als es bisher geschehen ist. Sei offen und ehrlich. Sie liebt dich und wird dir wenigstens zuhören.“

Ich nicke nur. An diesem Punkt war ich schon mal. Irgendwann in der Nacht. Hab’s mir dann einfach noch mal gemacht und bin erfolgreich gescheitert. Am Ende waren’s wohl Chris’ Hände, die mich gedanklich zum Ziel gebracht haben.

„Und wo soll ich anfangen, meinem Trauma zu begegnen?“

„Trauma?“ Tjard lacht los. „Ey, Cameron. Was weiß ich! Du steckst doch sonst immer voller Ideen. Frag halt Micky. Der hat doch genug Kumpels. Oder geh eben zu deiner Nutte, wenn’s eine einmalige Sache bleibt. Nur um was herauszufinden, würde es sich doch schon lohnen, oder? Ich sage dir, das ist einfach nur die Panik vor den Handschellen, die dir am Freitag angelegt werden.“

„Ihr seid Vollidioten, ehrlich wahr!“

„Was genau glaubst du denn, was ein knackiger Kerl dir bieten kann, was Kati dir nicht bieten kann?“

Ja, was? Ich weiß es doch selbst nicht! Es ist einfach … anders. Und kam an die Oberfläche, weil Micky sich letzten Samstag diesen dämlichen Streich mit mir erlaubt hat. Es ist anziehend. Magnetisch und gewaltig. Es löst was in mir aus, was ich noch nie in dieser Form erlebt hab. Der Drang nach mehr. Der Drang, Grenzen zu überschreiten, die nie ausgelebt wurden und nie so offensichtlich nach Umsetzung gerufen haben. Kräftige Hände, männliche Strukturen, Muskeln, Sehnen, Kraft und Rohheit. Kantig, rau, sanft und grob gleichzeitig. Wie muss da erst der Sex sein? Und dieser gedankliche Mix lässt die Hitze in mir aufsteigen. Gut, dass man mir das eher selten im Gesicht ansieht. Ich atme schneller. Merke, wie ich anfange zu beben, meine Flasche abstelle und mich mit wackeligen Beinen erhebe.

„Es liegt nicht an Kati“, sage ich lahm und verlasse die Bude meines Kumpels. Ich brauche Zeit. Viel mehr, als ich noch hab!

Redactie
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Bericht Re: Duits | Eigentlich ... door Redactie » woensdag 19 augustus 2015 14:26

6.


Feierabend! Aktenvermerke fertig bekommen, immer noch unausgeschlafen und neben mir stehend, und mit einer Leere in mir, die selbst Kati, die die Nacht neben mir geschlafen hat, nicht auslöschen konnte. Ja, sie war da! Aber wirklich besser ging’s mir damit auch nicht. Sie hat mich geboxt, mich angeschrien und am Ende haben wir auch geredet. Lange und ausführlich. Aber … sie musste dann erkennen, dass es nichts bringt. Sie hat mich nicht verstanden. Ich hab ihre Fragen beantwortet und Beschimpfungen und Beleidigungen über mich ergehen lassen. Hab mich das erste Mal seit fünf Tagen wie ein Mann benommen. Einer, der noch Eier und einen Arsch in der Hose hat. Glücklich, wäre ein Zustand gewesen, den ich mir gewünscht hätte zu erreichen. Einvernehmlich ging es am Ende aus. Ohne Sex. Aber immerhin, Kati war bei mir und ist geblieben. Hat auf mir geschlafen, mich nicht mehr losgelassen, noch lange geweint, gebettelt und gefleht. Davon geredet, dass sie wenigstens noch eine Nacht mit mir haben möchte. Die kleine Kati-Katze. Lieb sie ja doch irgendwie!

Monotonie war das Schlagwort. Meine Handfläche auf ihrer Haut. Rauf und runter. Streicheln in Dauerschleife. Bis sie einschlief. Verstanden hat sie’s nicht. Aber sie gibt sich echt Mühe. Mehr vermutlich, als ich das tue. Für Kati ist es bitter. Für mich, eine Welt, die in sich zusammenfällt. Gut, für Kati auch, ich geb’s zu. Aber ich möchte gerne egoistisch sein. Details hab ich ausgespart, aber die Wahrheit über mein verkrüppeltes Seelenchaos, die kennt sie nun.

„Finde heraus, was du willst, Cam, Schatz“, hat sie mich gebeten und war wirklich enttäuscht von mir. Schatz! Baby! Katze! Ist doch alles für’n Arsch! Ich will sie nicht gehen lassen. Ich kann nicht. Es geht einfach nicht. Möchte gerne die Zeit zurückspulen. Noch mal auf Anfang gehen. Die Hochzeit steht und ich … hab heute frei. Ausgang, könnte man sagen. Die Wahrheit hingegen ist zermürbend und nüchtern.

„Geh los und komm erst wieder, wenn du dir sicher bist, was du willst. Heute noch!“, waren ihre Worte, als ich die Wohnung am Morgen verließ.

Sie hat wieder geweint. Ich weiß es. Kaum, dass die Tür hinter mir zuging, drangen Schluchzer an mein Ohr. Es tut weh. Es schmerzt und grenzt an seelische Grausamkeit. Getobt hat sie. Immer wieder geweint. „Ich liebe dich, Schatz. Wieso? Sag mir, wieso? Ausgerechnet jetzt? Wie kommst du darauf, dass du dich ausgerechnet jetzt neu definieren musst? Du bist so ein toller Mann. Wir passen so gut zusammen. Wir haben viel erlebt und du bist ein perfekter Liebhaber. Du liebst den Sex mit mir. Es fehlt an nichts. Was also, bitteschön, fehlt dir in unserer Beziehung?“

„Lieb dich auch, Baby. Tut mir leid. Wirklich! Es fehlt nichts. Du bist auch perfekt. Eine Frau, die ein Mann sich nur wünschen kann.“

Die ich mir gewünscht hab. Und ihr Angebot, das mir immer noch in den Ohren nachklingt, nämlich meinem Wunsch nach Analsex nachzukommen, hab ich abgelehnt. Wenn ich nicht viel rausgefunden hab, dann wenigstens das: Es liegt nicht an Kati.

Und wenn sie’s nur mir zuliebe machen möchte, soll sie’s lieber lassen. Sich mir hingeben, damit ich ihr einen Tag später sage: Baby, das war’s mit uns, aber danke, dass du deinen süßen Hintern für mich hingehalten hast. Never! Ich bin zwar ein Arsch, aber kein Monster!

Finde heraus, was du willst! Morgen ist Hochzeit! Morgen schon! Mir zieht sich alles zusammen. Hätte es nicht erst nächste Woche sein können? Wieso rennt die Zeit in solcher Geschwindigkeit, wenn man mal welche braucht? Ich lasse mich treiben und ziehe von einer Bar zur nächsten. Alleine! Von Micky hab ich nichts mehr gehört. Von Busse und Tjard auch nicht. Die trauen sich nicht mehr. Haben weniger Eier in der Hose als ich. Hab’s mir fast schon gedacht. Auch in Bar Nummer drei will mir keiner begegnen, der homo auf der Stirn stehen hat. Woher soll ich wissen, welche verdammte sexuelle Neigung jemand hat? Ich kann ja kaum anfangen, Leute anzuquatschen.

„Ey, Alter. Bist du schwul? Nee? Dann sorry! Dachte nur, du könntest mir mal deinen Hintern als Versuchsobjekt zur Verfügung stellen.“ Ich lache auf, es ist erbärmlich. Cameron, du hast da oben echt einen Vogel zu viel im Kasten. Ist schon krass. Limit-Tag. Ich muss herausfinden, ob ich schwul bin oder doch eher bi oder nichts von beidem. Ich lasse mich nicht gerne unter Druck setzen, aber für Kati, da tue ich es. Sie hat’s einfach verdient, dass ich meinen Hintern hochkriege und ihr heute Nacht mitteilen kann, ob ich sie morgen heirate oder nicht. Das ist verrückt. Für einen Moment schließe ich die Augen. Versuche mich in Selbstfindung und lache dann kopfschüttelnd auf. Ich bin krank. Wenn schon nicht physisch, dann irgendwie psychisch.

Komme da am Sixtie, dem berüchtigten Schwulenclub, vorbei und bleibe stehen. Es ist schon halb zehn und sechs Stunden bereits vertrödelt. Hier fühle ich mich fremd. Unwohl! Kenne niemanden und kenne mich nicht aus. Diese Clubs sind tödlich. Das weiß ich. Micky hat oft davon gesprochen. Entweder ist man Jäger oder Gejagter. Oder einer der vielen, die umherschwirren und drohen unterzugehen. Wo würde ich mich zuordnen? Jagen lassen will ich mich eigentlich nicht. Selbst jagen? Könnte anstrengend werden, wenn man nicht weiß, wie’s denn geht. Und einer der vielen, der will ich schon gar nicht sein.

Über mich selbst den Kopf schüttelnd, laufe ich weiter. Die Blicke eben, aus dem Club heraus, haben mir schon gereicht. Sehe ich aus, wie einer von denen? Oder eher wie der altbekannte Hetenarsch, der ich eigentlich gerne war?

Heute bin ich underdressed. Mit Jeans und T-Shirt. Lederjacke drüber, fertig. Komplett in schwarz. So fühle ich mich wohl. Ein bisschen unnahbar, vor allem unantastbar. Das ist ganz gut so! Wenn man sich selbst fremd ist, muss man ja auf andere nicht wie ein Kolibri wirken. Mein Ziel ist das Black Stage. Seit gerade eben weiß ich das, denn ich stehe davor. Wann ich die Richtung geändert hab, ist mir schleierhaft. Ich bin einfach ziellos gelaufen. Aber hier kenne ich mich aus. Hier kann ich … ja, vielleicht doch noch mal mit Chris reden. Er ist schwul, unparteiisch, ich kann’s ihm erklären und …

Wieder ein Hunderter. Der Schuppen macht arm. Ich frag mich durch, die Hände in den Taschen meiner Jeans vergraben. Wirke dunkel und beherrscht. So wird’s schon gehen. Unsicherheit ist kein guter Garant. Doch ich bleibe erfolglos. Chris scheint nicht da zu sein.

„Hat heute frei“, sagt der Keeper.

„Geht dich nichts an“, sagt der VIP-Bulle, der schon die letzte Woche da stand.

Verkappter Idiot, ehrlich. Ich provoziere ihn ein wenig, hole die VIP-Karte raus und grinse spöttisch.

Damit hast du jetzt nicht gerechnet, was?

Ohne Mimik, ohne Geste geht er allerdings einfach zur Seite. Ich will ja gar nicht. Was soll ich da oben? Kira suchen? Die kann mir bei meinem Problem sicher nicht helfen. Da trinke ich lieber erst noch was. Mache mir Gedanken. Wie die letzten sieben Stunden zuvor und die nächsten fünf Stunden wohl auch.

„Hey!“

Ruckartig hebe ich den Kopf. Hab gerade den Schaum auf meinem Bier angestarrt. Orakel befragt! Wäre ja auch noch ’ne Lösung. Aber ein bisschen Small Talk hat ja auch was für sich.

„Meinst du mich?“, frage ich ihn und löse mich von meinen Gedanken. Ein junger Bursche, die Haare verwuschelt, die Augen sanft. Etwas schmächtig vielleicht, aber ein bisschen mehr auf den Rippen, als Till. Dennoch: Ich drehe mich auf dem Stuhl, will ihn mir anschauen, etwas genauer, wenn’s geht.

„Bist du alleine?“, will er wissen und lacht mich mit seiner jugendlichen Offenheit an.

„Darf man hier nicht herkommen, wenn man alleine ist?“

„Doch! Die meisten kommen alleine. Und dafür sind wir ja da, nicht wahr?“

Ach! War ja klar. Ein Angestellter. Das Personal ist geschult. Die haben’s faustdick hinter den Ohren. Finden mich immer. Egal, wo ich mich aufhalte. Aber gut. Finde ich mal raus, was ich will, oder? Bezahlt ist bezahlt.

„Wie heißt du denn?“

„Noah. Und du?“

„Interessiert es dich wirklich? Ist ja was ganz Neues in dem Laden hier. Ich bin Cameron. Wie alt bist du denn, Noah?“

Der Kerl lacht los und bekommt ein Wasser vom Keeper gereicht. „Ist das nicht egal, wenn man sich nur vergnügen will?“

„Sag’s mir trotzdem, ja? Ich weiß gerne, mit wem ich’s zu tun hab!“

„Eine Macke von dir, was? Ich bin dreiundzwanzig.“

Himmel noch eins! Zehn Jahre jünger!

No-Go, Cam. Ich schüttle den Kopf und muss grinsen. So fängt’s wohl an, was? Man sinkt tiefer und tiefer. Ich fahre mir durch die Haare, die Frisur ist sowieso hinüber, und reibe über mein Gesicht. Was soll ich machen?

„Was ist?“, will Noah wissen und stupst mich an meiner Schulter an, grinst dabei. „Willst du lieber deine Ruhe haben? Oder soll ich dir eins von den Mädels schicken?“

„Sehe ich hetero aus, oder was?“ Jetzt bin ich aber mal gespannt. Denn auf die Frage, ob ich homo aussehe, hat ja auch nie einer geantwortet. Der Kleine schüttelt den Kopf und grinst in sein Glas. Trinkt einen Schluck, stellt ab und tritt dann zwischen meine Beine. Legt eine Hand auf meinen Schenkel und die zweite wölbt sich um die Ausbuchtung in meinem Schritt. Die sind geschult hier, ehrlich wahr! Schnell und effizient. Zögern? Was ist das? Hast du bezahlt, dann kriegst du auch was geboten.

„Wenn du nicht schwul bist, fresse ich einen Besen. Also?“

Mein Schwanz regt sich. Reckt sich der Liebkosung entgegen, der zarten Massage. Der Typ ist sanft. Ähnlich wie Till. Ein bisschen vorlauter vielleicht, aber süß. Wirklich süß. Noch so eine kleine Katze, die mir gefallen will. Ich hab wohl was an mir, das sie magisch anzieht, die kleinen Schnurrer. Obwohl, mit seinen braunen, ungebändigten Haaren und dem jugendlichen Leichtsinn in den Augen, wirkt er eher wie ein Kater. So ein kleines, anschmiegsames Katerchen. Er umfasst meine Eier – oar, der kann das und wie – und beginnt diese mit der richtigen Festigkeit zu verwöhnen!

Also, dann bin ich mal schwul. Hab ja sonst nichts Besseres zu tun. Mein Auftrag für heute.

Mein Schwanz steht und könnte er betteln, würde er’s glatt tun. Noahs Finger sind geschickt. Geschickter als Tills. Vielleicht glaub ich es auch einfach nur, weil Noah das Katerchen ist und Till eine astreine Mieze.

„Hm … durch und durch schwul, würde ich sagen. Möchtest du mehr? Warst du schon im Waschraum?“

Will ich mehr? Ich nicke lahm, zeige ihm meinen dezenten Stempel auf dem Handrücken, noch bevor ich nachdenken kann. Der Kleine ist gut. In meinen Lenden bitzelt’s bereits. Ich will mich reiben, in seine Hand stoßen. Möchte wirklich gerne mehr und ziehe ihn an mich. Greife fest in seinen Hintern und klemme seine Finger zwischen uns ein.

„Mehr!“, sage ich deutlich und Katerchen Noah leckt sich das Schnäuzchen. Gott, du bist niedlich. Ich kraule dich auch, wenn du fertig bist.

Er küsst sich über meine Mundwinkel, über die Wange und leckt an meinem Hals entlang. Das kitzelt und erregt mich. Es ist gut. Verdammt gut. Aber brodeln … tut’s irgendwie nicht. Trotzdem sind da Schauer, die mich packen und mitreißen.

Mach weiter, Kleiner. Nur keine Hemmungen. Ich musste meine auch ablegen.

„Lass uns hier verschwinden.“ Er zieht mich vom Hocker, steckt seine schmale Hand in den Bund meiner Hose und streichelt die oberen Rundungen meiner Arschbacken entlang. Er läuft und ich folge. Konzentriere mich auf die Finger, die meine Haut dort zum Kribbeln bringen und meine Gegenwehr auslösen. Reiß dich zusammen, Cam!

Ich bleibe hart. Folge ihm weiter. Ziehe ihn fest in meinen Arm, statt ihn, wie von meinem Kopf befohlen, von mir zu stoßen. Lasse mich leiten. Gleich werde ich es wissen. Gleich hab ich eine Antwort für Kati.

Er öffnet ein Hinterzimmer. Ich kenne diese Räume. War da schon mit Valetta. Schön ist’s hier nicht. Aber sauber.

„Sag mir, was du willst, Cameron. Was du von mir erwartest.“ Noah schnurrt schon wieder und schmiegt sich an mich. Hat meine Hose geöffnet, bevor ich es überhaupt realisiere. Ich sag’s ja, geschultes Personal. Astreiner Service. Flott wie Chris. Micky könnte sich davon mal eine Scheibe abschneiden.

„Du wirkst unsicher“, kommt es von Noah und sanft aber bestimmt schließen sich seine Hände um meine Geilheit, streichen gekonnt daran herab, spielen mit ihr und mit meinen Eiern, während ich sein Tun misstrauisch beäuge. Es ist ungewohnt, fremde, noch dazu männliche Hände an meinem besten Stück zu sehen, und doch … ziemlich geil.

Diese schlanken und doch festen, rauen Finger. Treiben mich weiter. Immer höher, so weit, bis ich gequält aufstöhne und ihn an seinem Nacken an mich reiße. Hungrige Gier überfällt mich. Ich spalte seine Lippen, dringe in seinen Mundraum ein und fordere seine Aufmerksamkeit. Er steigt mit ein. Erhöht den Einsatz. Ich spüre sein Lächeln an meinen Lippen, seine Zunge, die mit meiner ringt. Der Kleine schmeckt gut. Schmeckt nach mehr. Kichert der? Ich greife in seinen Haaransatz, biege seinen Kopf zurück, starre ihn an und drücke seinen Leib mit der freien Hand an mein Becken. „Warum lachst du?“

„Ich lache dich nicht aus“, stöhnt er leise, reibt sich an mir, massiert mich und umfasst mich komplett. Eingeklemmt zwischen unseren Körpern. Sein Daumen tanzt über meiner Eichel, verteilt die Lust, die sich in kleinen Tropfen den Weg nach draußen bahnt und die ich gerne leugnen würde.

„Du hast eben nur so unsicher ausgesehen. Sag mir, was du willst, Cameron. Ich mache alles für dich. Lehn dich zurück und genieße.“

Ich schließe die Augen. Genieße jetzt schon und nicke verzagt. „Mir fehlt da ein bisschen die Erfahrung.“

„Das macht nichts. Ich weiß ja, wie’s geht. Dafür hast du mich ja auch ausgewählt.“

Ich schlucke. Hab ich das? Eigentlich nicht. Er hat mich gewählt. Weil ich, gottverdammt, diese Plüschköpfchen anziehe wie ein Magnet.

„Weißt du“, keuche ich auf und lasse mich nach hinten drücken. Drauf auf das frische Laken, auf das Bett, das den Raum ausfüllt. „Ich war eigentlich auf der Suche nach Chris.“

„Chris? Unser Chris?“ Noah lacht auf, gleitet vor mir zu Boden, als gäb’s keine Knochen in ihm, und zieht mir die Hose weiter nach unten, streift sie komplett von mir ab, nachdem meine Schuhe dran glauben mussten. Treibt damit eine Hitzewelle durch mich hindurch, als seine Zunge kurz über mich schleckt und seine Kuppen zermürbend über meine Lenden und Schenkel gleiten.

„Glaub mir, da bist du bei mir besser aufgehoben“, nuschelt er zwischendrin. „Chris ist teuer. Den gibt’s nur exklusiv. Ist so was wie unser Chef, verstehst du? Teilt unsere Schichten ein und steht quasi direkt unterm Big Boss. Was Chris sagt, wird gemacht! So einfach ist das. Der ist ein echter Profi und in der Regel voll ausgebucht. Du wirst kaum eine Chance haben, an den ranzukommen. Der hat seine Stammkundschaft. Zweihundert pro Nase, wenn sie in der Gruppe ab vier Personen kommen. Glatte sechshundert, wenn es ein Solo für maximal eine Stunde wird. Aber …“ Er leckt sich über die Lippen, lächelt bestimmt und senkt seinen Kopf erneut. „Ich kann das auch sehr gut, Süßer!“

Mein Schwanz pulsiert stärker, will mehr und ich auch. Irgendwie wenigstens. Ich greife in seine Haare, halte ihn, ohne Druck, aber mit Bestimmtheit. Noah hat Recht. Ich will nur was probieren. Einmal kosten, was die andere Seite zu bieten hat. Wer braucht schon Chris dafür?

„Hmm … mach weiter, Kleiner!“ Endlich ist es soweit! Nur ein geschickter Schachzug und ich bin bei ihm. Von jetzt auf gleich und mit allen Sinnen stöhne ich auf. Immer wieder, treibe mein Becken nach oben und will mehr.

„Mehr! Oar … gib mir mehr!“

„Mich musst du nicht anbetteln“, nuschelt er da und gleitet mit seinem Mund tief an meinem Schaft hinab.

Füllt sich aus bis zum Rachen und stillt meine Sehnsucht. Fuck, ist das gut. In mir braut sich was zusammen. Mein Puls rast, die Schlagmänner haben Schicht. Nochmal zehn mehr als gestern. Ganz sicher sogar. In mir klopft’s und pulsiert’s. Laut und deutlich. Hart und ungnädig. Ein Sturm zieht auf, bauscht sich zusammen, zerrt an mir, fesselt mich. Ich stoße Laute aus, die ich von mir nicht kenne. Alles zieht sich in mir zusammen.

Gooott … Unglaublich! Meine Hände versenken sich in seinem Schopf, ich stoße nach oben. Immer fester. Jetzt weiß ich, warum es die Glory Holes gibt. Damit man nicht in die Gefahr kommt, aus dem Ruder zu laufen, seinem Sexpartner nicht wehtun kann. Ich tue ihm weh, ganz sicher sogar, doch Noah macht weiter. Kati wäre längst auseinandergebrochen. Noah baut Sog auf, der dem von Chris schon die Stirn bieten könnte.

Himmel, Kleiner. Du bist verflucht gut. Doch dann hört er auf, schaut hoch zu mir, wartend. Lächelt schief und drückt mich sachte nach unten. Wie einen Käfer, hilflos, in Rückenlage. In Sekundenschnelle hat er mein Shirt in den Händen.

„Ich mag es ganz gerne, wenn ich von den Kerlen, die mich ficken, wenigstens die Haut spüren und riechen kann. Ist so mein Tick, weißt du. Da fahre ich voll drauf ab.“

„Ich … Himmel, Kleiner …“ … war kurz vorm Showdown. Schwer atmend entkrampfe ich mich, lehne mich auf die Unterarme und betrachte ihn.

„Weiter?“, fragt er mit samtiger Stimme, leckt einmal quer über mich und zieht eine brennende Spur, die mich aufbäumen lässt.

„Ja, weiter!“, bestätige ich begierig und muss wirklich an mich halten. Das hat nichts mehr mit Neugier zu tun. Hier zu platzen, wäre die einzige Alternative. „Zieh dich aus, Noah. Ich will dich auch sehen. Alles von dir.“

Immer noch lächelt er, wissend und schief, streichelt über meine Beine, die Schenkelinnenseite nach oben, massiert mich im Schritt, immer dann, wenn er sich einer Klamotte entledigt hat. Süß ist der kleine Kater. Und verdammt gut. Arbeitet für mich. Passiv aktiv zu sein, hat ja irgendwie auch was für sich. Dann ist er nackt. Reibt seinen Ständer und ich … muss einfach hingucken.

Nett, Noah. Wirklich nett. Mit schönem, weichem Gehänge und die Länge kann auch was. Schon schade, dass der so wenig zum Einsatz kommt. Du bist ja auch so ein kleiner Untenlieger wie die Mieze von Micky. Und jetzt?

„Wie willst du mich, Cameron?“

Wie? Ich weiß nicht! „Mach einfach!“ Das ist schon ’ne gute Antwort. Ball gespielt. Der weiß ja, wie’s geht. In der Theorie könnte ich ja mithalten, aber die Praxis ist brenzlig. Immer noch pumpt mein Brustkorb, ich atme schwer, zucke bei jeder Berührung an meiner Geilheit zusammen. Frage mich, wie ich ihn vögeln soll, wenn’s sowieso gleich vorbei ist. Doch Noah hat Zeit. Streichelt sich, macht mich damit noch heißer, kniet sich zu mir und fordert mich auf. Sagt aber nichts. Blicke reichen, ich kann’s beinahe hören.

„Fass mich an, Cameron. Zeig mir, wer hier das Sagen hat“, scheint er mitteilen zu wollen.

Uhm … Ich greife nach ihm. Streiche gefühlvoll nach unten, kraule seine Eier, die sich lustvoll zusammenziehen und sich in meine Handfläche schmiegen und Noah beißt auf seinen Lippen herum, hat die Augen geschlossen, genießt und schnurrt.

Ist gut, ja? Das gefällt dir, ich weiß. Micky fand’s auch gut. Vormachen lassen brauche ich mir ja auch nichts.

Ich sammele Mut, umfasse seinen Ständer ganz und Noah stöhnt auf, krampft seine Finger ins Laken. Kämpft verbissen darum, sich nicht zu bewegen. Kann mir schon vorstellen, dass er gerne in meine Faust wichsen würde. „Gott, das ist geil!“

Hey, Kleiner. Das ist doch eigentlich mein Spruch!

Er knirscht mit den Zähnen. Zeit zum Aufhören, was? Ich lasse los und lege mich flach. Verschränke die Hände hinter dem Kopf und sehe ihn an. Soll er mal zu sich kommen, weitergekrault wird später. Ich merke, wie mein Ego zurückkommt und fühle mich damit ganz gut. Zugegeben, ich bin scharf bis zum Anschlag, aber verdenken, kann ich’s mir auch gerade mal nicht.

Noah sucht was und wird auch schnell fündig. Klettert zu mir aufs Bett zurück und hat ein Gummi im Mund. Ohne Blister! Wo ist die Verpackung? Geht’s noch?

„Aaargh …“ Bei der Lautstärke haben sie mich da draußen, im Clubraum, alle gehört. Ich presse meinen Hintern ins Laken, stöhne immer noch vor mich hin und muss mich wirklich beherrschen, das Gummi nicht gleich seinem Zweck zuzuführen. Der Kleine ist krass. Stülpt einfach das Kondom mit den Lippen über mein bestes Stück. Dann schmeißt er was neben mich und ich runzele die Stirn.

„Gleitgel!“, lässt er mich lächelnd wissen.

Aha! Und? Was soll ich jetzt damit?

„Du hast echt keine Ahnung, oder? Ich habe zwar gemerkt, dass du wenig Erfahrung hast, aber so gar keine? Keine Sorge, ich habe es schon dort verteilt, wo wir es gleich brauchen. Vorbereitung brauche ich nicht.“

Ja, spinnt der? Liest der jetzt meine Gedanken oder was? Er lacht leise, setzt sich auf meine Unterschenkel und schmiert meinen Schwanz auch noch damit ein. „Lass mich machen, ja?“

„Mach! Aber mach jetzt auch!“

Gooott, diese Finger. Verschwinde endlich von meinen Eiern. Der liest scheinbar wirklich Gedanken. Rutscht sofort höher, positioniert sich und … meine Härte wird in ihn gedrückt! Einfach so …

„Oar!“ Meine Finger dringen in sein Fleisch an den Schenkeln. Dort, wo’s so richtig schön schmerzt. Aber ich kann auch nicht lockerer lassen. Es geht einfach nicht. Gooott, ist das eng. Und heiß. Und irgendwie fest. Mein Leib geht nach oben. Rein! Weiter rein!

„Fuck!“ Das muss ihm wehtun. Hab ja kein Dünnholz da unten. Ist zwar kein Ben Hur aber nett ist der schon. Doch Noah schweigt und zieht lustvoll die Unterlippe zwischen die Zähne. Der genießt das auch noch! Verfluchter Streuner, ehrlich! Streichelt über meine Brust und knetet die Muskeln, die meinen Unterbauch definieren. Lässt sich tiefer und tiefer auf mich sinken. Zuckt nicht mal zusammen, als ich dagegenhalte. Nach oben natürlich. Immer weiter rein ins Verderben.

Ich will … Fuck! Lass mich tiefer rein! Weiter. Großer Gott, wie lange soll ich das aushalten? Und endlich sitzt er, stützt sich ab, mit dem bisschen Freiheit in den Beinen, die ich ihm mit den Händen gewähre. Wartet, verharrt, betrachtet mich. Solange, bis meine Gesichtszüge ein wenig entzerren und weicher werden. Nicht bis er sich entspannt hat, sondern ich, der Untenlieger, der dennoch das Sagen hat. Eigentlich …

„Alles gut?“

Das fragt er mich? Ich leide gerade mit ihm! Und komme gleich. Ich merke, wie es in mir aufsteigt … „Warte! Noch nicht!“, schnauze ich los, als er sich weiter bewegen will. Gott, ist der zierlich. Ein Persönchen. Eine halbe Portion. Und sehnig und kräftig, trotz schmaler Gestalt. „Bitte“, setze ich leise hinterher und Noah kommt runter zu mir. Küsst mich, so sanft, leckt über meine Mundwinkel, fährt die Unterlippe mit der Zunge entlang. Sanft ist gut. Irgendwie doch! Jetzt erst merke ich es. Gestern war’s nicht so gut. Obwohl Till das genauso kann. Sogar Micky hat’s mir gezeigt.

Tut mir leid, Till. Ehrlich!

Das war so die erste Berührung und etwas in mir musste raus. Das war mir einfach zu zart. Obwohl, ja, ich geb’s zu. Es ist wirklich ganz nett.

„Du bist verdammt heiß, Süßer. Du wirst noch jede Menge entdecken und Spaß haben. Ich hoffe, du kommst auch mal wieder zu mir, wenn du dich austoben willst!“

Seine zarten Finger streichen durch meine Haare, liebkosen, necken und locken mich. Mich geschickt ablenkend, umtänzelt er mit seiner Zunge meine. Ich werde ruhiger, hab immer noch Stahl da unten, statt Muskeln und Fleisch, aber der Drang, zum Showdown zu kommen, der ebbt langsam ab. Dann bewegt er sich. Seicht und träge. Auf und ab, macht Päuschen, macht weiter. Und treibt mich höher und höher. Meine Nerven vibrieren. Meine Schenkel beben. Das Entgegenkommen meiner Hüften gleicht einem Reflex.

Ich will mitmachen. Das ist gut. Eng und heiß. Die Reibung, die Lust. Ich will’s rausschreien und beiße die Zähne zusammen. Kann dem Ziehen in mir nicht mehr entkommen. Lippen auf meinen. Ich beiße rein. Verschlinge sie, kann endlich die Hand aus seinen Schenkeln lösen und sein Gesicht an meins ziehen. Mund auf Mund. Sein Atem geht schwer. Meiner geht schwerer. Ich keuche los, halte ihn fest. Oben und unten, Nacken und Hintern, fixiere ihn und stoße mich rein, übernehme das Sagen. Er selbst pumpt sich auch, folgt meinem Rhythmus und keucht genauso laut wie ich. Schneller und fester. Mein Stöhnen hallt in ihm wider. Mischt sich mit seinem und dann lasse ich mich fallen.

Ein letztes Mal rein, bevor mein Saft sich in dem Häubchen des Gummis verliert. Mein Körper verkrampft sich, vibriert und mir wird krass heiß. Ich sacke schwer nach unten. Halte ihn gefangen, bis seine Hüften mir nachkommen und er fest auf mir sitzt. Ich tiefer als zuvor in ihm drinstecke. Ich bebe. Hab die Augen geschlossen, ringe nach Luft, während der Schweiß auf meiner Haut langsam trocknet. Es riecht nach Sex, nach geballter Ladung Testosteron und Noah auf mir, scheint unruhig zu werden.

„Bitte“, wispert er bettelnd, streicht über meine Brust, bis ich ihn anschaue. Ups … Da war ja noch was! Tschuldigung! Ich reiße mich zusammen und lasse meinen Blick über ihn gleiten, bis hin zu seinem prallen Ständer, der um Erlösung fleht. Ich streichle über seine Schenkel und fixiere seine Augen mit meinen. Merke, dass es das ist, was er noch braucht. Den Kick darin findet, dass ich ihn betrachte und ihn an empfindlichen Stellen berühre. Ein letztes Wimmern, dann kommt er auf mir.

Ich wäre gerne alleine. Empfinde das alles als surreal. Doch Noah liegt auf mir, genießt und schweigt. Meine Gedanken rasen, während meine Pumpe sich immer noch selbst übertrifft.

Was? War? Das?

Ich kann’s einfach nicht greifen. Kriegs nicht zu fassen. Es war verdammt heiß. Eine Erfahrung, die ich nicht mehr hergeben muss. Ich versuche es zu erörtern, aber da ist noch alles so weich. So nah und buttrig. Eben erst gewesen. Es geht noch nicht. Ich brauche eine Antwort. Nur für mich. Für Kati auch.

Will ich es wieder? Es war geil! Kann Kati das auch? Es war geil, weil es verdammt eng und … anders war. War es geil, weil es ein Kerl war? Eine Frau ist da auch eng! Ich kraule Noah. Da steht er wohl drauf. Ein Katerchen eben. Doch bald schon sieht er auf die Uhr und bedauernd auf mich herab. „Ich muss duschen und wieder raus, Cameron! Danke für dieses grandiose Geschenk!“

„Geschenk?“

„Dass ich dein Erster sein durfte. Du warst toll. Immer wieder gerne!“

„Alles klar, Kleiner?“

„Mir ging’s nie besser.“

„Hat das nicht wehgetan?“

Etwas betrübt rutscht er von mir runter und zieht die Schenkel nach oben. Ich sehe die Striemen, die meine Finger dort an der Innenseite in seiner zarten Haut hinterlassen haben. Er reibt darüber und zuckt mit den Schultern. „Alles halb so wild. Geht wieder weg. Komm wieder, wenn du deine Kraft zu lenken weißt und ein bisschen mehr Ausdauer hast. Ich würde wirklich liebend gerne mal unter dir liegen.“

Eigentlich hab ich nicht die Striemen gemeint. Und der Riss in der Lippe ist dann ja wohl auch von mir. Noah macht mich sauber, ist wieder so zart und reinigt sich im Anschluss.

Hab mich soeben fertig angezogen und die Jacke über der Schulter, als es beginnt, an der Tür zu wummern.

„Ja. Ich komme sofort!“, ruft der Kleine und schlüpft in die Hose.

Himmel. Das ist dann wohl die nicht mehr ganz so schöne Seite von diesem Club, der nach außen echt eine gute Fassade hat. Doch die Tür geht auf, einfach so. Hey, geht’s noch? Was soll denn das? Kein Anfragen, kein weiteres Klopfen. Wir hätten mittendrin sein können. Aber in mir, da donnert’s los. Und zwar gewaltig. Hart und ungnädig wandern seine Augen über meine Statur. Chris steht im Türrahmen. Lässt mich nicht mehr los mit seinen Augen und haut mich mental glatt aus den Schuhen.

„Noah? Alles klar bei dir? Torben hat mir gesagt, da sucht jemand nach mir und du hättest ihn mit aufs Zimmer genommen!“, redet er mit Noah und starrt mich dabei an. Wissend. Zermürbend. Kauen und ausspucken.

Es tut mir leid, hörst du? Mann, bist du nachtragend. Ich bin ein Arsch, es tut mir wirklich leid, ja?

„Klar ist alles gut!“ Noah grinst Richtung Chris und zwinkert ihm zu. „Ich für meinen Teil war ganz froh, dass du vorher noch nicht da warst und Cameron dich nicht finden konnte.“

Chris baut sich vor mir auf. Das glaubst aber auch nur du, oder? Ich kann das auch! Richte mich auf. Rücken gerade, Schultern gerade, Kinn nach oben. Auge in Auge. Du willst dich mit mir messen, ja? Ausgerechnet mit mir?

„Du weißt schon, dass du eine Hete rangelassen hast, Noah?“

Meine Fäuste krampfen, ich schwanke ein wenig.

„Cameron und hetero?“ Katerchen lacht, kommt auf uns zu und strahlt Chris an. „Woher hast du denn den Müll, Chris? Wenn Cameron hetero ist, bin ich es wohl auch!“ Leicht spöttisch verziehen sich seine Mundwinkel, bevor er mir zuruft: „Wir sehen uns, Cameron!“ und aus der Tür verschwindet.

Stille. Nur der Bass des Clubs hallt bis in den Raum. Und Chris’ sagenhafter Blick aus grünen Augen liegt auf mir. Wir haben nichts zu bequatschen. Aber sein Starren trifft mich. Tief und hart und verankert sich so weit unten in meinem Leib, dass mein Kumpel zu neuem Leben erwacht. Ich schnaube aus. Erbost! Weil sich bei mir was regt und einfach, weil …

Was soll das, hm? Ich dränge an ihm vorbei und hab das Gefühl, dass er mich gerne festhalten möchte. Unsere Schultern stoßen aneinander, wir beide schwanken, ich gehe weiter. Raus hier! Schritt vor Schritt. Bevor ich nicht mehr kann. Gehe noch mal für kleine Jungs und stehe drei Minuten später vor dem Club. Im Regen.

Puls jagt Verstand. Ich krieg’s nicht auf die Reihe. Schnell schlüpfe ich in meine Jacke und will den Weg fortsetzen, doch ich komme nicht weit. Chris stellt sich vor mich. Raucht eine. Im T-Shirt. Klatschnass ist er schon.

Hmm … siehst gut aus, wirklich. Aber was soll das werden?

Ich weiß nicht so recht weiter. Eigentlich will ich heim. Mir Gedanken machen und das Erlebnis analysieren. Ich schulde Kati eine Antwort, denn sie wartet zu Hause. Ich schwenke nach links und Chris macht diesen Schritt ebenfalls zur Seite.

„Was willst du?“ Es reicht. Geduldsfaden gerissen. Ich schreie ihn an. „Es tut mir leid, ja?“

„Warum hast du nach mir gefragt?“

Er steht so dicht, dass ich ihn riechen, ja, ihn geradezu inhalieren kann. Er trägt ein wirkungsvolles After Shave. Und das Duschgel kann auch was. Verströmt Männlichkeit und Kraft. Gepaart mit dem Frischeduft des Regens. Unterschwellig ist da noch ein Hauch von Sex, der an ihm haftet, und ordentlich die Hormone anregt.

„Ich … weiß es nicht. Ich hab vermutlich gefunden, was ich suchte.“

„Sex mit Klein-Noah. Glückwunsch.“ Spott trieft mit jedem Wort aus seiner Stimme. Seine Augen verengen sich, er tritt näher. Ich spüre seinen kalten Atem auf meiner Wange, rieche den Rauch seiner Zigarette und fühle mich wie ein Magnet.

Regentropfen perlen seine Schläfen und Wangen hinab. Laufen über den Hals und versickern im Stoff seines T-Shirts. Nass und eng sitzt es an seinem Leib. Definiert seinen Körper. Ein Gottesgeschenk. Er ist attraktiv. Das kann ich nicht leugnen. Langsam, um nicht selbst aus lauter Hast zu weichen und ihn nicht zum Zurücktreten zu bewegen, greife ich in meine Jacke und hole meine eigenen Zigaretten heraus. Biete ihm eine Neue an und entzünde erst diese im Schutz meiner Hand, dann meine. Muss aufpassen, dass ich mich nicht in seinem Blick verliere, der keinen Millimeter mehr weicht, mich nicht von ihm fixieren lasse und zum Spielball werde. Das ist ein Spiel unter Männern. Ich hab’s verstanden. Aber die Regeln kenne ich nicht.

Sein Kopf kommt vor, seine Lippen berühren fast meine. „Und, C a m e r o n? Hat’s Spaß gemacht?“

„Ich …“, weiß nicht, was ich sagen soll. Seine Stimme dringt in mich. Mein Name aus seinem Mund klingt so anders. So sämig und … scharf. Wie Schokolade mit einem Hauch von Chili. Hot! In meinem Schritt regt sich wieder was. Appetit sammelt sich an. Aber provozieren lasse ich mich trotzdem nicht gerne. Nicke daher in Zeitlupe, lasse mir nicht anmerken, wie seine Stimme und seine Nähe mir heißkalte Schauer bescheren und halte seinem Blick so gut es geht stand. Mache es ihm gleich und blase ihm den blauen Rauch ins Gesicht. „Ich bin auf meine Kosten gekommen, wenn es das ist, was du wissen willst“, erwidere ich nach reiflicher Überlegung. Du bist Anwalt, Cameron. Du kannst reden. Viel und noch mehr. Rede jetzt! „Aber so ganz sicher bin ich mir nicht. Leider musste ich in den letzten Tagen feststellen, dass ihr alle einen an der Waffel habt. Angefangen bei meinem besten Freund, der schwul ist, seit wir das Wort Sex in der Schule nicht nur in den Mund genommen haben. Ich glaub, eure Welt ist mir ein bisschen zu eintönig und grau. Gefühle sind euch völlig fremd. Was andere von euch denken, ist euch scheinbar egal. Zumindest ist das mein Eindruck der letzten Tage. Dabei ist nicht immer alles nur schwarz oder weiß, verstehst du? Da kommt ein Verwirrter, wie ich das derzeit bin, zu euch, will sich selbst finden und du drückst mir direkt einen Stempel auf. Das ist schon heftig, Christopher. Immerhin wirst du bezahlt, für das, was du tust. Ich bin mir nicht sicher, ob dein Chef so glücklich darüber wäre, wenn er wüsste, dass du einen Kunden dermaßen provozierst und mir vorgestern mit diesem grandiosen Statement genauso gut ins Gesicht hättest schlagen können. Die Wirkung wäre wohl dieselbe gewesen.“

Wow! Tut mir leid! Fuck the hell, ehrlich wahr! Kam das gerade aus meinem Mund?

Chris nickt. Wissend und irgendwie auch … beherrscht. Fährt mit seinen kräftigen Fingern völlig überrumpelnd in meinen Nacken, hält mich fest und legt seine Lippen auf meine. Leicht nur, bewegt sie, so sanft, ich könnte glatt in die Knie gehen. Stehe da wie versteinert und keuche reflexartig auf. Öffne automatisch die Lippen und bitte ihn rein, doch er lacht nur leise auf. Leckt sich stattdessen von einem meiner Mundwinkel zum anderen.

Gooott, mein Halbmast wächst weiter. Bitte nicht! Mein Körper gibt einen Beat vor, dem ich nicht mehr gewachsen bin. Gerade nicht! Nicht mit Chris. Rauschzustand! Was hat er an sich? Ich verzweifele noch mal an dem! Ich stöhne erneut. Bäume mich auf, gegen diese raue Welle der Sanftheit, die in mich dringt und mich schwach macht. Ich will mich losmachen und werde doch festgehalten. Ein Hauch von Nichts streift über meine Schläfe, eine Zunge, die die Regentropfen von meinen Wangen leckt. Lippen, die mein Ohrläppchen liebkosen, es necken und anknabbern. Jede kleinste Berührung löst einen Sturm in mir aus, jeder Atemzug von ihm jagt einen Schauer über meine Haut und trägt mich immer weiter rein in den verflucht dunklen Strudel der Sehnsucht.

„Nicht doch, Cameron! Wehr dich nicht“, haucht er mir zu und sendet damit gleich die nächste Hitzewelle bis in mein Zentrum. „Du glaubst, das vom Wochenanfang war ein Statement gewesen? Da muss ich dich leider enttäuschen. Aber du bekommst eins, wenn du schon so darum bettelst. Du wirst danach zu deiner Süßen rennen und dir wünschen, mir nie begegnet zu sein."

Ich … kann nichts sagen. Meine Kehle ist wie ausgedörrt. Ich komme mir vor, als würde ich verdursten, weil die Hitze in mir mich einfach verschlingt. Seine Kippe fällt und erlischt, dann nimmt er meine. Hält sie mir hin und lässt mich ein letztes Mal daran ziehen, während sein Mund über meine Wange haucht und seine Finger schaurig schön meine Lippen berühren. Dieser Hauch von Nichts macht mich träge und mürbe. Ein Schauer jagt den nächsten, heiß und doch kalt, und ich sauge hart die Luft in die Lunge. Dann nimmt er selbst noch einen Zug, genussvoll, und schnickt die Kippe ebenfalls weg. In der Pfütze erlischt sie, ich kann das Zischen noch hören. Oder war ich das? Grundgütiger, ich werde verrückt! Er ist ruhig und beherrscht, während seine Fingerspitzen in meinem Nacken, im Haaransatz, kraulen und mich dabei so magnetisch an sich binden, dass ich nicht mehr abrücken kann. Es auch gar nicht will. Gleich sterbe ich.

Gooott, Chris. Was machst du mit mir?

Ich kann mich nicht rühren. Atme stoßweise und seine Augen lachen mich an. Oder aus! Es ist egal, ich will mehr. So viel mehr von ihm. Und doch bin ich wie zur Salzsäule erstarrt. Drehe den Kopf leicht zur Seite, will ihn küssen und spüren, meine Begierde nach seinem Mund löschen, und erhasche wieder nur einen Hauch von ihm, bevor er an meiner anderen Wange eine Spur zieht, die aufbrennt. Meinen Hals hinableckt, sein Zungenpiercing dabei in meine Haut drückt und mich einfach zergehen lässt. Fuck! Ich kann nicht mehr.

Ich will es so sehr. Aber es geht nicht. Nicht mit Chris. Der spielt mit mir. Es ist nur ein Spiel, Cameron. Ein verficktes, Scheißspiel, dem du nicht gewachsen bist. Wach endlich auf! WACH AUF!

Und ich stöhne meinen hormonellen Frust einfach raus! Chris drängt mich bestimmt und doch sachte seitwärts, rein in eine Seitengasse neben dem Club. Hält mich fest, ganz nah an ihm dran, fährt mit seiner freien Hand unter mein Shirt und setzt seine Tortur fort. Streift leicht über meine Brust, über meine steinharten Nippel und zieht mit der Spitze seines Fingers die Muskulatur dort nach. Gleitet weiter runter, über meine empfindliche Seite, bis ich Laute von mir gebe, die ihm mehr als gefallen. Ich sehe es in seinen Augen. Sie blitzen siegesgewiss auf. Er quält mich und ich bestehe nur noch aus dem dumpfen Puls meines pumpenden Muskels. Jede Berührung brennt sich in mich und seine Finger verführen mich, driften immer weiter gen Süden. Da sind Kuppen die meine Bauchmuskeln nachzeichnen. Ein Daumen, der am Bund meiner Jeans entlanggleitet. Eine ganze Handfläche, die mein Sixpack unter sich arbeiten lässt, so sehr spanne ich mich an.

„Du siehst aus, wie ein großer, schwarzer, geschmeidiger Panther! Und du riechst nach verteufelt heißem Sex“, haucht er mir an die Lippen und entzieht sich mir abermals, als ich meinen Mund gierig auf seinen pressen will.

Ich will ihn doch einfach nur schmecken! Meine Erinnerung so gerne auffrischen. Chris leckt sich stattdessen über meine übereifrige Halsschlagader und beißt dort hinein. Neckisch sanft, löscht den Brand mit der Zunge und endlich entlässt er mich aus seinem Griff, ich lasse kraftlos meinen Kopf einfach nur noch zur Seite kippen. Ein Zentimeter, vielleicht zwei oder drei, bis ich meine Wange an seiner anlehnen kann. Es fühlt sich für mich wie ein zaghaftes Ankommen an. Ich schließe die Augen und atme flach, doch es kommt kein Sauerstoff, sondern nur sein betörend herber Duft bei mir an. Ich versuche das Beben, das mich packt, in einem Anfall von Selbsterhaltung rigoros zu unterbinden. Keine Schwäche zeigen. Nicht hier! Nicht bei ihm.

Was ist los mit dir, Cameron? Du solltest gehen. Flüchten. Das ist der arrogante Typ, den nicht interessiert, wer du bist. Hau schon ab, Mann!

Aber da kommt Hand Nummer zwei. Gleitet auch unter mein Shirt. Direkt da, wo mein Muskel den Brustkorb gleich sprengt. Er muss es spüren. Wie es in meiner Brust stolpert und dem Takt der Schlagmänner nicht mehr standhalten kann. Sanft und gefühlvoll erkundet er mich, überall, wo er rankommt und darüber hinaus. Fährt zwischen Jeansbund und Hüfte, zieht Spuren, markiert mich. Brennt sich in mich ein und macht meinen sowieso schon bevorstehenden, beschwerlichen Heimweg zu einer ausgewachsenen Katastrophe. Erst als seine Hände an meinem Hintern ankommen, realisiere ich, dass meine Hose weit sitzt. Viel zu weit. Beinahe rutscht sie von meinen Hüften. Der Gürtel ist gelöst, zwei Knöpfe sind geöffnet. Gottverdammt! Ich kann nicht mehr! Aber …

Es ist so gut!

Es muss aufhören.

Es tut jetzt schon so weh.

Es wird mich zerreißen.

Oar … Seine Hände beginnen zu kneten, sehr heiß und ziemlich grandios, gerade so kräftig, dass mir ein undefinierbarer Laut entkommt.

„Das gefällt dir, was?“

Ich finde keine Worte. Immer noch nicht. Gefallen? Es ist perfekt! Du bist perfekt! Ich will so gerne mehr und kann’s nicht kriegen. Chris scheint unerreichbar für mich. Newbie der ich bin, kann ich mich mit einem Profi nicht messen. Denn dies hier … ist irgendwie sein Revier. Sein Spielfeld und ich bin die Figur! Wehr dich! Sofort! Greif an, bevor er als Sieger hervorgeht.

„Glaub mir, ich kann noch ganz anders. Du würdest unter meinen Händen wie ein Eis in der Sonne schmelzen.“

Zyniker. Prolet. Arsch, ehrlich wahr! Mein Ego, da kommt’s irgendwo angekrochen. Guckt hinter einer Ecke hervor. Wird auch Zeit! In mich kommt Bewegung. Ich will mich wegdrücken, doch er zieht mich an sich. Ich drücke erneut gegen ihn, doch meine Kraft ist gleich Pudding. Ich spüre ihn. Seine Härte. Spüre ihn an meinem Schenkel und kann nur noch röcheln und … irgendwie geschehen lassen. So eng wie es ist, so gut ist es auch. Seine Hände graben sich weiter zu meinem Ständer vor, streifen ihn in der Länge nach oben und ich sacke beinahe weg.

„Hoppla! Na, na!“ Chris hält mich und … zieht sich zurück. Grinst mich an, greift mir ein letztes Mal an den Hintern und seine Braue wandert spöttisch nach oben. Es trifft mich unvorbereitet und wie ein doppelter Schlag. Er hat aufgehört, genauso schnell, wie er angefangen hat.

„Gooott, bitte …“, hauche ich ihm entgegen. Warum, weiß ich selbst nicht, aber die Kälte des Regens ist auf einmal real.

„Wolltest du nicht heim?“ Spott in der Stimme. Seine Hand verschwindet von mir.

Du bist ein gottverdammtes Arschloch, ehrlich wahr!

„Zu deiner Süßen?“

„Ich …“ Ich schlucke. „Ja. Kati wartet auf mich“, bringe ich noch wispernd hervor.

Wissendes Nicken, Augen, die sich verengen. Die Erstaunen und Erkenntnis gleichzeitig zu mir senden und ein Mund, der sich bemüht, nicht laut in die Nacht reinzulachen.

„Ich wünsche dir morgen viel Spaß, geschmeidiger Panther. Bunte Feier und grüße deine Süße von mir. Würde ja gerne Mäuschen spielen, wenn du ihr erzählst, dass du dich von einem Homo hast heiß machen und in den Wahnsinn treiben lassen. Ach, und übrigens, Cameron ist ein sehr … hm … leckerer Name. Den kann man sicher gut stöhnen. Wenn du wieder mal Lust hast, deiner Süßen fremdzugehen und dich um den Verstand vögeln willst, dann darfst du zu mir kommen. Ruf vorher im Club an und verlange eine Einzelbuchung für eine Stunde. Sonderpreis, weil du es bist. Ich mach’s dir für vierhundert Mücken! Es wäre mir ein schieres Vergnügen!“

Ich stehe da und schnaufe wie ein Stier. Stoße mich von ihm, bis er rückwärts taumelt und entferne mich. Erst rückwärts, dann vorwärts, ein Schritt nach dem anderen. Will nur noch raus aus der Gasse. Doch dann bleibe ich stehen und drehe mich noch mal um. Ein letzter Blick. Einfangen und nie mehr aus dem Gedächtnis löschen. Da steht er! Der Traum aller Männer. Mein Traum. Hat eine Kippe zwischen den Fingern und die Hände am Schopf. Verzweifelt sieht er aus, ein bisschen erregt, will ich meinen und irgendwie auch gefährlich. Sein Blick trifft meinen und eben merke ich, dass meine Hose noch offen ist. Hastig drehe ich mich weg, knöpfe sie zu und laufe los. Nehme irgendwann wahr, dass ich renne. Immer weiter. Quer durch die Innenstadt. Nach Hause. Heim zu Kati. Richtung Sicherheit und Vertrauen. Richtung Spielfeld, das meines ist, auf dem ich mich auskenne und Fair Play die Regeln bestimmt.

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Bericht Re: Duits | Eigentlich ... door Redactie » woensdag 19 augustus 2015 14:27

7.


Es gibt eine Liste. Pros und Contras. Natürlich nur in dem kümmerlichen Rest meines vertrackt denkenden Hirns. Jetzt stehe ich mit Hochzeitsanzug hier im Schlosshof und hab einen Blumenstecker bekommen, der an meiner Brusttasche prangt. Ich bin nervös. Aus vielerlei Gründen. Die Nacht war schlaflos. Aber was hab ich auch erwartet? Eigentlich kann ich es kaum fassen, dass Kati noch da ist. Eigentlich … bin ich für sie ja die Enttäuschung schlechthin.

Gleich wird sie in ihrem Brautkleid ankommen. Gemeinsam werden wir ins Standesamt laufen, uns das Jawort geben, die Ringe gegenseitig anstecken, uns küssen, eine Unterschrift setzen und unser Leben weiter leben. Das Leben, welches uns wirklich gut gefallen hat. Bis letzten Freitag war das nämlich noch Fakt.

Ganz sicher bin ich mir nicht, warum ich hier stehe. Weil ich sie liebe? Eigentlich und … irgendwie schon, ja! Ich kann sie nicht loslassen. Es geht einfach nicht. Ich hab mich einfach verirrt und bin mir dessen fast sicher.

Wir haben geredet. Die ganze Nacht ging dafür drauf. Über meine Gefühle, über das, was in mir vorgeht, über das, was in ihr vorgeht. Ich hab ihr erzählt, dass ich nun eine Erfahrung reicher bin. Begeistert war sie nicht, aber sie wusste es ja. Eigentlich war es ja sogar ihre eigene Idee. Was soll ich sagen? Es war Analsex mit Noah. Ziemlich guter sogar. Und doch komme ich nicht umhin zu behaupten, dass es auch mit einer Frau ein netter Zeitvertreib wäre.

Ich will gerne glauben, dass ich mich nicht selbst belüge. Rede es mir ein wie ein Mantra und hab es so oft wiederholt, dass auch Kati jetzt daran festhält. Es gab reichlich Tränen. Immer wieder die gleichen Fragen. Ich bin immer leiser und leiser geworden. Hab sie dann an mich gezogen und ihr noch mal alles von vorne geschildert. Details natürlich geflissentlich ausgelassen.

Noah war gut. Das Katerchen. Natürlich war er das. Da gibt’s nichts zu leugnen. Aber da war keine Lava, keine brodelnde Hitze. Kein versengendes Ziehen, dass man meint, auseinandergerissen zu werden und auch keine rohe Unverfälschtheit, wie ich das bei Micky erfahren durfte. Kein purer Sex, ohne überhaupt Sex zu haben, was mir Chris mit auf die Reise gegeben hat.

Aber … das sind zwei Männer, die ich nicht haben kann und nie bekommen werde. Gleich zwei, die mir deutlich machten, dass sie mich auslachen, vielleicht sogar lächerlich finden. Natürlich tut es weh! Ganz furchtbar sogar. Aber ich mache mir nichts mehr vor. Denn das, was ich scheinbar gesucht habe, bekomme ich nicht. Und das, was ich gefunden habe, kann mir Kati auch bieten. Eigentlich. Glaub ich zumindest. Somit ist die Sache doch klar.

Ich hab ihr gesagt, dass ich sie trotz allem gerne heiraten möchte und Kati … na ja … ich glaub sie war irgendwo zwischen Schock und Freude gefangen. Sie hat mit allem gerechnet, aber nicht mehr damit.

Gäste kommen, begrüßen mich.

„You are looking tired, Cameron. Are you really that nervous?” Das ist meine Tante Penny aus Amerika.

„Oh, Baby. What’s wrong? How are you? Where’s Kathy?“ Eine liebevolle Umarmung, der ich mich nicht entziehen kann. Das ist meine Mutter und die Schwester von Penny.

„Junge, Junge. Ihr hättet heute Nacht besser mal geschlafen.“ Das ist der Oberboss. Mein Vater.

Noch so viele mehr kommen und schütteln mir die Hand. Geben Millionen von Kommentaren ab, die ich nicht hören will. Was soll ich auch sagen? „Na ja, wisst ihr, der Bräutigam ist irgendwie verrückt geworden. Aber wir haben kurzfristig beschlossen, die Hochzeit doch nicht abzusagen!“

Klar doch! Dafür hat natürlich jeder Gast Verständnis. Dennoch bin ich zittrig, nervös und völlig erledigt. Rauche gerade die zehnte Zigarette und ernte nebenbei böse Blicke von meiner Mutter, die noch gar nicht weiß, dass ich diese Woche zum Raucher mutiert bin. Als ich dann noch Micky und Till Hand in Hand auf mich zukommen sehe, verliert sich auch noch der Rest der winzigen Vorfreude auf diesen Tag, die sich bisher kaum bemerkbar gemacht hat.

„Hey, mein Freund!“ Ich nicke Micky wortlos zu und will mich wegdrehen, doch er hält mich zurück. „Hör mal, Cam. Ich möchte nachher, in einer ruhigen Minute, gerne mit dir reden. Ich war gestern schon bei dir zu Hause und Kati sagte, dass du unterwegs bist und … Mann, Cam, was soll das, hm?“

Ich blicke ihn an, will loslachen und dränge es in letzter Sekunde zurück. Ist das jetzt sein Ernst? Als ich mich erneut wegdrehen will, hält Micky mich allerdings fest.

„Cameron! Wir beide brauchen mal ein richtiges Gespräch unter Männern. Ich mag dich. Sehr sogar. Dass ich dich zurückgewiesen habe, hat so viele Gründe, aber keiner davon ist der, den du vielleicht vermutest. Glaubst du etwa, mir macht es Spaß, dich so vor den Kopf zu stoßen?“

„Weiß nicht, sag du’s mir!“

„Die Situation war etwas prekär und zudem bist du mein bester Freund. Wenn wir es vermasselt hätten, wäre unsere Freundschaft eventuell daran zerbrochen. Till stand auch noch daneben. Du warst verletzt und aufgebracht. Dieser ganze Mix ist keine gute Basis für den ersten und natürlich weltbesten Homosex, verstehst du?“ Er zwinkert und ich lache los. Arsch, ehrlich wahr! Aber das ist so typisch für Micky. Ich lieb dich auch, Alter.

„Vergiss es einfach! Meine Erfahrung konnte ich jetzt anderweitig sammeln. Und was soll ich sagen? Ein Gespräch ist nicht mehr nötig, denn ich hab mich entschieden.“

Micky mustert mich. Mir wird gleich noch mal unwohler, so als Bräutigam vor ihm zu stehen. Seine Braue wandert nach oben, als ich meine Zigarette mit doch offensichtlich nervöser Hand zum Mund führe.

„Bist du sicher?“, fragt er geradeheraus.

„Ja! Geht’s noch? Würde ich sonst hier stehen?“

Micky nickt langsam. Ich sehe ihm trotzdem an, dass er mir nicht glaubt. Vermutlich reimt er sich aus unserer Aktion vom Dienstagabend noch ganz andere Dinge zusammen.

So ist es nicht, Micky. Ehrlich. Ich hab’s kapiert. Analsex ist gut und ich werde ihn sicher mit Kati noch mal praktizieren. Aber alles andere ist für mich nicht greifbar. Eher unerreichbar und daher unantastbar. Deine Welt ist nicht meine.

„Weißt du, Cam, ich befürchte, du gehst ein bisschen übereilt an die ganze Sache heran. Ihr hättet die Hochzeit verschieben können. Wenn du also mich fragst … puha!“

„Puha? Komm schon, Micky. Nimm deine Mieze an die Hand und geh schon mal rein. Ich folge euch dann, wenn alle Gäste da sind. Kati wird erst kurz vorher eintreffen.“

Till schnappt nach meinen Worten ein bisschen nach Luft.

Was denn? Bist doch ’ne Mieze. Eine süße, anschmiegsame Katze mit hellgrauen Augen und einer niedlichen Stupsnase. Bin mir sicher, dass du richtig gut schnurren kannst. Heißt ja nicht, dass Miezen keine Krallen ausfahren können, nicht wahr?

Wie war das eigentlich mit dem Thema: Wir lieben uns nicht! Aber händchenhaltend herkommen? Ich glaub, mein Schwein pfeift. Daher weht wahrscheinlich der Wind. Ich bin einfach nicht Mickys Typ und er wollte Till nicht vor den Kopf stoßen. Wow. Krass. Und jetzt, wo ich so darüber nachdenke, fällt mir sogar ein, dass er das schon mal gesagt hat. Du bist nicht mein Typ, Cam. So einfach ist das? Aber einen Ständer, den kriegt er schon von mir, was? Verrückte Sachen, die hier gerade um mich herum passieren. Ich sag’s ja: Die Homos sind alle ein bisschen saublöd im Moment!

Ich bin nervös, immer noch, und es wird nicht besser. Gerade, als ich mit der Zigarettenschachtel in meiner Hosentasche spiele, fällt mir dann alles aus dem Gesicht. Neee! What the fuck? Was soll das denn jetzt?

Da kommt er. Chris höchstpersönlich! Ein bisschen overdressed für ’ne männliche Hure. In feinem Anzug, mit Krawatte und sogar schicken Lederschuhen an den Füßen. Seine Haare sind allerdings nur mäßig gebändigt. Untermalen das Dunkelgrün seiner Augen, die etwas geschockt schauen, als er mich erblickt. Und seine krass sexy Wangenknochen … Uhm … Aber was geht denn hier eigentlich ab? Ich falle noch mal vom Glauben ab, ehrlich wahr! Wer hat den denn eigentlich eingeladen?

„Hey, Cameron. Darf ich euch vorstellen?“ Das ist Max. Katis schwuler Freund. „Mein Begleiter hier ist ein guter Freund von mir, Chris. Chris, das ist Cameron, Katis Fast-Ehemann.“

Doch ich befürchte, Max würde in diesem Moment tot umfallen, wenn meine Blicke töten könnten. Er stellt mir Chris vor? Ist das sein Ernst? Ich lache gleich mal laut los! Dabei ist es gerade echt frustrierend.

„Was willst du hier?“, zische ich Chris daher unfreundlich entgegen und Max wird sauer, denn den ignoriere ich mal geflissentlich, nachdem ich ein Hallo in seine Richtung gewürgt hab.

In Gedanken rase ich die Zeilen der Gästeliste entlang, bis mein Finger auf Max‘ Namen zum Stehen kommt. Begleiter unbekannt.

„Max ist Single, aber er möchte nicht alleine kommen!“, höre ich Kati in meinem Kopf sagen. „Das heißt er bringt auf jeden Fall jemanden mit. Aber das ist doch okay für uns, Cam, Schatz, oder?“ Cam ist okay, ja. Schatz nicht. Ich mag’s nicht besonders. So weit so gut. Aber aus dem Unbekannten könnte man ja tausend Gesichter formen. Musste es wirklich Chris sein? Und gerade, als ich mich an ihm vorbeidrängen will, die Situation tapfer schlucken möchte, und bevor ich noch was von mir gebe, das die Feier ruinieren könnte, hält er mich fest. Bringt seinen Kopf langsam ganz dicht an meinen und flüstert, nur für meine Ohren bestimmt.

„Wenn ich gewusst hätte, dass es deine Hochzeit ist, wäre ich nicht gekommen! Ich kannte nur den Namen der Braut. Katharina, eine gute Freundin von mir heiratet, hat Max gesagt. Ich stehe nicht so auf Hochzeiten, weißt du? Prinzipiell ist es mir auch völlig egal, welcher Hetero sein Mädchen vom Singlemarkt wegreißt. Und hätte ich gewusst, dass du es bist, hätte ich Max abgesagt. So einer bin ich nicht. Wenn es dir also damit besser geht, dann gehe ich wieder, C a m e r o n.“

Hrm …! Wie er meinen Namen schon wieder ausspricht. Als ob er ihn auf der Zunge zergehen lässt. Mein Blut stürzt alleine bei diesem Gedanken nach unten. Ich will es sein. Mich soll er auf der Zunge zergehen lassen. Gooott, Chris. Bitte!

Alle anderen seiner Worte werden geradewegs wieder aus dem Gedächtnis gelöscht. Unter seiner Handfläche brennt’s auf. Ich will schreien. Verfluchte Zufälle. Dafür hab ich keine Kraft. Nicht heute. Nicht, wenn ich alle Sinne auf Kati fokussieren muss.

„Geht schon“, antworte ich lahm. Was soll ich auch sagen? Ähm, Entschuldige Max, aber dein Begleiter, der Chris, der darf nicht mit uns feiern. Gegen den hab ich eine ganz persönliche Ständerallergie. Der mag mich übrigens genauso wenig! Ja, wäre ’ne klare Sache, nicht wahr? Aber dafür fehlen mir dann doch so ein bisschen die Eier in der Hose.

„Halt dich einfach von mir fern, ja?“, raunze ich Chris deswegen nur leise an und richte meinen Blick auf sein fies männliches Gesicht. Dann auf seine echt schöne Männerhand mit den wundervollen, langen Fingern, die meinen Arm immer noch umklammert hält und mir wird schon wieder ganz anders. Mich würde es ja nicht wundern, wenn der sündhaft teure Stoff von Hugo Boss darunter schon am Schmoren wäre.

Chris lässt mich los, wechselt ein paar Worte mit Max und während dieser sich trollt, stellt sich der Vollhomoarsch neben mich. Zündet eine Zigarette an, drückt sie mir zwischen die Lippen und zündet sich eine weitere an. Nachdem ich dreimal zum Klartext reden ansetzen wollte, aber kein Wort aus mir rauskam, stehe ich jetzt stumm da, starre geradeaus und Chris imitiert mich.

Männer, die schweigen. Manchmal ist’s ja ganz nett. Aber seine Nähe zermürbt mich. Schnürt mir die Luft ab und seine Präsenz wirkt auf mich wie eine Droge. Ich komme mir vor wie frisch angefixt und es zersetzt mich Stück für Stück. Vernebelt mir die Sinne und ich realisiere es erst jetzt, wo es … eigentlich zu spät ist. Ich kann kaum neben ihm stehen, ohne ihm immer näher und noch näher kommen zu wollen.

Alle Gäste sind bereits da. Jetzt fehlt nur noch Kati. Mir wäre es wirklich lieber, wenn Chris einfach ginge. Wenigstens an seinen Platz, an Max’ Seite. Was will er hier bei mir?

Halt schön Händchen mit Max. Blöder Hund du! Ehrlich wahr!

Ne, da steht der hier und schweigt mich an. Raucht gerade seine zweite Kippe und steckt mir auch noch eine an. Meine Hand ignorierend, die ihm das Ding aus den Fingern nehmen will, führt er sie mir selbst zwischen die Lippen, berührt mich bei dieser Aktion. Rein zufällig natürlich! Ein Schauer kriecht mir über den Rücken. Ich möchte gerne genießen, den Kopf in den Nacken legen, die Augen schließen …

Kati kommt. Da fährt das Auto vor. Wow. Ich sehe den Wagen heute das erste Mal. Diesen schwarzen Jaguar, ein S-Type R, der beinahe lautlos auf den Vorplatz des Schlosses rollt. Wie eine geschmeidige Katze, herrlich. Ja, das ist wohl ein Testosteronauto, wie Mann es liebt. Und Blümchen on top, die sind wohl als Highlight gesetzt. Frauen brauchen so was. Ich ja nicht unbedingt. Dennoch: Bravo, Kati. Hast dich selbst übertroffen.

Chris neben mir murmelt vor sich hin. Beugt sich zu mir und rückt verdammt nah an mich ran. So nah, dass seine Lippen mein Ohr berühren. Mir, verdammt noch mal, einen sehnsüchtigen Laut entlocken und ein Ziehen in meinen Lenden heraufbeschwören.

„Dem Jaguar machst du in allen Belangen Konkurrenz. Sogar jetzt, da ich weiß, dass ich dich nach dem heutigen Tag nie wiedersehe, wirst du hier oben in meinem Kopf immer als geschmeidiger, schwarzer Panther verankert bleiben. Du bist ein Raubtier. Du weißt es nur noch nicht! C a m e r o n.“

Gooott, geht’s noch? Fassungslos starre ich ihn an. Erschauere bei seinen Worten und stöhne leise auf. Werde von einer Hitze durchspült, die mir eine grandiose Beule im Schritt beschert. Ich möchte wirklich gerne losschnauzen, meinen Frust an ihm auslassen, als der Fahrer des Wagens aussteigt, die Trauzeugin vorbeilässt und mich und Chris mit einer Handbewegung fortschicken will.

„Die Braut möchte aussteigen. Die Herren mögen jetzt bitte in den standesamtlichen Trausaal des Schlosses überwechseln.“

Benjamin grinst dümmlich, ist ein Freund von mir, und Sohn des Mannes, dem der Jaguar gehört. Heute als Chauffeur, später natürlich auch als Hochzeitsgast unterwegs.

„Was auch immer dir auf der Zunge brennt, behalte es für dich, Cameron. Es ist nahezu filmreif, dich so aufgewühlt zu erleben. Das törnt mich an! Du bist verdammt heiß, Panther. Wenn ich mich nicht augenblicklich von dir fernhalte, verbrenne ich mir noch die Finger an dir“, flüstert Chris ungerührt an meinem Ohr weiter.

„Oar!“ Ich hab einen Ständer. Der Mann spinnt. Der ist verrückt. Ich koche innerlich. Der Vulkan blubbert gleich über und wäre es nicht so absurd, würde ich darauf schwören, dass ich gleich in meinem sauteuren Anzug komme.

„Warum tust du das?“

Das ist eine völlig überflüssige Frage, denn in mir hämmert’s und pulsiert’s in einem fort. Es ist ein mittlerweile vertrauter und doch angsteinflößender Rhythmus. Mit meinem Becken möchte ich in seine Richtung drängen. Hin zu seiner Hand, die lässig in der Tasche des Anzuges steckt. Ich schaue an ihm runter. Sehe, dass auch er mit einem Ständer zu kämpfen hat. Und was für einem! Seine Hand betreibt vermutlich gerade Schadensbegrenzung. Ich will auch.

Mach’s mir. Gooott, Chris! Nur einmal. Dann kann ich Kati heiraten und fühle mich besser. Vielleicht … ein bisschen wenigstens.

Diese schönen, grünen Augen sind verhangen, dunkel, spiegeln Lust und Erregung wider und ich stöhne frustriert auf. So spielt das Leben. Zwei Menschen, die sich nicht finden, weil sie aus dem Gesellschaftsfluss nicht ausbrechen können. Nein verdammt! Weil sie einfach zu dämlich sind, aufeinander zuzugehen. Weil ich zu dämlich bin! Ich ganz alleine! Mich nicht durchgesetzt hab. Nicht bei ihm geblieben bin, als sich mir vor Tagen die Chance geboten hat.

„Chris, ich …“

„Schhhh …“ Chris schiebt mich in den Saal und richtet die letzten Worte an mich, bevor er sich zu Max begibt. „Es ist zu spät, Panther! Du hast dich entschieden und bist gerade dabei, deine Süße zu heiraten. Schade, dass es Noah war, der gestern das Vergnügen mit dir hatte. Wenn ich dagewesen wäre, würdest du heute nicht hier stehen!“

Achtzig Leute. Familie und Freunde. Achtzig Gratulanten. Achtzig Menschen, die mich und Kati gleich umarmen wollen. Aber nur ein einziger Blick der sich mir vehement in den Rücken bohrt. Meine Seele verbrennt und dafür verantwortlich ist, dass mein Ständer mit jedem Atemzug noch ein bisschen stählerner wird. Mein Sakko ist längst zugeknöpft. Ich hoffe, es hilft und hält neunundsiebzig Blicke fern, die auf meinem Schritt weiß Gott nichts zu suchen haben. Einer wird nicht hinschauen, denn dieser jemand weiß, was es zu sehen gäbe. Ich schäme mich. Angstschweiß dringt aus all meinen Poren. Es ist eine lähmende Angst. Was hab ich nur getan?

Kati kommt rein und sieht wunderschön aus. Ihr Kleid ist ein Traum aus cremefarbener Seide und die lockere Frisur, sowie ihr dezentes Make-up, untermauern ihre natürliche Schönheit. Ist schon eine Süße, die Kati-Katze. Eine ganz Niedliche. Ich drehe mich in ihre Richtung, spüre, wie sie und auch Chris mich fixieren. Kati hat wieder geweint, ich sehe es ihr an. Aber es ist auch kein Wunder.

Chris hebt den Daumen und sein Ausdruck wird spöttisch!

Was soll das? Hau ab! Hau einfach ab! Verschwinde aus meinem Leben. Du ruinierst es. Mit jedem Mal, wenn ich dich sehe, noch ein bisschen mehr. Ja, ich weiß, dass Kati hübsch ist. Sie ist meine Frau. Gleich ist sie das! Hau ab!

Er beugt sich zu Max, tuschelt mit ihm und erhebt sich. Deutet schulterzuckend und gleichzeitig entschuldigend auf sein Handy und verlässt den Saal.

Hey, wo willst du hin? So hab ich das nicht gemeint. Komm schon, Chris. Nein, geh nicht! Wo …

„Hey!“ Kati kommt vor mir zum Stehen, zieht jetzt schon verunsichert die Unterlippe zwischen die Zähne.

„Hi, Baby. Du … siehst wundervoll aus!“ Ich küsse sie. Einen Kuss links, einen rechts auf die Wange. „Wie geht es dir?“, flüstere ich ihr zu und die Standesbeamtin wartet geduldig.

„Nicht so gut.“

Wenigstens ist sie ehrlich. Ich bin schuld an ihrem Zustand. Ich ganz alleine. Nicht einmal jetzt kann ich mich auf meine Fast-Ehefrau konzentrieren, sondern starre ein Loch durch die Tür. Chris ist weg. Kommt der noch mal?

Bitte! Wo bist du hin?

„Cameron.“ Kati flüstert. Rüttelt mich am Arm. Ich glaub, ich stehe schon seit einer gefühlten Ewigkeit hier. Die Standesbeamtin spricht mit mir. Fordert mich zu irgendwas auf. Ich höre es nicht. Ich bin nicht mehr da. Körperlich schon, aber ansonsten … weit weg.

„Cameron, bitte. Tu mir das nicht an. Nicht jetzt“, wispert Kati und greift meine Hand.

Eiskalt ist die. Und da ist eine Leere in mir, die ich nicht mehr beschreiben kann. Da ist gerade ein Teil von mir gestorben.

„Herr Anderson! Geht es Ihnen nicht gut? Sie sind sehr blass. Brauchen Sie ein Glas Wasser? Haben Sie die Frage gehört?“

Neee … ist alles in Watte. Nur Kati, die zerrt an mir rum. „Cam, Schatz. Du musst antworten! Du musst Ja sagen.“

Meine süße Kati-Katze … Ich … ich kann das nicht.

Ich. Kann. Einfach. Nicht.

Greife noch ihre andere Hand, fasse Mut, wo keiner mehr ist, heule mit ihr, denn damit hat sie gerade angefangen und kaue nun ebenfalls auf meiner Unterlippe herum. „Kati! Baby, es tut mir so leid. Aber ich kann dich nicht heiraten“, hauche ich ihr entgegen.

Sie erstarrt. Klappt mit dem Kiefer. Tränen laufen. Lautlos. Aus viel zu hellen Augen. Verweinte Augen. Schockgeweitet.

„Kati … es tut mir so leid! Bitte verzeih mir“, flüstere ich weiter. Doch sie rührt sich nicht. Wechselt über in Schnappatmung.

Schlag mich, Baby! Tritt mich. Kratz mich. Schrei mich an. HAU MICH DOCH EINFACH UM! Hau mich raus aus diesem beschissenen Albtraum, der da mein Leben bestimmt. Tu was! Lass es raus!

Doch von ihr kommt nichts. Da ist nur Fassungslosigkeit, die sich in ihren Augen widerspiegelt. Es fühlt sich an, wie ein Weltzusammensturz. Viele Trümmer. Noch mehr Scherben. Unzählige Tränen. Sanft fahre ich mit den Fingerspitzen über ihre nassen Wangen, vermutlich ein allerletztes Mal, küsse sie auf die Stirn und drehe mich weg. Ich muss raus hier. Das Gemurmel und entsetzte Raunen, das durch den Saal wogt, endlich abschalten. Die erstaunten und auch boshaften Ausrufe hinter mir lassen. Alles ist kaputt. Ich bin ein Versager. Ein schwuler Versager!

Chris hat’s mir heute bewiesen. Da ist kein Stück hetero in mir. Nicht mal bi bin ich. Ich mag Kati. Ich mag auch andere Frauen. Ich liebe meine Mutter. Aber … mehr ist da nicht! Ich fühle nichts mehr. Wenigstens nicht das, was ich fühlen müsste. Bedauern vielleicht. Eine Portion Mitleid schwingt auch noch mit.

Ich höre meinen Namen! Immer wieder ruft jemand nach mir. Doch ich gehe weiter. Raus hier! Jemand will mich aufhalten. Es ist Katis Vater. Geschockt sieht er aus. Aber die Frage aus seinem Mund kommt nicht bei mir an. Es reicht doch, wenn ich den Kopf schüttle, oder? Er will es verstehen! Weiß ich doch. Aber wer soll es schon verstehen? Alle Worte sind umsonst. Niemand würde begreifen, was ich selbst noch nicht fassen kann. Ich möchte jetzt einfach nur alleine sein. Sollen sie alle bei Kati bleiben. Die braucht jetzt ihre Leute. Ihre Familie und ihre Freunde. Ich bin da überflüssig.

Es tut mir so leid. Es tut mir so unglaublich leid.

Irgendwie betäubt, nicht mehr Herr dieser Lage, verlasse ich das Gebäude und werde von Micky abgefangen, bevor ich Richtung Taxistand taumele.

„Hey. Hey, Cam! Nicht doch!” Er zieht mich an sich. Versteht er mich? Als homosexueller Mann? Kann er mich verstehen? Ich weiß es nicht. Aber seine Umarmung ist tröstlich. So ein bisschen wenigstens.

Hysterie bricht im Trausaal aus. Ich hör’s bis hier draußen. Eine dunkle Stimme dringt an mein Ohr. Kommt näher und wird immer lauter.

„Cameron. Was um alles in der Welt soll das?“ Mein Vater! Er reißt mich von Micky los, hält mich fest, schreit weiter. Aber schütteln tut er mich nicht. Ich bin erwachsen. Sein Sohn. Ein Mann. Und eine Memme. Ein abgefucktes Arschloch! Gerade jetzt würde ich liebend gerne in einer rosaroten Wattewelt versinken.

Wo ist eigentlich Chris? Bitte …

„Cameron. Sieh mich an. Ich will eine Antwort von dir.“

All die anderen, die gerade herausstürmen, wollen die auch.

„Ich …“ Woah … wie sagt man so was?

„Ich …“, kann nicht. Aber ich muss. Jetzt! Gebe mir einen Ruck und richte mich auf. Schau meinen Vater an, sehe Unverständnis und Bitterkeit in seinen Augen, in seiner gesamten Mimik stehen. Meine Lippen zittern. Alles an mir zittert. Mir ist so unglaublich kalt. Alle Wärme ist binnen weniger Sekunden aus mir gewichen. „Ich … ich kann Kati nicht heiraten. Ich glaub, … hrm … ich … ich glaub, ich bin … schwul, Pa!“

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Bericht Re: Duits | Eigentlich ... door Redactie » woensdag 19 augustus 2015 14:29

8.


Seit Stunden sitze ich in der Bude von Micky, denn ich kann nicht heim. Kati ist da, heult sich die Augen aus dem Kopf und wird von ihren Freundinnen und ihrer Familie betüdelt. Meine Eltern suchen nach mir, sagt Till. Ich hab keine Ahnung, ob irgendjemand so geistesgegenwärtig war und die Feier abgesagt hat. Ich hab sowieso keine Ahnung mehr. Von nichts.

Micky schweigt und lässt mich weitestgehend in Ruhe. Tjard und Busse waren ebenfalls da. Kein böses Wort ist gefallen. Kein Streit wurde angezettelt. Es kam auch keine Frage nach dem Warum. Jetzt sind sie wieder gegangen und die Ruhe ist krass. Sie dröhnt in den Ohren und ich fühle mich kranker als die Tage zuvor. Ich hab’s versaut. Auf der ganzen Linie versagt.

Geistesgegenwärtig wie er ist, drückt mir Micky einen Schnaps in die Hand. Dann noch einen und einen dritten. Alkohol ist ja auch keine Lösung. Dennoch bin ich ihm dankbar, kippe alles runter, was er mir reicht und sehe wohl immer noch ziemlich bestürzt aus.

„Wenn du reden willst, Cam, ich gehe kurz duschen und bestelle uns dann was zum Essen. Isabelle packt was für dich zusammen und ich hol’s bei euch zu Hause ab. Dann hast du ein bisschen Ruhe und Zeit für dich.“

Ich nicke Micky zu. Hab’s verstanden, Alter! Danach lege ich mich lang. Die Hände unter dem Kopf verschränkt, starre ich die Decke des Wohnzimmers an. So schnell ist eine Hochzeit also vorbei. Dieser eine verflixte Tag, auf den man monatelang hinfiebert.

Meine Füße sind nervös, ich bekomme sie nicht zum Stillstand. Meine Finger zittern, egal was ich anpacke. Jetzt, da Micky im Bad verschwunden ist, merke ich, dass ich keine Ruhe brauche. Die Ruhe ist mir viel zu viel. Ich brauche, verflucht noch mal, einfach nur Ablenkung und irgendwann, wenn ich mich besser fühle, muss ich mit Kati reden. So können wir nicht auseinander gehen. Aber ich hab, verdammt noch mal, die Verpflichtung mit ihr zu reden. Das schulde ich ihr. Aber ob sie’s überhaupt interessiert, das glaub ich fast nicht.

Wer ist schuld an dieser Misere? Wenn man’s genau nimmt, könnte ich es Max in die Schuhe schieben. Immerhin hat er Chris heute auf dem Silbertablett serviert. Oder Chris selbst, der den Mund einfach nicht halten konnte und seine Finger an mir hatte. Tjard wäre ja auch noch da zum Kopf hinhalten. Immerhin hat der das Ganze ins Rollen gebracht und letztendlich gibt es da noch Best-Friend-Micky, der mich mit seinem Ständer und seinem Homogehabe, diesen zweideutigen Sprüchen, dermaßen provoziert hat, dass meine Neugierde zum Leben erwachte. Aus irgendeinem unbekannten Dornröschenschlaf rausgerissen wurde.

Der Gedanke an die letzten Tage bewegt was in mir. Und an mir! Fuck! Der Druck von heute Morgen kehrt soeben zurück. Micky steht unter der Dusche. Ich könnt ja mal zu ihm gehen. Mir einfach von ihm holen, was er mir vor drei Tagen verwehrte. Ich finde ja, er schuldet mir noch was. Soll er mal in Reue baden. Till ist schließlich nicht da. Geht schon, oder? Mich haben sie ja auch am Junggesellenabschied zu einer … na ja … Dienstleisterin geschickt, obwohl ich heiraten wollte. Ist ja auch Fremdgehen, oder? Till kann ja später noch, denke ich, stehe auf und öffne die Badezimmertür. Mir ist alles Recht, um meine Gedanken zu löschen, oder wenigstens für ein paar Stunden umzulenken. Der Schock sitzt noch tief. Schock über die Erkenntnis, dass ich eigentlich nichts anderes mehr will, als einen Mann.

Chris war schon sehr deutlich in seiner Sprache. Aber der ist weg. Max hat auf ahnungslos getan, als Micky ihn nach Chris fragte. Das hat er nur für mich gemacht. Sich wie ein Depp durchgefragt. Micky hat fast alle angesprochen, die irgendwie noch verstreut am Standesamt anwesend waren. Aber Chris war bereits weg und gekannt hat ihn sowieso niemand außer Max.

Mit Chris ging auch die Wärme. Sogar der Jaguar fuhr irgendwann vom Schlossplatz. Bemerkt, dass Kati an mir vorbeikam, hab ich nicht. Überhaupt, kein einziger Blick hat mehr mir gegolten. Es wundert mich nicht. Ich bin ein Arschloch. Ein versnobter Wichser. Kati hat in der Tat was Besseres verdient. Nicht so einen armseligen Typ, der glaubt, schwul zu sein und auf der ganzen Linie geradewegs scheitert.

Micky betrachtet mich aus dem offen gehaltenen Duschplatz heraus. Doch ich schweige. Stehe nur da und starre durch ihn durch. Am Rande realisiere ich, dass er mit Duschen fertig ist und sich abtrocknet. Kurz hält er inne und lässt das Handtuch anschließend fallen.

„Hast du immer noch Druck?“ Es könnte jetzt spöttisch klingen, tut’s aber nicht. Er weiß wohl ganz gut, wie ich mich im Moment fühle. Mein Blick gleitet nach unten, direkt auf seinen Schwanz, der samtig nass schimmert und sich geradewegs am Strecken ist.

„Seid ihr ein Paar? Du und Till?“

Micky lacht bei meiner Frage leise auf und schüttelt verneinend den Kopf. „Nein, Cam. Wir mögen uns und wissen, was wir voneinander wollen. Aber darüber hinaus… Ich mag diese kleinen Kerle, aber ich bin nicht auf der Suche nach was Festem. Und wenn, na ja, wenn … dann wäre es vermutlich so ein Kleiner wie der Tim aus dem Black Stage. Der ist genau das Kaliber, das ich suche. Da laufen ja noch mehr so Süße rum. Der Noah zum Beispiel, oder der Marc. Das sind die Kleinen, aus denen der Stoff meiner Träume gemacht ist und …“

„Noah?“ Ich fasse es nicht! Und doch, ich kann’s mir irgendwie vorstellen. Noah wäre genau Mickys Typ. Noah auf Micky. Das Katerchen auf dem Muskelberg. Jetzt kann ich ihm wohl nicht mehr sagen, dass ich es gestern mit dem Mann seiner Träume gemacht hab.

„Kennst du den?“, fragt Micky da auch prompt.

War ja klar, ne? Diese Nachfragerei immer. Hätte ich lieber mal den Mund gehalten und den erstaunten Ausruf einfach geschluckt, anstatt diesen im Bad zum Besten zu geben. Eigentlich gehört Fragen stellen ja eher zu meinem Berufsstand.

Ich verziehe den Mund und winde mich um die Antwort. „Na ja … bisschen vielleicht.“

„Ein bisschen vielleicht? Im Black Stage kennt man niemanden nur ein bisschen. Entweder ja oder nein?“ Doch dann blickt er auf, mir direkt in die Augen. Ein Schatten legt sich auf das Blau seiner Iris, bevor er sich fasst und dann doch wissend nickt. „Du warst gestern mit Noah zusammen, ja?“

„Na ja … bisschen vielleicht!“

„War’s gut?“

„Na ja …“

„… bisschen vielleicht?“, äfft er mich da auch schon nach und lacht auf. „Ich sag dir mal was, Cam, alter Freund. Ich bin nicht eifersüchtig. Noah ist ein Prostituierter. Genau wie dein Chris. Kein Mann, mit dem ich mir eine Zukunft aufbauen könnte. Wie war’s denn nun? Ziemlich gut oder nur ein bisschen gut?“

Jetzt hat er ja doch noch mal nachgefragt. Ich hab gehofft, ich komme um die Antwort drum herum. „Es war gut, Micky. Weder ziemlich gut, noch ein bisschen gut. Noah weiß, was er tut und hat mich mal kurz über den Rand des Abgrundes schauen lassen. Geschickte Finger, flinke Zunge und verdammt eng war er auch. Reicht dir das?“, antworte ich und grinse dann doch noch los. Ja, ich geb’s ja zu. Es war nahezu grandios. Nahezu aber nur …

„Dafür, dass du Kati heute hast stehen lassen, klingst du nicht sehr begeistert.“

Wenn du wüsstest!

„Ich dachte, du schäumst nach deinem ersten Erlebnis über vor Glück. So war’s zumindest bei mir.“

„Na ja …“ Ich winde mich schon wieder. Raus jetzt mit der Sprache, Cam. Das ist nur Micky. Er hat die Wahrheit verdient.

„Vielleicht war’s nicht der Richtige? Es war gut, Micky. Bisschen mehr als nur gut. Der Kleine hat mich fliegen lassen. Nicht zu vergleichen mit … einem Mädchen. Ich bin unter dem explodiert. Aber … ich finde, da hat was gefehlt. Die Lava, weißt du?“

Mickys Brauen schieben sich in die Höhe. Eine Falte legt sich wie ein Fragezeichen auf seine Stirn. Dann schnauft er aus und schüttelt den Kopf, zuckt ein bisschen spöttisch mit den Mundwinkeln, bevor er zum Ernst des Lebens, meines Lebens, zurückfindet. „Lava? Weißt du, Cam, es kommt ja immer auch ein bisschen darauf an, in welcher Stimmung man ist und … Wie bei uns am Dienstag … “

Ich glaub, dem wird gerade mächtig heiß. Pech, Micky. Dein Handtuch liegt unten. Bück dich nur! Du wirst meinen Blick also ertragen müssen, der, so leid es mir tut, intensiv auf deinem Ständer ruht. Ben Hur, du weißt schon! Mein Grinsen, so absurd es an einem Tag wie diesem auch ist, wird immer breiter. „War’s denn am Dienstag gut für dich?“, hake ich interessiert nach, lasse ihn nicht mehr aus den Augen.

Jetzt lüg mich mal an, Alter!

Dann bin ich mal Raubtier. Was Chris sagt, muss ja irgendwie stimmen. Hat ja Erfahrung, der Callboy. Meine persönliche Droge. Gooott, fuck you! Ich fühle mich gerade wieder ein bisschen besser. Der Zwang von heute Morgen, ja, eigentlich von der gesamten Woche, der auf mir lastete, der weicht mit jeder Sekunde, die ich hier mit Micky stehe, immer mehr. Eigentlich … könnte ich ja jetzt auch das machen, wofür ich Kati verlassen hab. Muss sich ja auch irgendwie gelohnt haben, oder?

„Hmhm“, bestätigt Micky leise und ich hab’s mir ja fast schon gedacht. Ich bin mir sicher, dass er soeben gecheckt hat, warum ich hier überhaupt stehe.

Blicke deuten und so’n Zeug. Weißt schon, Micky, klar ne?

„Wieso hast du mich wirklich abgeblockt?“, bohre ich weiter.

„Weil du mein Freund bist, Cam. Das wäre nicht gut gegangen und der Meinung bin ich immer noch. Und dann stand da noch Till. Ehrlich gesagt, bin ich davon ausgegangen, dass dein erstes Mal nicht in einem Dreier enden sollte. Du stehst nicht auf Till, das ist okay. Wie kommt es dann eigentlich, dass du Noah rangelassen hast? Das ist doch auch so ein Kleener.“

Neee, oder? Soll ich dem jetzt den Unterschied zwischen Miezen und Katern erklären? Ich weiß ja selbst, dass es nicht das Nonplusultra war, was es vielleicht hätte sein können. Ja, es war schon geil und hat mich Kraft und Selbstbeherrschung gekostet, aber … mir fehlt da leider der Vergleichswert.

Wie wär’s erst mit dir, Micky? Oder … mit Chris, den ich nicht haben kann und der einfach abgetaucht ist? Aber du bist da, Micky. Von Till weit und breit keine Spur. Da ist auch immer noch der Druck! Auf meinen und auch auf deinen Eiern. Ich seh’s dir doch an und bei mir, da spüre ich’s.

„Er war da. Ihr nicht!“ Ich finde, das reicht als Erklärung und Micky runzelt erneut die Stirn.

„Ihr? Du redest schon wieder von Chris? Der hat’s dir angetan, was?“

„Weißt du, Micky, Chris ist ein Callboy. Kein Mann, mit dem ich mir eine Zukunft aufbauen könnte“, benutze ich seine Worte von eben und Micky schnaubt aus. „Ben Hur hat Lust!“ Ich grinse weiter und will so gern die Spannung lösen, die zwischen uns steht.

Fuck, ja! Das will ich wirklich gern! Denn über Chris möchte ich eigentlich gar nicht mehr reden. Es tut … Ja, was eigentlich? Ich glaub, es tut einfach nur weh.

„Zeig mir deine Welt, Micky. Ich möchte so gerne wissen, wofür ich Katis Leben zerstört hab.“

Ich greife an meine Jeans und knöpfe sie auf. Knopf um Knopf um Knopf. Offensive ist immer gut! Mickys Augen folgen jeder meiner Bewegungen, jedem Knopf, den meine Finger durch dessen Knopfloch drücken. Seine Atmung wird flacher und seine Lippen öffnen sich leicht. Das Spiel seiner Muskeln macht mich an, macht mich irrsinnig heiß.

Du siehst gut aus, Micky. Lecker bist du. Glatte Haut über Stahl gespannt, knackige Arschbacken und kräftige Beine. Dazwischen eine Latte und ein anständiges Gehänge. Willst du mich? Komm her, Micky. Du kriegst mich.

Mein Ego erwacht. Das ist eine klasse Ablenkungstaktik, die immer zieht. Ich fühle mich gerade saugut. Cameron is back. Ein bisschen Snob, ein bisschen Arsch! Show must go on! Ich will’s genießen, bevor die Leere wieder zurück kommt, mich aushöhlt und den Schmerz über Katis und auch Chris’ Verlust wieder real werden lässt.

„Komm her, Muskelmann! Zeig’s mir, Micky.“ Ich locke ihn mit Worten. Micky kennt das von mir und da kommt Bewegung in ihn. Er nähert sich. Erst einen Schritt. Dann einen zweiten. Kurzerhand ergreift er den Saum meines, eigentlich seines, Shirts und zieht es mir über den Kopf. Das Beben setzt ein. Genau in dem Moment, als er mich berührt, meine Haut streift und sie bitzeln und kribbeln lässt. Woah … Ich hab’s schon vermisst. Heftig und schnell spült diese Welle des Verlangens einfach über mich hinweg. Seine Hände sind beinahe grob auf meinem Oberkörper unterwegs und doch fühlt es sich so unendlich gut an. Ohne Pause macht er gleich weiter, schiebt die Jeans über meine Hüften und nimmt die Boxer gleich mit. Gierig leckt er sich über die Lippen, was mir ein Grinsen entlockt.

Das gefällt dir, was? Ich hab ja schließlich auch was zu bieten!

Die Luft ist mittlerweile geladen. Spannung liegt darin. Sein Blick dringt in meinen, seine Finger sind auf mir unterwegs. Ich will, Micky. Jetzt!

„Wir können jederzeit aufhören, Cam“, raunt er und tastet sich weiter vor. Ein bisschen fahrig und doch ziemlich geschickt. Ich schließe die Augen. Möchte das, was Micky mit mir macht, einfach nur fühlen und spüren. Das hier ist definitiv anders. Viel besser. Katerchen Noah mag ja geschult sein, aber Micky ist ein Freund. Ich bebe, hebe wie in Trance die Arme, um auch seine Brust zu erkunden. Gerne möchte ich mehr und eigentlich könnte es auch schneller gehen. Das brauche ich jetzt. Irgendwas, was meine Kraft aufzehren kann. Ich fahre mit den Kuppen über seine ziemlich ausgeprägte Brustmuskulatur, reibe seine Nippel und spüre wie er zuckt. Ein Keuchen entfährt ihm und mich macht’s voll an.

„Ich will nicht aufhören. Mach, das es nicht aufhört, hörst du? Ich möchte jetzt einfach gerne vergessen.“

Seine Finger streicheln, liebkosen, machen mich rasend und geil. Mehr, Micky. Fester! Ich brauche das jetzt. „Mach schon!“ Ungeduld klingt in meiner Stimme. Ich weiß das, aber stoppen kann ich es auch nicht mehr.

Jetzt, Micky!

Mein Puls schnellt nach oben, als er meinen Ständer umfasst. Gooott, das ist gut! Das ist fantastisch gut! Weiter. Weiter. Fester. Ich dränge mich an ihn. Steuern kann ich mich nicht mehr. Micky compact. Eine einmalige Sache, denke ich jetzt mal! Und das, verdammt noch mal, soll krass gut werden. Er geht rückwärts, weicht immer weiter nach hinten aus. Mit einem Grinsen im Gesicht, das mich knurren lässt.

Panther, ja? Dann zeig ich’s dir mal.

„Mach weiter!“

„Mach selbst, Cam!“, lacht er mich an. Prallt an die gemauerte Duschwand und ich gegen ihn.

„Fuck!“ Ich röchele, pulsiere, bebe und schnaufe. Klemme ihn fester zwischen mich und die Wand. Sein Ständer an meinem. Reibung erzeugen! Hitze abgeben! Lusttropfen verteilen! Das ist so verdammt gut. Das ist Hölle. Ich platze gleich und überfalle seinen Mund. Zwänge, begierig auf mehr, meine Zunge hinein. Doch dann schiebt er die Hand zwischen uns. Drückt mich leicht weg und krault meine Eier.

„Hrm.“

Himmel, Junge. Mach weiter. Mach einfach weiter. Ich find’s echt gut.

Während er mich unten quält, quäle ich ihn oben und verschlinge ihn fast. Lecke mich über seine Lippen, die Wange und den Hals hinab. Immer schwerer wird seine Atmung. Immer lauter das Röcheln. Zustimmung pur.

Er umfasst unsere Ständer und ich bin neugierig, will’s wissen und greife auch da hin. Liebkose die Spitzen mit meinem Daumen, während Micky uns beide gleichzeitig pumpt.

Woah, das ist gut. Das ist Hölle. Weiter! Weiter! Seine Lippen verziehen sich, als würde er leiden. Bist schon ein Süßer, Micky. So ein richtig süßes Muskelpaket. Gierig dringe ich mit der Zunge in ihn ein, umtanze und necke seine, roh und wilder. Hart und härter. Und die Verzweiflung in mir wächst und nährt sich an meinen hilflosen Versuchen, meinen Kopf freizukriegen. Ich will mehr. Will weiter gehen. Verdammt, Micky! Ich reiße ihn an mich. Enger. Fester. Will ihn so gerne spüren. Überall auf mir und an mir!

„Lass uns ins Bett gehen“, flüstert er mir zu und gräbt seine Zähne in meinen Hals. Schickt Impulse in mein Innerstes, die mir neu sind und fremd. Rohe Begierde – wenn ich ein Wort dafür bräuchte. Wellenartig strömt es durch mich durch und ich stehe irgendwie neben mir.

„Lass uns ins Schlafzimmer gehen!“, wiederholt er und bekommt ein Blinzeln von mir.

Was hast du gesagt?

„Cameron“, lockt er mich nun sanft. „Bett?“

Joar … was stehst du dann noch rum?

Ich ergreife die Initiative, werde grober, fixiere seine Arme und drehe mich mit ihm um. Schiebe ihn raus aus dem Bad und weiter durch’s Wohnzimmer. Bett ist gut. Tolle Idee! Micky geht rückwärts, durchquert den Wohnraum, passiert die Tür zum Paradies, strauchelt und fällt rückwärts ins Laken.

Das war ich, Alter. Nicht mal gemerkt, was?

In Zeitlupe komme ich über ihn, nehme seine Arme und halte sie neben seinem Kopf gefangen. Lege mich ganz auf ihn drauf. Haut auf Haut. Seine Muskulatur an meiner. Beine zwischen Beinen und so langsam wird’s schwitzig und … krass heiß. Schwer bin ich, weiß ich, doch der hält mich schon aus. Micky ist ruhig. Eher passiv und beobachtet mich und mein Tun. Drückt sein Becken nach oben und zwischen uns pulsiert’s. Ich spüre Ben Hur überdeutlich an meiner Geilheit und schnaufe auf. Von den Lippen bis zu den Zehen, jedes Regen, jedes Zucken, jedes Verkrampfen ist für mich Kino live – und zwar eine Premiere.

„Mach schon, Cam!“ Eine Aufforderung. Deutlich zu hören, trotz pumpendem Atem.

Ich lasse es mir ja auch nicht gerne zweimal sagen. Reibe mich fester an ihm und … oar … Ich explodiere gleich. Irre. Wahnsinn! Ich werde schneller. Das ist ein Trieb. Das bin gar nicht ich! Mein Ständer flutscht ganz automatisch nach unten. Klemmt sich zwischen die kräftigen Schenkel von Micky und der keucht auf. Treibt mich an. Fuck … das ist geil und so eng und so … verdammt nah am Ziel. Micky kommt mir entgegen, hebt sein Becken und öffnet sich mir. Sein Blick ist Versprechen pur und Verheißung nach mehr. „Mach schon, Cam!“

Wow. Ich … Ja, was hab ich mir eigentlich gedacht, hm? Er kennt mich und das leider schon viel zu lange und zu gut. Micky ist kein Noah, der Cameron-Baby an die Hand nehmen wird.

„Ich … mach ja schon … hast du Kondome?“

Er deutet nach links und ich greife in die Schale. Ein Blister und Gleitgel kommen zum Vorschein. „Micky, ich…“

„Kriegst du doch hin, oder?“ Dann grinst er und setzt sich ebenfalls auf. Schiebt sein Bein zwischen meine und sein Knie drückt an meine, zum Platzen gespannten Eier. Ich schaue auf, will was sagen, irgendeinen Spruch raushauen, aber irgendwie … mir fehlen die Worte. Er berührt und streichelt mich, oben sanft und unten gnadenlos. Gänsehaut pur! Doch sanft, das will ich jetzt nicht. Nicht heute. Nicht, wenn ich einfach verdrängen will.

„Gib schon her, Süßer!“

Was?

„Ich zeig dir, wie’s geht!“

Mein Grinsen wird leicht dreckig. Ich schüttle den Kopf, halte die Tube fest in der Hand und dringe mit meinem Blick in ihn ein. Ein einziger Stoß mit meiner flachen Hand auf seine Brust reicht schon aus und Micky fällt rückwärts um. Überrumpelt! Ist ja auch nicht schlecht, diese Taktik.

„Dreh dich um, Micky“, knurre ich ihn an. Ich will’s jetzt wissen. Werde mir nehmen, was mich seit Nächten verfolgt. Micky ist nett. Freund der er ist, legt er sich auf seinen Bauch und streckt den Hintern nach oben.

Magst du es so? Gerne, Micky! Gerne!

Sein Kopf verschwindet im Kissen, doch ich kann ihn noch hören. Das Schnaufen, das Pumpen und die Lust, die ihn leitet. Das Gel ist leicht kühl, als ich’s mir auf die Finger drücke. Ich reibe es kurz, fühle die Konsistenz und … ja, ich kann’s nicht lassen, ich geb’s ja zu, ich rieche auch dran. Es ist geruchlos und schon ein bisschen eklig aber … was muss, das muss. Wird wohl ab heute ein Lebensbegleiter.

Werden wir mal Freunde, hm? Dein Arsch ist herrlich, Micky, weißt du das schon? Wie du ihn mir entgegenreckst, so köstlich fest und schön reif.

Krass! Ist schon lecker, der Anblick! Ich frage mich kurz, wo meine Berührungsängste hin sind, aber das hier ist ja doch schon ganz nett. Scheiß auf die Angst, die da irgendwo in mir lauert. Falsch machen kann ich ja eigentlich nichts. Micky kennt sich aus. Der ist schon sein Leben lang schwul und einen Ben Hur hab ich auch nicht, aber …

„Schläfst du, Cam?“

„Ey, wirst du frech?“ Mein Knurren ist laut. Das ist meine Antwort für ihn, und meine Finger sind dann doch recht fix. Micky keucht auf, als ich über seine Rosette streiche. Immer und immer wieder. Das Gefühl vertiefen. Verinnerlichen! Die Aufregung wächst.

Der Muskel ist fest, arbeitet unter meiner Kuppe. Ich nehme mir Zeit, das Spiel zu betrachten. Umkreise ihn, necke und stupse ihn und beziehe auch seine Eier mit ein. Micky brummt zufrieden auf.

Gefällt dir, hm? Brauchst nicht mehr reden. Deine Reaktion ist mir Antwort genug.

Langsam übe ich Druck aus und gleite mit der Spitze eines Fingers hinein. Enge umfängt mich. Der Muskel zieht sich um meinen Finger zusammen, zieht mich irgendwie rein in sein Inneres und Micky schnurrt los.

Was denn, Micky? Auch ein Kater?

Ich gleite weiter, bohre etwas nach. Mach das schon mit Gefühl, aber ich muss mich auch echt beherrschen. Es ist so neu und so aufregend und … endkrass geil. In mir setzt was aus, mein Puls spielt verrückt. Ich komme mir vor, wie ein einziges großes Nervenbündel, das auf der Spitze eines Gipfels herumturnt.

Weiter! Weiter!

Ich nehme einen zweiten Finger hinzu, schiebe ihn durch den Muskel hindurch, der mich irgendwie jetzt doch ganz gerne zu haben scheint.

„Hrm … gut, Cam. Tiefer. Fick mich mit diesen geilen, langen Fingern.“

Ach Gott, bist du niedlich. Du bettelst? Was sind meine Finger? Ey, Micky! Das hab ich ja von dir noch nie gehört! Aber … ich hab dir ja auch noch nie gesagt, dass mich dein Arsch echt scharf macht. Aber, hey … klar! Kannst du haben. Kriegst noch mehr von meinen Fingern, die dich so scharf machen. Ich weiß ja, Kati hat’s auch gut gefunden.

Kati! Kati! Kati!

Großer Gott!

No way!

Weg!

Verschwinde!

Ich kann nicht … Jesus!

Hit the road!

Micky hilft mir, indem er sich gegen mich drückt. Meine Gedanken verpuffen und ich bin wieder bei ihm. Werde geschickter und irgendwie schneller und bekomme ein Japsen von meinem Kumpel geschenkt. Jedem, wie er es gerne mag, nicht? Ich weiß, bin ein Arsch, aber so ein bisschen Spaß muss schon sein. Micky beginnt sich zu winden und stöhnt immer lauter. Wie war das noch gleich mit der Prostata? Ich kann ja mal suchen. Kann gar nicht weit sein. Weiß ja schon, wo in etwa die zu finden ist. Die männliche Anatomie ist mir ja doch ein Begriff. Aber bei mir hab ich ja noch nie nachgeforscht. Uhh … Ich glaub, ich bin fündig geworden. Ein Röcheln dringt an mein Ohr und Mickys Arsch drückt sich noch weiter ran, bis meine Finger in der Länge verschwinden. Seine Hüften zucken und seine Schenkel beginnen zu beben.

„Gut, Micky?“, flüstere ich und finde es grad voll … schön. Ja, irgendwie ist es richtig schön und eigentlich würde ich jetzt gerne noch was anderes probieren.

„Micky? Ich möchte gerne in dir sein“, hauche ich in sein Ohr, nachdem ich mich über ihn gebeugt hab. Ihn immer weiter massiere und mit der freien Hand seinen Ständer umfasse. Etwas grob vielleicht, aber Ben Hur hält das aus. Ich bekomme gerade so die Finger um ihn rum. Er windet sich unter mir, kracht fast zusammen.

Komm schon, Micky! Muskeln statt Pudding.

Mein Grinsen ist dreckig, auch wenn ich am liebsten losschreien will. Rrrrr … Wieso hat mir niemand gesagt, dass es so sein wird?

„Mach schon, Cam! Aber mach es gründlich!“, dringt es an mein Ohr. Das war doch mal eine Aufforderung! Und was für eine. Die mir die aberwitzige Hitze durch die Glieder jagt und mich jetzt doch ein bisschen schwimmen lässt. Denn mein bestes Stück ist prall und heiß und ich kann’s kaum noch erwarten. Mit den Zähnen reiße ich die Verpackung vom Gummi. Ist ja schon eine Weile her, dass ich so was benutzt hab, aber verlernt hab ich es auch nicht. Drübergerollt und … auf die Lippen gebissen. Gooott, meine Pumpe.

Micky, verzeih mir, ja? Ich mach’s irgendwann wieder gut. Aber jetzt, jetzt bin ich einfach nur scharf! Scharf auf das Neuland, scharf auf dich und begierig darauf, ins Vergessen zu fallen.

Ich knete seine Backen und spreize sie für mich. Fest sind die, muskulös und einfach nur geil. Kann man so richtig schön reingreifen, ohne ein entrüstetes Quieken zu ernten. Ist schon ein schöner Anblick, so ein leckerer Arsch von einem echten Kerl. Einmal noch treibe ich ihn mit den Fingern nach vorne, bis er zurück in das Laken sackt, seinen Oberkörper ablegt und seinen Hintern damit auf eine für mich schöne Höhe schickt.

Ich komme jetzt zu dir, Micky. Bin gleich bei dir!

Ich positioniere mich hinter ihm und necke ihn weiter. Gleich! Gleich … Uhm … ich keuche laut auf. Meine Nerven flattern davon und ich beginne, mein Ziel zu verfolgen. Hab meinen Schwanz in der Hand und drücke immer weiter. Millimeter um Millimeter. Es werden Zentimeter. Ein oder zwei. Krass, ist das eng und so fucking good. Der weiche Muskel umschließt meine Spitze, schmiegt sich drumherum und raubt mir die Luft. Alles in mir ist zum Zerreißen gespannt. Mein Unterleib bockt nach vorne. Ich vibriere, erschauere und meine Muskulatur zieht sich krampfhaft zusammen. Wie ein Bogen gespannt, schiebe ich weiter. Ich will da rein! Will mich versenken und keuche laut auf. Irgendwie muss ich mich beherrschen und … schaffe es nicht ganz.

Fuck, Micky! Es tut mir leid, ja?

Dann stoße ich zu. Schaffe mir Platz und gleite rein ins Verderben. Rein in die Enge, die sich mir regelrecht anpreist, entgegenstreckt und mich willkommen heißt. Micky grunzt auf.

„Gooood, I’m sorry!“ Doch eigentlich … ist’s schon zu spät. Micky entspannt sich, als ich ihm meine Hand reiche, er sich festhalten kann und knirscht mit den Zähnen. Hält seinen Mund und lässt mich mein Tun weiter vertiefen.

Bist schon ein guter Freund, ehrlich! Aber Kraft hast du schon, was?

Denn meine Hand wird zerquetscht. Mit jedem Stoß ein bisschen mehr, die für mein Empfinden eigentlich immer geschmeidiger werden. Ich werde fester und drängender, nehme, was ich mir scheinbar sehnsüchtig herbei gewünscht hab. Hemmungslos, triebgesteuert, rau und gewaltig. Es ist so gut! So gut, dass es nach so viel mehr schreit. Halt mich an Mickys Hüfte fest, kralle mich regelrecht rein, in das feste Fleisch. Lausche dem Atem, dem Dröhnen des Stöhnens und fühle mich frei wie lange nicht mehr.

„Himmel, Cam!“ Seine Stimme ist rau, klingt wie der Wunsch nach Erlösung. Ich hab’s verstanden! Bin gleich soweit! Bemerke noch, wie Micky sich selbst Hand anlegt und schließe die Augen. Versinke in dem Strudel der Lust, der das Hier und Jetzt einfach auszuschalten vermag. Seine Hand liegt fest in meiner verankert, drückt zu und überträgt die letzte Kraft dann auf mich. Alles dreht sich, zieht sich zusammen, fixiert sich und kanalisiert sich auf dem Gipfel des Sturms in mir. Noch ein paar Mal stoße ich zu und nehme alle Kraft, die ich aufwenden kann.

„Oar … Micky … Fuck!“

Schwer stütze ich mich auf ihn und schiebe ihn damit so weit nach vorne, dass sich mein Halt verliert. Heiß und sämig strömt es aus mir heraus, während ich schwer atmend und mit Knochen aus Blei auf seinem kräftigen Rücken zusammenbreche.

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Bericht Re: Duits | Eigentlich ... door Redactie » woensdag 19 augustus 2015 14:29

9.


Surreal! Ein Wort, das ich seit besagtem Samstag nach meinem Junggesellenabschied als Lebensbegleiter in meinen Gedanken mit mir herumtrage. Ich blinzele und schließe schnell wieder die Augen. Das Tageslicht des hereinbrechenden Samstags dringt durch die Billigjalousie ins Schlafzimmer, welches nicht meines ist. In das doch recht chaotische Schlafzimmer, das gestern für mich ein Paradies auf Erden war. Ich bin bei Micky!

Ein bisschen beschämt schaue ich zur Seite, finde mich in unmittelbarer Nähe meines, seit Kindertagen besten Freundes wieder und schließe abermals die Augen. Versuche, in die Realität zu finden. Micky schläft noch. Ich weiß ja, dass er ein Langschläfer ist. Faulpelz und Baby zugleich. Denn meine Beobachtung von letztem Samstag treibt mir ein dreckiges Grinsen auf’s Gesicht. Micky schnurchelt und schmatzt wie ein Kleinkind, das seinen großen Schnuller vermisst.

Verdammt, Micky, ich hätte da was für dich! Warm, prall und bereit und wenn du ein bisschen daran saugst, kommt auch ein Schuss Milch mit raus.

Woho … dieser Gedanke erschreckt mich dann doch! Ich richte mich schnell auf und die Schläfrigkeit verschwindet blitzartig.

War das jetzt ein Déjà-vu? Sieben Tage vorher …

Es kommt mir vor, als lägen Welten dazwischen. Wenn ich mir Noah mal wegdenke, muss ich mir wohl eingestehen, dass ich gestern den ersten, weltbesten Homosex meines Lebens hatte. Und wie gut der war! Jetzt mal ehrlich! Heiß und gewaltig und, wenn man den Faktor Micky dazurechnet, auch irgendwie ein bisschen gruselig. Mein bester Kumpel hat mich rangelassen. Mich! Die Hete schlechthin. Immer mit einem dummen Spruch auf Lager und keine Gelegenheit auslassend, ihm meine aktuellen Miezen provozierend vor Augen zu führen. Warum nur bin ich davon ausgegangen, dass es einen Homo stören oder ihm gar was ausmachen könnte? Nach diesem Erlebnis? Heute ist irgendwie alles anders. Verrückt! Dabei liegt nur eine Nacht zwischen dem Gestern und dem Jetzt.

Aber meine Entscheidung ist gefallen, irgendwie. Sie hat mein Leben auf eine Art und Weise zertrümmert und doch, das muss ich wohl einsehen, auch ein Stück weit befreit. Ich starre auf die Sporttasche, die Micky mir gestern noch von zu Hause besorgt hat. Echter Freund, der er ist. Mit vier roten Abdrücken im Gesicht und leicht sauer, kam er dann doch irgendwann wieder.

„Was ist denn mit dir passiert?“

„Das ist die Backpfeife von Kati, die wohl eher dir gelten sollte. Willst du, dass ich sie weiterreiche?“, ließ er mich wissen und ich konnt’s mir ja doch nicht verkneifen und lachte laut auf. Bisschen hysterisch vielleicht, denn gleich danach hab ich losgeheult. Und zwar so richtig. Alles rausgelassen, was sich seit Tagen in mir angestaut hatte. Ich ging in die Knie und die Magie des ersten Sex mit Micky verflog, kaum dass ich noch mal geblinzelt hab.

„Warum ausgerechnet du?“ Ich konnt’s nicht fassen. Kati soll das gewesen sein? Meine Kati? Die kleine, niedliche Kati-Katze? Krass! Aber hab ich nicht die Tage noch gedacht, auch Katzen können ihre Krallen ausfahren? Micky hat sich einfach neben mich fallenlassen und mich so lange gehalten, bis meine Tränen versiegten.

„Weil Kati glaubt, dass es wegen mir ist. Ob es mir Spaß gemacht hätte, dich so lange zu bearbeiten, bis du davon überzeugt warst, schwul zu sein.“

Krass, dachte ich. Das soll Kati gesagt haben? Ich war geschockt. Ehrlich wahr! Ein bisschen wenigstens, bevor ich mich vor ihn kniete, mit meinem Blick streichelte und das machte, was er wohl auch für mich getan hätte. Ich hab mich über die Striemen geküsst, meine Hände um seine Wangen gelegt und meine Lippen anschließend auf seine gedrückt. Als Dankeschön fürs Wange hinhalten! So fest, so … na ja … irgendwie auch entschuldigend, bis Micky rückwärts umgekippt ist.

„Sie wird lange brauchen, bis sie nicht nur versteht, sondern auch akzeptiert. Wenn überhaupt! Deine Art war nicht unbedingt die feine Englische“, grunzte Micky unter mir und irgendwie hatte er ja auch ein bisschen Recht. Eigentlich … sogar mehr als nur ein bisschen! Wir haben uns auf dem Boden geliebt. Na ja, ich hab ihn überfallen und er hat’s mit sich machen lassen. Denn ich hab beim zweiten Mal so ein bisschen auf Großwildkatze gemacht. War nicht aufzuhalten.

„Du wirst lernen müssen, deine Gier ein wenig zu zügeln“, hat Micky danach gelacht, sich den Hintern gerieben und meinen fest in seine Pranken genommen. Mich an sich gezogen und dann ist er ein bisschen albern geworden. „Dein Prachtbursche ist nicht gerade klein, Cam. Heute werde ich wohl nicht mehr sitzen können. Deswegen muss ich dir deinen Hintern noch ein bisschen durchkneten, bis du damit auch nicht mehr sitzen kannst.“

Das Abendessen hatten wir dann im Liegen auf der Couch eingenommen. Pizza und Bier gab’s, statt ein Buffet mit vierzig verschiedenen Köstlichkeiten, das für die abgeblasene Hochzeit herhalten sollte. Ich kann nur hoffen, dass es nicht vergammelt ist und sich die Mitarbeiter des Catering-Unternehmens einen schönen Abend mit Freunden damit gemacht haben.

Es ist schon schön, wenn man Freunde wie Micky hat. Doch komme ich mir irgendwie leer vor. Meine Güte, klingt das blöd, aber mir fehlt was, ehrlich wahr! Nicht greifbar. Nicht fassbar. Nicht in Gedanken oder in Worten zu formulieren. Micky kann ich das nicht sagen. Da käme ich mir irgendwie schäbig vor. Ein bisschen zumindest.

Nun sitze ich hier neben ihm im Bett und betrachte seine Nacktheit, seine Entspanntheit, seinen Hintern, der in der aufgehenden Sonne schön hell schimmert im Gegensatz zu dem Rest seines Körpers. Mein Grinsen vertieft sich wieder. Sein Hintern sieht wie ein Ziel aus. Mein Ziel! Mein Ankommen. Ich hab mich gestern geoutet. Da war ich wohl mal schnell. Ein Outing, noch bevor man selbst zu hundert Prozent realisiert hat, dass man wirklich schwul ist. Auch jetzt weiß ich noch nicht, ob es wirklich so ist, aber gerade möchte ich nichts daran ändern.

Vielleicht, so sinniere ich, werde ich ja eines Besseren belehrt, wenn mir die nächste Mieze vor die Füße läuft. Oder wenn … Ja, wenn was, eigentlich? Ich weiß es nicht. Jetzt bin ich erst mal alleine. Nicht körperlich, aber irgendwie … na ja … doch! Ich fühle mich leer, obwohl Micky meine unausgesprochenen Wünsche nun zweimal erfüllt hat. Kalt ist mir nicht mehr, aber ein bisschen schlecht. Mulmig. Ich hab was verloren und eine Scheißangst davor, dass ich es wieder zurückhaben möchte. Kati… oder was auch immer. So weit bin ich noch nicht. Meine Gedanken blockieren an genau dieser Stelle. Ich komme weder vorwärts noch rückwärts.

Chris war’s, der Arsch. Der hat mich verwirrt. Reingezogen in diesen Strudel der unbekannten Lust, die sich zwischen Männern anbahnen kann. Er hat mir bewiesen, dass ich nicht der bin, der ich gerne sein wollte. Nachdem ihm das gelungen war, ist er einfach untergetaucht. Eigentlich hätte er mich doch mitnehmen können, auf eine Reise in mein eigenes Ich. Aber er hat anscheinend ein größeres Ego als ich. Chris ist eiskalt und ein bisschen hab ich wohl der Wahrheit auf den Zahn gefühlt, als ich ihm vorgeworfen hatte, dass er keine Gefühle kennt.

Sein Freund Max erreicht ihn nicht. Vielleicht sagt er das auch nur und will Chris auch gar nicht für mich kontaktieren. Vielleicht ist Max auch sauer, weil ich seiner guten Freundin wehgetan hab. Frage mich nur, wie lange die beiden noch befreundet sein werden. Kati hat wohl über wenige Stunden hinweg ihre Meinung und Toleranzgrenze in Bezug auf Homosexuelle geändert. Zumindest hat Max mit den Schultern gezuckt, als Micky ihn gestern noch mal aufsuchte.

„Cam sucht Chris? Das tut mir leid, aber da kann ich nicht weiterhelfen. Cameron sollte das besser mal lassen. Wenn Chris nicht erreicht und gefunden werden will, dann will er das nicht. Er geht nicht ans Telefon. Sein Handy ist seit heute Mittag schon ausgeschaltet.“

„Aber er ist doch dein Kumpel oder … seid ihr etwa zusammen?“, hat Micky ihn gefragt.

„Chris und ich?“ Max hat aufgelacht, sich fast geschüttelt, weil der Gedanke ihm offensichtlich Spaß gemacht hat. „Chris ist ein guter Freund von mir, ja. Der hat nicht viele Freunde und die wenigen, die er hat, reichen ihm. Chris ist eher der Typ Einzelgänger und kommt immer mal bei mir vorbei, wenn er sein Herz ausschütten will. Aber eine Beziehung möchte er nicht. Das ist wohl auch ein wenig berufsbedingt. Der arbeitet im …“

„Wissen wir“, lautete Mickys knurrende, knappe Antwort und seine Worte kurz darauf an mich, als er wieder in seiner Wohnung angekommen war, waren so deutlich, dass es schon richtig wehtat.

„Vergiss den, Cam. Dein Chris ist eine männliche Hure. Träum von ihm, wenn es das ist, was dich heiß macht. Aber vergiss den. Max hat schon Recht, wenn er sagt, Chris ist kein Beziehungstyp. Gleiches gilt für mich in Bezug auf Noah. Die zwei leben in einer anderen Welt.“

Wie jetzt, fragte ich mich? Ist das nicht unsere Welt? Die so grau und unreal wirkt? Hatte geglaubt, ich sei jetzt auf dem gleichen Spielfeld angekommen und gerade dabei, die Regeln zu lernen.

„Cam!“, ermahnte Micky mich und klang ein bisschen nach meinem Vater, dem Oberboss. „Chris und Noah und wie sie alle heißen, verkaufen sich und ihre Körper. Jeden Tag mehrmals. Geilen andere Typen auf, ficken sie oder lassen sich ficken. Das sind Profis. Die schalten in ihrem Job ab, was das Zwischenmenschliche angeht. Klar, lassen die es einen glauben, dass man für die bezahlte Stunde der begehrenswerteste Mann aller Zeiten ist, aber du bist doch nicht dumm, oder? Du brauchst Abstand. Abstand von der letzten Woche, von Kati und von dem Leben, das du gelebt hast. Greife nicht nach den Sternen, da du eben erst gelandet bist. Natürlich steht dir die Möglichkeit jederzeit offen, deine Gier von dem Mann befriedigen zu lassen, der da scheinbar für dein Chaos verantwortlich ist, aber setze keine Erwartung hinein, ja? Versprich mir das! Du kannst hier pennen, solange du willst und bis du mit Kati gesprochen hast. Mit ihr geregelt hast, was es zu regeln gibt. Ihr werdet euren Hausstand auflösen oder aufteilen müssen. Einer von euch wird die Wohnung vermutlich übernehmen. Meine Güte, Cam. Da hast du heute Morgen wirklich eine Bombe platzen lassen.“

Hab ich. Aber das Ausmaß ist mir noch nicht so ganz klar. Ich könnte mich jetzt an ihn kuscheln, aber eigentlich … wäre ich lieber alleine und Till möchte Micky vermutlich auch gerne mal wieder für sich haben. Und Micky? Der würde einer Begegnung mit seinem Nachbarn sicher auch nicht abgeneigt sein. Immerhin hat Micky mir zweimal seinen Hintern hingehalten und würde Ben Hur vielleicht auch gerne mal wieder einem anderen Zweck zuführen. Till kann da behilflich sein. Der hat ja auch so einen süßen Arsch wie Katerchen Noah. Till kann auch sicher noch ein bisschen mehr bei Micky machen, was ich ja absolut nicht über mich bringe. Ja, verdammt! Ich geb’s zu. Alleine der Gedanke daran, einen Schwanz in den Mund zu nehmen, verursacht mir Bauchschmerzen. Ich bin halt doch eine Memme. Wo ich in der Heterowelt ein ganzer Kerl war, bin ich in der Homowelt wohl eher in der Kategorie Pantherbaby einzustufen. Von wegen Großwildkatze. So ein kleines Baby bin ich, das erst mal wachsen will und die Krallen ausfährt, um sich nicht vor Angst sein Fell vollzupinkeln.

Am Montag hab ich frei. Eigentlich hab ich jetzt sogar drei Wochen lang frei. Die Flitterwochen hat Kati hoffentlich abgesagt. Reiserücktrittsversicherung sei Dank! Ab Mittwoch werde ich wohl wieder in die Kanzlei gehen und hoffe, dass ich Montag oder Dienstag einen Zeitpunkt erwische, alleine in die Wohnung zu kommen. Ich brauche noch ein paar Sachen. Das ist geradezu ein Witz, was Kati ihrer Freundin Isabelle für meine Tasche hingeworfen hat. Aber verdenken kann ich ihr das auch irgendwie nicht. Der kleinen Kati-Katze. Tut mir echt leid, weißt du?

Ich hätte noch eine ganz andere Abreibung verdient. Eigentlich! Arsch, der ich irgendwie durchgehend bin. Du bist schon ein Drecksack, Cam. Das kann man nicht anders betiteln. Jedes andere Wort wäre schon positiv angehaucht.

Den schmatzenden, schlafenden Muskelberg alias Micky betrachte ich immer noch. Kein Wunder, dass meine Morgenlatte noch nicht mal im Ansatz daran dachte, wieder ein wenig abzuschwellen. Es wird auch nicht besser, wenn ich mir den flaumig weichen Hodensack angucke, der zwischen seinen Schenkeln hervorblitzt. Wenn ich mir dann noch seinen Penis betrachte, der sich da auch irgendwie weich und samtig präsentiert, als würde es eine ordentliche Portion werden, sobald die Freiheit es zulässt, merke ich, wie ich einfach nur hinpacken will. Ob Micky meinen brennenden Blick spürt, kann ich nicht genau sagen, aber er regt sich. Murmelt was, schnurchelt auf und dreht sich wie eine Schildkröte auf seinen Rücken. Grinst, noch bevor er die Augen überhaupt aufgemacht hat.

„Na, Cam? Denkst du schon wieder zu viel?“

Arsch, echt! Guck mich doch erst mal an, bevor du einen Satz raushaust.

„Auch guten Morgen“, brumme ich zurück. „Hab gerade überlegt, wie ich dich noch mal flachlegen kann“, versuche ich mich in einem Scherz, der eigentlich gar nicht so witzig gemeint ist und Micky verschränkt die Arme hinter seinem Kopf und … lässt die Augen einfach zu.

„Kannst dich auf mich setzen, Cam. Warte noch eine Minute, dann ist Ben Hur bereit, deinem jungfräulichen Arsch einen wunderschönen guten Morgen zu wünschen!“

Ey! Ich kneife ja schon die Backen zusammen, kaum, dass Micky den Satz zu Ende gesprochen hat.

„Ich glaub, ich gehe mal duschen!“ Besser ist das. Geerdet sein, heißt ja nicht, dass man es überstürzen muss. „Soll ich dir Till schicken?“

Jetzt ist es wirklich ein Scherz, der bei Micky leider nicht ankommt. Der schnaubt, legt Hand an und öffnet endlich die Augen. „Lass mal gut sein, Cam. Ich wichse hier und du kannst die Dusche benutzen. Sieh zu, dass deine Sauerei auch von den Kacheln verschwindet.“

Ich tue es. Hole mir einen runter und … denke dabei an Chris. An diese total schöne Hand, diese grandios schönen Finger, die sich nun schon zweimal um meinen Schwanz gelegt haben. An diese Lippen, die sich auf meine gepresst, oder mich auch mal sanft angehaucht, aber beide Male in den Wahnsinn getrieben haben. An seine Augen, die wie ein Anker in mir festgehangen und so tief geblickt haben, dass ich mir vorgekommen bin wie umgestülpt. Und an dieses grundgeile Piercing, das meinen Schwanz zu Stahl werden lässt. Meine Sahne kommt schwallartig, entlädt sich in mehreren Schüben und entlockt mir einen Ton, der einer Großwildkatze ernsthaft Konkurrenz machen könnte. Ha! Das Baby wird schnell groß und das Wichsen geht auch gut von der Hand. Schneller als gedacht, schneller als üblich, weil es mich einfach mitreißt. Der Schmerz, weil Chris für mich unerreichbar ist, spült meine Leere kurzzeitig weg.

„Deinen Namen, Chris, kann man sicher auch gut stöhnen“, keuche ich, als ich mich wie betäubt an die Wand der Dusche lehne und die Erinnerung an Donnerstagabend zermürbend in mir arbeitet. Hätte er in der dunklen Seitengasse einfach weitergemacht, wäre ich gekommen. Ganz sicher sogar! Vierhundert Euro! Arsch, ehrlich wahr! Klar, ist ja glatt ein Schnäppchen. Mann, Cam! Positiv denken! Dreiunddreißig Prozent Rabatt. Kannst du mächtig stolz drauf sein. Dann beiß ich mir auf die Lippen, weil die Bitterkeit mich innerlich zerreißt und die Leere in mir soeben neu definiert. Es wäre ja auch ein bisschen zu einfach, wenn sie von alleine weggehen würde. Wäre ja fast geschenkt.

„Ich gehe heute Abend ins Black Stage“, lasse ich Micky wissen, als ich von meinem vierstündigen Marathon durch die Stadt wieder in seiner Bude einlaufe und mit ihm gemeinsam am Tisch sitze um eine Brotmahlzeit einzunehmen. Die Einsamkeit hat mir gut getan. Hat mir geholfen, den Kopf wieder ein wenig freier zu kriegen. Ich hab mich neu eingekleidet, war auf der Bank und hab mich einfach mal treiben lassen. Meine neue Welt mit anderen Augen betrachtet, mich frei bewegt und die Menschen um mich herum ganz anders wahrgenommen, als das sonst so der Fall war.

Ich ernte ein Schnauben und eine hochgezogene Augenbraue. „So eine große Sehnsucht?“

„Muss mit ihm reden.“

„Reden?“

„Ja, verdammt! Was soll die blöde Fragerei, Micky?“

„Sorry! Was glaubst du denn, was er dir zu erzählen hat?“

„Nichts! Ich weiß es doch auch nicht, Mann.“

Eigentlich erwarte ich wirklich nichts. Gar nichts! Nur ein weiteres Game over und einen Gratis-Fall nach unten. Obendrauf möglicherweise noch einen weiteren Schlag ins Gesicht und … vielleicht, aber auch nur vielleicht, ein bisschen das Gefühl, dass er auch auf mich reagiert. Denn das rede ich mir seit Donnerstag ganz gerne und immer mal wieder ein. Seit Freitagmorgen hat sich diese Hoffnung noch ein wenig vertieft. Immerhin hat Chris einen Ständer gehabt, nur, weil er neben mir stand. Und was für einen! Das umwölkte Dunkelgrün seiner Augen hat ja da auch noch eine ganz eigene Sprache gesprochen. Nicht nur seine Präsenz hat auf mich gewirkt, sondern er ist auch auf mich angesprungen. Verbal bestätigt hat er es auch irgendwie. Dumm bin ich ja nicht. Vielleicht verwirrt und leer, orientierungslos und kaputt, aber das Bisschen, das von meinem krass vertrackt denkenden Hirn noch funktioniert, hat diese Information gespeichert, wie … Ja, wie eigentlich? Wie eine Rettungsinsel, bilde ich mir zumindest gerne ein. Und … ich möchte auch gerne noch ein bisschen daran festhalten. Strohhalmklammern – wäre ein gutes Wort dafür.

„Möchtest du reden, Cam?“, holt Micky mich aus den Gedanken und legt seine Hand auf meinem Unterarm ab.

„Hm“, brumme ich, verabschiede mich nur äußerst ungern von Chris in Gedanken. „Weiß nicht.“

„Sieh mal, Cam. Ich finde, du hast gestern einen wirklich mutigen Schritt getan.“

Krass! Echt jetzt, Micky? „Was war daran mutig? Feig wie Hund war ich und hab geheult wie ein Mädchen.“

„Das mal hinten angestellt. Ja, du hättest es nicht bis zur letzten Minute rauszögern müssen, da warst du wohl die gesamte Woche über ziemlich feige und egoistisch!“

Das wird ja immer besser. Leichter Ärger wallt in mir auf und ich entziehe ihm meinen Arm. „Was willst du damit sagen? Glaubst du etwa, es ist mir leicht gefallen?“

„Ganz sicher nicht. Nein.“ Micky fährt sich durch die kurzen Haare. Sieht aus, als würde er verzweifelt nach Worten suchen. Ich glaub ja, er sucht nach einer netten Umschreibung für mein Versagen. Ich weiß ja, dass es auf Unverständnis gestoßen ist. Aber was soll ich denn machen, verdammt noch mal? Kati jahrelang was vorlügen?

„Weißt du, Cam, auf diese Bombe, die du gestern hast platzen lassen und die schon die gesamte Woche lang ihre Lunte entzündet hatte, warte ich jetzt seit über fünfzehn Jahren!“

Woah … Ich glaub, mir fallen gleich die Augen raus und das Brot rutscht mir auch glatt aus der Hand. Hab ich eben noch mit mehr oder weniger Genuss gegessen, bleibt mir der letzte Bissen gerade im Hals stecken und ich verschlucke mich auch prompt daran. Mir fehlen echt die Worte. Wie kann er so was behaupten? „Geht’s noch? Was willst du damit sagen? Das ich seit der Schulzeit schwul bin und einfach nur zu dämlich war, es zu merken?“

Micky lacht, schüttelt leicht den Kopf und isst weiter, als wäre gerade nichts geschehen. Wieder legt er die Hand auf meinen Arm, wartet, bis ich ihn anschaue. Ich bebe und bin echt sauer auf Best-Friend Micky. Das ist ja wohl die Krönung.

„Ich sage nur, was ich seit Jahren an dir beobachte. Glaubst du wirklich, mir ist entgangen, wie du Männern hinterher schaust? Damals schon. Wenn wir unterwegs waren und in der Schule war es noch offensichtlicher. Du warst penetranter als ich, wenn es darum ging, interessante Jungs alleine durch Blicke auszuziehen. Dein Pech, dass die Mädchen dir alle zu Füßen lagen und du dich darin gesuhlt hast, so angehimmelt zu werden. Cameron … dein ziemlich großes Ego und deine Sturheit haben da leider sehr viel zu beigetragen, dass du nicht mal auf die Idee gekommen bist, dich zu fragen, ob das, was du tust, auch das ist, was du willst!“

Gleich ist es soweit, dann fängt Micky eine von mir. Ausgerechnet ich soll in der Schule … Ich presse die Lippen zusammen, bevor mir noch was rausrutscht, was ich später bereuen könnte. Na ja, vielleicht auch eher, um zu verhindern, dass ich ihm ein klitzekleines bisschen Recht geben könnte. Da war mal dieser Junge. Der hatte in der Cafeteria gearbeitet … hm … Und dann der Kapitän vom Volleyballteam …

„Ich hatte Spaß mit den Mädchen!“

„Ganz klar. Warum das so war, ist mir heute noch ein Rätsel. Aber hast du dich jemals gefragt, warum du niemals auch nur zwei Wochen alleine warst, bevor du die nächste abgeschleppt hast?“

Ich schüttle den Kopf. Was hat das denn jetzt damit zu tun? Bin halt nicht gerne alleine. Ist doch legitim, oder? „Ich weiß, dass dich das gestört hat. Du warst immer ziemlich angepisst, wenn ich dir von einem neuen Mädchen erzählt hab. Noch mehr angefressen warst du dann, wenn ich mit dir nicht durch irgendwelche Schwulenbars ziehen wollte, obwohl wir verabredet waren und …“

Krass. War das der Grund, warum Micky immer alles versucht hat, mich dazu zu bewegen einmal alleine und vor allem als Single mitzugehen? Ich glaub, ich werde gerade ein bisschen rot. All die Situationen, die ich mir bildlich aufrufe … Micky hat nichts ausgelassen, um mich mit der Schwulenszene in Kontakt zu bringen. Jedes Mal, wenn ich kurz davor war, dass ich eine Verabredung zu einer Kneipentour seiner Wahl einhalten musste, kam ich mit einem Mädchen daher. Klar, ne? Micky war jedes Mal echt angefressen. Einmal hat er mir sogar an den Kopf geknallt, ich solle doch machen, was ich will. Ich wäre in meiner Sturheit sowieso unbelehrbar.

„Und?“, hakt er da auch schon nach. Ich weiß ja, dass er den Rest meines Satzes jetzt doch ganz gerne hören möchte.

„Nichts und. Verdammt, Micky, du erzählst mir gerade, dass mein gesamtes Liebesleben auf einer Lüge aufgebaut war.“

„Nein. Du hast dich wohlgefühlt, daher war es okay. Glaub mir, Cam. Wenn ich jemals bemerkt hätte, dass du total unglücklich bist, wäre ich schon viel früher auf dich zugekommen. So aber … na ja … Was soll ich sagen? Hinter deiner Ignoranz hätte so viel stecken können. Bisexualität, wäre das erste, was mir spontan dazu einfiele. Es gibt haufenweise Männer wie Frauen, die in einer Heterobeziehung leben und glücklich sind und diese gleichgeschlechtliche Neigung, die sie tief in sich sitzen haben, nie ausleben. Hättest du mir denn geglaubt, wenn ich zu dir gesagt hätte, ich glaube, du stehst auf Männer?“

Woah … Micky geht ganz schön in die Vollen. Reißt bei mir Wände ein, von deren Existenz ich nicht mal wusste. Mir fällt nichts mehr ein. Ich kann gerade nichts mehr erwidern, was seine These widerlegen könnte. Verdammt. Er hat Recht. Jetzt alles abzustreiten, wäre geradezu lächerlich. Seit Tagen habe ich keine Augen mehr für Frauen. Eigentlich … seit Micky mir letzten Samstag sozusagen an die Wäsche gegangen ist. Warum, zum Teufel noch mal, hat er das nicht schon vor Jahren gemacht? All der Zirkus der letzten Tage hätte nie stattgefunden und … ich hätte Chris nie kennengelernt. Kati auch nicht. Oder vielleicht doch? Aber unter anderen Umständen eben und … Ich glaub, ich muss mich jetzt mal ganz krass zusammenreißen.

Mein Muskel läuft gerade wieder zu Hochtouren auf. Der findet’s total aufregend. Ich find’s gerade echt krank. Ja, das ist krank. Noch mehr Szenen aus der Vergangenheit überfallen mich. Bilder, die so eindeutig sind, dass ich mich ehrlich frage, wieso ich meine Lüge nicht selbst enttarnt hab. Wieso mir nie aufgefallen ist, dass ich mich selbst beschwindele. Ich mag Lügner nicht sonderlich … Hab ich noch nie gemocht. Da war einmal ein Freund von Micky, gar nicht lange her, der war … wow … Ich hatte aber nichts Besseres zu tun, als Micky anzuschnauzen, wieso er so einen Typen anschleppt, der meine Verlobte so schamlos anflirtet! Micky hat damals gelacht. „Cam, alter Freund, glaubst du wirklich, Torben steht auf Kati? Dir ist nicht mehr zu helfen. Hast du wirklich nicht gemerkt, wie er dich angeschaut hat und wie er so ganz gegensätzlich mit Kati umgeht?“ Das war dann wohl der Wink mit dem Zaunpfahl gewesen. Mann … das ist mir eben echt zu viel. Mit beiden Händen reibe ich mir verzweifelt übers Gesicht und durch den dunkelbraunen Schopf. Micky ist es, der mich daraufhin umarmt. Mich anschaut und wissend nickt.

„Ich bereue gerade, dass ich nicht doch viel früher den Mund aufgemacht habe. Auch auf die Gefahr hin, dass unsere Freundschaft darunter gelitten hätte, du hättest schon viel eher einen Wegweiser benötigt. Jetzt ist es, wie es ist, Cam. Du hast gestern Größe bewiesen, auch wenn alle anderen anders darüber denken. Ich bin froh, dass du den Sprung über dein riesengroßes Ego geschafft hast. Ab heute, Cam, liegt dir die Welt zu Füßen, ohne dass du eine Lüge leben musst. Es wird nicht immer einfach, aber genauso oft auch verflucht schön!“

Doch ich schüttle den Kopf. Nehme Mickys Hand und drücke sie so fest es geht. Ist gerade wie ein Ventil. Überdruck ablassen. Micky ist dafür bestens geeignet. „Ich glaub, der Drang, nicht mehr alleine sein zu wollen, der hat sich jetzt erst mal erledigt.“

Micky lacht auf und nickt. „Mir war schon klar, warum du immer wieder mit einem Mädchen dahergekommen bist. Dennoch hat’s mich geärgert. Du hast mir somit jegliche Chance vermasselt, dir mal meine Welt zu zeigen, dich ein wenig umzusehen und vielleicht doch von ganz alleine auf den Trichter zu kommen, dass da eine Sehnsucht in dir steckt, die es zu ergründen gilt, sobald du diese mal ausgebuddelt hättest.“

„Du stellst es gerade so hin, als wäre ich nie dabei gewesen.“

„Du weißt, was ich meine. Du warst immer liiert.“

Punktgenau!

„Lass das bloß nicht Kati wissen!“ Meine Stimme ist mittlerweile leise, nachdenklich. Brauche mal ein paar Minuten für mich. Micky hat’s echt drauf, einen komplett aus den Schuhen zu hauen. Aber er hat’s auch drauf, einen danach genauso gut aufzufangen. Krass … was hätten wir gemeinsam für einen Spaß haben können? Also, jetzt nicht intim, so generell gesehen halt.

„Kannst du mich kurz alleine lassen?“, frage ich noch hinterher und Micky erhebt sich.

„Ich gehe mal rüber zu Till!“, lässt er mich wissen und dann wird es still um mich herum.

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